Ehrenmann mit Migrationshintergrund (Interview)

Den Hintergrundbericht zum heutigen Interview findest du hier.

R.: Boas, du hast ja als Israelit eine ausländische Frau geheiratet. War das nicht eigentlich verboten?

B.: Ja, das war eigentlich verboten, und zwar, um den Götzendienst nicht in unser Volk zu bringen. Aber Ruth war keine Götzendienerin; ihr Herz war wesentlich israelitischer als das vieler Angehöriger meines Volkes.

R.: Du bist ja selbst kein ganzer Israelit. Ich habe gehört, du stammst von Rahab aus Jericho ab?

B.: Ja, genau. Und siehst du, sie war nicht nur eine Kanaaniterin, sie hatte auch Götzen angebetet und gewerbliche Prostitution betrieben. Von daher wusste ich, dass ein Mensch nicht von seiner Vergangenheit bestimmt werden muss, sondern alles völlig neu werden kann. Ich hätte Ruth niemals geheiratet, wenn ich nicht auch bei ihr völlig davon überzeugt gewesen wäre, dass Götzendienst kein Thema mehr für sie war.

R.: Was hat dir denn an Ruth so gefallen? Sie scheint dir ja sofort sympathisch gewesen zu sein?

B.: Noomi und sie waren quasi das Stadtgespräch. Sie war ja noch eine junge Frau, und ihre Schwiegermutter war ihr wichtiger, als sich in ihrer Heimat nach einem neuen Ehemann umzusehen. Alle waren verwundert über so viel Charakter, und viele beneideten Noomi regelrecht. Du weißt ja, wie das meistens ist mit Schwiegermüttern und Schwiegertöchtern…..oft läuft das nicht so gut.

R.: Und dann kam Ruth ja ausgerechnet auf dein Feld zum Ährensammeln.

B.: Richtig, da fiel sie mir dann auf. Und meine Arbeiter erzählten mir, wie überaus fleißig sie war. Ich habe ihr dann meinen Schutz angeboten, denn die armen Frauen, die auf den Feldern das übriggebliebene Korn auflasen, wurden oft belästigt. Ihre Bescheidenheit beeindruckte mich sehr.

R.: Und als die Ernte vorbei war und du auf der Tenne übernachtet hast, lag sie auf einmal mitten in der Nacht an deinen Füßen. War das nicht etwas zweideutig?

B.: Man konnte es bei ihr nicht als zweideutig empfinde, obwohl ich nicht unbedingt drauf erpicht war, dass es jemand mitbekam. Es war aber sehr mutig, denn es war ein Heiratsantrag, und es war eigentlich sehr unüblich, dass Frauen die Heiratsanträge machten. Und sie zeigte damit in jeder Hinsicht ein sehr großes Vertrauen in meine Integrität.

R.: War sie in dich verliebt? Du warst ja sehr viel älter als sie?

B.: Ich glaube, sie hatte ganz andere Motive. Sie wollte für ihre Schwiegermutter sorgen, und deshalb appellierte sie an meine Verpflichtung nach dem Gesetz, für einen Nachkommen für die Familie zu sorgen. Die Drahtzieherin hinter der ganzen Geschichte war  Noomi, die diese  Inszenierung ja auch ausgeheckt hatte.

R.: Und warst du verliebt?

B.: Ich empfand ihr Wesen als sehr anziehend. Sie war die Art Frau, die nur Gott einem geben kann: voller Glauben, Fürsorge, fleißig, nicht den eigenen Interessen folgend und mutig. Trotzdem hätte ich zurückgestanden, wenn jemand anderes größere Rechte an sie gehabt hätte, aber ich beeilte mich wirklich, das zu klären.

R.: Also eher Vernunft als Schmetterlinge im Bauch? aber trotzdem ein happy end?

B.: Ja, ein glückliches Ende für Ruth und mich (die Schmetterlinge haben sich auch noch eingestellt) – und für Noomi am allermeisten, als sie den heißersehnten Enkel wiegen konnte. Und Gott, denke ich, der für die Witwen und Waisen sorgt und dessen Werkzeug ich sein durfte, hat das auch gefallen, und das ist eigentlich das Wichtigste..

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