Predigt-Nachlese: Vom Verfolger zum Verfechter

Predigttext: Apostelgeschichte 9,1-22

Wenn Saulus irgendetwas hasste, dann diese Anhänger des Jesus-Weges! Sie waren Ketzer und mussten verschwinden! Das war sein Lebenszweck, mit dem er meinte, Gott zu dienen. Wie ein wildes Tier wütete er gegen die junge Gemeinde, spürte die Gläubigen auf, bedrohte sie, zwang sie, Jesus abzusagen, und setzte sich dafür ein, dass sie der Todesstrafe zugeführt wurden. Auch bei Stephanus hatte er für die Hinrichtung gestimmt und der Steinigung beigewohnt. Aber tief in seinem Herzen mag ihn dieser triumphale Tod doch beeindruckt haben. Hatte dieser Mann wirklich den Himmel offen gesehen? War vielleicht doch etwas dran an diesem Jesus, dass Menschen bereit waren, dafür ihr Leben zu geben? Hatten sie nicht Frieden, während in seinem eigenen Herzen der Hass tobte? Aber wenn ihm je Zweifel kamen an der Richtigkeit seines Tuns, so unterdrückte er sie mit aller Macht.

Er war klug und religiös sehr gebildet. Gamaliel, bei dem er sein theologisches Wissen erworben hatte, war eine anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Schriftgelehrtheit. Er konnte mit Sicherheit viel Passagen des Alten Testamentes auswendig. Unter den Pharisäern ragte er heraus mit seiner Hingabe an das Gesetz. Nun war er mit einer Vollmacht des Hohen Priesters unterwegs nach Damaskus, um dort in den Synagogen die Jesusjünger aufzuspüren, zu verhaften und nach Jerusalem zu bringen. Die Bevölkerung von Damaskus bestand zu etwa 12% aus Juden, und die aus Jerusalem vertriebenen Christen hatten ihnen das Evangelium gebracht, das sich jetzt auch dort ausbreitete.

Als treuer Jude sehnte er sich nach dem Messias, aber für ihn stand fest, dass dieser Jesus das nicht sein konnte. Es gab keinen Ansatzpunkt in seinem Leben dafür, dass er seine Meinung jemals ändern könnte. Doch nun ergreift Gott selbst die Initiative. Mitten in der Reisegruppe, die zur Ausrottung der Sache Jesu unterwegs ist, fast schon am Ziel, umstrahlt ihn ein Licht, und er wird zu Boden geworfen, und Jesus fragt ihn: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Seine Weggenossen merken zwar, dass sich da etwas Außergewöhnliches und Übernatürliches abspielt, aber was genau, das kriegen sie nicht mit. Als Saulus aufsteht, ist er blind und muss geführt werden.

Er hat Jesus, das Licht der Welt, gesehen, das Licht, das ihm, gemäß der Lehre der Rabbiner, schon aus 1. Mose 1 als der verheißene Messias bekannt war, genau den, den Stephanus auch geschaut hat, als sich der Himmel über ihm öffnete. Und er hat die erste Begegnung mit der Wahrheit, die er später wie kein anderer verkündigen sollte: Dass der Auferstandene eins ist mit seiner Gemeinde – er ist das Haupt, und sie ist sein Leib. Sie hat teil an seinen Leiden, und was ihr angetan wird, gilt eigentlich ihm.

Er ist drei Tage blind, konfrontiert mit der Wahrheit über Jesus – und seiner eigenen Finsternis. Sein ganzes Leben ist zusammengebrochen; was er für gut hielt, und worauf er seine Rechtfertigung vor Gott gründete, war nichts  als Dreck und ein furchtbares Missverständnis. Er hat den falschen Kampf gekämpft- nicht nur war alles nichts wert, sondern er erweist sich als Feind des Gottes, dem er zu dienen glaubte.

Er betet, er bereut, er fleht um Gnade. Und Jesus schickt ihm Hananias, der einige Erklärungen braucht, bis er versteht, was da geschehen ist mit seinem Todfeind. “Geh nur hin! Denn gerade ihn habe ich als Werkzeug für mich ausgewählt. Er soll meinen Namen bei Nichtjuden und ihren Königen genauso bekannt machen wie bei den Israeliten.  Ich werde ihm zeigen, wie viel er nun für meinen Namen leiden muss.“

Was muss es für Saulus bedeutet haben, als dieser Mann zu ihm kam und zu ihm sagte: “Saul, mein Bruder! Der Herr hat mich geschickt – Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist. Du sollst wieder sehen können und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.“ In diesen Worten und dem Auflegen der Hände durch Hananias zeigt sich ihm die ganze Vergebung Gottes. Er wird aufgenommen in die Gemeinschaft der Heiligen, die er hatte umbringen wollen.  Er erhält sein Augenlicht zurück und lässt sich taufen.

Die tiefe Erfahrung der Gnade, die sich ihm völlig grundlos zugewendet hat trotz seiner großen Schuld, lässt ihn sofort zu einem Verkündiger und Verfechter dieses wunderbaren Evangeliums werden. Jetzt kann er brauchen, was er gelernt hat. Nicht nur äußerlich sieht er wieder, vor allem erkennen seine Herzensaugen nun im ganzen Alten Testament Jesus als den Messias, und alles fügt sich zu einem schlüssigen Bild zusammen. Jetzt kann er seinen jüdischen Brüdern beweisen, dass Jesus der Christus ist. Jesus ist das Zentrum seines Lebens geworden, sein Herr, dessen Willen er tun will, der Inhalt seiner Verkündigung, die Offenbarung Gottes: Denn der Gott, der einst aus der Finsternis Licht leuchten ließ, hat das Licht auch in unseren Herzen aufstrahlen und uns die Herrlichkeit Gottes im Angesicht von Jesus Christus erkennen lassen. (1.Korinther 4,6)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s