Archiv der Kategorie: Apostelgeschichte

Was ist ein Christ? – Ein Jünger

ichthys-2108777_1280Heute versteht man unter “Christen” im Allgemeinen Menschen, die aus irgendeinem Grund einer christlichen Kirche angehören. Meist sind sie hineingeboren und als Kind getauft worden, oft aus reiner Tradition. Als Kirchenmitglied erscheinen sie in der Statistik über Religionszugehörigkeit dann als “Christ”. Mit ihren persönlichen Überzeugungen und ihrem Lebensstil hat das oft wenig zu tun. Praktisch können sie sogar Atheisten oder Götzendiener sein.

Aber woher kommt der Ausdruck eigentlich? In der Apostelgeschichte, die uns am zuverlässigsten aus der ersten Zeit berichtet, in der die Jesusbotschaft sich von Jerusalem aus in andere Gegenden und Länder ausbreitete, wird in Kapitel 11,26 festgestellt: Die Jünger wurden zuerst in Antiochia Christen genannt.

Die ersten Christen suchten sich also diese Bezeichnung nicht aus, sondern ihre Umwelt nannte sie so. Die Christen selbst sahen sich als Jünger, d.h. Lernende und Nachfolger. Sie bezeugten, dass sie Jesus für den Christus (den von Gott ernannten König und Erlöser) hielten, und dafür wurden sie bekannt.

Stell dir einmal vor, es gäbe diesen Bezeichnung noch nicht, und du könntest nicht einfach sagen: “Ich bin ein Christ”, um dich zu identifizieren. Würden andere diesen Namen für dich erfinden? Warum sollten sie das tun? 

Vielleicht, weil

  • du ständig von Christus redest und versuchst, andere davon zu überzeugen, dass er der ist, der er zu sein behauptete?
  • du immer da zu finden bist, wo seine Lehren weitergegeben werden und er verehrt wird?
  • dein Leben zeigt, dass du diesem Christus nachfolgst und ihn nachahmen willst?
  • du ihn offensichtlich als deinen Herrn ansiehst und damit unvermeidlich als Fremdkörper auffällst in einer Welt, die einem ganz anderen Herrn dient?
  • man mitbekommt, dass du sein Wiederkommen und seinen Herrschaftsantritt erwartest?

Würde man mich “Christ” nennen, wenn das Wort noch nicht erfunden wäre?

Lieblingsverse (1): Gottes Kreuz-werter Schatz

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Jedes einzelne Wort in der Bibel ist wertvoll. Und doch hat wahrscheinlich jeder Bibelleser Verse, die ihm besonders viel bedeuten, z.B. weil sie ihn in einer großen Not getröstet haben oder weil sie ihm in besonderer Weise das Herz und die Absichten Gottes zeigen. Diese Gewichtung ändert sich auch schon mal je nach aktueller Lebenssituation.

Ein Vers, der mein Herz jedes Mal höher schlagen lässt, steht in Apostelgeschichte 20,28:

So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat!

Paulus spricht da mit den Gemeindeleitern von Ephesus und ermahnt sie, für die Gemeinde gut zu sorgen. Insofern bin ich nicht wirklich der Ansprechpartner für diesen Vers, weil das nicht meine Aufgabe ist. Aber ich liebe die Aussage, die hier über Gottes Beziehung zu seiner Gemeinde gemacht wird: Er hat sie durch sein eigenes Blut erworben.

Das zeigt, welch ein großer Schatz die Gemeinde (die weltweite Gemeinde genauso wie die Ortsgemeinde und jeder einzelne, der zu Jesus gehört) in seinen Augen ist. Sie war ihm das Kreuz wert. Er hat sie vor aller Zeit geliebt, ihre Erlösung geplant und sie dann, als die Zeit reif war, durch sein eigenes Blut erworben. Sie gehört ihm, und sie ist ihm das Kostbarste im Himmel und auf Erden. Die Ältesten dürfen sie hüten und pflegen, aber der Eigentümer ist Gott, und bis er sie zu sich holt, hat er sozusagen ein Etikett draufgeklebt: Handle with care!

