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Über Ruth

Ich folge Jesus Christus - er ist mein Herr, mein Erlöser und mein Leben.

Das Kreuz und seine Auswirkungen in meinem Leben

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Was ist im Christentum so anders als in allen anderen Religionen? Was macht es so schwer, es zu akzeptieren? Was ist, wie Paulus sagt, für die Juden ein Ärgernis und die Griechen eine Torheit? Was versucht man immer wieder herauszuschneiden, um eine akzeptablere Variante des Christentums herzustellen? Das Kreuz.
Das Kreuz ist das Kernstück unseres Glaubens. Natürlich gehört noch mehr dazu, es ist z.B. untrennbar von der Auferstehung Jesu. Aber ohne das Kreuz gibt es keine Rettung. Ohne das Kreuz gibt es auch keine Heiligung. Niemand kann ohne das Kreuz zu Gott kommen.
Was bedeutet dieses Kreuz für mich ganz persönlich? Ohne den Anspruch, alles abzudecken, was das Kreuz für uns bedeutet, hier 5 Punkte:

1. Durch das Kreuz wurde mir vergeben

2. Ich wurde mit Christus gekreuzigt, damit ich der Sünde nicht mehr diene.

3. Ich wurde durch das Kreuz dem Gesetz getötet.

4. Ich wurde der Welt gekreuzigt.

5. Ich bin teuer erkauft und habe meinen Herrn gewechselt.

1. Was ist überhaupt am Kreuz passiert? In den Evangelien wird uns berichtet, dass Jesus von den jüdischen Führern aus Eifersucht und unter Anklage der Gotteslästerung an die Römer ausgeliefert wurde, und dass sie darauf bestanden, dass er die Todesstrafe durch Kreuzigung, die qualvollste und erniedrigendste Art der Todesstrafe, erhalten müsste. Mit ein bisschen geschickter Manipulation des Volkswillens und Erpressung des Richters Pilatus haben sie sich durchgesetzt, und Jesus wurde tatsächlich gekreuzigt. Im Vorfeld wurde er geschlagen und bespuckt und aller Art von Verachtung ausgesetzt. Das war die äußere und politische Seite. Jesus hatte allerdings zuvor schon gesagt, dass niemand sein Leben nehmen kann, dass er es freiwillig gibt. Und die Apostel haben nach der Auferstehung und nach Pfingsten gepredigt, dass die Kreuzigung etwas war, was Gott schon lange vorher beschlossen hatte. Petrus schreibt es so in seinem Brief: „Er hat unsere Sünden an seinem Leib auf das Holz hinaufgetragen, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Striemen sind wir geheilt.“ (1. Petrus 2, 24)
Und Paulus sagt in Römer 5: Er ist für Gottlose gestorben, damit wir durch seinen Tod mit Gott versöhnt werden. Und Johannes nennt ihn das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt (Joh.1,29).
Der dreieinige Gott hat den Tod Jesu lange vorher beschlossen. In dieser Kreuzigung hat der Sohn Gottes unsere Sünden auf sich genommen und die Strafe dafür getragen, damit wir straffrei bleiben können, wenn wir dieses Opfer für uns annehmen.
Das Kreuz ist die Art, wie Gott seine Liebe zu Sündern zeigt, seine Liebe für die Welt und seine Liebe zu mir, zu jedem von uns persönlich. Und ganz persönlich muss es sein! Jesus ist für jeden von uns persönlich aus Liebe gestorben. Paulus sagt das in Galater 2,20: „Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“. Das ist das, worüber wir uns sicher sein müssen, wenn wir inneren Frieden haben wollen: Es war für mich. Meine Schuld ist vergeben und bezahlt. Gott hält sie nicht mehr gegen mich. Es gibt einen Vers im Kolosserbrief (2,14), der das mit einem Bild beschreibt: Der Schuldschein ist ans Kreuz genagelt worden, und jetzt ist er weggeschafft. Die Rechtsforderung Gottes ist bezahlt und erledigt. Ich muss keine ewige Strafe mehr fürchten, und ich kann zu Gott Vater sagen, kommen wie ich bin, eine persönliche, vertrauensvolle Beziehung haben mit dem Richter der ganzen Welt. Ich kann darauf vertrauen, dass er mich persönlich liebt, dass er mich als sein Kind sieht und mich nie verlassen und aufgeben wird.
An Jesus zu glauben bedeutet, zu akzeptieren, dass ich ein verlorener Sünder bin, der dieses Kreuz nötig hat als Tür zu Gott. Ich kann mir selbst nicht helfen, ich kann mich niemals so verbessern, dass ich die Zugangsberechtigung zu Gott erwerben würde. Ich nehme sie an als freies Geschenk.

