Stille Zeit-Tipps (8): Betrachten

Ich lese zur Zeit den Hebräerbrief, und da fällt mir auf, dass wir zweimal zum “Betrachten” aufgefordert werden.

  • (3,1) Daher, ihr heiligen Brüder, die ihr Anteil habt an der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus….
  • (12,3) Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet!

Es hat mich dann mal interessiert, was das Wort alles beinhaltet. Im Urtext handelt es sich um zwei verschiedene Ausdrücke mit ähnlicher Bedeutung: ausführlich beobachten, wahrnehmen, entdecken, darauf achten.

Das umschreibt ziemlich genau, was wir in unserer Stillen Zeit tun wollen. Wir wollen Jesus entdecken und beobachten. Das schärft unsere geistliche Wahrnehmung im Alltag – wir lernen, den Unsichtbaren mit in Rechnung zu stellen bei allem, was wir tun. Und wir kriegen Kraft! Jesus zu betrachten, hilft gegen seelische Ermüdung, s.o.

Wie macht man das denn? Im Neuen Testament ist das relativ leicht, weil Jesus das Hauptthema ist. Im AT ist es etwas, was man ein bisschen üben muss, indem man immer wieder fragt: Was wird hier über Gott und seinen Charakter ausgesagt? Gibt es prophetische Hinweise auf Christus? Gibt es irgendwelche “Schatten”, die ihn als die eigentliche Figur abbilden? Der Hebräerbrief ist übrigens ein guter Schlüssel, um solche Verknüpfungen des Alten Testamentes mit Christus zu erkennen!

Betrachten ist etwas, wozu man Zeit braucht. Das geht nicht im Schnellverfahren. Da muss man vielleicht mal von allen Seiten um einen Text herumgehen, den Zusammenhang herausfinden, Spuren verfolgen. Das ist “Forschungsarbeit”. Aber es lohnt sich! Und die Bibel ist im guten Sinne ein “Fass ohne Boden” – ich kann dir versprechen, dass es dir nie langweilig wird!

Hier ein paar Fragen, die für den Start helfen können:

  • Was steht hier über Gottes Charakter?
  • Was steht hier über seine Stellung?
  • Was lobt oder tadelt er? Zeigt er mir etwas, was ich ihm bekennen sollte?
  • Wie verhält er sich?
  • Handelt er offensichtlich oder eher im Hintergrund (z.B. im Buch Esther)?
  • Wird etwas gesagt über seine Beziehung zur Menschheit generell? zu Israel? zur Gemeinde? zu mir persönlich?
  • Gibt er ein Versprechen?
  • Macht er eine Aussage über seine Pläne und sein zukünftiges Handeln?
  • Hat er etwas getan, und was bedeutet das für mich?
  • Will er etwas von mir, und wie werde ich reagieren?
  • Für was kann ich ihn loben?
  • Gibt es hier etwas, was mir fehlt, um das ich ihn bitten sollte?

Und dann: Jesus betrachten heißt auch, ihn anzubeten. Das kommt ganz automatisch, weil dein Herz übersprudeln wird. Du kannst gar nicht anders, du wirst es sehen!

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