Predigt-Nachlese: Glauben oder Werke?

Text: Galater 2, Römer 3, 19-31

Der Brief von Paulus an die Galater ist “schwer verdaulich.” Der Apostel ist so ganz und gar nicht begeistert von dem, was sich da unter ihnen ausgebreitet hat, dass ihm die sonst üblichen freundlichen Worte fehlen. Er kann sie nicht loben. Er sieht, wie sie den Rückwärtsgang einlegen: Das, was sein altes Leben bestimmt hat, bevor er Christus begegnete, das wollen sie jetzt wieder einführen!

Die Frage, die sie falsch beantwortet hatten, ist diese: Wenn wir vor Gott dem Richter stehen – was bewirkt unseren Freispruch? Er hatte ihnen die richtige Antwort  verkündigt, und jetzt ist sie ihnen nicht mehr genug. Sie wollen das Gesetz wieder einführen. Schließlich muss der Mensch doch auch was beitragen, um vor Gott gut dazustehen, oder?

Ein völlig hoffnungsloser Ansatz, meint Paulus. Haben wir das nicht schon erfolglos ausprobiert? Wir wissen, dass kein Mensch vor Gott bestehen kann, wenn er versucht das Gesetz zu halten. Bestehen kann er nur durch den Glauben an Jesus Christus. Darum haben wir ja Christus vertraut, um durch den Glauben an ihn bei Gott angenommen zu werden – und nicht durch Erfüllung des Gesetzes. Kein Mensch kann durch Gesetzeserfüllung die Gerechtigkeit erreichen, die vor Gott gilt.

Als im 15. und 16. Jahrhundert diese lang verschüttete Wahrheit wieder entdeckt und am durchdringendsten durch Martin Luther proklamiert wurde, haben viele sie mit ihrem Blut besiegelt – denken wir an John Wyclif, Johannes Hus, die Hugenotten und viele andere.  Der Teufel kann diese Wahrheit nicht leiden! Wer sie über Bord wirft, spuckt auf das Opfer dieser Menschen.

Hat nun das Gesetz gar keinen Sinn und keine Funktion? Für was ist es denn dann überhaupt gegeben worden?

Das Gesetz führt dazu, dass man seine Sünde erkennt, sagt Paulus in Römer 3,20. Es stopft uns unser “Ich bin ein guter Mensch und besser als die andern”-Großmaul. Es überführt uns davon, dass wir verloren sind und einen Retter brauchen. Wir erkennen, wie dunkel unsere Nacht ist – umso heller scheint uns Jesus und sein Evangelium der Gnade.

Nicht dass wir durch unsere Schuld vor Gott zum Tod verurteilt sind, ist unser Problem – denn dafür starb Jesus an unserer Stelle –, sondern dass wir meinen, gut genug zu sein und keinen Retter zu brauchen, es selber zu schaffen, stolz auf uns sein zu können. Um uns da zu desillusionieren, hält uns das Gesetz Gottes einen heilsamen Spiegel vor. Kann man da noch selbst auf etwas stolz sein? fragt der Apostel. Das ist ausgeschlossen. Wir sind völlig auf die Gnade geworfen, die Gott uns durch Jesus anbietet. Wir können nichts tun. Wir sind wurzeltief schlecht.

Aber halt! Steht nicht im Jakobusbrief: Der Glaube ohne Werke ist tot?  Durchaus, aber man muss diese Aussage im Zusammenhang lesen. Wenn wir echten Glauben haben, wird sich das in unserem Leben auswirken. Die Bibel hat ein Wort dafür: Frucht. Wer sich mit seiner ganzen Existenz auf Jesus als seinen Retter verlässt, dessen Leben verändert sich. Wie eine Rebe am Weinstock nichts “tut” als eben eine Rebe zu sein, nämlich verbunden mit dem Stamm und aus der Kraft dieses Stammes lebend, so kommt die Kraft des Christen aus Jesus und sein Leben bringt immer mehr hervor, was Gott gefällt (vgl. Johannes 15). Nicht, indem wir versuchen, gut und besser zu werden, kommen wir dahin, sondern indem wir die Nähe Jesu suchen, uns auf ihn verlassen, auf ihn hören.

Euer Leben wird dann als Frucht alle Art von guten Werken hervorbringen, und ihr werdet Gott immer besser verstehen. (Kolosser 1,10)

 

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