2. Nun sagt die Bibel aber auch, dass wir mit Christus gekreuzigt wurden und uns deshalb der Sünde für tot halten sollen. Was bedeutet das nun? Für mich klang das viele Jahre lang ziemlich mystisch, aber es bedeutet einfach, dass mein Todesurteil, das die Gerechtigkeit Gottes über mich gesprochen hatte, am Kreuz an Christus vollstreckt wurde. Im Römerbrief wird es mal so ausgedrückt, dass wir mit dem Tod Christi „verwachsen“ sind. Das ist auch das, was wir in der Taufe bekennen. Es ist, wie wenn ein Zweig in einen Baum eingepfropft wird. Er wird zu einem Teil von diesem Baum, und alles, was für den Baum gilt, gilt auch für den Zweig. Das Kreuz war der Ort, wo das Todesurteil über meine Sünde vollstreckt wurde. Dieses Todesurteil muss ich in gewisser Weise nachvollziehen und bestätigen. Im 1. Johannesbrief (1,9) steht der bekannte Vers: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt, und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“. Das Wort bekennen bedeutet ursprünglich: dasselbe sagen. Das heißt, ich muss über meine Sünde dasselbe sagen wie Gott. Ich darf sie nicht entschuldigen – das wäre eine grobe Beleidigung des Opfers Jesu. Gott wird seine Meinung darüber, was Sünde ist, niemals ändern. Er wird z.B. nicht sagen: Was man früher Unzucht genannt hat, Sex außerhalb der Ehe, ist heute halt normal und nicht schlimm. Da sind wir drüber weg. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Dann müsste er sich ja quasi bei Jesus entschuldigen: Oh, ich habe dich damals für Dinge bestraft, von denen die Menschen jetzt herausgefunden haben, dass die eigentlich ganz richtig und erlaubt und gesund sind! Jetzt war das alles umsonst! Ihr seht, schon wegen dem Kreuz müssen die Standards Gottes unveränderlich sein. Es sind wir, die unsere Sicht auf die Sünde verändern müssen. Das ist eigentlich Heiligung. Das Wort Gottes deckt mir immer mehr meine Sünde auf und zeigt mir Gottes Meinung dazu. Ich höre immer mehr auf, mich selbst zu rechtfertigen, auch in den kleinen Dingen. Ich erkenne, dass nicht nur die groben Sünden, sondern auch mein Egoismus, meine Menschengefälligkeit, meine Eifersucht, meine Faulheit, meine Zeitverschwendung, meine falsche Freundlichkeit, meine Heuchelei, meine Habgier und Unzufriedenheit, mein Geiz, mein Vergleichen mit anderen usw. usw., an diesem Kreuz das Todesurteil erfahren haben. Das ist ein historischer Fakt, das muss ich nicht irgendwie vollbringen. Und dann lebe ich gemäß diesem Todesurteil, indem ich meine Sünde bekenne und die Kraft des neuen Lebens im Glauben in Anspruch nehme und verändert werde. Ich erkenne also immer mehr die Größe meiner Sünde und Verdorbenheit. Deswegen kann echte Heiligung nie zu Stolz und Selbstgerechtigkeit führen, und sie findet als Prozess statt. Sie ist wie ein Zug, der auf zwei Schienen läuft: mitgekreuzigt und mitauferstanden, das alte Leben wird abgelegt und das neue angenommen, und in der Erkenntnis dieser Dinge geht es immer weiter vorwärts. Und man kann das Kreuz nicht auseinanderdividieren, sozusagen die Rettung haben ohne die Heiligung. Das Ganze ist ein Paket, man fängt mit Buße und Glauben an, und man macht mit Buße und Glauben weiter bis zum Ende!
Deswegen schafft das Kreuz Einheit unter so ganz verschiedenen Menschen, die sich unterscheiden in Geschlecht, Nationalität und Kultur, sozialer Stellung usw., weil wir uns alle auf dem gleichen Level begegnen: Wenn wir an Jesus glauben, sind wir gerettete Sünder auf dem Weg der Heiligung, keiner ist vollkommen, aber jeder ist von Gott geliebt und angenommen.

