Heile Welt? Noch nicht!

In Bezug auf “Die Lehren meines Vaters” hat sich jemand beschwert, ich zeichne eine heile Welt.

Ich habe darüber nachgedacht, aber ich glaube nicht, dass ich das tue. Wenn ich mich über die Gnade Gottes im Leben eines Menschen freue, dann bedeutet das nicht, dass ich sage: “Alles war immer nur gut.” Das war es auch tatsächlich nicht, so wie auch in meinem Leben vieles nicht gut ist.

Aber ich preise ja Gott auch über der Schönheit einer Blume, obwohl das Unkraut daneben wuchert. Ich bewundere die Pracht eines Sonnenuntergangs trotz Erdbeben und Sturmfluten. Ich danke für das tägliche Brot trotz Hungersnöten auf dieser Welt. Ich erkenne die wunderbare Erwählung Israels als das irdische Volk Gottes trotz Holocaust. Die Zeichen der Gnade abzulehnen aus Stolz, weil in unsrer Welt nach dem Sündenfall nicht alles so ist, wie ich das gerne hätte, wäre dumm.

Es wird eine wirklich heile Welt geben, wenn Jesus wiederkommt.

“Die gesamte Schöpfung wartet ja sehnsüchtig auf den Tag, an dem die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit erkennbar werden. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden………Allerdings hat sie eine Hoffnung:  Auch die Schöpfung wird von der Versklavung in die Vergänglichkeit zur Herrlichkeit der Kinder Gottes befreit werden. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis heute unter ihrem Zustand seufzt, als würde sie in Geburtswehen liegen. Aber nicht nur das, auch wir selbst, denen Gott doch schon seinen Geist gegeben hat – als Vorschuss auf das künftige Erbe -, auch wir seufzen innerlich und warten sehnsüchtig auf das Offenbarwerden unserer Kindschaft: die Erlösung unseres Körpers.  Denn mit dieser Hoffnung sind wir gerettet worden. Aber eine Hoffnung, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Denn warum sollte man auf etwas hoffen, was man schon verwirklicht sieht? Wenn wir aber auf etwas hoffen, was wir noch nicht sehen können, warten wir geduldig, bis es sich erfüllt.” (Römer 8,19ff)

Noch ist nichts vollkommen. Noch leben wir vom Vorschuss auf das Erbe. Je nach Blickwinkel kommt einem das viel oder wenig vor. Wir Kinder Gottes sind noch angefochten, sind beschränkt in unserer Erkenntnis, haben verschiedene theologische Standpunkte, sündigen noch, werden krank, leiden unter psychischen Defekten und ihren Folgen. Und mitten in all diesen Umständen wirkt Gott. Er gibt Menschen erneuerte Herzen, löst Probleme, heilt, schenkt Glauben, lässt die Hoffnung in uns wachsen, baut seine Gemeinde. Beides besteht zur Zeit nebeneinander. Und die Bibel, die das realistischste Buch der Welt ist, rühmt fehlbare Glaubenshelden, ohne ihre Schwachheiten zu beschönigen. Wer Augen hat zu sehen, sieht die Gnade.

Keine heile Welt – noch nicht. Während wir uns an der Anzahlung freuen, warten wir noch auf den vollen Betrag – mit Sehnsucht, Seufzen und Gewissheit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s