Rätsel Gebet

Ich bin immer noch am Nachdenken über die Geschichte in der Predigt gestern. Sie ist irgendwie amüsant: Eine ganze Gemeinde betet, und als Gott antwortet, können sie es gar nicht fassen. Irgendwie rückt sie das näher zu uns in unseren eigenen Fragen und Erlebnissen bezüglich des Themas Gebet.

Ich vermute mal, sie haben gar nicht um so eine Befreiung gebetet. Jakobus war gerade hingerichtet worden, und nun hatte man Petrus verhaftet. Vielleicht haben sie gebetet, dass Gott Petrus Kraft gibt, treu zu bleiben. vielleicht baten sie darum, dass er einen fairen Prozess bekommt und wieder freigelassen wird. Möglicherweise versuchten sie Gott klar zu machen, dass sie Petrus noch brauchten. Oder sie flehten darum, dass der Herr ihn noch mal ein mächtiges Zeugnis geben lassen würde, wenn er vor Gericht stand……ich nehme mal an, all das durcheinander. Vielleicht beteten sie auch um eine wunderbare Befreiung durch Engel, weil das ja schon mal passiert war. Aber was ich interessant finde: Obwohl sie Wunder erlebt hatten, gingen sie nicht davon aus, dass ihr Gebet ihnen ein Wunder-Abo verschaffte. Sie wussten, dass Gott manchmal so handelt und manchmal eben anders. Sie kannten den Gott von Hebräer 11, der einmal das Rote Meer teilt und ein anderes Mal zulässt, dass seine Leute umgebracht werden. Diesem Gott kann man, auch mit noch so viel Glauben, keine Vorschriften machen.

Viele Jahre habe ich versucht, die “Mechanik” des Gebets zu verstehen. Welche Schraube muss ich drehen, damit ich zu diesem oder jenem Ergebnis komme? Die Glaubens-Schraube? Die Heiligungsschraube? Die Sündenbekenntnisschraube? Die Anbetungsschraube? Wann gibt mir Gott, um was ich bitte?

Irgendwann hat es “Klick” gemacht, und ich habe verstanden, dass es keine Schraube gibt. Es geht um eine Beziehung zu meinem liebenden himmlischen Vater. Er will, dass ich zu IHM komme, und ich komme. Er lässt mich reinwachsen in ein Verständnis seines Willens – so kann ich im Lauf der Zeit “intelligenter” beten, sehen, was fehlt, mich einsmachen mit seinen Zielen. Und es gibt eine Voraussetzung: Im Namen Jesu. Jesus hat die Grundlage geschaffen, damit ich sündiger Mensch überhaupt mit Gott reden darf. Und er schickt mich zu ihm hin! “Bis jetzt habt ihr noch nichts in meinem Namen erbeten. Bittet nur – ihr werdet es bekommen. Und dann wird eure Freude vollkommen sein. Dann werdet ihr ihn in meinem Namen bitten … Ich sage nicht, dass ich dann den Vater für euch bitten werde, denn der Vater selbst hat euch lieb. (aus Johannes 16, 23ff NEÜ)

Deswegen bete ich oft so: Vater, Jesus schickt mich zu dir. Er sagt, ich soll kommen und dich um alles bitten, darum tue ich das! Nur deswegen traue ich Sünder mich überhaupt in deine Gegenwart, aber dass er mir sagt, du hast mich lieb, und dass er sich mit seinem Blut für mich verbürgt, das macht mich so kühn! Und das und das und das will ich von dir haben, und ich bin sicher, er ist damit einverstanden!

Und Gott hört mich. Nein, ich habe kein Wunder-Abo! Aber ich sehe seine Hand überall, und manchmal gibt es Überraschungen, die weit über das hinausgehen, was ich mir vorstellen konnte. Vieles vollzieht sich als Entwicklung, bei manchem erkenne ich, dass Gott es anders verfügt, als ich mir das in meinem Unverständnis gewünscht habe. Das Beste dabei ist, dass ich IHN immer besser kennenlerne – und dass ich mit nichts mehr allein bin.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s