3. Dann sagt die Bibel auch, dass wir dem Gesetz getötet sind (Römer 7). Damit sind nicht die Gesetze der Bundesrepublik gemeint, sondern das alttestamentliche Gesetz. Wer schon mal ernstlich und ehrlich versucht hat, das Gesetz zu halten, stellt fest, dass er das nicht kann. Trotzdem besteht ja die Rechtsforderung Gottes gegenüber jedem Menschen, es sei denn, er ist gestorben. Da ja Jesus die Rechtsforderung Gottes für mich erfüllt hat, und ich mit ihm gestorben bin, habe ich es nicht mehr mit dem Gesetz zu tun, sondern mit Jesus.
Wir leben nicht mehr mit dem Ziel, das Gesetz zu erfüllen, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen, wir klammern uns sozusagen an Christus. Er ist unsere Gerechtigkeit und unsere Gesetzeserfüllung.

4. Wir sind der Welt gekreuzigt, das heißt dem System dieser Welt. In Galater 6,14 sagt Paulus: „Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“  Das Kreuz ist das Urteil über eine autonome Menschheit, die meint, sich selbst erlösen zu können. Als Christ lebe ich zwar noch in dieser Welt, aber ich denke anders, und vor allen Dingen hoffe ich anders. Das heißt nicht, dass ich hier gar nichts mehr tue – wir sind aufgefordert, gute Bürger zu sein, unsere Nächsten zu lieben, Gutes zu tun usw. – aber ich setze meine Hoffnung nicht mehr auf Ideologie, Religion und Politik oder die Vereinigung der Menschheit – ich kenne ja den Ausgang schon. Ich bete um das Kommen des Reiches Gottes, weil ich weiß, dass alle anderen Reiche letztlich untergehen müssen. Ich weiß, dass das einzige, was die Menschen retten kann, das Evangelium vom Kreuz ist.

5. Dann gibt es noch einen Aspekt des Kreuzes, nämlich dass Jesus uns losgekauft hat und jetzt unser Herr ist. Wir waren Sklaven der Sünde und des Teufels, und jetzt gehören wir ihm. Er hat einen hohen Preis für uns bezahlt. Das hat mehrere Konsequenzen für uns. Die erste ist die Freiheit. Wir müssen der Sünde nicht mehr dienen, sie hat keinen Anspruch mehr an uns (Römer 6). Wir müssen nicht mehr mitmachen in dem, was die Welt tut. Auch die Welt hat keinen Anspruch mehr an uns. Wir sollen uns nicht mehr als Knechte der Menschen sehen, sondern als Menschen die Jesus gehören, ja es wird uns ausdrücklich verboten, der Menschen Knechte zu werden: „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht Knechte der Menschen!“ (1.Korinther 7,23). Das hört sich erstmal widersprüchlich an, weil Jesus an anderer Stelle sagt, dass er gekommen ist, um zu dienen, und wir uns untereinander dienen sollten. Die Frage ist aber letztlich nicht, wem wir im Einzelfall dienen, sondern wer uns beauftragt, wer unser Herr ist. Das ist auch im praktischen Leben super wichtig, denn wenn Menschen meine letztgültigen Auftraggeber sind im Dienst für Jesus, ende ich in einem Gefühl der Versklavung, in Überforderung und Burnout. Ich gehöre nicht mehr mir, deswegen hat Jesus die Entscheidung, wofür ich mein Leben einsetze. Es gibt durchaus ein gottgefälliges Nein zu den Forderungen von Menschen! Das ist eine Folge des Kreuzes. Das bedeutet aber auch: Er sorgt für mich. Jesus ist ein guter Herr. Alles, was er von mir verlangt, gibt er zuerst. Und was für eine Entlastung ist das, dass ich nicht mehr für mich selbst zuständig bin, sondern er, der mich besser lieben kann als ich mich selbst, die Verantwortung für mich übernimmt.
Weil Jesus mich erkauft hat, soll ich auch meinen Körper als Tempel des Heiligen Geistes respektieren (1.Korinther 6,20). Ich kann damit keine Dinge tun, die er nicht billigt und die mir schaden, nicht sexuell unrein leben, mich nicht besaufen, mich nicht aufreizend kleiden, mich nicht runterhungern oder hochfressen und dergleichen mehr.

