Predigt-Nachlese: Gesetzlichkeit – was steht auf dem Spiel?

Predigttext: Galater 4,1-20

In die Gemeinde der Galater war die Irrlehre eingedrungen. Das Opfer Jesu wurde als nicht ausreichend herabgewürdigt, während die Galater sich selbst aufwerteten als solche, die zu ihrer eigenen Erlösung beitragen konnten durch das Halten des Gesetzes.

Im Brief an die Römer hatte Paulus seine Theologie entfaltet: Das Gesetz hat uns nichts genützt, um vor Gott zu bestehen. Es hat uns nur davon überführt, dass wir schuldig sind. Gerettet werden wir nur durch den Glauben an das, was Jesus für uns getan hat. Den Galatern schreibt er: Das Gesetz war ein strenger Erzieher. Es verlangt Leistung, genau wie diese Welt. Das Prinzip ist: Du kriegst, was du verdienst. Bringst du trotz aller Anstrengung die Leistung nicht, dann hast du ein Problem und keine Chance, es zu lösen.

Aber dann kam Jesus und machte diesem Zustand ein Ende. Er wartete nicht auf unsere Vorleistung – er kannte ja unsere Ohnmacht, sie zu bringen – sondern starb für uns, seine Feinde. Gott hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren … Denn durch den Tod seines Sohnes hat Gott uns ja schon versöhnt, als wir noch seine Feinde waren (aus Römer 5). Seine Liebe war schon da, ehe wir ihn überhaupt lieben konnten.

Er tat das, als die Zeit erfüllt war. Alles passte: Das politische und geografische Setting des römischen Reiches, das Nordafrika, Asien und Europa verband, die Dominanz und Verbreitung des Griechischen als Weltsprache – das alles machte die schnelle Verbreitung der guten Botschaft möglich und den Bau des Reiches Gottes aus Juden und Heiden, Sklaven und Freien, Männern und Frauen, die eins und gleichwertig sind in Christus. Gott macht sie alle zu Erben der Verheißung. Er gibt ihnen den Geist seines Sohnes, so dass sie ihn  vertrauensvoll mit “Abba” (Papa) anreden.

Nachdem Gott das alles getan hat, fragt Paulus, wollt ihr wirklich zurück zu diesem aussichtslosen Leistungsprinzip? Er ist richtig verzweifelt. Habe ich denn vergeblich an euch gearbeitet? Seid wie ich! Er hatte das alles hinter sich gelassen, als wertlosen Dreck erkannt. Nachdem er die Religion der Werke bis zum Extrem gelebt hatte, war er Jesus begegnet, und nun wollte er nichts anderes mehr als die zugesprochene Gerechtigkeit, die Gott dem Glaubenden gibt.

Er muss feststellen, wie sehr die Galater sich geändert haben. Als er ihnen das Evangelium verkündigt hatte, hatten sie es trotz seiner Schwachheit angenommen. Sie waren dankbar und voller Liebe ihm gegenüber gewesen. Jetzt sind  sie feindselig geworden und können die Wahrheit nicht ertragen. Gesetzlichkeit macht hart; sie ist ein Liebes- und Freudenkiller. Aber Paulus will sie all dem nicht überlassen. Er kämpft um sie! Er liegt sozusagen in Wehen, bis er wieder sieht, dass Christus in ihnen Gestalt gewinnt. Das sollten wir auch tun: Verirrte nicht einfach ziehen lassen, sondern um sie kämpfen mit Wahrheit und Liebe.

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