Predigt-Nachlese: Von Religiosität erlöst und zur Anbetung befreit

Predigttext: Apostelgeschichte 9,20ff

Saulus (= Paulus) ist das Exempel für die Verwandlung eines Menschen durch die Kraft des Evangeliums. Ein selbstgerechter Fanatiker, sah er sich beauftragt, die Welt von denen zu säubern, die eine Gefahr für sein religiöses System darstellten. Dabei war seine ganze Energie darauf gerichtet, “gut” zu sein, Gott zu dienen und von ihm anerkannt zu werden. Kein Typ für halbe Sachen, verfolgte er die Gemeinde Jesu bis aufs Blut.

Und dann begegnet ihm dieser Jesus und spricht ihn an, und er fällt von seinem hohen Ross auf die Erde. Als er wieder vom Boden aufschaut, hat sich etwas Wesentliches verändert: Er nennt den “Herr”, den er bisher befehdet hat!

Von dieser Stunde an wird er nie mehr derselbe sein. Gott öffnet ihm die Augen, nicht nur physisch, sondern geistlich. Er erkennt seine Schuld. Was hat er getan! Er ist nicht der Gerechte und Gottesfürchtige, für den er sich gehalten hat, sondern ein Mörder und Feind Gottes. Die Gnade Jesu macht ein neues Geschöpf aus ihm. Nie mehr will er auf seine Taten bauen, um Gott nahe zu kommen. All die äußeren Werke seiner Religion waren zu nichts gut gewesen, doch jetzt gibt Gott ihm, ohne dass er dafür etwas als Gegenleistung geben kann, seinen Heiligen Geist, und macht ihn zu einem echten Anbeter.

Er vergeudet keine Zeit. Den Herrn, den er bis jetzt verfolgt hat, den will er jetzt verherrlichen und verkündigen. Er braucht keine Bibelschule. Die Schrift kennt er, und jetzt hat er den Schlüssel dazu gefunden! Dass dieser Weg ihm Leiden einbringen wird, das ist ihm klar, und das erfährt er auch ziemlich schnell. Aber was ist das schon, verglichen mit der Hoffnung und Freude, die ihn jetzt erfüllt! Und überhaupt geht es nicht mehr um ihn, sondern um Jesus!

Was Paulus von jetzt an bekämpft und wovor er uns warnt, ist das Konzept aller Religionen: Die Vorstellung einer Waage, auf der wir unsere schlechten Taten mit guten aufwiegen können, um Gott zufrieden zu stellen. Diese Waage gibt es nicht – und gäbe es sie, so hätten wir nichts, um es auf die gute Seite draufzulegen. Denn Gott kennt unsere Herzen. Wir können gute Vorsätze fassen, zur Kirche gehen, anständig leben, das ganze religiöse Programm erfüllen – es hat denselben Effekt, wie wenn man ein Schwein badet. Es hält nicht lange. Ein Schwein ist ein Schwein, es muss sich im Dreck wälzen, das ist seine Natur. Was sollen wir also tun? Wir können nichts tun. Garnichts. Gott muss eingreifen in unser Leben, uns zu einer neuen Kreatur machen, uns seinen Geist und ein anderes Herz geben.

Werden wir dann nie mehr sündigen? Doch. Aber es geht uns gegen den Strich. Unsere innerste Richtung hat sich geändert, wir hassen die Sünde, wir bekennen sie, wir wollen sie nicht mehr! Dafür haben wir einen ganz neuen Wunsch: Gott zu dienen, ihm unser ganzes Leben als “lebendiges Opfer” hinzugeben. Es gibt für uns nichts Wichtigeres und nichts Wertvolleres mehr als er. Wir können auf alles verzichten, aber nicht auf Jesus, denn er ist unser Leben geworden.

Hat Gott dich zu dieser Art Anbetung befreit, oder bist du noch ein gebadetes Schwein, vielleicht religiös bemäntelt? Von außen lässt sich das manchmal schwer unterscheiden. “Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr unecht wärt!” schreibt Paulus den Korinthern. Ist dein Kennzeichen die von äußeren Umständen unabhängige Freude an Jesus? Oder bist du innerlich leer? Werde aufrichtig vor Gott, lass dir von seinem Wort den Spiegel vorhalten und deine Verlorenheit zeigen, lass das gute Bild von dir sausen, mit dem du dich selbst betrügst! Dann erst kann dein Herz fröhlich werden über die Barmherzigkeit und Vergebung, die Jesus dir schenkt, und du kannst ein Anbeter in Geist und Wahrheit werden!

