Predigt-Nachlese: Schreiende Steine

Predigttext: Lukas 19,37-44

In Psalm 118 finden wir das Krönungslied für den Gesalbten Gottes, den Messias. Im 26.Vers singt das Volk seinem König zu: “Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn!” Mit eben diesen Worten wird Jesus jetzt von der feiernden Menge der Nachfolger gepriesen und als Gott-König anerkannt. Und genau das erscheint den Pharisäern als pure Blasphemie. Aber da sie völlig die Kontrolle über die Menschen verloren haben, wenden sie sich an Jesus mit der Aufforderung, sie zum Schweigen zu bringen.

Aber Jesus nimmt die Huldigung an, denn sie ist berechtigt – auch wenn er weiß, dass alles ein Missverständnis ist. Denn die, die ihm zujubeln, gehen davon aus, dass er die irdische Macht übernehmen und sie vom römischen Joch befreien wird, aber diese Hoffnung gibt sich mit viel zu wenig zufrieden. Er hat einen viel gewaltigeren und tiefgreifenderen Befreiungsakt vor: Er will die Macht der Sünde und des Todes brechen, allerdings auf eine Weise, die (vorläufig) niemand verstehen wird.

Ihm ist das Herz schwer mitten im Jubel der Menge. So lange hat er versucht, die Menschen wachzurütteln und zur Sinnesänderung zu bringen, und nur wenige haben sich rufen lassen. Bald werden die meisten sich anstecken lassen vom Hass und der Ablehnung und wie besessen rufen: “Kreuzige ihn!” Sie haben Gnade um Gnade gesehen und die Wahrheit gehört, und sie wollen seine Herrschaft nicht wirklich. Sie verstehen nicht, dass seine Barmherzigkeit sich nicht nur in Wundertaten äußert, sondern auch in seiner Beurteilung ihrer Herzen und der Warnung vor dem gerechten Gericht Gottes. Sie lieben ihre Dunkelheit mehr als sein Licht.

Und so gibt er den Pharisäern die Antwort: “Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien.”

Schreiende Steine? Was meint er damit? Wir finden in der Heiligen Schrift öfters Beispiele, dass die Materie “zeugt”. Das Blut Abels zeugt gegen Kain und schreit zu Gott aus dem Ackerboden (1. Mose 4,10), Steine werden als Zeugen aufgerichtet (z.B. Josua 24,27), und in Habakuk 2,11 schreien Steine aus der Mauer nach dem Eingreifen Gottes. Und so schreien die Steine des Tempels in Jerusalem – die oftmals Zeugen davon wurden, dass Gott in seinem Sohn sein Volk besucht hat und nun abgelehnt wird – nach dem Gericht. Und Jesus weint. Er weint nicht über sich und das Leiden, das auf ihn kommen wird, er weint über das Volk, das blind ist für die Güte Gottes und den Frieden, den er ihm geben will und über das er die Zerstörung kommen sieht.

Und wir? Ist er unser König, der volle Verfügungsgewalt über uns hat als Antwort auf seine Liebe und sein Opfer? Oder bleiben wir bei unsrer Rebellion, unsrer Gleichgültigkeit, unsrer Pseudo-Nachfolge (die auch nichts weiter ist als Ablehnung seiner Herrschaft) und steuern aufs Gericht zu? Noch ist es nicht zu spät, die Richtung zu wechseln und ihn anzunehmen.

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