Archiv der Kategorie: Alltagstheologie

Corona-Zeiten

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Ich liege wach. Die letzten Reste meines Tag-Nacht-Rhythmus sind wohl der Tasse Kaffee zum Opfer gefallen, die ich mir gestern Nachmittag wider alle Vernunft genehmigt habe. Ich grüble nicht, aber der Gedankenstrom plätschert so bilderweise vor sich hin und rekapituliert die letzten Tage.

Zuerst musste man sich mal in dieser neuen Wirklichkeit zurechtfinden. Wie ganz Deutschland hing ich an den Lippen der Nachrichtensprecher, um herauszufinden, was sich jeweils gerade vom noch-Dürfen zum nicht-mehr-Dürfen verwandelte. Was geht noch, was geht nicht mehr? Jetzt gibt es zumindest vorläufig Klarheit, und die Politiker sind erstmal mit dem Aufspannen von Rettungsschirmen für alle und jeden beschäftigt.

Es ist still geworden bei mir, wo sich sonst an manchen Tagen die Leute die Klinke in die Hand geben. Ich habe eigentlich mit dem Alleinsein keine Probleme, aber ich habe plötzlich eine Mini-Sinnkrise. Wozu soll ich mich ordentlich anziehen, wozu die Wohnung aufräumen, wenn keiner kommt, wozu kochen, wenn keiner mitisst? Und mir fehlt meine Gemeinde. Es gibt Gottesdienst im Livestream, und es ist zwar schön zu wissen, dass die anderen zuhause auch vorm PC sind und mitsingen und zuhören – aber dasselbe ist es nicht. Trotzdem: Ein Segen, dass es die Technik gibt: Mit meinen Freundinnen treffe ich mich per Videokonferenz zum Bibellesen, Deutsch-Unterricht geht auch per Whatsapp-Videotelefonie, und Facebook hat gerade Hochkonjunktur. Heute schließlich habe ich aus meinem großen Wohnzimmertisch die Platte rausgemacht und ihn zusammengeschoben in einer Art grimmigen Akzeptanz, dass wir da mittel- oder vielleicht auch langfristig nicht mehr dran sitzen werden.

Das alles rollt durch meinen Kopf, und dann denke ich noch mal über das alte Paul-Gerhard-Lied nach, das ich so liebe: “Warum sollt´ich mich denn grämen? Hab ich doch Christus noch – wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben?” Und eine große Freude kommt in mir auf,

Dann fällt mir ein, dass eine Freundin neulich Richard Wurmbrand erwähnt hat, und ich denke: Wenn du eh nicht schlafen kannst, kannst du den mal googeln, und stoße direkt auf Videos von ihm, in denen er erzählt, wie er im kommunistischen Rumänien um seines Glaubens willen viele Jahre völlig allein und isoliert in einer Zelle unter der Erde eingekerkert war. Er spricht davon, dass wir jeden Tag vor der Wahl stehen, unser Leben von den negativen Umständen bestimmen zu lassen oder uns in Gott zu freuen und ihn zu loben. Genau das habe ich jetzt gebraucht. Gott weiß schon, warum er uns manchmal nicht schlafen lässt. Wer was über Resilienz lernen will, sollte sich das Video mal anschauen https://youtu.be/yWUXQgLiabk.

So, jetzt habe ich das alles aufgeschrieben, und draußen fangen schon die Vögel an, ihr Morgenlied zu zwitschern. Sie sind so un-beunruhigt, und so darf ich auch sein. Und nun versuche ich mal, noch eine Kappe voll Schlaf zu kriegen.

