Gottesfurcht, Urteilskraft, Initiative: Abigail

Sie war sehr einsam in ihrer Ehe. Nabal sah nur das Hier und Jetzt. Sein Vieh,seine Geschäfte, opulente Mahlzeiten und Feiern mit Strömen von Alkohol – das war sein Leben. Sein Motto hieß: Wo ich bin, ist vorne. Für die Rechte und Bedürfnisse anderer Menschen war da wenig Raum. Gott? Gab es wohl, aber spielte das wirklich eine Rolle?

Abigail tickte ganz anders. Je länger sie mit Nabal verheiratet war, desto weniger bedeutete ihr sein Reichtum. Was nützte ihr das alles neben einem so egozentrischen und bösartigen Menschen? Und je mehr er sie enttäuschte und ihr Herz leer ließ, desto mehr streckte sie sich nach Gott aus. Sie lernte, Menschen und Ereignisse aus seiner Perspektive zu betrachten, und das nahm ihr die Furcht, die ihr oft übellaunig und irrational reagierender Mann ihr anfangs einflößte.

Im übrigen war ihr Leben durchaus interessant und herausfordernd. Sie stand einem großen Haushalt vor mit  Knechten, Mägden und Tagelöhnern, die z. B. zur Zeit der Schafschur eingestellt wurden. Die Organisation der Versorgung war zum großen Teil ihre Aufgabe, und wenn es Probleme gab, kamen die Angestellten lieber zu ihr als zu ihrem Mann, dessen problematischer Charakter allgemein bekannt war. So hatte sie für Selbstmitleid keine Zeit, und das war auch gut so.

Von den vielen Personen, die durch ihr Haus gingen, bekam man auch immer wieder interessante Informationen zugespielt. So über diesen David, der sich seit einiger Zeit mit etwa 600 Männern hier in der Nähe aufhielt. Er befand sich auf der Flucht vor König Saul, der ihn hasste, weil er ihn als Bedrohung empfand. Dabei hatte David zu keiner Zeit Anstalten gemacht, das Königtum an sich zu reißen, obwohl es ihm von Gott versprochen war. Das hatte sie sehr beeindruckt, vor allem weil sie selbst wusste, was es bedeutete, einem ungerechten und irrationalen Menschen untertan zu sein. Dieser Mann musste Gott wirklich lieben, dass er solche Geduld besaß und auf Gott warten konnte. Kürzlich war ihr sogar zu Ohren gekommen, dass er Saul in einer Höhle schlafend gefunden hatte und ihm nichts getan hatte, ja, sogar seinen Männern – die meinten, das sei die von Gott gegebene Gelegenheit, den Feind aus dem Weg zu schaffen – verboten hatte, ihn anzutasten.

Eben kam einer ihrer Knechte herbeigelaufen. Atemlos berichtete er: „David hat Boten aus der Wüste zu Nabal geschickt, um unserem Herrn alles Gute zu wünschen, aber er hat sie nur angeschrien. Dabei waren die Männer Davids immer sehr gut zu uns. Sie haben uns nicht belästigt und die ganze Zeit, in der wir in ihrer Nähe waren, haben wir nicht das Geringste vermisst. Sie waren Tag und Nacht wie eine schützende Mauer um uns, solange wir die Herden in ihrer Nähe weideten. Sieh zu, ob du noch etwas tun kannst, sonst ist unser Herr und sein ganzer Haushalt verloren. Er ist ja so boshaft, dass man nicht mit ihm reden kann.“

David hatte Nabal aus Anlass des Festes zum Abschluss der Schafschur um einen Anteil für seine Männer gebeten, und Nabal hatte verächtlich abgelehnt. Für ihn war David ein Niemand; der König war immer noch Saul, und er hatte nicht die Absicht, jemanden zu unterstützen, von dem man nicht wusste, ob man jemals von ihm würde profitieren können. Er hatte ihn schließlich nicht gebeten, auf seine Schafe aufzupassen.

Abigail kannte den Knecht gut und wusste, dass sie sich auf seine Einschätzung der Situation verlassen konnte. David war offensichtlich wütend, und er war ein Krieger. Die Gedanken jagten sich in ihrem Kopf, und ihr Herz schrie zu Gott um Weisheit. Was würde Nabal mit ihr machen, wenn er erfuhr, dass sie hinter seinem Rücken Davids Männern etwas gab? Andrerseits – wenn sie nichts tat, würde Davids Rache außer Nabal viele Unschuldige treffen; er würde Blutschuld auf sich laden und sein Ruf und seine Beziehung zu Gott würden Schaden erleiden.

Jetzt musste es schnell gehen. Und wenn schon, denn schon. Sie wies einige Leute an, mehrere Esel mit Gütern zu beladen: Brot, Wein, Schafsbraten, Korn und Kuchen. Und David kam ihnen schon entgegen – er war schon auf dem Weg, um Nabal eine Lektion zu erteilen. Sie stieg von ihrem Esel und warf sich vor ihm nieder. “Vergib”, bat sie. “Ich habe deine Knechte nicht gesehen, sonst hätten sie eine andere Antwort bekommen. Mein Mann ist verrückt und bösartig, aber bitte, regiere darauf nicht, indem du Blutschuld auf dich lädst. Bitte, nimm diese Sachen an. Ich weiß, dass du der zukünftige König bist, und dann soll dich diese Sache nicht belasten. Und Gott selbst wird für dein Recht sorgen”

In ihrer unterlegenen und demütigen Stellung wird sie zur Seelsorgerin Davids! Und er akzeptiert nicht nur ihre Gaben, sondern er erkennt ihr geistliches Argument und nimmt es von ihr an.

Nabal, der an diesem Fest-Abend stockbesoffen ist, erfährt die Geschichte erst am nächsten Tag. Gott selbst schützt Abigail und schafft David Recht, indem er Nabal mit einem Schlaganfall bestraft. Nach seinem Tod wirbt David um Abigail, und sie, die in ihrer ersten Ehe die Wertlosigkeit von Reichtum ohne Gott gesehen hat, nimmt an und folgt ihm im Glauben und ohne Zögern in eine ungesicherte Existenz auf der Flucht. Sie weiß, dass das ihr Weg ist, Gott zu dienen.

In der Bibel steht die Geschichte in 1.Samuel 25.

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