Predigt-Nachlese: Jesus überführt durch Antworten und Fragen

Der Predigttext heute war Lukas 20,20-47, und wir befinden uns damit in den letzten Tagen vor der Kreuzigung. Die Hirne der religiösen Führer arbeiten auf Hochtouren. Jesus muss weg, aber wie? Wie kann man diesen Mann, den das Volk für den Messias hält, um den sich im Tempel die Menschenscharen drängen, dem sie an den Lippen hängen – wie kann man den unmöglich machen oder bei den Römern als Aufrührer verklagen oder sonst irgendwie in die Falle locken? Wie, so fragen sich die Meister der Verstellung, kommt man dabei selbst gut raus, verscherzt weder Ansehen noch Sympathie beim Volk? Und nun denken sie, sie haben etwas gefunden: Diesmal werden sie ihn mit seinen eigenen Worten fangen.

Steuern. Steuern sind immer ein gutes Thema. Niemand mag Steuern, und schon gar niemand mag Steuern an die verhassten Römer, und wer der Messias sein will, der muss wohl gegen Steuern an ein gottloses, heidnisches Rom reden. Aber man muss das ganze fromm verpacken und zu einer theologischen Frage machen und so tun, als erkenne man ihm irgendeine Kompetenz zu: “Lehrer, wir wollen von dir wissen, was der Weg Gottes ist. Darf man eigentlich dem Kaiser Steuern zahlen?”

Mit Jesu Antwort haben sie nicht gerechnet. “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.” Sein Reich ist nicht von dieser Welt, aber sein Reich hat durchaus einen Anspruch an sie: “Gebt Gott, was Gottes ist.” So wie die Münzen das Bild des Kaisers tragen, so tragen sie das Bild Gottes, und das begründet den Anspruch Gottes an ihr ganzes Leben und ihre ganze Liebe. Es ist sein Herrschaftsanspruch über sie – und den sind sie gerade im Begriff abzulehnen. Was als Angriff geplant war, verwandelt sich in einen Aufruf zur Umkehr, und sie sind verwirrt und erst mal ruhig gestellt.

Es gibt in der Menge allerdings noch Sadduzäer, die die nächste Attacke planen. Es handelt sich bei ihnen um theologisch Liberale, eine kleine und mächtige Gruppe, die die Geschäfte rund um den Tempel im Griff hat, nur die 5 Bücher Moses akzeptiert und die Auferstehung leugnet. Ihr Lebensmotto ist: You only live once. Ganz ohne Gott sehen sie sich nicht, aber ihre Hoffnung liegt im Diesseits, und so benehmen sie sich auch. Den theologisch Konservativen fühlen sie sich haushoch überlegen, und sie haben eine spitzfindige Frage, auf die ihnen noch jeder die Antwort schuldig geblieben ist: Wenn eine Frau nacheinander mit 7 verschiedenen Männern verheiratet war, wessen Frau ist sie dann in der Auferstehung? Na? Da sieht man doch, was für ein Unsinn es ist, dass der Mensch noch mal von den Toten wiederkommt!

Jesus antwortet ihnen genau aus den Büchern, die sie gerade noch akzeptieren. Selbst die Thora reicht aus, sie zu widerlegen. Er weist ihnen einen Doppel-Irrtum nach: Sie kennen weder die Schrift noch ihren Gott und seine Kraft (die Parallelstelle in Markus12 beschreibt das Gespräch noch ausführlicher). Lange nach dem Tod der Erzväter nennt Gott sich den Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, und er ist nicht ein Gott der Toten. Nicht die Auferstehung ist lächerlich, sondern sie. Sie haben ihre Hausaufgaben nicht gründlich gemacht, ihre Bibel nicht genau gelesen. Auch sie können, wenn sie denn ehrlich sind, nun ihren Irrtum zugeben und seine überlegene Weisheit anerkennen.

Und nun hat Jesus zur Abwechslung mal eine Frage, und er stellt sie, weil er weiß, dass in dieser Menge nicht nur Heuchler und Spitzfindige sind, sondern auch noch einige, die sich noch aufrichtig fragen, ob er der verheißene König ist. Und denen kann seine Frage auf die Sprünge helfen. Wer offen ist, kann deutlich erkennen: Er, der Sohn Davids, ist auch der Herr Davids. Sich ihm unterordnen heißt, sich Gott unterordnen.

Diese Frage bringt alles zum Ausreifen: Den Zerbrochenen werden die Augen geöffnet, und die Herzen der Heuchler werden noch härter. Und weil er sie alle liebt und allen helfen will und nicht will, dass irgendeiner verloren geht, warnt er noch einmal vor dem Wesen der Schriftgelehrten und vor dem Gericht, dass ihnen blüht, denn:

So wahr ich lebe, spricht Jahwe, der Herr: Mir gefällt es nicht, wenn ein Schuldiger stirbt! Im Gegenteil: Ich freue mich, wenn er von seinem falschen Weg umkehrt und am Leben bleibt! (Hesekiel 33,11)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s