Was mein Herr so wertschätzt, will ich auch wertschätzen. Was ihm so einen hohen Preis gekostet hat, will ich nicht leichtfertig beschädigen. Respekt für Gott und Respekt für das Kreuz ist vom Respekt für die Gemeinde untrennbar. An meinem Platz und in meiner kleinen Aufgaben-Ecke will ich alles dafür tun und vor allem dafür beten, dass es der Gemeinde gut geht, dass sie für ihren Herrn lebt und ihm gefällt, dass er Freude an ihr haben kann. Das wird auch was kosten. Wir alle sind es ihm schuldig, heißt es in 1. Johannes 3,16,  für die Brüder das Leben hinzugeben.

Der Vers ist eine große Hilfe, wenn das “Menscheln” in der Gemeinde uns frustriert und Dinge nicht so laufen, wie es unseren Vorstellungen entspricht. Er führt uns immer wieder zurück zur göttlichen Perspektive: Die Gemeinde hat das Kreuz gekostet, sie gehört IHM, nicht uns. Welch eine Ehre, dazugehören zu dürfen!

“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?” Das Leiden Jesu im Alten Testamnent ((8)

Jesaja53Auf einer einsamen Straße zwischen Jerusalem und Gaza fährt eine Kutsche. Im Wagen sitzt ein dunkelhäutiger Mann, ganz vertieft in eine Buchrolle, aus der er murmelnd liest.  Auf seiner Suche nach Wahrheit ist er auf den Gott Israels gestoßen, und er hat Jerusalem besucht, um ihn anzubeten und mehr zu erfahren. Von dort hat er sich das Buch des Propheten Jesaja mitgebracht.

Er ist der Schatzmeister der Königin von Äthiopien, aber sein Herz ist auf der Suche nach mehr als Karriere und Reichtum. Er hat schon gelernt, dass der Gott Israels Gerechtigkeit und Sünde sehr ernst nimmt. Ständig werden Opfer im Tempel dargebracht, um Sühne zu leisten. Aber wie kann er, ein Heide, fern von israelitischem Boden, mit Gott versöhnt werden und Frieden haben?

Was er nun hier liest, ist interessant. Wenn er nur wüsste, um wen es geht! Da ist von einer Person die Rede, die ihr Leben als Schuldopfer gibt, und von anderen, die dadurch Frieden und Heilung bekommen. Aber wer ist diese Person? Spricht der Prophet hier von sich selber? Dann wäre es eine alte Geschichte … Wie er sich nach diesem Frieden sehnt! Er muss wissen, von wem hier gesprochen wird. Aber er kommt nicht weiter.

Ein Mann ist schon ein paar Meter neben seinem Wagen hergelaufen und hat seinem Lesen zugehört. Jetzt spricht er ihn an: “Verstehst du denn, was du liest?”  “Wie sollte ich, wenn es mir keiner erklärt!” Vielleicht hat dieser Mann Ahnung? Vielleicht hat Gott die Fragen seiner Seele gesehen und ihn geschickt? “Steig doch auf und setz dich zu mir!”  Und ohne weitere Höflichkeiten tauchen sie in den Text ein:

Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.

“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?”

Die nun folgende Unterhaltung ist rekonstruiert. In der biblischen Geschichte steht nur, dass Philippus – so hieß der 2. Mann – ihm ausgehend von dieser Stelle das Evangelium erklärte. Das mag in etwa so ausgesehen haben:

Ich kenne den, von dem er spricht! Sein Tod hat vor noch nicht allzu langer Zeit Jerusalem erschüttert. Es ist Jesus, der Sohn Gottes. Er ist als Mensch auf diese Erde gekommen, um uns zu retten vor dem Zorn Gottes. Er ist der vor langer Zeit verheißene Messias Israels. Er hat all die Wunder und Zeichen des Messias getan: Er hat Lahme und Blinde geheilt, Dämonen ausgetrieben, Brot vermehrt, Stürme gestillt, und die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt. Er hat Sünder angenommen und ihnen vergeben. Aber unsere Obersten hassten ihn, weil er ihnen die Wahrheit sagte über ihre Heuchelei, und weil sie eifersüchtig waren. Sie haben ihn unter falscher Anklage den Römern überliefert und seine Kreuzigung gefordert. Und er hat sich ohne Widerstand verhaften, foltern und töten lassen. Was damals niemand verstand, obwohl er es oft gesagt hatte, war, dass er sein Leben als Schuldopfer geben wollte. Er ist der, von dem hier die Rede ist: Das Lamm Gottes, das alle anderen Opfer für immer überflüssig macht. An diesem Kreuz hat Gott unser aller Schuld auf ihn gelegt, so wie es hier steht:

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.”

