Gnade ist ein begrenztes Angebot

limited-time-offer-1438906_640David war alt geworden, und jedem war klar, dass es Zeit war für einen Thronfolger. Eigentlich stand der auch schon lange fest, weil David Bathseba versprochen hatte, dass es ihr Sohn Salomo sein sollte. Aber mit einem ans Bett gebundenen König, der nicht selbst aktiv wird, sieht ein anderer seiner Söhne, Adonja, seine Chance, den Thron im Handstreich zu erobern. Er hat einige wichtige Leute, wie den altgedienten Heerobersten Joab und den Priester Zadok für sein Vorhaben gewinnen können, und so organisiert er eine große Krönungsparty, zu der er gewisse Leute nicht einlädt, und von der sein Vater nichts ahnt, und setzt darauf, dass er unumkehrbare Tatsachen schaffen kann.

Es klappt nicht. Bathseba und der gute alte Prophet und treue Freund Nathan informieren David, und Salomo wird sofort zum König gesalbt und inthronisiert, noch ehe Adonjas Party zu Ende ist. Er sieht, dass er keine Chance hat und sich nun in einer sehr gefährlichen Situation befindet. Er lässt Salomo schwören, dass er ihm nichts tun wird, und Salomo verspricht es, solange er sich loyal verhält.

Und dann haben David und Salomo ein sehr interessantes Übergabegespräch, das mich heute morgen beschäftigt hat.

David hat in seinem Leben einiges an Feinden gehabt, auch in seiner eigenen Familie und in seinem nahen Umfeld. Während er mit äußeren Feinden wenig Federlesens gemacht hat, hat er sich gegen persönliche Feinde kaum selbst verteidigt. Dass er sich immer geweigert hat, Saul anzugreifen, sondern darauf gewartet hat, dass Gott das in die Hand nimmt, sind bekannte Geschichten. Als sein böser Sohn Absalom ihn entthront und verjagt, ist seine größte Sorge, dass “dem Jungen” nichts passiert, und als Absalom stirbt, ist er untröstlich.

Als er vor Absalom fliehen musste, warf Simei mit Steinen nach ihm und beschimpfte ihn. Derselbe Mann warf sich vor ihm nieder und entschuldigte sich kriecherisch, als David nach Absaloms Tod wieder zurückkehrte. Mit dieser Wendung hatte er nicht gerechnet. David schwor ihm großzügig, ihn am Leben zu lassen.

Und dann war da Joab. David fühlte sich ihm verpflichtet, denn er war ein Verwandter und ziemlich von Anfang an an seiner Seite. Als David seinen Ehebruch mit einem Mord vertuschen wollte, war Joab sein getreuer “partner in crime”. Joab war tüchtig und fähig, aber auch karrieregeil und bereit, jeden Rivalen ohne moralische Bedenken auszuschalten. Er ordnete sich David nicht unter. David litt unter ihm, aber strafte sein Verhalten nie wirklich. David hatte selbst schlimme Dinge getan, und ich vermute, das schwächte seine Position gegenüber Joab. David hatte seine Sünde bereut – für Joab gab es nie wirklich etwas zu bereuen. Er strotzte von Selbstbewusstsein.

Und nun gibt David die Staffel weiter an seinen Sohn Salomo. Und er weiß: Wenn Salomos Thron feststehen soll, dann ist die Zeit der Geduld und Gnade für seine Feinde abgelaufen. Dann müssen die Übeltäter gerichtet werden. Und so empfiehlt er Salomo, weise zu sein und sowohl Simei als auch Joab trotz ihres hohen Alters zu richten. Sie sollen nicht friedlich sterben, als seien sie Gerechte gewesen. Sie haben eine lange Gnadenfrist gehabt für eine echte Sinnesänderung, aber nun muss Gerechtigkeit geübt werden. Salomo sagt es später im Buch der Sprüche so:

Man entferne die Schlacken vom Silber, so gelingt dem Goldschmied ein Gefäß!  Man entferne den Gottlosen vom König, so wird sein Thron durch Gerechtigkeit fest stehen.(Sprüche  25,4+5)

David hatte das Reich gegen äußere Feinde verteidigt, aber Salomos sollte ein Friedensreich regieren. Deswegen musste sein Thron unangefochten sein.

Irgendwie erinnert mich dieses Übergabegespräch daran, dass die Zeit für Geduld und Gnade auch bei Gott ein Verfallsdatum hat. Wir leben jetzt in einer Ära, wo Gott vieles erträgt und den Menschen Zeit zur Umkehr gibt, wie in 2.Petrus 3,9 steht:

… er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe.

Aber diese Zeit und dieser “Raum zur Umkehr” haben ein Ende. Jesus wird wiederkommen und dann, wie Salomo, ein Friedensreich aufrichten, das auf Gericht gegründet ist. Gott wird ihm seine Feinde unterwerfen.

Nun hat zwar Gott über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen, jetzt aber gebietet er allen Menschen überall, Buße zu tun, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er für alle beglaubigte, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat. (Apostelgeschichte 17,30-31).

Verlass dich nicht auf ein Morgen, das es vielleicht nicht geben wird. Schließe aus der Geduld Gottes nicht auf Straflosigkeit! Kehr heute um und nimm Gottes Vergebung in Jesus an. Jesus ist entweder dein Retter – oder dein Richter.

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