Archiv der Kategorie: allgemein und überhaupt

Wie kann man für ein glückliches Alter vorsorgen?

Mindmap AlterVor ein paar Wochen habe ich mal darüber nachgedacht, was ich jüngeren Menschen als “Altersvorsorge” empfehlen könnte und mir eine Mindmap dazu gezeichnet (die sicher ergänzungsbedürftig ist). Ich selbst bin jetzt 67 Jahre – ob das schon alt ist oder erst “älter”, darüber lässt sich streiten. 20 Jahre mehr oder weniger machen natürlich noch mal einen riesigen Unterschied. Ich bin also selbst auch noch mitten in diesem Vorsorgeprozess: Auf der einen Seite habe ich mit dem Arbeitsleben schon abgeschlossen, habe mehr Zeit zur freien Verfügung, aber auch weniger Einkommen, auf der anderen könnten unter Umständen noch härtere Jahre mit vielen Einschränkungen und Beschwerden vor mir liegen, die noch mal ganz andere Herausforderungen mit sich bringen. Das Leben verlangt von uns ständige Anpassung, und das Lernen geistlicher Lektionen hört nicht auf.

Ich erinnere mich sehr gut, wie ich als junge Frau ältere Rentner-Paare beobachtete: Skiurlaub, Kreuzfahrten, Reisen, Ausgehen … endlich konnte man all die Dinge machen, von denen man immer geträumt hatte, ohne Terminverpflichtungen, ohne Kinder im Gepäck … und ich dachte: So möchte ich nie leben, nur fürs Vergnügen. Wie arm und leer ist das doch! Ich möchte für die Ewigkeit leben, für etwas, was Sinn macht über dieses Leben hinaus, für andere, für Gottes Reich.

Aber man kann damit nicht urplötzlich anfangen, wenn man in Rente geht. Zwar hat man jetzt mehr Freiheit und Zeit, was neue Möglichkeiten eröffnet. Aber die Haltungen und Einstellungen, die dann beim Neu-Einrichten dienlich sind, muss man schon Jahre vorher eingeübt haben. Dann fällt man auch nicht in ein Loch.

Wichtig ist, dass ich mein Lebensziel klar definiert habe. Das ist übrigens für Christen in jedem Lebensalter dasselbe, nur kommt man ihm zeitlich immer näher. Im allgemeinen Rahmen dieses Lebenszieles muss ich  meinen situationsspezifischen Auftrag erkennen. Der ist unterschiedlich, je nachdem ob ich z.B. alt oder jung, Frau oder Mann, frei oder gebunden bin und was meine Gaben sind. Als Ältere haben wir den Auftrag, in die Jüngeren zu investieren, sie zu beraten, sie für die Staffelübergabe vorzubereiten. Wir haben die Gelegenheit zu zeigen, wie man Schwachheit annimmt, Geduld übt oder fröhlich und nicht erst notgedrungen als beleidigte Leberwurst zurücktritt, um den Jüngeren Platz zu machen.

Im Alter wird die natürliche Lebensenergie und Kraft weniger, die Falten mehr, die Haare dünner, die Augen schwächer, und auch wenn uns unser Gesundheitssystem viele Hilfen bietet, so ist dieser Prozess doch im Wesentlichen unumkehrbar. Deswegen sollte er mit Würde angenommen werden. Graue Haare sind keine Schande, sondern eine Ehre.

Ist das auch unausweichlich, so sollte doch unsere geistliche Kraft nicht abnehmen. Die Bibel verheißt denen, die dem Herrn nahe sind, dass sie auch im Alter noch “saftvoll und grün” sein werden. Ja, in gewisser Weise können sie noch “grüner” werden; Früchte der Gemeinschaft mit dem Herrn, deren Ansätze schon früher gepflegt wurden, können sich jetzt so richtig entfalten und reifen. Für Gebet  und die Beschäftigung mit Gottes Wort steht uns mehr Zeit zur Verfügung, für den seelsorgerlichen Dienst an anderen haben wir unschätzbare Lebens- und Glaubenserfahrung gesammelt. Wenn es gut gelaufen ist, sind die scharfen Kanten unseres Charakters ein bisschen rundgeschliffen worden, während unser geistliches Unterscheidungsvermögen durch Schriftkenntnis und Kenntnis unseres eigenen Herzens gewachsen ist, so dass wir die Wahrheit in Liebe sprechen können.