Das Kreuz hat sehr weitreichende Konsequenzen für uns (und wir haben gerade die Oberfläche angekratzt). Es ist die Kraft Gottes zur Erlösung, zur Heiligung, zur Freiheit und zum Dienen!

Sollten Christen vegan leben?


green-422995_1280Veganismus ist inzwischen nicht mehr nur etwas für eine abgehobene Randgruppe. „Vegan“ ist so sehr ein Verkaufsargument geworden, dass sowohl Fertiggerichte als auch Kosmetik- und Bekleidungsprodukte damit gelabelt werden. In Restaurants und Cafés werden regelmäßig vegane Gerichte angeboten – all das zeigt, dass der Veganismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Wie stehen wir als Christen dazu, oder besser gesagt, sagt die Bibel etwas dazu, und wenn ja, was?

Ehe wir die Frage beantworten können, brauchen wir eine korrekte Definition. Wer könnte uns die besser geben als die englische Vegan Society? Sie ist nämlich der Ursprung des Begriffs, der 1949 erstmals definiert und dann mehrmals neu gefasst wurde. Seit 1988 lautet die Definition so:

„A philosophy and way of living which seeks to exclude—as far as is possible and practicable—all forms of exploitation of, and cruelty to, animals for food, clothing or any other purpose; and by extension, promotes the development and use of animal-free alternatives for the benefit of animals, humans and the environment. In dietary terms it denotes the practice of dispensing with all products derived wholly or partly from animals.“

Quelle: https://www.vegansociety.com/go-vegan/definition-veganism

(Meine Übersetzung: „Eine Philosophie und Lebensweise, die danach strebt – soweit es möglich und praktisch umsetzbar ist – jegliche Art von Ausbeutung von oder Grausamkeit gegenüber Tieren für Nahrung, Bekleidung oder zu anderen Zwecken auszuschließen; als Folge davon unterstützt sie die Entwicklung und den Gebrauch tierfreier Alternativen zum Wohl der Tiere, der Menschen und der Umwelt. In Bezug auf Nahrungsmittel ist sie gekennzeichnet durch die Praxis des Verzichts auf alle Produkte, die ganz oder in Teilen von Tieren gewonnen werden.“)

Ein echter Veganer isst nicht nur kein Fleisch, sondern auch keine Milchprodukte und keinen Honig. Er trägt keine Lederkleidung und nimmt von zoologischen Gärten, Tierkämpfen, Jagd und natürlich Tierversuchen Abstand, weil auch da Tiere für den Menschen ausgebeutet werden. Das unterscheidet ihn vom Vegetarier.

Veganer sehen ihren Lebensstil als ethisch und gesundheitlich überlegen an. Zum gesundheitlichen Aspekt hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine kritische Stellungnahme herausgebracht. Aber was ist mit der Moral? Ist der vegane Lebensstil moralisch überlegen? Ist er christlich?

Die Philosophie des Veganismus beruht auf der Vorstellung, dass der Mensch ein „human animal“, ein menschliches Tier ist, das kein Recht hat, sich über die anderen Tiere zu erheben und sie auszubeuten. Sie geht damit wesentlich weiter als der „Tierschutz“, der z.B. artgerechte Tierhaltung und Vermeidung von Grausamkeit fordert.

Was sagt nun die Bibel über das Verhältnis von Mensch und Tier? Zunächst sind sie beide Geschöpfe Gottes. Dennoch sagt Gott gleich zu Anfang zu den Menschen:

Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen (1.Mose 1,28)!

Er weist also den Menschen eine Überlegenheit zu, verbunden mit einer Aufgabe und Verantwortung. Dann stellt er den Menschen alle Früchte und Kräuter als Nahrung zur Verfügung.

Dann kommt der Sündenfall. Der Mensch wird Gott ungehorsam – und Gott selbst führt das erste tierische Produkt ein: Er macht den Menschen, die erstmals Scham aufgrund ihrer Nacktheit empfinden, einen Schurz aus Fell. Dafür muss notwendigerweise ein Tier sterben.

