Predigt-Nachlese: Brauchen die Heiden das Gesetz?

Predigttext: Apostelgeschichte 15,1-22

Die Verfolgung von außen hatte die Gemeinde geistlich nicht geschwächt. Aber nun entstand eine interne Krise, die eine echte Bedrohung darstellte. In der Gemeinde in Antiochia tauchten Leute aus Judäa auf. Sie hatten einen weiten Weg auf sich genommen, weil sie den Eindruck hatten, dass sie etwas zurechtrücken müssten. Es konnte doch nicht sein, dass die Gläubigen aus den nicht-jüdischen Heidenvölkern “einfach so” gerettet wurden, ohne sich beschneiden zu lassen und das Gesetz Moses zu halten? Hier war – ihrer Meinung nach – ein ernstes Wort erforderlich!

Paulus und Barnabas sahen das ganz anders. Barnabas war ja ursprünglich von Jerusalem aus nach Antiochia entsandt worden, um den dortigen Aufbruch zu prüfen und die junge Gemeinde zu befestigen. Er hatte sich davon überzeugt, dass hier die Gnade Gottes am Werk war, und sich gefreut. Als Verstärkung hatte er  Paulus geholt, und unter der geistlichen Pflege  dieser beiden Brüder war die Gemeinde so stark geworden, dass sie Paulus und Barnabas aussenden konnten, um an anderen Orten das Evangelium zu verkündigen. Als nun diese Judaisten kamen und die Botschaft brachten: “Euch fehlt noch etwas!”, gingen Paulus und Barnabas auf die Barrikaden. Schließlich hatten sie überall verkündigt: “Durch diesen Jesus wird euch Vergebung der Sünden angeboten. Das Gesetz des Mose konnte euch nicht von ihnen freisprechen.Durch Jesus aber ist das möglich. Jeder, der an ihn glaubt, wird von aller Schuld freigesprochen.” (Apg. 13,38.39) Das war mit der Botschaft der Gesetzeslehrer unvereinbar!

Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, denn es ging um Alles oder Nichts. Das war keine Meinung, die man tolerieren und dem Harmoniebedürfnis unterordnen konnte. Hier waren Wölfe, und es galt, die Herde zu verteidigen! Da Wahrheit aber keine Privatmeinung ist, und die Frage von grundlegender Bedeutung für alle Jünger überall war, beschloss die Gemeinde, Paulus und Barnabas nach Jerusalem zu schicken und zusammen mit den Aposteln und Ältesten dort zu einer verbindlichen Aussage zu kommen. Wie gut würde uns das auch heute tun, wenn die Leiter sich zusammen setzen und das Wort Gottes über strittigen Fragen erforschen würden, statt jeden Unfug zu tolerieren und ihm eine Plattform zu überlassen!

In Jerusalem zeigte sich dann auch, woher der Wind wehte. Er kam aus der Richtung von Pharisäern, die zwar Jesus als Messias angenommen hatten, aber nicht – wie der Ex-Pharisäer Paulus – ans Ende aller eigenen Bemühungen gekommen waren, durch das Halten des Gesetzes mit Gott ins Reine zu kommen. Sie waren bereit, die Heiden anzunehmen, aber nur, wenn sie sich beschneiden ließen und das Gesetz hielten.

Nun ergriff Petrus das Wort. Es war schon etwa 10 Jahre her, dass Gott ihm gezeigt hatte, dass Er die Heiden vollständig akzeptierte, wenn sie ihr Vertrauen auf Jesus setzten. Und nicht nur das: Hatten sie nicht selbst die Erfahrung gemacht, dass das Gesetz eine unerträgliche Last war, weil man damit einfach nicht zum Ziel kam? Niemand konnte es ja halten! Warum sollte man etwas, was sich als untauglich erwiesen hatte, Annahme bei Gott herzustellen, wieder einführen? Das war widersinnig! Auch sie, die Juden, wurden ja nur durch die Gnade gerettet und nicht durch Beschneidung und Regelerfüllung! Der Glaube an Jesus war völlig ausreichend, um zu retten und das Herz zu reinigen und den Heiligen Geist zu empfangen. Die Gnade ist der eine Weg für alle, Juden und Heiden, und einen zweiten Weg gibt es nicht! Jesus ist zu 100% unsere Gerechtigkeit! Mehr geht nicht!

Das gilt auch für uns. Unser Stolz hat immer die Tendenz, dem Evangelium der Gnade etwas hinzuzufügen. Wir können unserer völligen Unfähigkeit, Gott zufrieden zu stellen, so schwer ins Gesicht sehen. Lieber wollen wir uns an Regeln abarbeiten. Dabei hat er selbst schon längst einen Weg gefunden, wie er mit uns zufrieden ist: durch Jesus. Wir müssen es nur annehmen. Dann wirkt der Heilige Geist in uns, dass wir aus Dankbarkeit  und Liebe zur Ehre des Gottes leben wollen, der uns schon gerettet hat.

Ein Gedanke zu „Predigt-Nachlese: Brauchen die Heiden das Gesetz?

  1. freeatlast

    Besonders der letzte Absatz… – wundervoll! Die letzten drei Sätze – das Evangelium! Mehr Worte braucht es nicht. Taten schon gar nicht, unsere, meine ich. WIE großartig das ist, kann ein ehemaliger Siebenten-Tags-Adventist auf vielleicht einmalige Weise empfinden.

    Gefällt mir

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s