Predigt-Nachlese: Ein reines Herz

Das Endziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben,” schreibt Paulus an Timotheus. Das ist auch das Thema, um das es Jesus immer wieder geht.

Im heutigen Predigttext (Lukas 20,4521,4) entfaltet er diese Lektion an Hand starker Kontraste. Da sind auf der einen Seite die religiösen Führer, die Schriftgelehrten, vor denen er warnt, und auf der anderen Seite eine arme und unbedeutende Witwe, die er lobt. Äußerlich haben die Religiösen viel zu bieten: Sie kennen ihre Bibel und noch besser ihr eigenes aufgesetztes Regelwerk. Sie definieren sich über die Einhaltung von Hunderten von Geboten, die sie minutiös befolgen. Sie beeindrucken die Menschen mit dieser Leistung, und wahrscheinlich beeindrucken sie sich sogar selbst. In ihrer Aufgeblasenheit merken sie gar nicht, dass sie aufs Gericht zusteuern, weil die Triebkraft ihres Handelns eben nicht die Liebe zu Gott ist, sondern Ehrsucht, Habgier und Stolz. Verblendet, wie sie sind, nehmen sie gar nicht wahr, dass sie ausdrücklichen Geboten Gottes ungehorsam sind: Statt sich zum Beispiel um Witwen und Waisen zu kümmern, wie es vom mosaischen Gesetz angeordnet wird, nutzen sie deren wehrlose Lage aus und bereichern sie sich an ihnen. Ihr Gottesdienst ist ein Fake und dient nur der Selbstdarstellung – die Hohlheit ihrer Anbetung gleichen sie durch Länge aus. Und wenn sie von ihrem vielen und oft unredlich erworbenen Geld geben, lassen sie es ordentlich klimpern, damit es auch jeder mitbekommt.

Und weil die Rechnung aufgeht und sie andere Menschen wirklich von ihrer Heiligkeit überzeugen können, muss Jesus seinen Jüngern sagen: So nicht! Diese äußere Gerechtigkeit führt ins Verderben! Sie werden sogar ein schwereres Gericht empfangen! Macht das bloß nicht nach! Nehmt sie nicht zum Vorbild!

Und dann ist da eine arme Witwe. Vielleicht ist sie sogar ein Opfer dieser frommen Gauner, aber das hat sie nicht von Gott weggetrieben. Ihre Sehnsucht ist es, den Gott anzubeten, der sich “Vater der Waisen und Anwalt der Witwen“ nennt. Ihm gehört ihr Herz, ihr Vertrauen, ihre Dankbarkeit. Sie hat nicht viel, aber mit allem, was sie ist und hat, möchte sie ihm dienen. Sie weiß, er wird sie nicht verlassen. Vielleicht hat sie der Predigt Jesu über das sorgenfreie Leben und das Schätzesammeln im Himmel zugehört? Und so legt sie alles, was sie hat, ihren ganzen Lebensunterhalt in den Opferkasten. Objektiv ist das so gut wie nichts – das Papier für die Spendenquittung nicht wert sozusagen. Aber in Gottes Augen ist es wertvoller als alles, was die Reichen gegeben haben.

Denn Gott braucht kein Geld. Er will unser Herz. Er will nur das, was aus Liebe und Dankbarkeit gegeben wird. Weder lässt er sich durch unser Geben manipulieren noch schuldet er uns etwas dafür.  Dass wir geben dürfen ist ein Privileg. Es muss aus der Freude an Gott kommen und wird mit noch mehr Freude belohnt.

Alles, was nicht aus einem reinen Herzen kommt, ist geistlich wertlos. Darauf möchte uns Jesus aufmerksam machen, damit wir dieses reine Herz, das wir selbst nicht produzieren können, bei ihm suchen. Er gibt es uns ohne Vorleistung unsrerseits, wenn wir den Wunsch loslassen können, unser Heil zu verdienen, und uns beschenken lassen.

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