Wir haben hoffentlich gelernt, unerfüllte Träume ohne Bitterkeit zu begraben. Mich erleichtert es dabei so sehr, dass ich nicht alles in diesem Leben haben muss. Wer in der Ewigkeit verankert ist, kommt nie zu kurz – es kommen ja noch Herrlichkeiten, gegen die alle Herrlichkeiten dieser Erde verblassen. Wir müssen uns am Ende nicht selbst verwirklicht haben, um ohne Bedauern zu gehen, denn die Ewigkeit wird voller Entfaltungsmöglichkeiten sein, die man hier niemals finden kann. Ich muss nicht überall gewesen sein und alles gesehen haben, denn Gott hält für mich bereit, was kein Ohr gehört und kein Auge gesehen hat.

Das heißt aber nicht, dass wir faul sein dürfen. Dieses irdische Leben ist einzigartig in seiner Bedeutung: Nur jetzt können wir Jesus auf seinem Weg des Kreuzes nachfolgen, nur jetzt das Evangelium weitergeben und durch Dienen und Geben Schätze und Lohn im Himmel sammeln. Deswegen gilt bis zum Schluss: Kauft die Zeit aus!

Herr, lass mich den Lauf mit Freuden vollenden! Wenn auch der äußere Mensch verfällt, erneuere mich innerlich Tag für Tag! Lass mich jeden Morgen hören, wie ein Jünger hört, damit ich mit meinen Worten Müde aufrichten kann. Lass mich  brennend im Geist und im Dienst nicht nachlässig sein und dem Ziel der Berufung Gottes nach oben  unverwandt  bis zum Schluss nachjagen.

Wofür ich meiner Mutter danke

silhouette-3580600_1280Ich danke ihr, dass sie sich über mich gefreut hat und mir das Leben gegeben hat. Tatsächlich ist das ja heute nicht mehr selbstverständlich. Viele Mütter verweigern ihren Kindern das Leben.

Ich danke ihr für die ganze alltägliche Arbeit vom Windelwaschen, als ich ein Baby war, bis zu Bergen von Pommes oder handgemachten Klößen, die pünktlich nach der Schule fertig waren  und unseren Heranwachsenden-Kohldampf befriedigten. Ich danke ihr, dass sie mir gezeigt hat, dass “Hausfrau” ein erfüllender  Beruf ist.

Ich danke ihr, dass sie mir gesagt hat, dass man Arbeit gerne tut für Menschen, die man liebt. Das hat mich tief geprägt.

Ich danke ihr, dass sie meinen Vater respektiert hat und ihm den Raum gegeben hat, die Familie zu führen, so dass wir als Kinder in einer Atmosphäre von Ordnung und Geborgenheit  aufwachsen durften.

Ich danke ihr, dass sie uns vorgelebt hat, dass Gastfreundschaft zwar mit Mühe verbunden, aber auch ein großer Segen ist.

Ich danke ihr, dass sie uns losgelassen hat, als wir erwachsen wurden, und sich nicht in unsere eigenen Ehen eingemischt hat.

Ich danke ihr, dass jedes Enkelkind mit großer Freude begrüßt wurde. Nicht nur das, sondern es gab auch tatkräftige Unterstützung in jeder Form, Ausflüge mit den Enkeln, unzählige Bleche Pizza, und immer noch strickt sie Berge von Socken für die ganze Großfamilie.

Ich danke ihr auch, dass sie nie etwas zurückgefordert hat, aber jetzt, wo sie alt und gebrechlich ist, unsere Hilfe gerne annimmt.

Sie hat auch Fehler gemacht. Ich habe bei meinen sieben Kindern noch mehr Fehler gemacht. Dafür brauchen wir Gottes Vergebung. Aber je älter ich werde, desto mehr sehe ich, welch ein wertvolles Fundament mir mitgegeben wurde, und danke Gott dafür.

