Eine geduldige Frau

Hanna war alt. Das Leben hatte ihr nicht all zu viel geboten. Ihre Ehe hatte gerade mal 7 Jahre gedauert – dann war sie eine junge Witwe mit all den entsprechenden Schwierigkeiten. Wir wissen nicht, ob sie Kinder hatte; jedenfalls hat sie nie mehr geheiratet. Vielleicht fand sich kein Partner, weil sie nicht vom Stamm Juda war, sondern von Asser abstammte? Sie fand sich nicht bejammernswert, sondern sah in ihrem Alleinsein die Chance, Gott auf besondere Weise zu dienen. Sie brachte ihr Leben betend und lobend im Tempel zu, und wenn jemand Rat aus der Weisheit Gottes suchte, so konnte Hanna helfen. Ihre Nähe zu Gott machte sie zu einer Prophetin.

Tief in ihrem Herzen blühten die alten Verheißungen über den Messias und die Erlösung. Sie war jetzt 84 Jahre alt, und sicher mehr als 60 davon hatte sie damit zugebracht, Gott anzuflehen, diese Versprechungen zu erfüllen. Durch die Menschen, die in ihre Seelsorge kamen, kam sie mit der ganzen inneren und äußeren Not ihres Volkes in Berührung, auch wenn sie selbst den Tempel gar nicht mehr verließ. Und so trug sie Gott Tag und Nacht geduldig die Bitte vor: “Sende uns deinen Erlöser! Sieh unser Elend an, und lass uns dein Heil erfahren!” Sie fastete sogar, um ihrem Bitten Nachdruck zu verleihen. Und als Jahr für Jahr vorüber ging, fragte sie sich immer öfter: Werde ich es noch erleben, dass Gott meine Gebete erhört?

Sie war nicht die Einzige, und das machte ihr Mut. Von Zeit zu Zeit kam der alte Simeon in den Tempel; von ihm wusste sie, dass auch er sich nach dem Messias sehnte, und dass Gott ihm persönlich versprochen hatte, dass er nicht sterben würde, bis er den König gesehen hätte. Und immer wenn sie ihn an seinem Stock hereinhumpeln sah, dachte sie: Er macht es nicht mehr lang, also kann es nicht mehr lange dauern!

Und dann kam der Tag! Sie hörte Simeon plötzlich laut Gott preisen, und als sie ihn fand und das Baby auf seinem Arm sah, da wusste sie: DAS ist ER! Und eine explodierende Freude erfüllte sie, die ihr 84jähriges Herz fast sprengte!

Und da sie raus musste, die Freude, fing die alte Hanna an zu predigen! Jeder der dastand, musste es hören. Die Verheißung ist erfüllt! Das geduldige Hoffen hat sich gelohnt! Und waren die Menschen hier nicht alle Wartende? Brauchten sie nicht alle Erlösung?

Simeon und sie, sie würden den Messias nicht mehr als erwachsenen Mann erleben. Sie würden ihm nicht mehr dienen können. Aber heute – heute wollte sie ihn noch rühmen und bezeugen, so lange ihre Kraft reichte – und dann wäre ihr der Tod willkommen, denn müde war sie schon, und der Sinn ihres Lebens hatte sich jetzt erfüllt.

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