Auspacken, bitte!

 

Als ich neulich den frisch dekorierten Schaukasten unserer Gemeinde sah, war meine erste Reaktion Befremden. Ein Kreuz als Geschenkschleife gebunden? Das ist schon ein bisschen komisch. Das Kreuz ist so eine harte und blutige Sache, völlig unromantisch, nichts für die schönen Stunden des Lebens, nichts, was man an Weihnachten auspacken möchte, wenn, dann höchstens versilbert an einem Kettchen … Und doch ist es genau dieses Kreuz, das Gott uns zum Geschenk gemacht hat, und es war für ihn ein sehr teures Geschenk, denn es kostete ihn das Leben seines einzigen und vielgeliebten Sohnes.

Mir fiel dann spontan der Vers aus Römer 8,32 ein: Römer 8,32

Wirklich ein sehr teures Geschenk, das teuerste, das je gemacht wurde. Warum tut Gott so etwas? Warum lässt er seinen einzigen, geliebten Sohn herunterkommen in eine unhygienische Krippe, in eine arme Familie, zu Eltern, die ihn bei aller Frömmigkeit nicht wirklich verstehen, bald nach seiner Geburt ein Flüchtling, zu einem Volk, das ihn gar nicht will, dessen Obersten ihn so hassen, dass sie ihn foltern und ans Kreuz schlagen lassen? Und als wäre das alles nicht schon schrecklich genug, legt Gott auch noch unsere Schuld auf ihn und wendet sich von ihm ab und lässt ihn vaterseelenallein dort hängen, bis die Schuld gesühnt ist.

Wir können uns da nicht rein denken, was das bedeutet hat. Auf jeden Fall war Jesus damit einverstanden. Das war tatsächlich eine Absprache zwischen ihm und dem Vater. Zusammen haben sie uns dieses Geschenk gemacht. Bloß – warum?

Die Antwort gibt uns der berühmte Vers in Johannes 3,16. Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab. Der Grund ist, dass er uns liebt. Er will uns nicht verloren sehen, er will uns retten. Es ist nicht so, dass Gott uns braucht, aber er sieht, dass wir ihn so nötig brauchen. Wir sind verirrt und hilflos, unsere Seelen verhungern und verdursten ohne ihn, unsere Sünde macht uns kaputt. Gott hatte Mitleid mit uns. Von Jesus heißt es einmal: Er sah die Menschen, wie sie erschöpft und verschmachtet waren wie Schafe ohne Hirten, und es bewegte ihn tief.

Deswegen hat der Vater uns seinen Sohn zum Geschenk gemacht. Deswegen hat sich Jesus selbst freiwillig für uns gegeben: Damit wir wieder einen Hirten haben.

Das Geschenk des Kreuzes ist für uns vor allem das Geschenk der Vergebung. Gott hat nichts mehr gegen uns. Seine Abrechnung mit unserer Sünde ist über Jesus ergangen, und deswegen steht nichts mehr zwischen uns und ihm. Aber in diesem Geschenk sind für uns ganz viele Geschenke verpackt, und ich lade euch ein, mit mir ein bisschen auszupacken. Denn stell dir vor: Du machst jemand ein unendlich wertvolles Geschenk, und der guckt nur die Schachtel an und sagt: Ah, danke! und legt sie weg und packt sie gar nicht aus. Du wärst sehr enttäuscht, nicht wahr?

In 1-Kor 2,12 heißt es: Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind. Gott legt Wert darauf, dass wir alles auspacken!

Ich kann euch versichern, dass es ein unerschöpfliches Geschenk ist. Ich bin jetzt seit fast 45 Jahren am Auspacken, und ich entdecke immer noch Päckchen in den Päckchen. Johannes sagt in 1,16: Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Dass uns vergeben wurde, das eröffnet uns so viele neue Möglichkeiten, die wir vorher nicht hatten.

Im Geschenk der Vergebung steckt zum Beispiel drin, dass wir den verlorengegangenen Vater wiederbekommen haben. Und in diesem Vater-Geschenk bekommen wir ein Zuhause, eine Familie, Erziehung, Zuwendung, ein offenes Ohr für unsere Sorgen, einen, der stark genug ist, mit jedem unserer Probleme fertig zu werden. Da ist ein Haufen Gutscheine drin, die wir in allen Lebenslagen einlösen können: z.B. „Ich will dich nicht aufgeben und dich nie verlassen.“ (Hebr. 13,5)

oder „ Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er ist besorgt für euch!“ (1. Petrus 5,7)

oder „Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.“ (Philipper 4,6)

Dann gibt es das „Hoffnungs“-Päckchen. Da ist alles drin, was wir noch nicht sehen können, aber was schon für uns bereit liegt: ewige Gemeinschaft mit Gott im Himmel, das Ende von allem Leid, die Erlösung und Umgestaltung unseres Körpers, endgültige Befreiung von unsrer sündigen Natur, eine königliche Erbschaft und Mitregentschaft mit Christus, wenn er wiederkommt.

Dann gibt es das Päckchen „Lebenssinn.“ Da ist ein allgemeiner Auftrag drin für uns alle, unseren wunderbaren Herrn Jesus in dieser Welt bekannt zu machen und zu loben, aber auch ein persönlicher Auftrag für jeden von uns, Gaben, die wir für Gott einsetzen dürfen in seinem Dienst.

Dann gibt es das Päckchen „Heiliger Geist“, die Kraft zu einem neuen Leben, die wir ja von Natur nicht haben, Mut zum Zeugnis, einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit, ein neues Herz, das Freude daran hat, Gottes Wege zu gehen. Da drin enthalten ist auch ein neues und erleuchtetes Verständnis des Wortes Gottes und ein neuer geistlicher Hunger nach seiner Wahrheit.

Dann gibt es das Päckchen „Identifikation mit Christus“, das habe ich erst in den letzten Jahren richtig angefangen auszupacken. Er ist meinen Tod gestorben, damit ich sein Leben leben kann. Wow! Wenn du dich damit mal näherbeschäftigen willst, lies Römer 6!

Gott hat uns in Jesus auch einen Hohepriester geschenkt. Am Thron Gottes steht einer für uns, der uns versteht, der aus eigener Anschauung weiß, was Menschsein ist, Hunger, Durst, Angst, Müdigkeit, Schmerzen, Einsamkeit – das ist ihm alles vertraut. Er versteht uns. Er weiß, dass Gehorsam manchmal schwer ist, er kann unsere Kämpfe nachvollziehen. Er ist uns auch als Vorbild geschenkt dafür, wie wir als Menschen in Abhängigkeit von Gott leben, lieben und unseren Auftrag ausführen können.

Es sind so viele Dinge – ich kann sie hier nicht ausschöpfen. Wir werden noch die ganze Ewigkeit lang mit Auspacken beschäftigt sein, denke ich, aber wir wollen hier und jetzt damit anfangen. Weihnachten mitsamt dem Kreuz wollen wir dankbar annehmen und genießen. Gott wünscht sich das, dass wir sein Geschenk in Besitz nehmen. Wir sollten ihn nicht kränken durch Undankbarkeit.

 

 

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