Archiv der Kategorie: Freude

Burnout im Dienst für Gott?

Druck Bild von gerhard Altmann auf PixabayKönnen Christen ausbrennen? Ja, und sie tun es massenweise.

Können Christen ausbrennen, weil sie dem Herrn von ganzem Herzen  und zu eifrig dienen? Nein, denn unser Herr ist kein harter Herr. Das zu glauben ist nicht nur ein harmloser Irrtum, sondern eine Sünde. Ein harter Herr ist jemand, der Dienst fordert, ohne die nötigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, jemand, der ernten will, ohne dass er gesät hat.

Was also läuft falsch? Warum erleiden so viele Christen einen Burnout?

Im 2.Korintherbrief geht es viel ums Geben. Zwar geht es in dem konkreten Zusammenhang ums Geld, aber ich glaube, das, was da gesagt wird, lässt sich ebenso auf das Geben von Zeit und Kraft anwenden. Wir wollen mal näher untersuchen, wie man geben soll:

  • aus unserem Reichtum heraus (2. Korinther 8,7-9 und 9,11), nicht aus einem Reichtum an Mitteln oder Kraft heraus  – es heißt von diesen Christen sogar, dass sie  über Vermögen gaben – sondern aus einem Reichtum an Freude, an Sicherheit in Gott heraus. Sie mussten sich und ihre Ressourcen nicht beschützen, weil sie Gott vertrauten, dass er ihnen geben würde, was sie brauchten.
  • bereitwillig und aus eigenem Antrieb. Ich glaube, dass das in unseren Gemeinden oft falsch läuft. Da ist ein gewisser Druck, weil es viel Arbeit gibt, und dann gibt man nicht aus Liebe und Freude und eigenem Antrieb, sondern aus schlechtem Gewissen. Ein schlechtes Gewissen ist der übelste Arbeitgeber, den es gibt.
  • fröhlichwas nicht heißt, dass man nicht auch Stunden der Anfechtung hat, indem man sich zu dieser Fröhlichkeit neu durchkämpfen muss.
  • zuerst dem Herrn und dann den Menschen. Das ist, glaube ich, der Kern der Sache. Sobald die Menschen das erste Ziel unserer Hingabe werden, verschieben sich die Akzente. Dann beginnen wir, etwas zurückzuerwarten, und wenn wir es nicht bekommen, geht unsere Energie verloren. Wir leben nicht mehr aus Gottes unerschöpflicher Quelle. Seine Liebe muss unser Motor sein, wenn wir uns den Menschen zuwenden. “Zuerst dem Herrn” heißt auch: Ich kann ohne schlechtes Gewissen nein sagen, wenn ich denke, dass der Auftrag nicht von ihm kommt und er mich nicht von innen heraus motiviert. Übrigens sind es nicht immer die bösen Anderen, die Druck auf uns ausüben. Viele von uns haben einen kleinen inneren Sklaventreiber, der sie immerzu mit einem schlechten Gewissen manipuliert, und der sich gerne als Gott ausgibt.

Wenn jemand erst einmal in so einem Burnout-Zustand gelandet ist, empfindet er oft jede Anfrage und jeden Auftrag als Druck und regiert nur noch mit Schutz- und Abwehrmechanismen. Er sieht nicht mehr seinen Reichtum, nur noch seine Armut. Es gilt dann,