“ Hm. Aber wenn er tot ist, wie kann er dann Nachkommen haben und in die Länge leben und das Licht schauen und all die Dinge, die hier sonst noch stehen? Und wie kann man wissen, dass Gott dieses Opfer angenommen hat?”

“ Ja, das Beste kommt noch! Nachdem er drei Tage im Grab lag – übrigens im Grab eines Reichen, so wie es hier steht! – ist er auferstanden. Er ist danach vielen Menschen erschienen, seinen Jüngern und mehr als 500 glaubwürdigen Zeugen, und er war noch über 40 Tage bei seinen Jüngern und hat sie unterwiesen. Dann ist er vor ihren Augen in den Himmel aufgefahren. Dort sitzt er jetzt zur Rechten Gottes. Von dort hat er auch allen, die an ihn glauben, den Heiligen Geist geschickt, der eine unerschütterliche Gewissheit in ihr Herz senkt, dass sie Gottes Kinder sind.”

Im Herzen des Schatzmeisters breitet sich eine große Hoffnung aus. Wenn Jesus auch für ihn das Opferlamm geworden ist und er diesen Heiligen Geist bekommen und mit nach Hause nach Äthiopien nehmen kann, dann will er das haben! Sofort! Dort hinten ist eine Wasserstelle, und er will getauft werden und seine Annahme dieses Opfers bekennen! “Gibt es ein Hindernis, dass ich getauft werde?”  “Glaubst du von ganzem Herzen?” “Ja!” Sie halten an, und Philippus tauft ihn ohne Zögern. Dann nimmt der Geist Gottes den Philippus weg. Er wird auch nicht mehr gebraucht, denn der Schatzmeister ist mit einer tiefen Freude  und Gewissheit erfüllt. Das Problem seiner Schuld ist gelöst, und er hat einen auferstanden Herrn im Himmel und den Heiligen Geist, der ihn leiten wird.

Die Geschichte steht in der Bibel in Apostelgeschichte 8; der Text aus Jesaja, der den Kämmerer beschäftigte, steht in Jesaja 53.

Bildquelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Isaiah_53#/media/File:Great_Isaiah_Scroll_Ch53.jpg  Isaiah 53 in the Great Isaiah Scroll, found at Qumran and dated to the 2nd century BCE, public domain

Predigt-Nachlese: Von Melite nach Rom

Predigttext: Apostelgeschichte 28

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Via Appia Antica, von Stefano Constanini, Creative Commons Lizenz

Paulus hat es mit den anderen geretteten Schiffbrüchigen auf die Insel Melite verschlagen. Es ist kalt und es regnet. Die Einwohner sind sehr freundlich, nehmen sie auf und machen ein Feuer. Paulus hilft beim Reisig-Zusammenlesen. Als er das Holz auf das Feuer legt, schießt eine Giftschlange heraus und verbeißt sich in seine Hand.

Die Eingeborenen ziehen sofort ihre Schlüsse: Der ist bestimmt ein Mörder! Muss ja auch einen Grund haben, dass er als Gefangener nach Rom gebracht wird! Jetzt ist er aus dem Meer gerettet worden, aber der gerechten Strafe kann er nicht entfliehen! (Sie bestätigen damit übrigens Römer 2: Auch Heiden, die nie mit dem Gesetz des Alten Testamentes in Berührung gekommen sind, haben ein Bewusstsein von falsch und richtig.)

Paulus bleibt ganz gelassen. Er weiß, dass ihn das nicht umbringen kann, denn Gott hat ihm gesagt, dass er nach Rom kommt. Er jammert auch nicht: Das jetzt auch noch! Hab ich nicht genug mitgemacht? Er schüttelt das Tier einfach ins Feuer, und ihm passiert nichts. Das verwundert die Menschen jetzt vollends. Dieser Mann ist ein Mysterium! Am Ende ist er einer der Götter!

Paulus allerdings weiß, dass er nichts ist als ein begnadigter Sünder, der auf diese Insel gebracht wurde, um dort den Namen seines Retters groß zu machen. Als Publius, der Oberste der Insel, sie als Gäste aufnimmt, betet er für dessen schwerkranken Vater. Weil seine Heilung sich herumspricht, kommen all die Kranken und bitten um Gebet und werden gesund. Eine wunderbare Gelegenheit für Paulus, Jesus zu verkündigen! Drei Monate haben sie Zeit, um aus diesen neuen Gläubigen Jünger zu machen. Ihre Dankbarkeit zeigen die Inselbewohner, indem sie dafür sorgen, dass es ihnen für die Weiterfahrt an nichts mangelt.