Abel, der jüngere Sohn des ersten Menschenpaares, wird ein Schafzüchter und bringt von seinen Schafen Gott ein Opfer dar, das Gott, im Gegensatz zu dem Opfer seines Bruders Kain, der von den Früchten des Feldes geopfert hatte, zustimmend annimmt. Kain kann das nicht akzeptieren und bringt seinen Bruder um. Die Spirale menschlicher Sünde und Gewalt dreht sich immer weiter bis zur Sintflut. Noah und seine Familie sowie viele Tiere werden auf Anordnung Gottes gerettet. Gott ordnet an, dass Noah von einigen Tierarten mehr als ein vermehrungsfähiges Pärchen in die Arche bringt, damit Noah nach Beendigung der Flut etwas zum Opfern hat. Und Gott gibt explizit eine neue Anordnung bezüglich der Ernährung:

Furcht und Schrecken vor euch sei auf allen Tieren der Erde und auf allen Vögeln des Himmels! Mit allem, was sich auf dem Erdboden regt, mit allen Fischen des Meeres sind sie in eure Hände gegeben. Alles, was sich regt, was da lebt, soll euch zur Speise sein; wie das grüne Kraut gebe ich es euch alles. Nur Fleisch mit seiner Seele, seinem Blut, sollt ihr nicht essen (1.Mose 9,2-4).

Das ist ziemlich eindeutig eine Aufforderung, Tiere als Nahrungsquelle zu nutzen, und etabliert noch einmal deutlicher ein Machtgefälle zwischen Mensch und Tier.

So hatte im Alten Testament das Nutztier zwei Funktionen: als Nahrung und als Opfer. Im Neuen Testament wurden Tiere als Opfer nach dem Tod Jesu überflüssig, da er das vollkommene, ewig gültige Opfer gebracht hat. Es ist aber völlig klar, dass Jesus selbst noch das Passalamm gegessen hat. Genauso klar ist, dass die Bibel Vernachlässigung und Grausamkeit gegenüber Tieren nicht befürwortet:

Der Gerechte kümmert sich um das Wohlergehen seines Viehes, aber das Herz der Gottlosen ist grausam (Sprüche 12,10).

So weit, so gut. Aber gibt es nicht doch in der Bibel Beispiele von Menschen, die aus ethischen Gründen auf Fleisch verzichtet haben? Daniel z.B.? Er und seine Freunde weigerten sich, im babylonischen Exil von der Tafelkost des Königs zu essen und baten darum, sich nur von Gemüse ernähren zu dürfen. Das lag aber nicht daran, dass sie Fleisch generell ablehnten, sondern dass diese Tafelkost des Königs kultisch unrein war – vielleicht war es den Götzen geopfert worden, vielleicht stammte es von Tieren, die für sie als Juden nach dem Gesetz Gottes nicht gegessen werden durften. Diese Geschichte hat also nichts mit einer generellen Verwerflichkeit fleischlicher Kost zu tun. Parallelen gibt es auch im Neuen Testament, wo die Frage aufkam, ob Christen Götzenopferfleisch essen durften (1.Korinther 10,23-33). Auch die frühchristliche Gemeinde in Rom schlug sich mit diesem Problem herum, weil einige damit ein Problem hatten, Fleisch zu essen, das sie als kultisch unrein empfanden, andere aber nicht. Paulus ermahnt alle zu Toleranz und Rücksicht auf das Gewissen der Brüder und sagt:

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist (Römer 14,17).

Wenn dein Bruder denkt, das Fleisch ist unrein, dann iss lieber nur Gemüse, auch wenn du selbst weißt, dass Gott nichts dagegen hat.

Also sollte ich jetzt aus Rücksicht auf und unter dem moralischen Druck der Veganer lieber kein Fleisch mehr essen, weil das ihr Gewissen belastet? Ich glaube nicht. Ich glaube vielmehr, dass wir jene Christen, die meinen, wir müssten vegan leben, über die unbiblischen Hintergründe aufklären müssen. Der Veganismus ist 1. ein direkter Angriff auf die biblische Schöpfungsordnung und beruht 2. auf einer Leugnung des Sündenfalls. Wir warten darauf, dass unter der Herrschaft Jesu in seinem Reich die durch den Sündenfall verdorbene Schöpfung wieder heil wird. Das ist durch keinen Weltverbesserungs-Shortcut zu erreichen.

Natürlich heißt das nicht, dass wir nicht darüber nachdenken sollten, wie viel und welcher Fleischkonsum sinnvoll ist, und wie wir vernünftig mit den Tieren umgehen können. Wir können die Tierzucht zur Zeit der Bibel sicher nicht mit unserer industriellen Tierzucht heute vergleichen. Aber die vegane Philosophie der Gleichberechtigung von Tier und Mensch lässt sich nicht in unseren Glauben integrieren.

