Predigt-Nachlese: Bedrängt, aber nicht erdrückt

Apostelgeschichte 22,17 – 23,11

machine-369519_1280Zur Vorgeschichte: Paulus war in Jerusalem beschuldigt worden, Heiden in den Tempel gebracht und ihn dadurch geschändet zu haben. Als die aufgebrachte Menge ihn umbringen will, interveniert der römische Oberste, lässt ihn fesseln und ins Lager bringen, um zu erfahren, was die Ursache dieser Aufregung ist. Er erlaubt Paulus, der ihn darum bittet, zu der Volksmenge zu reden.

Paulus spricht nun das Volk in Hebräisch an. Er erzählt ihnen, wie auch er ein Christenhasser gewesen ist, und wie die Begegnung mit Jesus zu einer völligen Kehrtwende  geführt hat. Wie Gott ihm durch Hananias seine Berufung zum Zeugen über das Widerfahrene mitteilen ließ, und das für alle Menschen … und dann hatte es noch eine Vision im Tempel gegeben, bei der Gott zu ihm gesagt hat: Geh, denn ich will dich weit weg zu den anderen Völkern senden!

Bis hierhin haben die Leute ihm zugehört – jetzt bricht der Sturm wieder los. Sie schreien nach seinem Tod. Was war an dem, was er sagte, so schlimm für sie? Dass Heiden – ohne vorher zum Judentum zu konvertieren und die Gebote zu halten, ohne Beschneidung, ohne jegliche Selbstverbesserung –  gerettet und ins Volk Gottes akzeptiert werden sollten, das geht ihnen über die Hutschnur und ist ein Affront gegen all die Mühe, die sie sich geben, um Gott zu gefallen, und gegen ihren Stolz als auserwähltes Volk.

Der Kommandeur ist ratlos. Er hat wohl die hebräische Ansprache nicht verstanden. Schon wieder muss er diesen Mann vor dem Mob retten, und er möchte jetzt unbedingt wissen, was hier los ist. Er befiehlt also die Folter: Paulus soll mit Geißelhieben zu einer brauchbaren Aussage gebracht werden.

Paulus weiß, dass das böse enden wird, denn er hat nichts zuzugeben! Darum bringt er seine römische Staatsbürgerschaft ins Spiel. Es ist verboten, einen Römer mit solchen Methoden zu traktieren; schon dass man ihn ohne Grund gefesselt hat, ist widerrechtlich. Dem Obersten wird es heiß und kalt, als er erkennt, in was er sich da reingeritten hat. Wie soll er aber auch ahnen, dass dieser Jude, der Hebräisch und Griechisch flüssig spricht, ein gebürtiger Römer ist!

Am nächsten Tag beruft er den Sanhedrin ein. Vielleicht kommt er so dahinter, welche Anklage gegen Paulus erhoben wird. Was für eine emotionale Achterbahnfahrt ist das alles für den Apostel, was für eine Herausforderung für sein Vertrauen in Gott! Nun steht er also vor dem Hohen Rat der Juden, dem er selbst früher einmal angehört hat! Er schaut ihnen in die Augen und tritt trotz der Ernsthaftigkeit seiner Liebe gleich ins nächste Fettnäpfchen: Meine Brüder, sagt er, ich habe Gott immer mit einem reinen Gewissen gedient und daran hat sich bis heute nichts geändert. Hier kann nur eine Seite ein reines Gewissen haben – er oder sie! So etwas aus dem Mund dieses Verräters! Der Hohepriester lässt ihn auf den Mund schlagen, worauf Paulus ihn als getünchte Wand bezeichnet. Das beschreibt diesen Mann ziemlich zutreffend. (Nach dem Geschichtsschreiber Josephus war der Hohepriester Hananias  dafür bekannt, dass sein Reichtum auf dem Unterschlagen von Spenden beruhte.) Trotzdem entschuldigt sich Paulus, als ihn die Umstehenden darauf hinweisen, dass er den Hohepriester Gottes beleidigt hat.

Als Paulus erkennt, dass sowohl Pharisäer als auch Sadduzäer anwesend sind (im Gegensatz zu den ersteren lehnten die Sadduzäer alles Übernatürliche und die Auferstehung ab), bringt er seine Erfahrung auf den strittigen Punkt: Im Grunde stehe ich hier vor Gericht, weil ich an die Auferstehung der Toten glaube! Nur ein auferstandener Jesus konnte ihm erschienen sein! Daraufhin spaltet sich die Menge und steigert sich in ihren eigenen Streit hinein. Schließlich schlagen sich sogar einige Pharisäer fast auf seine Seite oder wollen jedenfalls nicht alles ganz vom Tisch fegen: Vielleicht hat ja tatsächlich ein Engel oder ein Geist zu ihm gesprochen.

Zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit muss ihn der Oberste retten. Er muss diese Juden für völlig verrückt gehalten haben. So ein Gebrüll und Getobe und Mordlust ohne sichtbaren Grund! Für Paulus aber ist es ein schwerer Tag: So viel von dem Hass gegen seinen Herrn hat er abbekommen, drei große Gelegenheiten hat er gehabt – und nie war er wirklich bis zur Verkündigung der guten Botschaft durchgedrungen! Welche Gedanken und Fragen mögen diese Nacht in Gefangenschaft erfüllt haben? Aber er war nicht allein, der Herr war bei ihm und wusste, welche Ermutigung er brauchte: Sei guten Mutes! Denn wie du meine Sache in Jerusalem bezeugt hast, so musst du sie auch in Rom bezeugen.

Paulus wird für den Rest seines Lebens im Gefängnis sitzen, aber das wird die Pläne Gottes nicht hindern. Er wird evangelisieren und zeugen und der Gemeinde dienen. Sein guter Mut hängt nicht von den äußeren Umständen ab. Die Zusage, dass Gottes Ziele für sein Leben sich erfüllen, macht ihn unüberwindlich – und uns auch, wenn wir demselben Gott angehören.

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