Nun geht es endlich nach Rom. Die Brüder dort haben schon gehört, dass Paulus kommt. Sie gehen ihm mehr als zwei Tagereisen weit entgegen und geben dem Gefangenen Geleit wie einem siegreichen General! Ihre Liebe ist für Paulus eine große Ermutigung. Er wird hier nicht alleine kämpfen müssen.

In Rom hat Paulus große Möglichkeiten. Seine Untersuchungshaft erlaubt ihm, – zwar unter ständiger Anwesenheit eines Wachsoldaten – eine eigene Wohnung zu haben, wo er nach Belieben Leute empfangen kann. Er lädt die jüdische Führung zu sich ein, die auch ganz neugierig sind, mehr von ihm über diese “Sekte” zu erfahren, von der sie nur wissen, dass sie überall heiß diskutiert und abgelehnt wird. Paulus erklärt ihnen an Hand des Alten Testamentes, wer Jesus ist und wie sein Reich aussieht. Einige lassen sich überzeugen, andere nicht. Zwei Jahre kann er ungestört das Wort Gottes lehren und vor allem Briefe schreiben: Noch heute profitieren wir von seinen Briefen an die Epheser, Kolosser und Philipper. Auch der Brief an Philemon stammt aus dieser Zeit. Er weiß jede Situation für die Verkündigung des Evangeliums und den Aufbau der Gemeinden zu nutzen und verschwendet keine Energien auf Selbstmitleid.

Wir wissen, dass Paulus nach diesen zwei Jahren freigesprochen, aber später wieder verhaftet und hingerichtet wurde. In allen Umständen blieb er seinem Lebensmotto treu:

Dass durch mein Leben Christus in allem geehrt wird, ob ich nun lebe oder sterbe. Denn Christus ist mein Leben.

Predigt-Nachlese: Qualitäten geistlicher Leitung in Krisensituationen

Predigttext: Apostelgeschichte 27

andreas-achenbach-85762_1280Der äußere Ablauf der Geschichte:

Paulus hatte sich ja auf den Kaiser in Rom berufen. Darum wird er, zusammen mit anderen Gefangenen, einem römischen Hauptmann namens Julius anvertraut, der die Gruppe sicher in die Reichshauptstadt bringen soll. Bei ihm sind außerdem Lukas und Aristarch als seine Begleiter. Die Reise geht mit dem Schiff übers Mittelmeer. In Myra wechseln sie auf ein alexandrinisches Handelsschiff, auf dem nun über 200 Personen unterwegs nach Italien sind. Bei ungünstigem Wind kommen sie schließlich an einen Ort, der “schöne Häfen” heißt in der Nähe von Lasäa. Dort warten sie auf besseres Wetter. Das kommt aber nicht. Die Zeit drängt, und sie beschließen, trotz ungünstiger Bedingungen weiter zu segeln. Paulus, erfahren in Reisen auf dem Meer – dies ist nicht sein erster Schiffbruch -, warnt vor der Weiterfahrt. Aber der Hauptmann will sich lieber auf die vermeintlich größere Kompetenz der Fachleute verlassen, und so lichten sie die Anker.

Und dann bricht die Katastrophe über sie herein in Form eines “Eurakylon” genannten Wirbelsturms. Viele Tage bleibt der Himmel schwarz, und sie treiben völlig orientierungslos auf dem Meer herum.Sie umgürten das Schiff mit Tauen, damit es nicht auseinanderbricht, lassen das Takelwerk herunter und werfen nach und nach immer mehr Ladung und sogar das Schiffsgerät über Bord. Hoffnungslosigkeit übermannt sie. Niemand ist mehr nach Essen zumute.

Schließlich richtet Paulus das Wort an sie: Leute! Hätte man auf mich gehört, wäre das alles nicht passiert! (Niemand widerspricht.) Aber heute Nacht hat Gott mir durch einen Engel sein Wort gegeben, dass ich nach Rom komme! Und euch alle hat er mir geschenkt! Ihr werdet heil hier rauskommen, nur das Schiff ist verloren. Seid guten Mutes! Es wird so kommen, wie Gott es gesagt hat! ich vertraue ihm!

