Predigt-Nachlese: Auf dem Weg zum Kreuz

Lukas 23,26ff

Pilatus hat Jesus endlich dem Willen des aufgehetzten Volkes entsprechend zur Kreuzigung freigegeben. Nun wird er zur Hinrichtungsstätte abgeführt und muss dabei sein schweres Kreuz tragen. Dabei begleitet ihn eine große Volksmenge. Es sind eben die Menschen, die ihm schon die ganze Zeit hinterher gezogen sind – weil seine Lehre sie faszinierte, weil sie Wunder erleben wollten, weil sie gehofft hatten, dass er der Messias sei und der Retter von den Römern. Es sind viele dabei, die vor wenigen Tagen völlig aus dem Häuschen waren und ihm einen königlichen Empfang bereitet hatten, und die nun, enttäuscht und von den Pharisäern aufgewiegelt, mitgeschrien hatten: “Kreuzige ihn!” Es sind Feinde, Fans, Neugierige und jammernde Frauen. Sie alle haben ihn nicht wirklich verstanden und erkannt. Seine Jünger sind nicht dabei, sie sind verängstigt, verwirrt und zerstreut.

Die Soldaten greifen sich einen Passanten, der zufällig vom Feld kommt, und der eigentlich aus Kyrene in Nordafrika stammt (wo es eine ziemlich große jüdische Gemeinschaft gab) und vielleicht nur wegen des bevorstehenden Passahs in Jerusalem ist: Er soll das Kreuz für Jesus tragen. Es scheint, dass dieser Auftrag ihm zum Segen wurde: Seine beiden Söhne waren später offensichtlich unter den Christen bekannt (Markus 15,21; Römer 16,13), was den Schluss nahelegt, dass auch er ein Nachfolger Jesu wurde.

Den Frauen, die jammern und klagen, muss Jesus auch jetzt noch etwas sagen. Er nennt sie Töchter Jerusalems. Hatte er nicht über Jerusalem geklagt: “Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die, die Gott dir schickt. Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel bringt. Aber ihr habt nicht gewollt!” (Lukas 13,34) Nein, nicht über ihn sollen sie weinen – er ist kein Opfer: Er geht den Weg zur Erlösung aus freiem Willen und nach Gottes Ratschluss vor Grundlegung der Welt. Aber über sich und ihre Nachkommen sollen sie weinen, denn das Gericht ist sicher, wenn ihre Herzen nicht verändert werden.

Jesus wünscht seinen Feinden Vergebung. Sie bezichtigen ihn der Gotteslästerung, und töten ihn dafür. Was sie nicht verstehen: Sie sind die Gotteslästerer – und er stirbt für sie. Das Kreuz ist für sie Gottes letzte und ultimative Einladung zur Umkehr.

Mit in dem Zug sind zwei Verbrecher, die mit Jesus zusammen hingerichtet werden sollen. Als sie und er am Kreuz hängen, zeigen sie uns die beiden einzigen Optionen, die wir angesichts des Gekreuzigten haben: Der eine verachtet Jesus, weil der sich selbst nicht rettet. Dann kann er seiner Meinung nach nicht der Christus sein. Der andere erkennt in ihm seinen Erlöser und bittet ihn um Gnade, weil er seine eigene Schuld und Verlorenheit erkennt. Es gibt keine Neutralität und kein Zwischending. Wer die Gnade Gottes nicht annimmt, der überliefert sich selbst dem Gericht.

Wer ist Jesus für dich?

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