Nicht mit uns gegen das Leben! (Interview)

R.: Ich freue mich sehr, mit euch beiden zwei so mutige Frauen kennen zu lernen. Könnt ihr die Konfliktsituation noch mal beschreiben, in der ihr euch befunden habt?

Schifra: Ja, gerne. Der Pharao von Ägypten wollte unser Volk dezimieren, weil es sich so stark vermehrte. Deshalb befahl er uns Hebammen, die israelitischen Jungen gar nicht erst heil auf die Welt kommen zu lassen.

R.: Und ihr habt euch geweigert?

Pua:  Wir haben passiven Widerstand geleistet. Ihm offen die Stirn zu bieten, wäre leichtsinnig gewesen. Natürlich hat er schon gemerkt, dass wir nicht ausführten, was er uns befohlen hat.

R.: Und wie habt ihr euch da verteidigt?

Schifra:  Wir haben die Wahrheit ein bisschen gedreht. Ein Körnchen Wahrheit war jedenfalls dabei, wenn wir gesagt haben, dass die hebräischen Frauen stärker waren als die Ägypterinnen, und die Kinder schon da waren, bis wir kamen. (grinst) War auch so. Notfalls haben wir mal kurz weggeschaut.

Pua: Ich denke, er wusste genau was wir gespielt haben, aber er konnte nichts machen. Das war ja ein verdeckter Aufruf, kein öffentlicher. Wenn er sich offen zu seinen Mordplänen bekannt hätte, dann hätte er die Kinder ja einfach selbst umbringen können. Er wollte uns benutzen, damit es so aussähe, als seien diese Kinder unter der Geburt gestorben. Das so ganz offen zu machen, das wollte er zuerst nicht. Er hatte Angst vor einem Aufstand. Schließlich musste er aber doch sein wahres Gesicht zeigen.

R.:  Heißt das, er hatte gar kein Druckmittel gegen euch in der Hand?

Schifra: Jein. Vorteile, wenn wir gehorchen, Nachteile und Bedrohung, wenn wir es nicht tun.

R.: Und warum habt ihr euch verweigert?

Pua: Ich bin Hebamme, keine Mörderin! Meine Berufung ist, zum Leben zu verhelfen. Außerdem liebe ich mein Volk!

Schifra: Weil ich Gott fürchte. Er ist der Gott des Lebens, und er ist der Gott Israels. Ich werde mich nicht zum Handlanger seiner Feinde machen!

R.: Ihr habt es also in Kauf genommen, dass er euch ständig im Nacken saß. Habt ihr nicht manchmal an das Leben gedacht, dass diesen kleinen Jungen bevorstand, die ihr da auf die Welt geholt habt? Nichts als Elend und Schinderei und am Ende doch noch Mord durch die Hand der Ägypter? Wäre es nicht besser für sie gewesen, diesem Schicksal zu entrinnen?

Schifra: Erstens bin ich nicht Gott und habe deshalb einfach nicht das Recht, darüber zu befinden, ob ein Leben lebenswert ist oder nicht. Zweitens habe ich die Hoffnung gehabt, dass Gott seinem Volk zu Hilfe kommen würde. Dafür haben wir schließlich Tag für Tag gebetet.

Pua: Wir haben ja auch selbst Kinder- und egal, wie schwer das Leben war, hätten wir sie um nichts in der Welt hergeben wollen. Und außerdem haben wir beide gespürt, dass Gott zu unsrer Entscheidung stand. Er hat uns so gesegnet – das hat alle Schikanen der Ägypter mehr als aufgewogen.  Und es war auch eine große Hilfe, dass wir beide so zusammengehalten haben. Wenn einer von uns verunsichert war, hat der andere ihn wieder an Gottes Auftrag und Verheißungen erinnert. Und so konnten wir unserem Gewissen treu bleiben.

R.: Vielen Dank, ihr beiden! Ihr seid mir ein großes Vorbild in eurer “Druckfestigkeit”. Möge ich auch niemals nachgeben, wenn Unrecht von mir gefordert wird!

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