Predigt-Nachlese: Gott bricht die Mauer ab

Predigttext: Apostelgeschichte 10,1-24

Die Gemeinde, an Pfingsten durch den Heiligen Geist “geboren”, wuchs durch die Verkündigung der Apostel in Jerusalem. Als dann eine heftige Verfolgung ausbrach, und die Jesus-Leute sich überallhin zerstreuen mussten, wurde die Botschaft unter den Juden in anderen Städten verbreitet, und auch dort kamen viele zum Glauben. Schließlich hörte auch das Mischvolk der Samariter von Jesus; auch dort erkannten Menschen die Wahrheit, ließen sich taufen und empfingen den Heiligen Geist. Damit wurden sie hineingepflanzt in das neue Volk Gottes. Aber noch fehlten die Heiden. Jesus hatte zwar gesagt: Verkündigt das Evangelium allen Völkern!, aber um das zu verwirklichen, mussten die Herzen seiner Mitarbeiter einem Prozess des Umdenkens unterzogen werden.

Bei Petrus war da schon einiges geschehen, sonst hätte er nicht bei einem Gerber wohnen können. Aber er sah sich immer noch als Juden. Er hatte die Gnade erfahren, aber das Gesetz Israels war für ihn Teil seiner Identität. Die Speisegesetze z.B.zogen eine scharfe Linie zwischen Juden und Heiden, Gesetze die Gott einst erlassen hatte, um sein Volk aus seiner heidnischen Umwelt auszusondern und als heilig zu kennzeichnen. Durch diese und andere Vorschriften war eine Mauer zwischen dem auserwählten Volk und dem Rest der Welt, die für eine Zeit einen Sinn hatte, aber jetzt abgebrochen werden musste, weil die Gläubigen durch Tod und Auferstehung Jesu eine neue, gemeinsame Identität bekamen. Den Heiden-Christen in Ephesus schreibt Paulus später (Epheser 2,11ff): Ihr wart damals von Christus getrennt, vom Bürgerrecht Israels ausgeschlossen und standet den Bündnissen Gottes und den damit verbundenen Zusagen als Fremde gegenüber. Ihr hattet keine Hoffnung und lebtet ohne Gott in der Welt. Doch jetzt seid ihr, die ihr damals Fernstehende wart, durch die Verbindung mit Jesus Christus und durch sein Blut zu Nahestehenden geworden. Denn er selbst ist unser Friede, er, der aus beiden eine Einheit gemacht und durch sein körperliches Sterben die Mauer der Feindschaft niedergebrochen hat.

In unserem Text sehen wir nun, wie Gott zwei Männer vorbereitet und zusammenbringt, um seinen Plan umzusetzen.

  • Da ist Cornelius, ein heidnischer Hauptmann, an dessen Herzen er schon gewirkt hat. Cornelius ist ein gottesfürchtiger Mann: Er hat den heidnischen Götzenkult hinter sich gelassen, er betet zum Gott Israels, er ist freigebig, er sucht den wahren Gott aus ganzer Seele. Gott, der ihn erwählt hat, ist schon dabei, ihn zu sich zu ziehen. Nun ist die richtige Zeit gekommen: Ein Engel erscheint ihm, ermutigt ihn und sagt ihm, wo der Mann zu finden ist, den er holen soll, damit er ihm die Worte sagen kann, nach denen er sich schon lange sehnt.
  • Dieser Mann ist Petrus. Auch Petrus hat eine Erscheinung, während er betet. Ein Tuch mit unreinen Tieren kommt aus dem Himmel herunter, und er wird aufgefordert, zu schlachten und zu essen. Aber das kann er doch nicht tun! Was verlangt Gott denn da von ihm? Nie im Leben hat er so etwas angerührt! Da wird ihm erklärt: Was Gott für rein erklärt hat, halte du nicht für unrein. Das passiert dreimal und lässt ihn ziemlich verwirrt zurück. Dann stehen die Boten von Cornelius vor seiner Tür, und der Heilige Geist spricht zu ihm: Da sind drei Männer, die dich suchen. Steh auf und geh nach unten! Du kannst ihnen ohne Bedenken folgen, denn ich habe sie geschickt. Die Männer tragen das Anliegen von Cornelius vor, und er nimmt sie in das Haus auf, isst mit ihnen, und zieht am nächsten Tag mit ihnen fort.

Gott hätte Cornelius ja auch gleich das Evangelium “verraten” können, aber er benutzt Petrus dazu. Es ist ein wunderbares Privileg, in seine Pläne eingebunden zu werden. Er will sie durch menschliche Instrumente ausführen, und er will die die Einheit seiner Gemeinde deutlich machen.

Wenn Gott uns aus unseren Traditionen und tief verwurzelten Denkmustern (die auch nicht immer komplett falsch sein müssen) herauslöst, um uns in der Gnade zu verankern, läuft das nicht immer komplikationslos. Wir sehen auch im Lauf der Jahre, dass Petrus da leicht zu verunsichern war und dem Druck der Gestzestreuen nicht immer stand hielt. Auch in unserem Leben bleibt es ein ständiger Kampf, für unsere Annahme bei Gott nicht auf Regel- und Gesetzeserfüllung zu vertrauen, sondern allein auf die Reinigung durch das Blut Jesu.

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