Alt werden und glücklich sein

Mein Papa wird heute 88 Jahre alt. Am Donnerstag konnte ich ihn besuchen, und wir hatten einen langen Gedankenaustausch über das Kreuz Jesu: Was da geschehen ist, was es für Gott bedeutet hat, wie Jesus den Willen Gottes so vollkommen erfüllt hat. Als ich nach Hause fuhr, dachte ich: Wie viele alte Väter wird es wohl geben, deren Freude es ist, sich mit ihrer Tochter über dieses Thema zu unterhalten? Die die Heilige Schrift ein- und ausatmen? Die dankbar sind? Ich bekomme es manchmal bei Kollegen mit, wie unerträglich um sich selbst kreisend und dickschädelig alte Eltern sein können.

Es ist nicht so, dass ich meinen Vater idealisieren will. Aber so zu sein im Alter, genügsam, zufrieden und mit den Dingen Gottes in Herz und Sinn – das scheint mir ein erstrebenswertes Ziel.

Es gibt so viele verschiedene Arten, wie man alt werden kann. Man kann wie Salomo von einem weisen jungen Mann zu einem halbherzigen alten Synkretisten werden, oder wie Eli am Schluss feststellen, dass man schreckliche und unwiderrufliche Fehler gemacht hat. Man kann wie Mose bis zum letzten Tag im Dienst stehen und einen Nachfolger heranziehen oder wie Paulus, alt und im Gefängnis, immer noch vor Liebe zum Herrn und zu den Geschwistern brennen und sich für andere einsetzen. Wie Isaak kann man in “Torschlusspanik” versuchen, in seinem Testament den eigenen Willen durchzusetzen, oder sich wie Jakob dabei von Gott leiten lassen.

Wie wir alt werden, entscheidet sich in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen. Salomos Abtrünnigkeit hat sich schleichend entwickelt, weil er Gottes Wort nicht beachtete. Der Eifer eines Paulus, die Treue eines Mose sind im Alter wie reife Früchte, die lange vorher geknospt und angesetzt haben. Jakob hat sich von Gott durch alle Nöte seines Lebens zum “Israel” formen lassen.  Aber auch das gibt es, dass ein alter Manasse sich noch bekehrt, selbst wenn der Schaden, den er angerichtet hat, nicht mehr zu kitten ist.

Der große Vorteil des Alters ist, dass die Dinge der Welt, wie Barsillai feststellte, “geschmacklos” werden. Wenn die Erde verblasst, wird der Himmel deutlicher und farbiger. Gebe Gott, dass wir keine selbstsüchtigen, egozentrierten alten Narren werden, die versuchen, aus dem letzten bisschen Erdenleben so viel Vergnügen wie möglich rauszuholen, sondern ihm in “Gottseligkeit mit Genügsamkeit” dienen bis zum Schluss!

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