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Liebe bis zum Ende

“Es ist doch schön, mal wieder Schmetterlinge im Bauch zu haben,” sagte meine Kollegin, die gerade zum zweiten Mal geheiratet hatte. “Und wenn es sich irgendwann nicht mehr so gut und rund anfühlt, dann weiß ich, dass es vorbei ist.” Wie man sich fast denken kann, hat das nicht lange gedauert …

Wie ganz anders ist die Liebe Jesu! Im Johannesevangelium heißt es (13,1):

Vor dem Passahfest aber, da Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater zu gehen: Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Es lässt sich auch so übersetzen: Er liebte sie bis zum Äußersten. Seine Liebe bestand den endgültigen Härtetest: den freiwilligen Tod am Kreuz für ihre Erlösung. Sie wackelte und wankte nicht – auch wenn Jesus als Mensch tief erschüttert war. Einer aus dem engsten Kreis war schon auf dem Sprung, ihn zu verraten. Zudem wusste er, dass Petrus trotz seiner großen Klappe und seinem eigentlich loyalen Herzen  in Kürze aus Angst und Verwirrung behaupten würde, ihn nie gekannt zu haben. Seine Jünger verstanden seinen Weg noch immer nicht, obwohl er es ihnen wieder und wieder erklärt hatte, dass er erst mal durch  Leiden und Hinrichtung gehen würde. Es ging einfach nicht in ihren Kopf, hatten ihm die Massen doch gerade erst zugejubelt. Und genauso wenig verstanden sie, was er versucht hatte ihnen einzuhämmern: dass im Reich Gottes Erniedrigung groß ist und Verlust Gewinn und das Glück im Lieben und Geben besteht und nicht in Ehre und Karriere.

wash-bowl-1253905_1920Und so demonstriert er es ihnen noch einmal. Sie wollen bald zusammen essen, aber hier ist kein Sklave, der ihnen vorher den Straßenstaub von den Füßen waschen könnte. Da bindet sich Jesus die Schürze um, schnappt sich ein Handtuch und füllt Wasser in die Waschschüssel. Er weiß, wer er ist: Er ist der Herr. Gott hat alles in seine Hände gegeben. Er ist auch der Meister seiner Jünger. Aber er besteht nicht auf seiner Position, sondern verhält sich wie ein Diener. Den Jüngern hat es die Sprache verschlagen; allen außer Petrus – der findet noch Kraft zum Protest: “Auf keinen Fall sollst du mir die Füße waschen!” Jesus erklärt ihm ruhig, dass das unumgänglich ist, weil er sonst keine Gemeinschaft mit ihm haben kann. Daraufhin möchte Petrus am liebsten gleich ganz gebadet werden, denn Gemeinschaft mit Jesus ist alles, was er will! Worauf Jesus ihm antwortet: “Wer gebadet ist, hat es nicht nötig, gewaschen zu werden, ausgenommen die Füße, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.” (Das bezog sich auf Judas.)

Diese Fußwaschung ist dreierlei: Zum ersten ein ganz realer Dienst, den Jesus an den Jüngern übt – die Arbeit eines Niedrigen, damit die Höhergestellten sich wohlfühlen.. Zum zweiten ein Symbol für die Reinigung, die wir alle immer wieder von Jesus brauchen, wenn wir uns durch Sünde beschmutzt haben. (Diese Reinigung hat ihn noch in ganz anderem Ausmaß Erniedrigung und Selbstentäußerung bis zum Tod gekostet.) Und drittens ein Lehr- und Anschauungsstück für uns, wie wir uns gegenseitig dienen und nicht beherrschen sollen, und zwar im natürlichen wie im geistlichen Bereich.

Jesu Liebe ist Dienst und Opfer, aber auch Seelsorge. Er ist ständig bemüht, seine Jünger vorzubereiten auf die schwierige Zeit, die vor ihnen liegt. Sie werden mit vielem fertig werden müssen: Dass einer von ihnen sich als Verräter entpuppen wird. Dass er selbst, auf den sie sich abgestützt haben, auf den sie all ihre Hoffnung gesetzt haben, der sie versorgt hat, ihnen entzogen sein wird. Sie werden sich so orientierungslos fühlen wie Schafe, deren Hirte erschlagen wurde. Sie werden konfrontiert sein mit ihrer eigenen Schwäche, ihrer Angst, ihrem Versagen (ganz besonders Petrus). Schon wenn er ihnen diese Dinge jetzt vorhersagt, sind sie völlig überwältigt. Sie kriegen das alles in ihren Kopf nicht rein. Und so tröstet Jesus sie, indem er ihnen sagt, dass Gott keinesfalls die Kontrolle verloren hat, und dass sie nicht untergehen werden, wenn es sich vielleicht auch vorrübergehend so anfühlt. Sie sollen und müssen ihren Glauben nicht wegwerfen! Sie werden von Gottes Liebe nie mehr getrennt werden können. Deswegen kann Jesus ihnen sagen:

Euer Herz werde nicht bestürzt. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!

