Mein Gott ist Realist

Das fällt mir beim Bibellesen immer wieder auf.  Gott macht uns nichts vor, und wo wir anfangen zu träumen, da sticht sein Wort unsere Seifenblasen an, dass sie platzen.

Dieser Tage las ich einige Gleichnisse in Matthäus, und da fiel mir das wieder ins Auge. Wenn Jesus vom vierfachen Ackerland erzählt, dann ist das erst mal wie eine kalte Dusche. Der Sämann müht sich ab, und was passiert? Der Boden ist so festgetreten, dass der Samen gar nicht Fuß fassen kann und gleich weggepickt wird. Aber das ist noch gar nicht die größte Enttäuschung. Fast noch schlimmer finde ich, wenn der Same mit großer Begeisterung aufgeht. Man freut sich, dass ein Mensch das Evangelium verstanden und angenommen hat, und was passiert? Die erste Schwierigkeit ist ihm schon zu kostenintensiv, und weg ist er. Kann es noch schlimmer kommen? Ja! Da bekehren sich Leute, und man hat den Eindruck, sie wachsen im Glauben. Man setzt Hoffnungen in sie. Es sieht eine Weile gut aus, aber dann verlieren sie den Fokus. Das geistliche Leben erstickt, während die Sorge um das eigene Wohlergehen wuchert.

Herr, warum erzählst du uns das? Sollen wir dann nicht lieber alles hinschmeißen? Wer will sich denn abrackern “für die Katz”? Aber er erzählt uns das eben, damit wir uns nicht wundern und denken, mit uns stimmt was nicht oder gar am Ende mit unserer Botschaft. Denn, so sagt er, wenn der Same auf guten Boden trifft, dann entfaltet er seine wunderbare Kraft, und dann kannst du mal sehen, was in ihm steckt! Dann bringt er Frucht, und alle Mühe lohnt sich!

Im nächsten Gleichnis kommt dann der Feind und sät heimlich Unkraut unter den Weizen – eine sehr irritierende Geschichte für mich, die ich so gerne alles klar und eindeutig habe und mein Herz immer wieder an utopische Vorstellungen von Gemeinde hänge! Wie gut, dass Jesus das nicht zulässt! Er hilft uns, das Leben zu nehmen, wie es nun mal ist und dennoch weiterzumachen! Denn trotz dem ärgerlichen Unkraut ist das Reich Gottes eben doch von Natur ein Weizenfeld, und wenn es am Ende der Zeit aufgeräumt wird, dann wird sich seine ganze Herrlichkeit zeigen!

Zu wissen, was passieren kann, gibt Widerstandskraft bei Frustrationen. Ich denke, Jesus erzählt uns diese Geschichten, damit wir nicht das Handtuch werfen, wenn diese Situationen uns unvorbereitet treffen. Die hier beschriebenen Realitäten können wir übrigens auch im Leben der Apostel studieren, besonders bei Paulus. Nachdem er sich drei Jahre Tag und Nacht um jeden einzelnen in der Gemeinde in Ephesus bemüht hat, sieht er schon voraus, dass sich nach seinem Abschied dort einige “Brüder” als “Wölfe” entpuppen werden, die nur vorhaben, die Herde zu zerstören. Aber er lässt sich dadurch nicht von der Arbeit abhalten, sondern kämpft bis zum Schluss für die ihm anvertrauten Seelen. Er kann das, weil er Gottes Art von Realismus lebt, ohne Illusionen, aber zielorientiert und siegesgewiss!

Nachzulesen in Matthäus 13 und Apostelgeschichte 20

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