Nehmt euch vor denen in Acht, die euch mit einer leeren, trügerischen Philosophie einfangen wollen, mit Anschauungen rein menschlichen Ursprungs, bei denen sich alles um die Prinzipien dreht, die in dieser Welt herrschen, und nicht um Christus (Kolosser 2,8).

Nachruf auf meinen Vater

sunset-100367_1920Vor gut drei Wochen ist mein Vater mit 92 Jahren heimgegangen zu seinem Herrn. Sein letztes halbes Jahr war gekennzeichnet von Demenz, einem zunehmendem Verlust von Orientierung und Kompetenzen, von  Stürzen, Schmerzen, Unruhe, von der Schwierigkeit, sich sinnvoll zu beschäftigen, weil Körper und Kopf nicht mehr mitmachten. Es war nicht leicht für ihn. Wir dachten oft: Wie lange wird das noch so gehen? Aber im Rückblick: Was ist ein halbes Jahr in Relation zu 92 Lebensjahren? Jetzt ist dieses letzte halbe Jahr noch so sehr präsent, wenn wir an Papa denken, aber was wird in 10 Jahren – wenn wir dann selbst noch hier sind – im Fokus unserer Erinnerungen stehen?

Erinnerungen sind eine merkwürdige Sache. Ich lese gerade in der Bibel die Geschichte Abrahams und bin heute bei seinem Tod angelangt. Abraham war nicht perfekt – mein Vater auch nicht (wie keiner von uns). Es gab Dinge, wo ich mir bis zum Schluss eine Änderung des Denkens gewünscht hätte. Die Bibel macht aus Abrahams Fehlern und Schwächen keinen Hehl, aber sie zieht ein Fazit, das über alles entscheidet, das den Grundtenor seines Lebens beschreibt:

Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. (Römer 4,3)

Das kann ich für meinen Vater auch ganz sicher sagen. Er glaubte Gott und verließ sich nicht auf seine eigene Gerechtigkeit. Als junger Mann in belgischer Kriegsgefangenschaft, als ihn seine Schuld quälte und er Vergebung suchte, hat er sein Vertrauen auf Jesus gesetzt, der ihn nie mehr losgelassen hat. Er strebte danach, diesen Glauben durch Gehorsam und Treue zu Gott zu zeigen. Ich bin Gott sehr dankbar für sein Leben und Vermächtnis. In der Auslegung der Bibel hatten wir in Nebenpunkten ein paar divergierende Auffassungen, aber er war immer mein Vorbild, was einen echten, authentischen und konsequenten Glauben betrifft.

Vermisse ich ihn? Unser irdisches Leben ist der Vergänglichkeit unterworfen. Das Sterben ist – das wurde mir in letzter Zeit deutlich – nicht nur ein Punkt, sondern ein Prozess, vor allem wenn man so alt wird. Es ist, wie wenn bei einer Lichterkette ein Licht nach dem anderen ausgeht. Papa hat seinen Auftrag auf Erden erfüllt. Er war “der Tage satt”. Er war bis zum Schluss selbst in seiner Demenz der Fürsorgliche, der morgens den Tisch decken wollte, aber manchmal wusste er nicht mehr, wer meine Mutter war. Die Zeit des Gebens und Sorgens, des Vermittelns und Beschützens ist jetzt ausgelaufen. Er hat für uns getan, was er konnte.

Ich weiß, dass er jetzt am Ziel seiner Sehnsucht ist: Er betet seinen Erlöser an. Das hat er schon immer  und bis fast ganz zum Schluss gerne getan. Jeden Tag hat er, zuletzt mit Unterstützung einer CD, Glaubenslieder gesungen. Ich denke, damit ist er jetzt voll beschäftigt, und das ist etwas, was wir immer noch gemeinsam tun: Er in der unmittelbaren Gegenwart Gottes und ich im Straßenstaub dieser Erde. Er ist jetzt Teil der “vollendeten Gerechten” (Hebräer 12.23).

Wir wünschen ihn nicht zurück. Ich bin dankbar für die Zeit, wo er mein Vater war und für viele prägende Erinnerungen. Jetzt ist er bei Christus, und das ist “weit besser” (Philipper  1,23).

Auch ich geh weiter, nur ein wenig weiter, geh in Gottes Freude, geh in Gottes Licht hinein. Ich war für ein paar Jahre dein Begleiter, doch nun geh ich weiter, um bei meinem Herrn zu sein.