Es ist keinesfalls alles zu Ende, sondern er bahnt ihnen einen Weg nach Hause, und dann wird er wiederkommen und sie zu sich nehmen. Sie werden für ewig da sein, wo er ist. Ein Platz im Vaterhaus ist ihnen sicher. Seine Liebe endet nicht an ihrem Unverständnis, nicht an ihrer Angst, nicht an ihrem Versagen. Geduldig beantwortet er ihre Fragen. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er wird nicht im Tod bleiben. In ihm sehen sie das Wesen des Vaters und durch ihn hören sie seine Worte: selbstlose Worte der Ermutigung, die Aufforderung, einander zu lieben und zu dienen, das Versprechen eines ewigen Zuhauses auf seine Kosten – und das alles, während das Kreuz vor ihm steht.

Dies ist eine Zusammenfassung von Predigten der letzten Wochen über Johannes 1314,11.

So viele Zeugen! (Predigt-Nachlese)

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Wir hörten heute im Gottesdienst die Geschichte über die sogenannten Emmaus-Jünger. Das waren zwei weiter nicht benannte Männer, die am Sonntag nach der Kreuzigung Jesu auf dem Weg nach dem Dörfchen Emmaus miteinander unterwegs waren. In tiefer Niedergeschlagenheit rekapitulierten sie die Ereignisse  und versuchten, den Sinn dahinter zu finden. Da schließt sich ihnen ein Fremder an und fragt sie, über was sie sich so intensiv unterhalten, und sie schütten ihm ihr Herz aus und erzählen ihm die ganze Geschichte: Wer Jesus war, wie er gekreuzigt wurde und ihre ganze Hoffnung, dass er der Messias sei, dadurch zerstört wurde. Was uns aber völlig aus der Fassung gebracht hat, sagten sie, ist dass einige Frauen aus unserem Kreis heute morgen an seinem Grab waren und angeblich Engel gesehen haben, die sagen, dass er lebt, und dann gingen einige von den Männern hin, und das Grab war tatsächlich leer! – Manchmal sind die guten Botschaften verwirrender als die schlechten!

Und dann erklärt ihnen dieser Fremde das Alte Testament. Er zeigt ihnen, dass das, was ihnen so sinnlos schien, genau Gottes Plan entsprach und schon immer in der Schrift stand: “Musste der Messias nicht das alles erleiden, bevor er verherrlicht wird?“ Sie hatten es tausendmal gelesen und nie erfasst. Aber jetzt setzte sich vor ihren Augen das Puzzle zusammen. (Einige Kostproben von der Darstellung Jesu im Alten Testament findest du hier.)

Es ist alles so spannend, dass sie ihn, am Ziel angekommen, bitten, doch über Nacht zu bleiben. Und als sie mit ihm am Tisch sitzen, und er das Brot segnet und ihnen reicht, erkennen sie ihn: Es ist Jesus. Und direkt danach sehen sie ihn nicht mehr. Aber sie sind völlig überzeugt, dass er es war, so sehr, dass sie sich trotz später Stunde sofort nach Jerusalem aufmachen zu ihren Freunden. Aber ehe sie dazu kommen, ihre Geschichte zu erzählen, platzen die anderen schon los: “Der Herr ist wirklich auferweckt worden und Simon erschienen!”

Als ich so über diesen Bericht nachsann, dachte ich: Was wäre wohl passiert, wenn es nur das Erlebnis der Emmaus-Jünger gegeben hätte als einziges Zeugnis der Auferstehung Jesu? Wahrscheinlich wären sie selbst nach einiger Zeit ins Schleudern gekommen: Haben wir uns das nicht nur eingebildet? Aber sie kommen zu ihren Freunden, und die haben ihn auch gesehen und erzählen es, ehe sie ihre Story überhaupt anbringen können – zwei völlig unabhängige Zeugnisse. Viel später schreibt Paulus den Korinthern:

Ich habe euch in erster Linie das weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, wie es die Schriften gesagt haben. Er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, wie es die Schriften gesagt haben. Er ist dem Kephas erschienen, dann dem Kreis der Zwölf. Danach erschien er mehr als 500 Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch am Leben sind; nur einige sind schon gestorben. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Zuallerletzt erschien er auch mir, dieser „Fehlgeburt“.

Gott erwartet nicht, dass wir von der Sorte “leichtgläubig und naiv” sind oder uns auf mystische Erfahrungen verlassen. Er hat Sorge getragen, dass die Auferstehung eine gut bezeugte Tatsache ist. Er hat Menschen zu Augenzeugen gemacht, er hat uns das fortlaufende Zeugnis der Heiligen Schrift gegeben, und er gibt uns das innere Zeugnis durch den heiligen Geist, der uns sagt: Das ist die Wahrheit!