3 Gedanken zu „Predigt-Nachlese: Von Religiosität erlöst und zur Anbetung befreit

  1. waitingathisdoorway

    Ein schöner Artikel!!! Nur eine kleine, eig. themenabweichende, Bemerkung zu „Er braucht keine Bibelschule“: Paulus hat sich nach seiner Bekehrung 3 Jahre zurückgezogen (Gal 1,16ff). Klar kannte er die Schriften schon seit seiner Kindheit sehr gut, dennoch brauchte er sehr wohl eine Art „Bibelschule“. Die Tatsache, dass er im Alten Testament die ganze Zeit die Hinweise auf Jesus als Sohn Gottes überlesen hatte, warf ein völlig neues Licht auf seine Bibelerkenntnis. Das lehrt uns mind. 2 Sachen. 1. Man kann die Bibel viel lesen und dennoch falsch verstehen. 2. Ist es, denke ich, ein wichtiger Hinweis, dass wir uns nicht vorschnell für Missionare halten dürfen, sondern zunächst gut in der Schrift bewandert sein sollten. Bibelschulen, Bibelstunden usw. sollten wir also gerne (weiter) besuchen 🙂

    Gefällt mir

    Antwort
    1. Ruth Autor

      Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das mit dem Rückzug so stimmt (ist aber wohl eine traditionelle Annahme). In Gal.1 sagt er eigentlich nur, dass er die ersten 3 Jahre in Arabien war und keinen Kontakt hatte zu den Aposteln in Jerusalem. Wo genau dieses Arabien war, wissen wohl auch die Gelehrten nicht; der Hauptpunkt ist, dass sein Auftrag als Apostel von Menschen unabhängig war. In der Apostelgeschichte ist da einfach eine Lücke – insofern ist eine Zeit der Stille nicht ausgeschlossen. In Damaskus hat er allerdings wohl sofort angefangen zu predigen.
      Ansonsten hast du wohl recht! Lernen sollen wir, und wir lernen sowieso nie aus, und ich sehe heute Christus mehr in der Bibel als je zuvor, obwohl ich sie schon lange lese. Das ist so ein gesegneter Kreislauf: Man sieht ihn in der Schrift, weil man ihn durch den Heiligen Geist erkennt (durch diese Initialzündung Gottes, die kein Mensch machen kann und die uns erstmals die Augen öffnet), und dann erkennt man ihn immer mehr, weil man ihn in der Heiligen Schrift sieht!

      Gefällt mir

      Antwort
  2. waitingathisdoorway

    Ok, habe nochmal im M.H. Kommentar nachgesehen, da steht „he did not consult men; he did not apply to any others for their advice and direction; neither did he go up to Jerusalem, to those that were apostles before him, as though he needed to be approved by them, or to receive any further instructions or authority from them: but, instead of that, he steered another course, and went into Arabia, either as a place of retirement proper for receiving further divine revelations, or in order to preach the gospel there among the Gentiles, being appointed to be the apostle of the Gentiles; and thence he returned again to Damascus“. Du hast also Recht, ich hatte es immer so gelernt, dass Paulus sich zurückzog zum Bibel (neu) studieren, was denke ich auch gut sein kann. Der Gedanken ist ja auch bei Jesus zu finden, der sich viel zurückzog um mit dem Vater alleine zu sein, gerade in Zeiten des harten Dienstes. Geben können wir nur was wir empfangen haben und es ist wichtig die Bibel immer wieder zuvor zu lesen, um aus „Seiner Fülle Gnade um Gnade [zu nehmen]“ (Joh 1,16), und nur so bestens ausgerüstet zu sein zum Dienst. Danke für deine Gedanken, diesen ‚Kreislauf‘ sollten wir antreiben, er ist ja so schön!!
    In IHM herzlich verbunden,
    Janice

    Gefällt mir

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s