Dankbar

balls-1284418_1920

Ich liege im Bett mit Wollpulli und noch einer Strickjacke drüber, zugedeckt, Schal um den Hals. Ich bin einfach platt, mein Kopf kann nichts Gescheites produzieren, der Rest vom Körper noch viel weniger. Aber sogar durch meine geschlossenen Augenlider kann ich spüren, wie hell es im Raum ist. Die wunderbare Sonne draußen gewährt mir einen kleinen Anteil an der Frühlings – Vorfreude der Natur durch das Dachfenster. Licht! denke ich. Wie gut es der Seele tut!
Ich habe so viele Gründe, dankbar zu sein! Ich habe hier ein weiches Bett und so viele Decken, wie ich brauche. Ich habe Heizung und muss nicht frieren. Ich habe sogar den Luxus einer Badewanne, in der ich heute morgen meine müden verkrampften Muskeln entspannen durfte. Das allein sind schon Dinge, die die meisten Menschen auf der Welt nicht besitzen, auch nicht jeder in Deutschland.
In solchen Situationen denke ich oft an meine Glaubensgeschwister, die in Gefängnissen und Lagern sind z.b. in Nordkorea. Wenn sie krank sind, hat niemand Mitleid mit ihnen. Sie müssen trotzdem arbeiten, bis sie umfallen. Ich dagegen rufe meine Chefin an und sage ihr, dass ich zwei Wochen krankgeschrieben bin. Ich weiß, dass sie wirklich ein Problem hat, wenn einer von uns ausfällt, trotzdem wünscht sie mir freundlich gute Besserung und macht mich nicht zur Minna. Ich bin auch dankbar für das Land, in dem ich lebe,  wo es eine Sozialversicherung gibt. Ich muss nicht fürchten, dass ich meine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, es gibt Lohnfortzahlung und insgesamt mehr Hilfen, als die  Mehrzahl der Erdbewohner je erträumen könnte. Ich habe liebe Menschen um mich herum, die mich fragen, ob ich was brauche (obwohl ich dankenswerterweise alles da habe). Mein Schwiegersohn bringt mir sogar Hühnersuppe!
Das alles macht mich dankbar! Nichts davon ist mein Verdienst. Noch viel mehr macht mich dankbar, dass ich in Jesus Christus einen Freund und Bruder habe, der mein Menschsein und meine Schwachheit nachvollziehen kann. Beten klappt gerade schwer, ich kann mich nicht so konzentrieren wie sonst. Aber ich muss mich nicht aufpeitschen und irgendwelche Leistungen bringen. Jesus kommt für alle meine Mängel auf. Ich darf ganz ruhig einfach hier liegen, nichts machen und meinem Gott und Vater dankbar sein.

Wie sich Resistenzen bilden

 

bacteria-108895_1920

Eine wachsende Gefahr im Bereich der Medizin sind multiresistente Keime. Das sind Krankheitserreger, die gegen viele verschiedene Antibiotika unempfindlich geworden sind. Schließlich hilft dem Patienten nichts mehr. Oft rührt das daher, dass der Kranke zwar das Medikament eingenommen hat, aber zu früh damit aufgehört hat, weil er sich wieder besser fühlte. Tatsächlich aber wurden nicht alle Erreger ganz abgetötet. Denen, die übriggeblieben sind, ist dann die nächste Antibiotika-Attacke ziemlich egal – sie sind inzwischen resistent geworden. Mein Hygienelehrer drückte das so aus: “Die sagen dann nur noch: Hmmm, leckeres Antibiotikum!”

Eine analoge Gefahr von Resistenzbildung gibt es auch im geistlichen Bereich, immer da, wo man auf halbem Weg stehenbleibt. Vielleicht singen wir hingebungsvoll Alles will ich Jesus weihen und sind dabei emotional ganz aufgewühlt, aber wenn es dann praktisch wird, sind wir doch eher der Bequemlichkeit oder dem Entertainment und unseren eigenen Plänen geweiht (ich spreche aus Erfahrung). Am Anfang fällt uns der Widerspruch noch auf, aber wenn wir dann nicht Gottes Hilfe gegen unsere Trägheit suchen, sondern  uns mit gelegentlichen guten Gefühlen begnügen, werden wir irgendwann resistent gegen die Forderung, unser Kreuz auf uns zu nehmen und Ihm nachzufolgen.