Wofür beten – in der Corona-Krise

archeHerr, wir wissen, dass kein Unglück geschieht, das du nicht genehmigt hast. Wir bekennen, dass wir es verdient haben. Unsere Welt hat dich und dein Wort verworfen. In unserem Stolz und unserer Auflehnung haben wir alle deine Ordnungen über den Haufen geworfen. Wir selbst wollen bestimmen über unser Leben und über unser Sterben. Wir selbst wollen bestimmen, was Geschlecht und was Ehe ist. Wir stimmen als Gesellschaft der Tötung von Tausendenden von Ungeborenen zu und denken immer noch, wir seien gute, fortschrittliche Menschen. Wir machen unsere Pläne ohne dich. Unsere Herzen sind voller Unzucht und Habsucht. Wir sind nie zufrieden mit dem, was du uns zuteilst.

Vor allem haben wir dich nicht geliebt und geehrt mit unserem ganzen Herzen, mit unserem ganzen Verstand, mit unserer ganzen Kraft. Wir ehren uns selbst, beten den Konsum und die Sicherheit an und das, was wir für unsere Freiheit halten. Jetzt wirfst du alle unsere Götzen über den Haufen und zeigst uns, dass wir Staub sind.

Du tust das nicht, weil du Spaß daran hast, uns leiden zu sehen. In deiner Gnade rüttelst du uns wach. In deiner Gnade willst du uns zur Buße führen. Herr, vergib! Wenn wir unsere Sünden bekennen, reinige uns durch das Blut deines Sohnes, den du als Retter der Welt gesandt hast. Hilf uns, von ganzem Herzen zu dir umzukehren.

Schenk unseren Verantwortlichen, dass sie dich suchen und deine Weisheit und deinen Rat finden in ihrer Ratlosigkeit.  In deinem berechtigten Zorn lass dein Erbarmen überhand nehmen und sei uns gnädig. Hilf uns, einzeln und gemeinsam, einen Neustart zu machen mit dir.

Hilf uns als deiner Gemeinde, dass wir die Menschen genug lieben, um ihnen die Wahrheit zu sagen. Hilf uns, uns nicht zu fürchten. Erfülle uns mit deinem Frieden. Verwandle uns durch die Nöte, durch die wir gehen, immer mehr in das Bild deines Sohnes, und richte uns aus auf deine Zukunft.

Wofür beten–für Ehen und Familien?

Familie

Ehen und Familien sind extrem angefochten, und die uns umgebende Gott-ferne Kultur ist viel mehr in die Gemeinde eingedrungen, als uns oft bewusst ist. Unser Gebet ist dringend erforderlich!

Dafür

    • dass die göttliche Institution der Ehe – ein Mann und eine Frau – unter uns hochgehalten wird (Hebräer 13,4)
    • dass die Eheleute in Reinheit miteinander leben, ohne Ehebruch, ohne Pornografie (Hebräer 13,4)
    • dass sie den Schöpfungsauftrag “Seid fruchtbar und mehrt euch” von ganzem Herzen annehmen (1.Mose 1,21)
    • dass sie sich gegenseitig in ihren verschiedenen Rollen lieben und respektieren, dass die Frauen die Führungsrolle des Mannes respektieren (Epheser 5,24) und die Männer die Frauen als “Miterbinnen des Lebens” ehren (1.Petrus 3,7)
    • dass sie das Reich Gottes priorisieren und die Ewigkeit im Blick
      haben (Matthäus 6,33; 1.Korinther 7,29-31)
    • dass sie auf Gott vertrauen und zufrieden sind, wenn sie Nahrung und
      Bedeckung haben und nicht durch die Sorgen des Lebens aufgesogen werden (und sich darin einig sind) (1.Timotheus 6,8; Matthäus6,19)
    • dass die Männer ihre Frauen lieben und versorgen (Epheser 5,28.29)
    • dass die Eltern in der Kindererziehung ein Team sind, damit es den Kindern nicht unmöglich wird, Vater und Mutter zu ehren (Epheser 6,2)
    • dass die Väter die Verantwortung übernehmen, ihre Kinder im Wort Gottes zu unterweisen (Epheser 6,4)
    • dass sie ihre Führungsrolle nicht missbrauchen, um willkürlich und tyrannisch zu sein (Epheser 6,4; Kolosser 3,19.21)
    • dass die jungen Frauen Unterstützung und Unterweisung durch ältere Schwestern bekommen und annehmen können (Titus 2,4), wie sie ihre Männer und Kinder lieben können

Wofür beten – für die Gemeinde?

GebetOft fällt uns das Beten schwer, weil uns der “Stoff” schnell ausgeht. Um zu wissen, wofür wir beten können und sollen, müssen wir den Willen Gottes kennen. Denn nur, wenn wir nach Gottes Willen beten, haben wir die Verheißung, dass er unser Gebet erhört.

Ich will deshalb versuchen, für verschiedene Gebiete biblische Gebetsanliegen zu sammeln. Gerne dürft ihr das in den Kommentaren ergänzen,  möglichst mit Angabe der entsprechenden Bibelstellen.

Hier einige Gebetsanliegen für uns als Gemeinde:

  • dass der Herr uns aufbaut als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus  – nicht als “Besucher” oder “Konsumenten”, sondern als ein heiliges Priestertum (1.Petrus 2,5)
  • dass jeder seine Gaben zur Verfügung stellt zum allgemeinen Nutzen, so dass wir als Leib funktionieren können (1.Korinther 12)
  • dass alle sich denen unterordnen, die im Auftrag des Herrn mitwirken und sich abmühen (1.Korinther 16,16; 1.Petrus 5,5)
  • dass wir eine klare Stellung gegen Sünde einnehmen (1. Korinther 5,7)
  • dass wir festhalten am Evangelium und kämpfen für den einmal überlieferten Glauben (1.Thessalonicher 4,15; Judas 3) und Irrlehrern und selbsternannten Aposteln keinen Raum geben
  • dass wir alle Heiligen lieben (Epheser 5,1; Kolosser 1,4)
  • dass wir einander die Lasten tragen  und uns in Liebe ermahnen (Galater 6,1.2), uns vergeben und ertragen (Epheser 4,32), einander gerne dienen und helfen (Johannes 13,15)
  • dass wir die Einheit des Geistes bewahren (Epheser 2,3)
  • dass unsere Kommunikation miteinander von Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Gnade gekennzeichnet ist (Epheser 4,25.29 ff)
  • dass unsere Zusammenkünfte die Ordnung Gottes widerspiegeln (1.Korinther 14,33)
  • dass das Wort Gottes und der Lobpreis reichlich unter uns wohnen (Epheser 5,19.20; Kolosser 3,16.17)
  • dass wir leidensbereit werden und fähig, in Bedrängnissen durchzuhalten und zusammenzustehen (2.Thessalonicher 1,4)
  • dass wir eine gebefreudige Gemeinde sind für den Bedarf des Reiches Gottes und bedürftige Geschwister (2. Korinther 8; Philipper 4,10) und Gott uns alles gibt, was wir als Gemeinde an Finanzen brauchen (Philipper 4,19)
  • dass das Wort Gottes von uns aus weiter in unsere Umgebung geht (1.Thessalonicher 1,8) und wir seine Zeugen sind (Apostelgeschichte 1,8)
  • dass wir Jesus aus den Himmeln erwarten (1.Thessalonicher 1,10)
  • dass wir zusammen im Gebet kämpfen (Epheser 5,18)
  • dass wir uns bemühen, gute Werke zu tun, die den Menschen um uns herum nützlich sind (Titus 3, 8.14)

Mein Weihnachtsdank

candle-2738529_1920Ich danke dir, denn

Liebe trieb dich

aus der Herrlichkeit des Himmels. Tiefer:

unter die Engel. Tiefer:

in einen ärmlichen Stall. Tiefer:

von machtgieriger Mordlust verfolgt. Tiefer:

von der Familie unverstanden. Tiefer:

versucht wie wir. Tiefer:

unermüdlich allen dienend. Tiefer:

unerkannt und verleumdet. Tiefer:

verraten, verlassen, verleugnet. Tiefer:

gefoltert, bespuckt und gekreuzigt,

Gottes Zorn auf dir – für mich.

*****

Ich danke dir, denn

du legst deine Fußspuren vor mich hin.

„Komm, folge mir!

Der Knecht ist nicht größer als sein Herr.“ Tiefer:

in Dienen und Selbstverleugnung. Tiefer:

ins Leiden für die Gerechtigkeit. Tiefer:

in Verleumdung und Verfolgung. Tiefer:

ins Sterben für die Brüder. Höher:

zu Gottes Kind gemacht. Höher:

reich im Glauben. Höher:

voll unaussprechlicher Freude. Höher:

ewig bei dir.

Adventskalender: 24 Bibelverse über den Mensch gewordenen Gott (19)

Ganz ohne Weihnachtsromantik: In seiner Erniedrigung ist Jesus unser Vorbild.

Philipper 2,5-7

Schlaflos gesegnet

night-196252erleuchtetefenster2Es ist nicht das erste Mal, dass ich über dieses Thema schreibe, aber im Moment ist es gerade wieder aktuell. Wenn man um 2 Uhr nachts immer noch knallwach ist, kann man sich entscheiden, ob man verzweifeln und sich schon mal vor dem Tag morgen fürchten will, oder ob man beschließt: Der Teufel kriegt meine Nacht nicht. Ich muss dazu sagen, dass Schlaflosigkeit bis jetzt bei mir nie ein langfristiger täglicher Zustand gewesen ist – wenn also jemand dauerhaft nicht schlafen kann, braucht er sicher auch andere Hilfen. Wenn du aber einfach mal aus einer Nacht  des rastlosen Hin- und Herwälzens eine wunderbar gesegnete machen willst, dann folge meinem Tipp: Denke über Jesus nach, und hangele dich dabei als Gedankengeländer am Alphabet entlang.

Letzte Nacht sah das so aus  (gekürzt, denn mir fielen noch mehr Dinge ein):

Er, der Abdruck des Wesens Gottes, wurde angespuckt. Das Bild des unsichtbaren Gottes wurde beschimpft, um mein Befreier zu werden. Unter all denen, die er zu seinen Brüdern gemacht hat, ist er, Christus, der Chorleiter des Lobes Gottes geworden (Hebräer 2,12). Von Herzen demütig, dornengekrönt, macht er sich zu unserem Diener, erniedrigt sich, um uns zu erlösen. Furchtlos und freundlich steht er vor seinen Feinden; freiwillig gibt er sein Leben, gerecht und schuldlos, Gott gehorsam bis hin zum Tod am Kreuz. Nun ist er, der so tief herabgekommen ist, hoch erhöht – immerdar besitzt Jesus den Thron.

Er ist der König, der Löwe aus Juda, das Lamm Gottes, Liebe und Licht in Person. Der Messias ist der Menschensohn aus Nazareth; er hat sich selbst als ewig gültiges Opfer gebracht, als das wahre Passalamm . Sein Tod ist für uns die Quelle des Lebens, er ist unser Retter. Der Schöpfer wurde unser Sühnopfer, die Tür zum Vaterhaus. Der Urheber unserer Rettung wurde durch Leiden vollkommen gemacht. Er war willig, diesen Weg für uns zu gehen – zu leiden, um uns wohlzutun. Darum ist er mein Ziel; ich strebe ihm nach und möchte ewig bei ihm sein.

Ich bin immer wieder verblüfft: Was ich mehr oder weniger als Beschäftigung für meinen Kopf anfange, wird zu einer Beschäftigung für mein Herz, die fast automatisch einige Fragen, Unklarheiten und Zweifel vom Tisch fegt und mich neu ausrichtet. Irgendwann nach drei Uhr morgens bin ich endlich eingeschlafen – und heute morgen aufgewacht mit dem Bedürfnis, das alles noch mal zu rekapitulieren und zu vervollständigen. Es gibt nichts Besseres und Heilsameres, als über Jesus nachzudenken. Probier´s aus!