(Manfred Siebald)

Abel und Jesus: Blut, das redet

ink-303244_1280Als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, findet Gott ihn und fragt ihn, wo sein Bruder ist. Kains Antwort: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?, ist zum sprichwörtlichen Inbegriff für alles Leugnen unserer Schuld und Verantwortung geworden.

Es ist nicht so, dass Gott die Antwort auf seine Frage nicht selbst wüsste. Er wollte Kain nur eine Chance zum Bekenntnis geben.  Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde! muss Kain hören. Man kann Gott nicht entkommen.

Kein Mord in dieser Welt verhallt ungehört. Gott “hört” die Stimme von zu Unrecht vergossenem Blut, und es schreit nach Rache, weil der Mensch im Bild Gottes geschaffen ist. Die Tötung eines Menschen ist ein Angriff auf seinen Schöpfer.

Viele Jahre nach Kains Brudermord geschieht ein anderer, noch dramatischerer Mord. Gottes eigener Sohn Jesus wird schuldlos zum Tod verurteilt und umgebracht. Auch sein Blut “redet”. Im Hebräerbrief lesen wir:

Ihr seid zu Jesus gekommen, dem Vermittler eines neuen Bundes, und zu dem Reinigungsblut, das viel besser redet als das Blut Abels (12,24).

Was spricht das Blut Jesu? Es spricht nicht von Rache, sondern von Vergebung und Reinigung von Schuld. Er hat sich freiwillig hingegeben, damit unsere Schuld vor Gott weggenommen werden kann. Keine Schuld ist zu groß. Was wir tun müssen ist: Zu ihm kommen, unsere Schuld bekennen, im Glauben um ein neues Leben bitten.  Mord, Diebstahl, Ehebruch, Hurerei und Perversionen, Hass und Neid, Lüge und Betrug, Okkultismus und Esoterik und was es sonst so an Verstößen gegen Gottes Gesetz in unserem Leben gibt und gab – auch wenn du meinst, es sei längst Gras drüber gewachsen – Gott hat es gesehen, und du wirst dafür von ihm zur Rechenschaft gezogen werden. Der einzige Ausweg ist, das Blut Jesu für dich sprechen zu lassen, das uns vor Gott Vergebung erwirkt. Komm heute zu ihm, denn du weißt nicht, ob du morgen noch die Gelegenheit dazu hast.

Wenn wir behaupten, ohne Schuld zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit. Wenn wir unsere Sünden eingestehen, zeigt Gott, wie treu und gerecht er ist: Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von jedem begangenen Unrecht. 1.Johannes 1,8.9

Notizen zu 1.Mose 4: Abels kurzes Leben

church-753812_1920Über die Geschichte von Kain und Abel, dem ersten Brudermord und den Gründen dafür, habe ich hier schon einmal nachgedacht: “Zwei Opfer und ein Mord”.

Heute morgen habe ich mich damit beschäftigt, wie es nach Abels Tod weiterging. Obwohl Kain von Gott mit Strafe belegt wurde, so gründete er doch eine Familie. Wir hören von einem Sohn, Enkeln, Urenkeln und weiteren Nachkommen. Die erste polygame Ehe wird da  erwähnt und die ersten Musiker und Schmiede. Kain hatte kein glückliches Leben, aber er hatte ein Leben, und es gab etwas zu berichten.

Von Abel hören wir nichts. Nach seinem Tod verläuft seine Spur im Sand. Keine Nachkommen, keine Errungenschaften, kein Fortschritt der Zivilisation im Guten oder im Schlechten. Ein Bruder wird geboren, den seine Mutter Set, Ersatz, nennt.

Irgendwie ist das krass. Kain hat es geschafft; er hat gründliche Arbeit geleistet; sein Bruder ist spurlos ausgelöscht. Man hört nichts mehr von ihm in der Geschichte der Menschheit. Doch, warte! Im Hebräerbrief wird er Tausende von Jahren später noch mal erwähnt:

Durch den Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain. Gott nahm Abels Opfer an, um zu zeigen, dass er in seinen Augen gerecht gesprochen war. (11,4)

Es gibt über Abel diese eine Sache zu sagen: Er hatte das richtige Opfer. Er wusste, dass er ein Sünder war, der Vergebung durch ein Schlachtopfer brauchte, und Gott hat ihn gerecht gesprochen. Er hat eine Zukunft in der Ewigkeit Gottes, obwohl und weil er in diesem Leben nichts geleistet hat. Aber all die Errungenschaften Kains und seiner Nachkommen fallen unter das Urteil der Vergänglichkeit und des Todes.