  • nach oft jahrelanger Fehlhaltung neu zu überdenken und zu lernen, was es eigentlich bedeutet, dem Herrn fröhlich zu dienen und dabei auf seine Kraft und seinen Reichtum zu vertrauen,
  • nicht den falschen Schluss zu ziehen, dass ich meine Talente besser vergrabe, weil Gott ein harter Herr ist,
  • oder auch den rebellischen Schluss zu vermeiden, “dass ich gar nichts muss” und mich verweigere. Gott hat jedem von uns Talente und einen Auftrag gegeben, und er erwartet, dass wir ihn erfüllen. Paulus z.B. konnte sich nicht aussuchen, ob er das Evangelium verkündigen wollte oder nicht. Gott hatte ihn dazu berufen und begabt. In 1.Korinther 9 sagt er: Ich bin dazu verpflichtet. Wehe mir, wenn ich es unterlasse! Er musste also nicht jeden Morgen in sich hineinfühlen, ob er heute dazu Lust und Kraft hatte, ob er sich dafür beschimpfen und verprügeln und verleumden lassen wollte – oder ob er mal einen Tag frei nehmen wollte. Aber weil er sich als mit Christus gestorben betrachtete und die Liebe Gottes ihn antrieb, konnte er das, was er “musste”, freiwillig, von Herzen, mit unermüdlicher Leidenschaft tun und noch einen draufsetzen: “Mein Lohn ist, dass ich es unentgeltlich tue.”

Leider ist das meist nicht, was den Ausgebrannten durch die Psychotherapeuten gesagt wird. Menschlich verständlich, doktert man mehr an den Symptomen herum als an den Ursachen. Die Konsequenz heißt dann: Schütze dich vor Ansprüchen. Stell deine Bedürfnisse ins Zentrum. Sei dir selbst wichtig. Schau, was dir guttut.

Nun denke ich, wer wirklich einen Burnout erlitten hat, braucht ganz sicher eine Pause, ein Neu-Überdenken, Ursachenforschung, Erholung, Sortieren von Prioritäten. Aber vor allem das Gespräch mit Gott: Hilf mir, der Menschengefälligkeit, dem Streben nach Anerkennung, der Hoffnung auf Menschen, den selbstgebastelten Utopien, dem Perfektionismus, dem Rechnen mit meiner eigenen Kraft zu sterben. Erfülle du aus deinen unerschöpflichen Ressourcen mein Herz mit neuer Liebe für dich, neuer Leidenschaft für dein Reich und deine Menschen! Lass mich an der Gemeinschaft mit dir genug haben und in dir glücklich sein trotz Leiden, Ablehnung, Frustration, Übersehenwerden, weil es nur darauf ankommt, dass du mich siehst, und weil es einen ewigen Lohn gibt! Hilf mir, dass dir zu dienen das ist, was ich von Herzen, fröhlich und am liebsten tue, und erfülle mich mit deiner Freude!

Bin ich nun geschützt vor Burnout, weil ich das alles weiß und so gut beschreiben kann? Leider nein. Es ist sehr leicht, da hineinzurutschen, wenn man nicht wachsam ist. Ein Warnsignal wäre ein murrendes und anklagendes Herz, wenn ich anfange mich mit anderen zu vergleichen und die verurteile, die in meiner Wahrnehmung weniger tun als ich (wie Martha). Ein anderes Warnsignal ist z.B. das Gefühl von Druck durch ein schlechtes Gewissen gegenüber menschlichen Erwartungen, was bis zur Angst vor Begegnungen mit den entsprechenden Menschen führen kann. Dann muss ich zum Herrn rennen, vor ihm abklären, was ich eigentlich will, für wen ich das tue, ob die Liebe noch meine Motivation ist, oder ob der “Dienst” sich verselbständigt hat und zum Hamsterrad geworden ist. Und dann Buße tun, wo nötig, und mich neu von ihm ausrichten und erfüllen lassen!

Corona-Zeiten

coronavirus-4937226_1920

Ich liege wach. Die letzten Reste meines Tag-Nacht-Rhythmus sind wohl der Tasse Kaffee zum Opfer gefallen, die ich mir gestern Nachmittag wider alle Vernunft genehmigt habe. Ich grüble nicht, aber der Gedankenstrom plätschert so bilderweise vor sich hin und rekapituliert die letzten Tage.

Zuerst musste man sich mal in dieser neuen Wirklichkeit zurechtfinden. Wie ganz Deutschland hing ich an den Lippen der Nachrichtensprecher, um herauszufinden, was sich jeweils gerade vom noch-Dürfen zum nicht-mehr-Dürfen verwandelte. Was geht noch, was geht nicht mehr? Jetzt gibt es zumindest vorläufig Klarheit, und die Politiker sind erstmal mit dem Aufspannen von Rettungsschirmen für alle und jeden beschäftigt.

Es ist still geworden bei mir, wo sich sonst an manchen Tagen die Leute die Klinke in die Hand geben. Ich habe eigentlich mit dem Alleinsein keine Probleme, aber ich habe plötzlich eine Mini-Sinnkrise. Wozu soll ich mich ordentlich anziehen, wozu die Wohnung aufräumen, wenn keiner kommt, wozu kochen, wenn keiner mitisst? Und mir fehlt meine Gemeinde. Es gibt Gottesdienst im Livestream, und es ist zwar schön zu wissen, dass die anderen zuhause auch vorm PC sind und mitsingen und zuhören – aber dasselbe ist es nicht. Trotzdem: Ein Segen, dass es die Technik gibt: Mit meinen Freundinnen treffe ich mich per Videokonferenz zum Bibellesen, Deutsch-Unterricht geht auch per Whatsapp-Videotelefonie, und Facebook hat gerade Hochkonjunktur. Heute schließlich habe ich aus meinem großen Wohnzimmertisch die Platte rausgemacht und ihn zusammengeschoben in einer Art grimmigen Akzeptanz, dass wir da mittel- oder vielleicht auch langfristig nicht mehr dran sitzen werden.

Das alles rollt durch meinen Kopf, und dann denke ich noch mal über das alte Paul-Gerhard-Lied nach, das ich so liebe: “Warum sollt´ich mich denn grämen? Hab ich doch Christus noch – wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben?” Und eine große Freude kommt in mir auf,

Dann fällt mir ein, dass eine Freundin neulich Richard Wurmbrand erwähnt hat, und ich denke: Wenn du eh nicht schlafen kannst, kannst du den mal googeln, und stoße direkt auf Videos von ihm, in denen er erzählt, wie er im kommunistischen Rumänien um seines Glaubens willen viele Jahre völlig allein und isoliert in einer Zelle unter der Erde eingekerkert war. Er spricht davon, dass wir jeden Tag vor der Wahl stehen, unser Leben von den negativen Umständen bestimmen zu lassen oder uns in Gott zu freuen und ihn zu loben. Genau das habe ich jetzt gebraucht. Gott weiß schon, warum er uns manchmal nicht schlafen lässt. Wer was über Resilienz lernen will, sollte sich das Video mal anschauen https://youtu.be/yWUXQgLiabk.

So, jetzt habe ich das alles aufgeschrieben, und draußen fangen schon die Vögel an, ihr Morgenlied zu zwitschern. Sie sind so un-beunruhigt, und so darf ich auch sein. Und nun versuche ich mal, noch eine Kappe voll Schlaf zu kriegen.

Mein Weihnachtsdank

candle-2738529_1920Ich danke dir, denn

Liebe trieb dich

aus der Herrlichkeit des Himmels. Tiefer:

unter die Engel. Tiefer:

in einen ärmlichen Stall. Tiefer:

von machtgieriger Mordlust verfolgt. Tiefer:

von der Familie unverstanden. Tiefer:

versucht wie wir. Tiefer:

unermüdlich allen dienend. Tiefer:

unerkannt und verleumdet. Tiefer:

verraten, verlassen, verleugnet. Tiefer:

gefoltert, bespuckt und gekreuzigt,

Gottes Zorn auf dir – für mich.

*****

Ich danke dir, denn

du legst deine Fußspuren vor mich hin.

„Komm, folge mir!

Der Knecht ist nicht größer als sein Herr.“ Tiefer:

in Dienen und Selbstverleugnung. Tiefer:

ins Leiden für die Gerechtigkeit. Tiefer:

in Verleumdung und Verfolgung. Tiefer:

ins Sterben für die Brüder. Höher:

zu Gottes Kind gemacht. Höher:

reich im Glauben. Höher:

voll unaussprechlicher Freude. Höher:

ewig bei dir.

