Predigt-Nachlese: Der Gerechte wird verurteilt

Text: Lukas 22,63ff und Lukas 23,1-25

Endlich haben die Vorsteher Israels ihr Ziel erreicht: Jesus wird angeklagt. Es wird eine lange Nacht werden. Sie, die eigentlich in Gottes Auftrag für das Recht sorgen sollten, haben vor, das Recht zu verdrehen. Er soll sagen, dass er der Christus ist. Aber sie haben nicht vor, es ihm zu glauben, obwohl er alle Voraussetzungen erfüllt; sie wollen ihm nur Gotteslästerung nachweisen, damit sie ihn zur Strecke bringen können. Er lässt sich widerstandslos festhalten, verspotten und schlagen.

Warum hat er all diese Bosheit gegen sich zugelassen? Warum hat er sich gegen den Hass nicht gewehrt? Warum verteidigt er sich nicht?

Er wollte uns zeigen, wie man Hass mit Liebe beantworten kann, wie man im Leiden sein Vertrauen auf Gott setzen kann. Gott wird ihn rechtfertigen (durch die Auferstehung). Und er kommt uns nahe in seinem Leiden – was immer wir durchmachen: Er kennt es und versteht es. Er war schon da.

Und natürlich wollte er den Willen des Vaters tun und uns erlösen, und dafür muss er, der Einzige, der nie gesündigt hat, für schuldig befunden werden.

Da der Hohe Rat trotz seinem Schuldspruch praktisch keine Machtbefugnisse hat, muss er eine politische Anklage erfinden. Sie bringen ihn also zu Pilatus und bezichtigen Jesus des Aufruhrs und des Aufrufs zum Widerstand gegen Rom. Hat er nicht gesagt, er sei der Christus und ein König? Sie haben kein Problem damit, den Rest wahrheitswidrig dazuzudichten. Pilatus durchschaut das Spiel, erkennt, dass sie nur eifersüchtig sind und Jesus ohne Grund hassen. Er bezeugt sogar eindeutig seine Unschuld, aber sie lassen nicht locker, und so verschiebt er das Problem zu Herodes. Der freut sich zuerst, Jesus endlich mal zu sehen, denn er ist sensationsgeil und ließe sich gerne mal ein Wunder von ihm vorführen. Dies hier ist aber nicht der Jesus, den er sich vorgestellt hat; er antwortet ihm kein einziges Wort auf seine Fragen, und solchermaßen enttäuscht, misshandelt und verspottet er ihn und schiebt das Problem zu Pilatus zurück.

Der aber  besteht weiter darauf, dass dieser Mensch zumindest nichts getan hat, was ein Todesurteil rechtfertigen würde, und will ihn freilassen. Aber nun tobt die ganze aufgewiegelte Menschenmenge (die vor einer Woche noch “Hosanna dem Sohn Davids” gerufen hat!) und verlangt vehement, dass er stattdessen einen Mörder namens Barabbas amnestieren  und Jesus kreuzigen soll. Was für eine Wendung! Es ist unglaublich, wie schnell die Stimmung umschlagen kann.

Petrus fasst die Ereignisse später mal in einer Rede auf dem Tempelplatz so zusammen:

“Diesen Jesus habt ihr an Pilatus ausgeliefert. Ihr habt ihn preisgegeben, obwohl Pilatus schon entschieden hatte, ihn freizulassen. Von dem Heiligen und Gerechten habt ihr nichts wissen wollen und stattdessen die Freigabe eines Mörders verlangt.  Den Urheber des Lebens aber habt ihr getötet. Das ist der, den Gott aus den Toten erweckt hat. Wir sind Zeugen davon.” (Apostelgeschichte 3,13ff)

Petrus fordert sie dann auf, umzukehren. Denn wer Jesus verurteilt, der verurteilt sich selbst. Jesus ist gekommen, um uns das Leben zu geben. Wenn wir aber die Finsternis mehr lieben als das Licht, und gar nicht wollen, dass sein Licht in unsere Dunkelheit scheint, weil wir das abscheuliche Ungeziefer in unserem Herzen, das die Entdeckung scheut, nicht aufgeben wollen…….dann kann uns niemand mehr helfen. Gottes Absicht ist unsere Rettung, aber dafür müssen wir uns ihm anvertrauen. In Johannes 3 sagt Jesus:

“Gott hat seinen Sohn ja nicht in die Welt geschickt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch ihn zu retten.  Wer ihm vertraut, wird nicht verurteilt, wer aber nicht glaubt, ist schon verurteilt. Denn der, an dessen Namen er nicht geglaubt hat, ist der einzigartige Sohn Gottes. Und so vollzieht sich das Gericht: Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Taten waren schlecht.”

Es ist unsere Entscheidung.

 

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