Archiv der Kategorie: Christenverfolgung

Die Auferstehung macht den Unterschied

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Ob die Auferstehung Jesu ein historischer Fakt ist oder nur in der Vorstellung der Jünger stattfand, und ob auch wir tatsächlich auferstehen werden, entscheidet über Sinn oder Unsinn des christlichen Glaubens. Zumindest hat Paulus das so gesehen. Wenn die Toten nicht auferstehen, sagte er, sind wir die elendesten von allen Menschen und unsere ganze Verkündigung ist vollkommen sinnentleert.

Die Gewissheit, dass es eine himmlische Zukunft für die Gläubigen gibt, ist in der Auferstehung Jesu begründet. Ist sie keine Tatsache, sind wir einer Illusion aufgesessen.

Was alles an der Auferstehung hängt:

  • Wenn das Zeugnis von der Auferstehung nicht stimmt, ist auf den Rest der Geschichte von Jesus auch kein Verlass. Dann erwiesen sich die Apostel insgesamt als unzuverlässige Zeugen, die Hirngespinste ausgebrütet haben.
  • Dann hätten sowohl sie als auch alle Märtyrer der Christenheit in Geschichte und Gegenwart  ihr Leben für nichts geopfert.
  • Die Christen, die in den Lagern Nordkoreas, in den Gefängnissen Irans und in vielen anderen Ländern dieser Erde um ihres Glaubens willen leiden, wären einfach nur bemitleidenswerte Spinner, die es viel einfacher haben könnten.
  • Auch wir hätten keinen Grund, gegen den Strom zu schwimmen, auf vieles zu verzichten und für den Herrn zu arbeiten.
  • