Predigt-Nachlese: Bruderliebe

Der Predigttext von heute war Philipper 1,1-11.

Der Apostel Paulus und die Gemeinde in Philippi – das war eine ganz besondere Verbindung. Philippi war die erste Stadt Europas, wo Gemeinde Gottes entstand. Die erste Konvertitin war Lydia, die Purpurhändlerin, der Gott das Herz öffnete, als sie Paulus zuhörte, und die gleich ihre ganze Familie mit zum Jesus-Glauben brachte. Nach diesem erfolgreichen Start wurde es bald schwierig: Eine Wahrsagerin verfolgte Paulus mit ihrer eigenen dämonisch inspirierten Verkündigung, bis er den bösen Geist aus ihr austrieb. Das wiederum missfiel denen, die bis dahin den Gewinn aus ihren okkulten Künsten eingestrichen hatten, und so sorgten sie dafür, dass Paulus und Silas geschlagen wurden und im Gefängnis landeten. Als die beiden das aber, statt zu murren und zu klagen, zum Anlass nahmen, Gott an diesem dunklen Ort um Mitternacht mit Liedern zu loben und zu preisen, öffnete Gott die Türen des Gefängnisses mit einem Erdbeben. Wie durch diese ganze Geschichte der Gefängniswärter mit seiner Familie zum Glauben kam, kann man in Apostelgeschichte 16 nachlesen.

Vom ersten Tag an war so die Gemeinde von Philippi mit Paulus sowohl in der Freude über das Evangelium wie auch im Leiden verbunden, und das hatte nie aufgehört. Auch jetzt hatten sie ihm finanzielle Unterstützung geschickt. Ihnen dafür zu danken war mit ein Anlass seines Schreibens.

Dieser Brief ist einer der fröhlichsten und zuversichtlichsten, die Paulus je geschrieben hat, obwohl er aus dem Gefängnis verschickt wird. Er ist voller Dankbarkeit und Hoffnung. Er erinnert sie daran, dass er ein Knecht Christi Jesu ist. In seinem Auftrag will er ihnen dienen. Er kehrt nicht seine apostolische Prominenz heraus, sondern offenbart ein Herz voller Hirtenliebe.

Er wünscht ihnen Frieden und Gnade, und teilt ihnen mit, dass er ununterbrochen mit großer Freude für sie betet. Wenn er an sie denkt, dann strömt Dank aus ihm heraus. Was hat Gott nicht alles für sie getan, und was hat er nicht alles in ihnen getan! Er kann das Werk Gottes in ihren Herzen klar erkennen: an ihrem Eintreten für das Evangelium, an ihrer Liebe. Und er ist sich ganz sicher, dass Gott dieses Werk vollenden wird.

Es kann auch uns mit Freude erfüllen, wenn wir für andere beten, wenn Gott uns die Augen öffnet für sein Wirken in ihnen! Solches Beten ist ein gutes Gegenmittel gegen Ich-Zentriertheit und Gejammer. Es nährt zudem das Bewusstsein, dass wir nicht alleine sind und treibt uns immer wieder zueinander hin.

Paulus hatte großes Verlangen, seine Philippi-Geschwister zu sehen! Er sehnte sich nach der Gemeinschaft mit ihnen. Wie viel mehr brauchen wir Menschen, die mit uns den Wunsch teilen, Jesus zu sehen, Menschen, die uns mitziehen im Glauben, in denen auch Christus wohnt! Alleine sind wir wie ein Holzscheit, das aus dem Feuer genommen wird: die Glut erlöscht bald. Wir brauchen uns.

Nun, wenn in Philippi alles so wunderbar ist – um was betet denn Paulus noch für sie? Er wünscht, dass ihre Liebe noch reicher wird an Erkenntnis und Erfahrung. Erkenntnis bezieht sich hier nicht auf einen informationsgeblähten Kopf, sondern auf das Herz, das in der Erkenntnis Gottes zunimmt. Wenn wir Gott besser kennenlernen, lernen wir seine Liebe besser kennen, und im Weitergeben sammeln wir Erfahrung, wie wir diese Liebe umsetzen und auf die Bedürfnisse anderer anwenden können. Dadurch wächst in unserem Leben die “Frucht der Gerechtigkeit”, das Wesen unseres Erretters, der selbst unsere Gerechtigkeit geworden ist. Das Ziel ist die Verherrlichung Gottes. Alle Welt soll sehen: Er kann geistlich tote Menschen lebendig machen, er versöhnt und errettet, er gießt seine Liebe aus in unser Herz, er wirkt in uns und unter uns.

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