Es kommt im Leben nur auf eines an. Du musst wissen, dass du Vergebung brauchst und dich auf das Opfer Jesu verlassen. Alles andere ist vergebliches Rennen und Laufen..

Notizen zu 1.Mose 3: Rebell sucht Mit-Rebellen

fist-162131_1280Satans Wesen zeigt sich in Rebellion gegen Gott, Lüge mit allem, was dazugehört (Verleumdung, List, Verkleidung) und Durcheinander, Mord und Tod. Um die Menschheit für seine Absichten zu instrumentalisieren, muss er sein Programm attraktiv verkaufen.

Mechanismen der Verführung:

  • Er beginnt bei  Eva, der Person, die er 1. als leichte Beute erkennt und die 2. genug Einfluss hat, um Adam mit ins Boot zu holen
  • Er sät Unsicherheit über Gottes Wort.
  • Er widerspricht Gottes Wort.
  • Er begründet seinen Widerspruch, indem er Gottes Charakter als missgünstig, totalitär und tyrannisch darstellt.
  • Er lügt über die Folgen der Übertretung des Verbotes und verheißt Unabhängigkeit von Gott, ja, Gleichheit mit Gott, einen im Menschen selbst begründeten Stolz und “Selbstwert”,  genau das, was er selbst anstrebt.

Plötzlich erscheint Gott Eva in einem neuen Licht. Sie sieht nicht mehr den Gott der Liebe und was er ihnen alles gegeben hat, sondern sie sieht das eine Ding, was er ihnen verweigert hat, und sie glaubt Satan mehr als Gott.

Dieses falsch platzierte Vertrauen ist die Wurzel jeder Sünde.

Sie zieht Adam mit hinein, ohne dass er ein einziges Mal widerspricht oder abwehrt. Sündigen ist einfach. Man muss nur Gottes Wort wegschieben und seinem von Lüge und Lust umwölkten Verstand folgen. Die Konsequenzen dagegen sind hart, andauernd und unausweichlich und lasten schwer auf uns. Alleine kommen wir nicht mehr raus. Wir brauchen einen Retter.

Notizen zu 1.Mose 2 : Adam und Eva als Abbilder einer größeren Wirklichkeit

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„Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich mit seiner Frau verbinden. Und die zwei werden völlig eins sein.“ Darin liegt ein tiefes Geheimnis. Ich beziehe es auf Christus und die Gemeinde. Epheser 5,31.32

Gott wollte Adam ein passendes Gegenüber geben. Tiere erwiesen sich als kein passendes Gegenüber für den Menschen. Gott wollte ein Gegenüber für seinen Sohn. Die Engel sind  offenbar kein passendes Gegenüber.

Damit die Partnerin passte, musste sie in einem tiefen Schlaf von ihm selbst genommen und dann “umgebaut” sein, ihm gleich und doch anders. Damit die Gemeinde für Christus passt, muss sie von ihm selbst sein. Durch seinen Tod und seine Auferstehung sind wir zu Gliedern seines Leibes geworden – sozusagen in ihn einverleibt – und doch von ihm unterschieden.

Die Frau wurde für den Mann gemacht. Die Gemeinde wurde für Christus erworben. Daraus ergibt sich eine liebende Hierarchie der Verantwortung und Fürsorge: Der Mann ist das Haupt der Frau. Christus ist das Haupt der Gemeinde.

Mann und Frau werden ein Fleisch und priorisieren ihre Beziehung vor allen anderen Beziehungen. “Wer dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm” (1.Korinther 6,17) . “Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein. Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, mein Jünger zu sein”  (Matthäus 10,37).

Adam ist begeistert von Eva und erkennt sie als von ihm selbst.  Christus  ist begeistert von seiner Gemeinde: “Denn er wollte die Gemeinde wie eine Braut in makelloser Schönheit präsentieren; ohne Flecken, Falten oder sonstige Fehler, heilig und tadellos.” (Epheser 5,27)

Evas Berufung ist es, zusammen mit Adam die Schöpfung zu regieren. Die Berufung der Gemeinde ist es, jetzt zusammen mit Christus am Kommen seines Reiches zu arbeiten und in der neuen Schöpfung mit ihm zu regieren. Wir sind “Miterben des Christus” geworden.