Vielleicht haben wir das Wort Gottes so oft gehört und waren so oft davon bewegt und angesprochen, haben aber keine Konsequenzen gezogen und mit der Sünde nicht gebrochen. Wir mögen die Atmosphäre im Gottesdienst und die netten Leute, wir stimmen vom Kopf her allem zu, aber wir wollen es ja mal nicht übertreiben. Am Ende werden wir noch als extrem verschrien! Einen leichten Anflug von Ungemütlichkeit können wir manchmal nicht leugnen, wenn das Wort uns trifft, aber irgendwann juckt uns das auch nicht mehr, und wir können fröhlich gerade so herausgehen, wie wir hineingegangen sind.

Vielleicht züchtigt Gott uns in seiner väterlichen Güte, aber  anstatt ihn zu fragen, was er uns beibringen möchte und uns vor ihm zu demütigen, sehen wir uns als Opfer widriger Umstände oder böser Menschen und nehmen unsere Zuflucht zu humanistischer Selbstbestätigung und suchen uns Leute, die uns sagen: “Du bist okay, so wie du bist, und auch Gott ist ganz vernarrt in dich! Von ihm kann das nicht kommen!”

Wenn wir das lange genug machen, werden wir irgendwann multiresistent gegen die Gnade, die uns zur Umkehr bewegen will.

Wie kann man dem entgegenwirken?  Indem wir Gott von ganzem Herzen suchen, weil wir wissen, dass wir ohne ihn nichts können. Und durch echte Gemeinschaft – nicht nur unverbindlichen Gottesdienstbesuch (schreckliches Wort!) – sondern durch Eingebundensein in aufrichtige gegenseitige Ermahnung und Ermutigung durch das Wort Gottes – nicht nur hin und wieder, sondern fortlaufend.

Ermahnt euch gegenseitig jeden Tag, solange es dieses „Heute“, von dem die Schrift spricht, noch gibt, damit niemand auf den Betrug der Sünde hereinfällt und hart wird. (Hebräer 3,13)

Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich schon einige angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt. (Hebräer 10, 24.25)

Lichtverschmutzung

new-york-city-78181_1280

Das Wort ist mir gestern zum ersten Mal begegnet. Der Zusammenhang war, dass man eventuell an seinem Standort die fallenden Sternschnuppen nicht sehen kann, weil der Himmel durch von unten kommendes Kunstlicht “verschmutzt” ist. Hell ist er nicht, aber nicht dunkel genug, um die natürlichen Lichter noch zu erkennen und zu unterscheiden. Als ich mich um Information bemühte, stieß ich auf eine Website zum “Verlust der Nacht”.

Ich bin ja auch froh, dass ich abends noch das Licht machen und meinen Tag verlängern kann. Ich muss noch nicht mal eine funzelige Öllampe pflegen und in Betrieb setzen. Ich drücke auf den Schalter, und schon ist es hell. Der Preis dafür ist, dass ich weniger Sterne sehe. Und ich kann eine Weile so tun, als wäre es noch nicht Nacht. Als ich so darüber nachdachte, wurde mir die Sache zu einem Gleichnis für uns moderne Zeitgenossen, und dafür, dass wir – sogar wir Christen – die geistliche Nacht oft so wenig empfinden und das wahre Licht so wenig suchen und ersehnen. Wenn wir ein Problem haben, stehen die “Kunstlicht”- Lösungen schon bereit: Hast du Angst, helfen Pillen und Psychologen, Fühlst du dich innerlich leer, suche Entertainment. Brauchst du Rat, geh zu Google. Sogar so gute Dinge wie Freunde, Familie oder Arbeit und Einsatz für Andere können Kunstlichtcharakter annehmen und dich über deine Sünde hinwegtäuschen, weil sie dir suggerieren, du wärst gut und tüchtig. Lichtverschmutzung ist alles, was die Nacht unserer Herzen so weit aufklart, dass wir das wahre Licht nicht mehr suchen, während unser tiefstes Problem ungelöst bleibt. Zumindest, solange der Strom nicht ausfällt. Das tut er aber irgendwann für jeden von uns.  In einem alten Lied heißt es: Suche Jesus und sein Licht – alles andre hilft dir nicht!

Jesus hat gesagt:

Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)