Gottes Mokassin-Projekt

In der Behinderteneinrichtung, in der ich arbeite, steht dieses Jahr für uns Mitarbeiter etwas Besonderes an: Wir sollen ein Mokassin-Projekt durchführen. Die Indianer hatten ein Sprichwort: „Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen bist.“ In Anlehnung daran sollen wir alle mal eine Erfahrung machen, die für unsere Bewohner Alltag ist: sich das Essen reichen oder die Zähne putzen lassen, sich mit dem Lifter ins Bett heben lassen oder mit dem Rollstuhl im Stadtbus fahren. Ziel ist, dass wir uns besser einfühlen und auf unsere Klienten einstellen können.

Wir können uns da selbst was aussuchen, und man kann ziemlich sicher sein, dass keiner von uns sich windeln lassen möchte oder sonst irgendetwas Peinliches. Einige Erfahrungen bleiben außen vor. Auch kann ich mir zwar das Essen reichen lassen, aber die Spastik und die Schluckstörung, die die Nahrungsaufnahme so schwierig macht, kann ich mir nicht zulegen. Ich kann auch nicht an der Erfahrung teilnehmen, das ganze Leben lang nie wirklich selbstbestimmt gewesen zu sein usw. usw.

Gottes Mokassin-Projekt war anders und umfassend. Der Sohn Gottes ist ganz Mensch geworden, uns in allem gleich. Er ist durch jede Versuchung gegangen, durch die wir auch gehen, und hat sie alle überwunden. Deswegen kann er uns jetzt völlig verstehen, nicht nur vom Wissen her, sondern aus Erfahrung. Er kann uns helfen, nicht nur durch seine Macht und die Vermittlung zu Gott, sondern auch durch seine Empathie.

Er ist sogar noch weiter gegangen. Er hat unseren Tod durchlitten, und er ist als “der Erstgeborene vieler Brüder” auferstanden. Warum hat er das alles getan? Weil Gott seine Menschen wiederhaben möchte. Er möchte die Gemeinschaft wieder herstellen, die im Garten Eden zerbrochen ist. Dafür war er bereit, jede Demütigung und den Tod auf sich zunehmen. Im 2. Kapitel des Hebräerbriefs liest sich das so:

Weil Gott viele Menschen als seine Kinder in die Herrlichkeit führen wollte, hat er den Wegbereiter ihrer Rettung durch Leiden vollkommen gemacht. Das war der angemessene Weg für ihn, der Ursprung und Ziel aller Dinge ist…….Weil diese Kinder nun Menschen von Fleisch und Blut sind, ist auch er ein Mensch von Fleisch und Blut geworden. So konnte er durch seinen Tod den Teufel entmachten, der die Macht über den Tod hatte, und konnte die befreien, die durch Angst vor dem Tod ihr ganzes Leben lang versklavt waren.. ….Deshalb musste er seinen Geschwistern in jeder Hinsicht gleich werden, um vor Gott ein barmherziger und treuer Hoher Priester für uns sein zu können; ein Hoher Priester, durch den die Sünden des Volkes gesühnt werden. Und weil er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er auch denen helfen, die in Versuchungen geraten.

Gibt uns das nicht eine wunderbare Zuversicht?

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