Bald merken sie, dass das Wasser flacher wird. Die Matrosen hecken heimlich einen Plan aus, das Schiff zu verlassen, aber Paulus merkt das irgendwie, und diesmal hat er das Ohr des Hauptmanns. Die Flucht kann verhindert werden. Schließlich ruft Paulus alle dazu auf, etwas zu essen. Sie werden für den letzten Akt Kraft brauchen. Er geht mit gutem Beispiel voran, segnet das Brot und beginnt zu essen. Eine Welle von Hoffnung durchflutet alle, sie stärken sich und werfen dann den restlichen Weizen ins Meer. Als es Tag wird, zeichnet sich eine Bucht mit flachem Strand vor ihnen ab. Auf dem Weg dorthin laufen sie auf eine Sandbank auf, wo das Schiff endgültig auseinanderbricht. Die Wachmannschaft befürchtet, ihre Gefangenen könnten nun das Weite suchen und wollen sie töten, aber Julius lässt es nicht zu. Schwimmend und auf Planken und Wrackteilen gelangen schließlich alle an Land.

Paulus als Beispiel gottesfürchtiger Leitung in Krisensituationen:

Stürme gehören zu unserem Leben. Wir schwimmen ständig gegen den Strom einer gottlosen Kultur, aber auch auf der persönlichen Ebene erleben wir Krisen und überwältigende Nöte. Wenn wir betrachten, wie Paulus sich hier verhält, können wir viel über den Umgang mit Krisen lernen. Wie nötig sind in Krisenzeiten auch solche, die vorangehen, die Initiative ergreifen und die übrigen ermutigen! Was zeichnet nun eine solche gottesfürchtige Leitung aus?

1. Aufgeben ist ein Fremdwort, wenn die Bestimmung noch nicht erreicht ist. Die gottgegebene Mission wird und muss ausgeführt werden. Paulus sagt in Apostelgeschichte 20, dass er entschlossen ist, seinen Lauf mit Freuden zu vollenden. Nichts, aber auch gar nichts, kann ihn davon abbringen!

2. Ein geistlicher Leiter muss geistliche Urteilsfähigkeit anwenden.

3. Die Autorität des Wortes Gottes steht für ihn zu jeder Zeit außer Frage, und er spricht in dieser Autorität. Paulus hatte hier ein direktes Wort von Gott empfangen. Wir dürfen auf dem festen Grund der Heiligen Schrift stehen und sie in Liebe auf jede Situation anwenden.

4. Er stärkt und ermutigt die anderen mit dem Wort Gottes.

5. Er vertraut auf das, was Gott gesagt hat. In diesem Vertrauen kann er auch in schwierige Situationen hineingehen und darin stehen.

6. Er ist in Bezug auf das Wort Gottes völlig kompromisslos.

7. Er leitet durch sein Beispiel. Er liebt und dient und achtet die anderen höher als sich selbst.

Noch eine persönliche Beobachtung (das war nicht in der Predigt): Was mich an dieser Geschichte immer besonders berührt, ist das Versprechen Gottes an Paulus: Ich habe dir all diese Menschen geschenkt. Das sagt so viel über das, was sich die ganze Zeit zwischen Gott und Paulus abspielte! Während er sicher half beim Wasserschöpfen und Ladung rausschmeißen, rang er mit Gott um das Leben dieser Menschen. In den sternlosen Nächten hatte er Zugang zum Thron Gottes mit seiner Bitte: Gib mir diese Leute! Zeig ihnen, dass du ein Retter-Gott bist! Lass sie nicht umkommen! Und Gott hört auf ihn. Das bewegt mich tief, und ist ein Ansporn zum Beten für Verlorene: Gott gibt uns Menschen, wenn wir bitten.

Predigt-Nachlese: Würden doch alle wie ich!

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Predigttext: Apostelgeschichte 25 und 26

Würden doch alle wie ich!

Der Mann, der das ausruft, ist gefangen und gefesselt. Aber er weiß, dass er das größte Glück besitzt, weil seine Sünden vergeben sind, und er Gott seinen Vater nennen kann. Und er wünscht diese Freude jedem, Freunden und Feinden, und auch dem König Agrippa, vor dem er zum Verhör erschienen ist.

