Vom Sorgen abgeben

Warum fällt es uns oft so schwer, unsre Sorgen an Gott abzugeben? Wir beten und grübeln und beten wieder und grübeln weiter.

Als ich jung war, kam mir das nicht schwer vor. Mir war auch noch nichts Schlimmes passiert, und ich ging davon aus, dass Gott mich auch vor allem Schlimmen bewahren würde, wenn ich ihm vertraute und gehorchte.

Und dann passierten schlimme Sachen. Mein Boot geriet sozusagen auf hoher See in einen ungezähmten Sturm. Zwar ging ich nicht unter, aber ich litt, und ich kämpfte wie verrückt. Ich kannte mich nicht mehr aus und machte schwere Fehler, Fehler, deren Folgen ich bis heute trage. Und nicht nur ich, auch andere. Wir haben alle Narben zurückbehalten.

Seitdem habe ich eine Angst, die ich vorher nicht kannte. Trotzdem weiß ich, dass Gott gut ist. Ich weiß, dass er aus Bösem Gutes wachsen lassen kann, dass wir solche Erfahrungen brauchen, um reifer zu werden und barmherziger. Der Glaube muss in den Schmelzofen, damit er geläutert wird wie Gold und die Schlacken verschwinden.

Aber der natürliche Optimismus der kindlichen Unbeschwertheit ist dahin, und an seine Stelle tritt dann oft ein Ringen um die Kontrolle über das Leben. Man will vermeiden, dass man wieder in dieselbe Situation kommt. Das ist auch nicht schlecht – im Grunde ist es das, was Erwachsene auszeichnet. Sie sorgen für sich, sie sind vorsichtig – sie kennen die Fallen. Es gibt ein vernünftiges Vor- und Fürsorgen (deswegen gehen wir alle zur Arbeit), und es gibt fruchtlose Sorgen um Dinge, an denen wir nichts ändern können und die uns eine Nummer zu groß sind.

Kannst du mit Sorgen deiner Lebenslänge eine Elle zusetzen? fragt Jesus. Und wir wissen, dass wir es nicht können. Aber wenn wir Gott vertrauen, was wird er tun? Wird er denn unser Leben verlängern?

Und genau da liegt der Hund begraben. Das  Problem ist nicht, dass wir die Sorgen nicht abgeben können, sondern dass wir es nicht wollen. Wir wollen Gott nicht die Kontrolle über den Ausgang überlassen – er könnte so gar nicht unseren Vorstellungen entsprechen.

Deshalb sagt Petrus, dass Demut die erste Voraussetzung ist für das Loswerden der Sorgen:

Demütigt euch deshalb unter Gottes mächtige Hand, dann wird er euch auch zur richtigen Zeit erhöhen. Und werft in Demut alle eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft. (1Pe 5:6+7)
Es bleibt mir nicht anderes übrig, als einzusehen, dass ich die Kontrolle über mein Leben nicht besitze, und dass Gott Schmerzen und Leiden verordnen kann, wenn er das für klug hält. Sorgen abwerfen heißt dann, das Vertrauen zu haben: Was immer kommt, ich weiß, er ist da – er lässt mich nicht allein, und zur richtigen Zeit macht er alles gut. Er wird nie zu spät kommen, um mich aus der schlimmsten Not zu retten.

Sorgen behalten ist Hochmut, das Streben nach Kontrolle aus Misstrauen und Angst. Sorgen kommen aus dem Wahn, dass ich auf mein Leben besser aufpassen kann als Gott. Sorgen sind Sünde.

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