Predigt-Nachlese: Was geschah eigentlich am Kreuz?

Predigttext: Lukas 23,44-56

Jesus wird gekreuzigt. Das ist die größte Gemeinheit und Ungerechtigkeit, die Menschen je begangen haben. Sie töten einen Schuldlosen aus Bosheit und Eifersucht. Das ist die menschliche Seite.

Allerdings hat Jesus wieder und wieder darauf hingewiesen, dass er freiwillig stirbt, dass er ganz bewusst ein Opfer der Liebe bringt, um uns zu erlösen.

Aber wie kommt eigentlich diese Erlösung am Kreuz zustande? Um das zu verstehen, müssen wir uns mit der Rolle Gottes in diesem Geschehen befassen.

Unsere Errettung beruht auf dem Auftreten Gottes als Richter über seinen Sohn. Jesus nimmt unsere Sünde auf sich, ja, er wird zur Sünde gemacht, und Gott gießt seinen ganzen Zorn über ihn aus.

Von 12 bis 3 Uhr mittags wurde es dunkel. Es hat sich nicht um eine natürliche Sonnenfinsternis gehandelt, denn die fällt nicht mit einem Vollmond zusammen. (Das Passahfest wird stets bei Vollmond gefeiert.) Es war das Zeichen des Gerichts Gottes, eine beängstigende, greifbare Finsternis wie bei den Plagen über die Ägypter. Ähnliches wird vorausgesagt für den (Gerichts-)Tag des Herrn. Gott selbst hat sein Licht entzogen. Jesus wurde für uns verflucht, damit wir gesegnet werden konnten. Das war der Kelch, den Jesus in Gethsemane so gefürchtet hatte.  Matthäus berichtet in seinem Evangelium noch detaillierter, dass gegen Ende dieser 3 Stunden ein lauter Schrei Jesu gegen den verschlossenen Himmel emporstieg: “Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen?”  Und dann war sein Werk – unsere Erlösung- vollbracht. Dieses Wort vollbracht bedeutet im Griechischen erfüllt, zu Ende gebracht, aber auch als geschäftlicher Terminus bezahlt, Schulden beglichen.

In dem Augenblick, als unsere Schulden durch Jesus bezahlt waren, zerriss im Jerusalemer Tempel der schwere Vorhang von oben nach unten. Bis dahin hatte er die Menschen von der Gegenwart Gottes ausgeschlossen, weil Gott mit Sünde keine Gemeinschaft pflegt. Nur einmal im Jahr konnte der Hohepriester kurz hineingehen, um das Blut zur Versöhnung hineinzubringen. Jetzt war das ultimative, permanente, ewig gültige Opfer gebracht worden, von dem all die vorhergehenden Tieropfer nur schattenhafte Symbole waren. Es wird nie mehr ein anderes Opfer nötig sein. Gott ist für die, die durch Jesus zu ihm kommen, zugänglich geworden.

Und das liegt nicht an uns. Wir waren völlig unfähig, uns selbst zu helfen und uns zu retten. Gott hat die Initiative ergriffen, es vor Grundlegung der Welt geplant und auf jenem Kreuz selbst sein Opferlamm für uns geschlachtet.

Mit seinen letzten Worten am Kreuz übergibt Jesus sterbend seinen Geist in die Hände seines Vaters. Sein Opfer ist vollbracht und angenommen, die Gemeinschaft zwischen Vater und Sohn wieder hergestellt.

Und wir? Kommen wir, wie der Hauptmann unter dem Kreuz, der vermutlich schon viele Hinrichtungen vorgenommen hatte, zu dem Schluss: „Dieser Mann war wirklich ein Gerechter!“ – hier starb der Gerechte für die Ungerechten, für mich? Und geben wir wie er Gott die Ehre, indem wir umkehren von unserer Gottlosigkeit und Gleichgültigkeit und ihm sowohl mit unseren Worten wie auch mit unserem ganzen Leben danken?

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