Wie viel Glauben brauch ich für ein Wunder?

Seit der Predigt über die Auferstehung des Lazarus am Sonntag geht mir eine Frage durch den Kopf: Glaubte Martha nun genug oder zu wenig? Eine merkwürdige Frage vielleicht, von der ich mich aber persönlich betroffen fühle.

Manchmal übersteigt das, was Gott konkret tun will, völlig unsere Vorstellungskraft. Wir haben gebetet – es geschah nichts, und wir haben es abgehakt. Menschen sterben. So ist das halt. Wir schicken uns darein und erwarten nicht bei jeder Beerdigung eine Totenauferstehung. Und Gott tut das ja auch nicht. Er hat eine bestimmte Ordnung der Dinge, an die er sich normalerweise hält. Er wollte in diesem Fall offenbaren, dass Jesus die Kraft der Auferweckung hat. Eigentlich hat auch Jesus nicht besonders viele Tote auferweckt, nur sehr gelegentlich (im Gegensatz zu den Krankenheilungen). Hat er denn nun von Martha erwartet, dass sie damit rechnet? Den Jüngern hatte er zwar unterwegs gesagt, dass er ihn aufwecken wollte, aber es ist eigentlich nicht anzunehmen, dass sie davon wusste.

Martha hatte ein riesiges Vertrauen in Jesus. Sie glaubte,

  • dass er den Tod ihres Bruders hätte verhindern können und auch verhindert hätte, wenn er anwesend gewesen wäre
  • dass Gott Jesus alles geben würde, um was dieser ihn bitten würde
  • dass ihr Bruder in der Auferstehung am letzten Tag auferweckt werden würde
  • dass Jesus der verheißene Christus ist.

Aber so sehr Jesus sich auch zu mühen scheint, ihr die Konsequenzen dieses Glaubens für ihre aktuelle Situation klar zu machen – sie sieht es einfach nicht. Sie kapiert es noch nicht mal, als Jesus den Stein wegrollen lässt.

Und dann erlebt sie es – trotzdem. Und er sagt: „Ich habe dir doch gesagt, dass du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst, wenn du mir vertraust!“

In Nazareth konnte Jesus nicht viele Wunder tun, weil sie dort nicht an ihn glaubten. Sie zweifelten an seiner Person, obwohl sie tatsächlich einige Wunder erlebten. Aber Marthas beschränkter Horizont konnte Jesus nicht hindern.  Und das tröstet mich. Ich glaube an ihn. Und wenn er ein Wunder vorhat, dann macht er es einfach – zu seiner Verherrlichung.

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