Paulus hatte sich auf den Kaiser in Rom berufen, als er merkte, dass er in Gefahr stand, den jüdischen Führern ausgeliefert zu werden, bei denen Festus Pluspunkte sammeln wollte. Willst du dich in Jerusalem verantworten? hatte Festus ihn gefragt. Nein, da würde ihm kein Recht werden, das war ihm klar, dann lieber nach Rom! So bleibt er also in Gewahrsam, bis eine Möglichkeit gefunden würde, ihn zum Cäsar zu senden.

Nun ist es etwas schwierig, jemand ohne überzeugende Anklagepunkte in ein Berufungsverfahren zu schicken. Da trifft es sich gut, dass Festus hohen Besuch bekommt, den er um eine Stellungnahme und Rat bitten kann. König Agrippa der Zweite und seine Schwester Berenike sind seine Gäste, und ja, Agrippa ist neugierig: Ich würde diesen Mann gern kennenlernen und hören, was er zu sagen hat.

Und dann steht der treue Zeuge Jesu vor ihm und seinem ganzen Tross im Gerichtssaal und bekommt die Gelegenheit, zu reden. Ich schätze mich glücklich, dass ich mich vor dir verteidigen kann, beginnt Paulus. Wirklich? Weiß er nicht, dass der Urgroßvater dieses Mannes die Kinder von Bethlehem hat abschlachten lassen, sein Großvater Johannes, den Täufer, auf dem Gewissen hat, und sein Vater Jakobus hinrichten ließ? Erwartet er etwa Gerechtigkeit von ihm?  – Nein, Paulus ist nicht naiv, aber er sieht eine Chance für Agrippa! Er wird heute das Evangelium hören und die Gelegenheit bekommen, sich zu Christus zu bekehren.

Bei Agrippa muss Paulus nicht bei Null anfangen. Er weiß viel aus der Heiligen Schrift. Er ist zwar In Rom erzogen worden, aber in allen jüdischen Gebräuchen und Streitfragen wohl bewandert. Genau genommen ist er von Rom als Oberaufsicht über den Tempel eingesetzt. Paulus erzählt ihm nun von seinem eigenen Leben: Wie fromm er war und doch so verloren, weil er Jesus bekämpft hat. Die bösen Dinge, die er den Gläubigen getan hat. Wie der Auferstandene ihm begegnet ist und sein Leben auf den Kopf gestellt hat. Von dem Auftrag, den er bekommen hat. Und ja, für alle Menschen und auch für Agrippa gilt das Angebot, umzukehren und aus der Finsternis zum Licht und aus der Gewalt Satans zu Gott zu kommen!  Vergebung der Sünden und ein ewiges Erbe – dafür hat Christus gelitten und stellvertretend unsere Strafe auf sich genommen. Es gab Gnade für den Sünder Paulus wie es auch Gnade für den Sünder Agrippa geben kann.

Festus ist das alles ein bisschen zuviel. Paulus, du hast den Verstand verloren! Dass Christen verrückt sind, ist keine unübliche Anklage, um die Ablehnung unserer Botschaft zu rechtfertigen. Aber wir könnten gar nicht vernünftiger sein, denn das, was wir glauben, steht auf der festen Grundlage uralter Verheißungen! Paulus wendet sich wieder an den König: Agrippa, glaubst du den Propheten? Ich weiß doch, dass du glaubst!  Agrippa, so herausgefordert, antwortet etwas nervös: Du überredest mich noch, ein Christ zu werden!

Ach, wie gerne täte Paulus das!  Es ist sein tiefster Herzenswunsch, dass alle würden wie er, nur ohne diese Fesseln! Aber Agrippa übergeht diesen Ruf an sein Herz. Der Mann ist interessant und seine Lebensgeschichte berührend, da ist was dran – aber werden wie er? Die Kosten sind ihm zu hoch. Er geht zur Tagesordnung über.