Der Freude auf der Spur

directory-1187129_1920“Freut euch!”, sagt Paulus in seinem Brief an die Philipper nicht nur einmal. Gott will definitiv, dass wir uns freuen! In unseren Adern soll Freude fließen, kein Zitronensaft!

“Freut euch im Herrn!”  Kommt da gleich der Verdacht auf, dass das vielleicht eine langweiligere Art von Freude ist, eine fromm gedämpfte sozusagen? Ich kann es dir aus eigener Erfahrung bezeugen: Keinesfalls! Es ist die einzige echte Freude überhaupt, eine unzerstörbare, die mitten im Leid bombenfest hält, und die nicht den schalen Nachgeschmack eines schlechten Gewissens hat.

Aber was genau soll “Freude im Herrn” nun sein?

Zum einen ist es die Freude über Gott. Dass er durch Jesus eine Brücke zu uns gebaut hat, weil er uns so liebt. Dass er uns adoptiert hat und wir nie mehr alleine sind, sondern Tag und Nacht einen geduldigen und interessierten Ansprechpartner haben, der dazu noch in der Lage ist, alle unsere Probleme zu lösen. Dass er durch sein Wort mit uns redet. Dass wir gefunden haben, was wir auf so vielen Straßen vergeblich gesucht haben. Freude an seinen Verheißungen, an all den guten Dingen, die er für uns tut, an den großen und kleinen Wundern in unserem Leben, an Gebetserhörungen, wenn wir erleben, wie er uns hilft. Die Freude, bis in die Tiefe unseres Seins gekannt und  angenommen zu sein.

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt, und das ist die Freude mit Gott. Gott bezieht uns mit ein in seine eigene Freude. An was freut sich Gott? Er freut sich, wenn ein Sünder zurückkommt zu ihm. Dann steigt im Himmel eine Party. Aber das ist nur der Anfang. Er freut sich an dem, was er selbst in uns tut. Er will uns nämlich Lohn geben. Und jedes Mal, wenn er uns was gutschreiben kann ( was er selbst in uns gewirkt hat), freut er sich.  So freut sich Paulus zum Beispiel mit Gott über die Philipper, als sie ihm Unterstützung schicken. Wegen dem Geld? Nein, sondern weil es wie ein Opfer ist, dessen Duft vom Altar zu Gott aufsteigt, ein Opfer, das Gott willkommen ist und an dem er Freude hat (Philipper 4,18). Er freut sich mit Gott über diese geistliche Frucht bei den Philippern. Über die Thessalonicher freut er sich dermaßen, dass er sich fragt: Denn was für Dank können wir Gott euretwegen abstatten für all die Freude, womit wir uns euretwegen freuen vor unserem Gott (1. Thessalonicher 3,9)? Auch der Apostel Johannes freut sich auf eine ähnliche Weise: Es gibt für mich keine größere Freude, als zu hören, dass meine Kinder so leben, wie es der Wahrheit entspricht (3.Johannes 4). Man könnte dazu noch jede Menge Stellen anführen. Ich habe heute morgen Freude im Neuen Testament gesammelt, und nun ist meine Bibel voller Smilies Smile.

All das entspricht auch meiner Erfahrung. Echte Bekehrungen zu Gott sind eine Freude! Andere Gläubige, in denen wir Gott an der Arbeit sehen, die geistlich wachsen, sind eine Freude! Zu sehen, wie Menschen Jesus über alles lieben und bereit sind, Opfer zu bringen, ist eine Freude! Die Anbetung von anderen zu hören und zu sehen, wenn wir miteinander Gott preisen, ist eine Freude! Mit anderen zusammen der Heiligung nachzujagen und fürs Evangelium zu kämpfen, ist eine Freude! Und da gibt es Christen, die wegen ein paar Schwierigkeiten und Enttäuschungen darauf verzichten und meinen, sie brauchen keine Gemeinde? Was für eine traurige, sinnlose Selbstberaubung! Was für eine Unterbrechung der Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater, der sich an seinen Kindern freut und uns daran Anteil haben lässt!

Ich will mich freuen!