Kann man über Gnade meckern? (Interview)

Ich: Mefi-Boschet, könntest du dich mal kurz vorstellen? Wer bist du eigentlich?

M.: Ich bin der Sohn Jonathans und der Enkel Sauls.

Ich: Dann bist du aus königlichem Hause?

M.: Jein. Nicht mehr. Es stimmt schon, dass mein Großvater König von Israel war, ja, sogar von Gott dazu bestimmt wurde. Aber sein Herz hat sich von Gott entfernt, und Gott hat ihn verworfen und David an seiner Stelle eingesetzt. Wir wurden sozusagen aus der königlichen Linie rausgeschmissen.

Ich: Ich habe gehört, dein Großvater hat David dafür gehasst?

M.: Die Eifersucht hat ihn schier um den Verstand gebracht, und er hat immer wieder versucht, David zu töten.

Ich: Und wie stand dein Vater zu David?

M.: Mein Vater war Davids bester Freund. Die beiden waren wirklich seelenverwandt. Jedem von ihnen ging es um die Ehre Gottes, und deshalb hatte mein Vater nicht das geringste Problem damit, dass David König werden sollte. Er hat ihn nie als Konkurrenten gesehen. Wäre er nicht ums Leben gekommen, ehe David an die Macht kam, hätte er ihm mit Freuden gedient.

Ich: Und du? Fällt es dir nicht schwer, dass David nun König ist? Denkst du nicht manchmal, was hätte sein können, wenn…..

M.: Nein! Ich bin nicht nur völlig einverstanden mit der Wahl Gottes, sondern ich liebe David. Er ist wirklich ein edler Charakter. Andere Könige hätten die Verwandtschaft ihres Vorgängers umgebracht, um jegliche Bedrohung ihrer Macht aus dem Weg zu schaffen. Aber David hat an mir ganz anders gehandelt. Schau mich an, ich bin ein behinderter Mann. Als kleines Kind hatte ich einen schweren Unfall; seitdem kann ich nicht laufen. Mich auszuschalten wäre nicht schwer – niemand will mich sowieso ernsthaft als König. Aber David hat mich nicht nur am Leben gelassen – er hat mich gesucht. Er wollte unbedingt noch einem von Jonathans Nachkommen etwas Gutes tun, seinen Freund posthum ehren. Er machte sich keine Gedanken um Konkurrenz – genau wie mein Vater wollte er nichts für sich persönlich. Er hat einfach das Königtum als Auftrag von Gott angenommen.

Ich: Als er dich gefunden hatte – was tat er dann?

M.: Er ließ mich zu sich nach Jerusalem kommen. Ehrlich gesagt, hatte ich schon ein bisschen Angst. Aber er war mehr als freundlich zu mir. Er gab mir die ganzen Ländereien Sauls zurück und dazu Ziba als Verwalter. Und außerdem behandelte er mich wie ein Familienmitglied; ich wurde an seinem Tisch mitversorgt, als sei ich einer seiner Söhne. Das war seine Art, die Liebe zu meinem Vater auszudrücken.

Ich: Dieser Ziba wurde dir ja wohl später zum Verhängnis?

M.: Er hat mich bei David verleumdet. Als Absalom gegen seinen Vater putschte, wollte ich eigentlich David auf seiner Flucht begleiten. Aber ich bin nun mal gehandicapt – ich kann keinen Plan allein ausführen. Und Ziba hat David dann erzählt, ich wollte die Gelegenheit ergreifen, wieder ans Königtum zu kommen. Verständlicherweise war David aufgebracht. Er hatte mir so viel Gutes getan, und nun musste er so etwas über mich hören!

Ich: Bist du nicht sauer, dass er so bereit war, Schlechtes von dir zu glauben?

M.: Wer könnte das einem Mann übel nehmen, dem gerade sein eigener Sohn nach dem Leben trachtet? Ist es ein Wunder, wenn er niemand mehr vertrauen kann?

Ich: Aber Ziba! Was für eine Hinterhältigkeit! Was für ein Opportunismus! Er hatte ja wohl nichts im Sinn, als seinen eigenen Vorteil herauszuschlagen! Und das ist ist ihm ja auch gelungen. David hat ihm prompt deinen ganzen Besitz zugesprochen! Ich hoffe, er hat das rückgängig gemacht, als später die Wahrheit ans Licht kam!

M.: Ja, das war nicht fein von Ziba. Aber weißt du, er hat eine große Familie, 15 Söhne. Ich denke, er wollte sie alle versorgen……Das hat mir aber alles nicht so viel ausgemacht. Mein Besitz stand mir ja eigentlich sowieso nicht zu. Davids Freundlichkeit hatte ihn mir gegeben – er durfte ihn auch wieder nehmen und jemand anders geben. Mein Herz hing nicht an den Gaben, sondern an dem Geber. Dass mein König gehen musste, das war für mich viel schlimmer! Sein Leid war mein Leid! Diese Entehrung! Und er fehlte mir! Ich habe nur getrauert, bis er zurückkam. und es war mir so schwer, dass er denken musste, dass ich ihm die Treue gebrochen hatte! Ich hätte ihn viel lieber ermutigt auf seinem schweren Weg.

Ich: Konntest du das denn alles später richtig stellen, und hat er dir geglaubt und dir alles zurückgegeben?

M.: Ja, das war mir schon ein großes Anliegen. Ich war so froh, als er zurück kam! Da kam auch mein Leben zurück. Er hat dann gesagt, Ziba und ich sollten uns den Besitz teilen.

Ich: Teilen? Er hätte den Kerl umbringen sollen, und er nimmt ihm noch nicht mal weg, was er sich durch Verleumdung angeeignet hat?

M.: Gibt es bei Gnade was zu meckern? Sollte ich Ziba nicht auch Gnade gönnen? Haben wir sie nicht beide unverdient empfangen? Ich bin nur glücklich, dass mein König wieder regiert; sonst habe ich keine Ansprüche. Ich habe immer noch mehr, als mir zusteht, und dafür bin ich aus tiefstem Herzen dankbar.

Die Geschichte steht in der Bibel hier, hier und hier. Ich finde, sie ist ein großartiges Beispiel dafür, was Gottes Gnade in unserem Herzen bewirkt.

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