Ich will nicht meckern

Anfang Januar hatte ich online einen Tisch bestellt, der innerhalb von 10 Tagen mit DHL kommen sollte. Nach 10 Tagen wurde ich benachrichtigt, dass es noch mal 10 Tage dauern könnte. Nach insgesamt etwa 4 Wochen erhielt ich dann die lang ersehnte Meldung: „Morgen zwischen 13.30 und 18.00 Uhr kommt ihre Lieferung.“ Ich freute mich und dankte Gott, dass ich um 13 Uhr Feierabend haben würde und daheim sein könnte, denn es war ein Nachnahme-Paket.

Ich weiß nicht, was mich am nächsten Morgen geritten hat, aber ich betete: “Herr, was immer heute passiert – ich will nicht darüber meckern.” Um 11 Uhr, mitten bei der Arbeit, erhalte ich eine SMS: Wir haben versucht, ihr Paket zuzustellen, aber sie waren nicht da. Es liegt ab dem folgenden Werktag in der Filiale für sie bereit.

Mir fiel sofort mein Gebet von morgens ein! Okay, Herr, ich will nicht meckern! Nun hab ich ein Problem, aber du hast bestimmt eine Lösung. Was soll ich machen? Jemand um Hilfe bitten?  – Am Wochenende wollte mein Sohn mich besuchen, dann würde ich ihn fragen. Die Filiale hebt das Ding ja 7 Tage auf. Aber mein Sohn kam nicht. Er war krank geworden und hatte vergessen, mir Bescheid zu sagen.

Am nächsten Tag hatte ich frei und nahm mir einen Leihwagen, um das Paket abzuholen. Das Problem war, dass es zu schwer war. Jedenfalls behauptete das die Frau in der Postfiliale. Ich durfte leider nicht in den Raum, wo es gelagert war, um es selbst zu probieren. Aber ich könnte eine Neuzustellung beantragen, sagte sie mir. Diese Aussicht machte mich dann wieder vergnügt, und ich nutzte das geliehene Auto, um endlich mal meine zwei Waschkörbe voll Elektromüll zu entsorgen.

Ich beantragte also online die Neuzustellung, bekam auch eine Bestätigungsmail und bat für den entsprechenden Tag meine Schwiegertochter, meine Wohnung zu hüten, während ich zur Arbeit musste Sie war auch so lieb, das zu tun. Was nicht kam, war mein Paket. Ein Anruf bei DHL ergab, dass sie einen Fehler gemacht hatten. Es gab keinen Grund dafür, dass sie das Paket nicht zugestellt hatten, und die Aufbewahrungsfrist war nun abgelaufen. Ich solle der Möbelfirma schreiben, dass DHL die Verantwortung und das Porto übernehmen würde.

Ich habe nicht gemeckert. Ich bin natürlich kein Freund von Schlamperei und schlechter Organisation. Aber ich glaube an einen Gott, dem es durchaus ein Kleines gewesen wäre, das alles klappen zu lassen. Ich hatte mit ihm diesbezüglich ziemlich intensive Unterhaltungen. Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich ihm vertraue. Ich habe ihn gefragt, ob ich irgendwie einen Fehler gemacht habe. Ich habe ihn dran erinnert, dass ich auch im alltäglichen Kleinkram auf ihn angewiesen bin. Ich bin drauf gekommen, dass ich den Tisch wahrscheinlich gar nicht brauche, aber ich weiß ja noch nicht, ob der Lieferant nicht am Ende drauf besteht, ihn mir noch mal zu schicken. Kurzum, den Sinn des Ganzen habe ich nicht wirklich erkannt. Vielleicht zeigt er sich noch, vielleicht auch nicht. Aber das ist auch egal.

Natürlich ist diese Geschichte eigentlich kaum wert, erzählt zu werden – es handelt sich um ein eher unbedeutendes Problem. Sie hat mich aber viel darüber nachdenken lassen, wieso Gott uns sagen lässt: Tut alles ohne Murren und Zweifel! (Philipper 2,13)

Was sagt das über ihn aus und über unsere Beziehung zueinander?

Wir glauben an einen souveränen Gott – das ist manchmal schwierig, wenn die Dinge uns gegen den Strich gehen oder aus unsrer Sicht keinen Sinn ergeben. Murren kann man nur über jemand, den man für verantwortlich hält. Man murrt, weil man zweifelt, dass Gott gut ist und gute Absichten hat. Könnte es sein, dass es ihn nicht interessiert? Oder dass er uns ärgern will?  Wir können nicht von einem guten Gott reden, der seinen einzigen Sohn für uns geopfert hat, und von einem Vater, der uns liebt und jedes Haar auf unserem Kopf gezählt hat, und gleichzeitig meckernd und schimpfend durch die Welt laufen. Murren verdirbt unser Zeugnis. Wenn wir das Murren und Zweifeln sein lassen, weil wir ihm vertrauen, erweisen wir uns als Kinder Gottes mit “Leuchtkraft”. (Philipper 2,15)

Ich hoffe, dass ich bei der nächsten Herausforderung daran denke.

2 Gedanken zu „Ich will nicht meckern

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