Das Martha-Problem

Die Geschichte von Martha und Maria sorgt immer wieder für Verwirrung. Soll man nun lieber relaxen als schaffen? Oder liegt der Fehler darin, dass Martha schlechte Laune kriegte, statt Maria die Zeit mit dem Herrn zu gönnen? War das nun wirklich richtig, was Maria da machte – nichts nämlich? Was würde passieren, wenn wir alle sie uns zum Vorbild nähmen? Würde nicht reichlich wenig passieren?

Martha jedenfalls war sich sicher, dass sie im Recht war, sonst hätte sie sich nicht ausgerechnet an Jesus gewendet mit der Bitte, ihrer Schwester mal den Marsch zu blasen! Und ehrlich gesagt, war sie sogar auf ihn ein bisschen sauer; schließlich redete er immer von Liebe, und Marias Verhalten war so offensichtlich egoistisch, und er sagte nichts dazu! Was schoss ihr wohl durch den Kopf, als sie statt ihrer Schwester getadelt wurde?!

Ich erinnere mich an eine Begebenheit aus meiner Kindheit. Ich war vielleicht 12 oder 13, und meine Mutter war 4 Wochen in Kur. Ich war also die “Hausfrau”, versuchte mich am Kochen und saubermachen und war voller Stolz auf meine Wichtigkeit. Am Tag, als Mama wiederkommen sollte, sagte mein Vater morgens zu mir: “Und die Betten brauchst du nicht abzuziehen, das mache ich selber!”

Natürlich hörte ich nicht. Ich hatte beschlossen, meinem Vater zu helfen, und das würde ich auch tun! Also zog ich die Ehebetten ab und bezog sie frisch und betrachtete mein Werk mit Wohlgefallen. Papa würde sich freuen, dass ich ihm die Arbeit abgenommen hatte!

Als mein Vater wiederkam sagte er allerdings nicht “Danke” sondern “Ich habe doch gesagt, du brauchst das nicht zu machen.” Zwar schimpfte er nicht, doch zog er alles  wieder ab, faltete es fein säuberlich zusammen, schichtete es in den Schrank und zog die neue Bettwäsche auf, die er als Überraschung für seine Frau gekauft hatte.

Das Gefühl, das mich überkam, ist mir immer noch gegenwärtig. Sich so wichtig und hilfreich vorzukommen und dann festzustellen, dass man einfach nur hätte hören sollen! Peinlich! Und doppelte Arbeit!

So ähnlich mag Martha sich gefühlt haben. Sie hatte sich so abgestrampelt! Der hochgeschätzte Gast sollte die beste Bewirtung erhalten, und nun musste sie feststellen, dass sie ihm mit etwas anderem mehr Freude hätte machen können! Wie viel von unserem christlichen Dienst beruht darauf, dass wir die Prioritäten Jesu nicht kennen? Dass wir uns so wichtig nehmen, dass wir gar nicht richtig hinhören, was ER will? Dass der Dienst ein Selbstläufer wird, der Nachfragen nicht mehr nötig macht?

Bitterkeit ist ein Warnsymptom. Sie löst sich nicht auf, indem du beschließt, sie runterzuschlucken. Vielleicht musst du einfach mal loslassen, dich zu den Füßen Jesu setzen und ihn fragen: “Ist DIR das eigentlich wichtig, was ich mache?” Vielleicht ist es ihm wichtig – dann bekommst du eine neue Motivation und neuen Schwung. Vielleicht stellst du aber auch fest, dass du was falsch verstanden hast, dass du etwas tust, was ein anderer tun sollte, oder dass es überhaupt unnötig ist.

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