Eine tragische Geschichte! Gott bietet Versöhnung an, es geht um Himmel oder Hölle, Licht oder Finsternis, Leben im  Reich Gottes oder im Machtbereich Satans. Wer nicht wählt, wählt auch – es gibt keinen neutralen Boden. Lass das nicht deine Geschichte sein! Weise deinen Erlöser nicht ab! Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, verschließt euch seinem Reden nicht! (Hebräer 3,15)

Bild: Nikolai Korniliewitsch Bodarewskie [Public domain], via Wikimedia Commons

Predigt-Nachlese: Aufschieben ist gefährlich

Predigttext: Apostelgeschichte 24 512px-Pompeii_Garden_of_the_Fugitives_02Paulus ist, um ihn vor der jüdischen Verschwörung zu retten, bei Nacht und Nebel nach Cäsarea überstellt worden. Jetzt ist er in den Händen des Statthalters Felix. Felix ist ein ehemaliger Sklave und ein Günstling des Claudius Cäsar, ein machtberauschter Mensch, der kriegt, was er will. Seine sehr schöne junge Frau, Drusilla, ist eine Jüdin aus königlicher Familie, die Tochter Agrippas. Felix hat sie dem König von Emessa ausgespannt – für beide ist es die 3. Ehe. Die Juden hassen Felix aus tiefstem Herzen. Doch als nun die Delegation aus Jerusalem kommt, um ihn mit Hilfe des Anwalts Tertullus anzuklagen, finden sie viele schmeichelhafte Worte. Sie wollen vor allem ihr Ziel erreichen, Paulus den Garaus zu machen, und da wollen sie Felix hineinmanipulieren. Sie beschreiben den Apostel als Aufrührer und Kopf der Nazarener-Sekte und beschuldigen ihn erneut, den Tempel entweiht zu haben, ohne dafür Zeugen auffahren zu können. Paulus bestreitet wahrheitsgemäß, was ihm bezüglich der Schändung des Tempels vorgeworfen wird, auch hat er keinen Aufruhr angezettelt. Aber zu dem Nazarener bekennt er sich, ebenso wie zur Autorität des Wortes Gottes im Alten Testament. Er greift nicht, wie seine Gegner, in die diplomatische Trickkiste – er sagt einfach nur die Wahrheit. Felix kommt nicht zum ersten mal mit dem Evangelium in Berührung. Er hat schon von dem “Weg” gehört. Er findet die Sache auch recht interessant, aber er will sich bei den Juden nicht in die Nesseln setzen. Man kann die Angelegenheit ja aufschieben, erst mal auf “wenn Lysias kommt”. Paulus bleibt gefangen, aber es geht ihm nicht schlecht. Er darf Besuch empfangen, seine Freunde dürfen ihn versorgen, und er kann Briefe schreiben, wovon er auch fleißig Gebrauch macht. Und Felix und Drusilla lassen ihn kommen, um sich mit ihm über Religion zu unterhalten. Sie hätten es gerne unverbindlich, aber da kennen sie Paulus schlecht. Paulus spricht unerschrocken über Jesus, aber auch über das kommende Gericht, ihr lustgebundenes Leben und die Notwendigkeit der Umkehr. Den beiden wird es ganz anders! Das hat wirklich zu ihnen gesprochen …. doch dann nimmt Felix wieder seine Zuflucht zu seiner üblichen Taktik: Aufschieben. Für heute ist es genug, sagt er. Vielleicht reden wir bei Gelegenheit noch mal. Gott hat ihm Gnade angeboten – auch für Sünder wie Felix ist Jesus gestorben – aber Felix will nicht. Heute nicht, vielleicht irgendwann einmal! In den kommenden zwei Jahren lässt er Paulus öfters mal zum Gespräch kommen, auch weil er die Hoffnung auf Bestechungsgelder nicht ganz aufgeben kann. Am Ende seiner Amtszeit hinterlässt er ihn seinem Nachfolger (obwohl ein Römer eigentlich nicht länger als zwei Jahre in Untersuchungshaft gehalten werden darf). Er hat genügend Zeit gehabt, Paulus zu beobachten, wie er voller Freude seinem Herrn auch als Gefangener dient, sein ganzes Dasein ein Zeugnis der lebendigen Hoffnung durch Christus. Aber er ist über das Vertagen nicht hinaus gekommen. Wenn Gott uns zur Buße ruft, dann sagt er “Heute!”  Drusillas Leben fand ein vorzeitiges Ende, als sie mit ihrem Sohn bei den Reichen und Schönen in der Partystadt Pompej dem Ausbruch des Vesuvs zum Opfer fiel. So weiß auch keiner von uns, ob er morgen noch lebt. Aufschieben ist keine Option, wenn es um ewiges Leben oder ewige Verdammnis geht. Nimm Gottes Versöhnungsangebot heute an! Morgen kann es zu spät sein.

Bildquelle: By Lancevortex (Photo taken by Lancevortex) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons