Predigt-Nachlese: Wer hat Jesus autorisiert?

Predigttext: Lukas 19,45-48 und 20,1-19

Jesus reinigt den Tempel in Jerusalem. Er wirft die geldgierigen Diener der geldgierigen Hohepriester hinaus. Sie finden: Was zu viel ist, ist zu viel! Dass er nun noch an ihr Einkommen rührt, das schlägt dem Fass den Boden aus. Sie haben nur noch ein Anliegen: Wie können wir diesen Mann loswerden, und zwar ein für alle Mal? Aber es ist nicht so einfach, denn die Sympathie des Volkes will man sich auch nicht verscherzen, und das hängt nun mal an ihm.

“Wer,” fragen sie ihn, “hat dir eigentlich die Autorität gegeben, so zu handeln?” Aus seiner Antwort könnte man ihm vielleicht einen Strick drehen. Aber auch hier geht ihr Plan nicht auf: Er stellt ihnen eine unangenehme Gegenfrage, die eine aufrichtige Antwort verlangen würde. Aber Aufrichtigkeit kennen sie nicht – sie kennen nur Kalkül und Taktik. Jesus hingegen antwortet Heuchlern nicht.

Und dann erzählt er ein Gleichnis: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, und weil er für lange Zeit außer Landes sein würde, setzte er Verwalter ein. Als er aber zur abgemachten Zeit einen Knecht sandte, um seinen Gewinn abzuholen, schlugen sie ihn und sandten ihn leer fort. Das wiederholte sich mehrere Male, bis sich der Eigentümer entschloss, seinen Sohn zu schicken in der Hoffnung, dass man diesem den schuldigen Respekt zollen würde. Stattdessen witterten die Verwalter ihre Chance. “Werden wir den Sohn los, so geht der Weinberg endgültig an uns. Der Besitzer wäre weit, der Erbe nicht mehr vorhanden – uns stünde niemand mehr im Weg.” Und so erschlugen sie den Sohn.

Während Jesus erzählt, entfaltet sich vor seinen Zuhörern die Geschichte Israels. Israel als der Weinberg Gottes – das Bild ist ihnen bekannt. Es ist ihnen auch klar, wem er diesen Weinberg anvertraut hatte: Den Königen, Priestern und Schriftkundigen, die das Volk in jeder Beziehung anleiten sollten, seinem Gott Frucht zu bringen. Sie aber dienten eigenen Interessen und verfolgten die Propheten, die Gott ihnen immer wieder schickte. Und so sandte Gott ihnen schließlich seinen Sohn, den Erben. (So viel zur Frage nach der Autorität Jesu!) Und so deckt er ihre Herzen auf: Sie anerkennen seine Autorität nicht, weil sie die Autorität Gottes ablehnen. Sie haben sich dran gewöhnt, ihr religiöses Geschäft außerhalb des Zugriffs Gottes zu erledigen – und das soll ihnen niemand streitig machen.

“Was wird nun der Eigentümer des Weinbergs mit ihnen tun?“, fragte Jesus.  „Er wird kommen, diese Winzer umbringen und den Weinberg anderen geben.”

An diesem Punkt dämmert es den Zuhörern. “Als sie das hörten (griech. akouo = verstehen), sagten sie: Das sei ferne!” Sie verstehen ganz gut seine Warnung vor dem Gericht Gottes, wenn sie ihn töten. Er weiß, dass beides eintreten wird – er spricht prophetische Worte. Sein Tod steht unmittelbar bevor, und das Gericht über Jerusalem, das er im vorigen Kapitel beweint hat, wird 70 n.Chr. eintreffen.

Wenn sie aber nun denken, dass man den Sohn durch diesen Mord loswerden könnte, so haben sie sich getäuscht. Gott wird “den Stein, den die Bauleute verworfen haben” zum Eckstein machen, auf den er sein Haus aufbaut. Dieser Vers ist ihnen vertraut, sie haben ihn oft gesungen (Ps.118,22) und sie wissen genau, dass er sich auf den Messias bezieht. Und Gott wird den Weinberg anderen geben, einem neuen auserwählten Volk, den Jüngern Jesu, denen, die sich nicht auf ihre eigenen Werke stützen, sondern auf die grundlose Barmherzigkeit Gottes, die ihre Vollmacht zwar ausüben sollen, aber deren Freude sich nur auf die Gnade gründet, dass Gott sie ins Buch des Lebens geschrieben hat.

Die Arbeit im Weinberg Gottes ist nun unser Privileg und unsere Verantwortung geworden. Sie erfordert das Hören auf Gott und die Bereitwilligkeit zum Weitergeben seines Wortes. Gottes Interesse an der Frucht ist unser Motiv. Er hat unser Herz erneuert und wir wünschen nichts mehr, als dass die Ehre und Herrlichkeit seines eingesetzten Erben anerkannt und groß wird. So soll es sein!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s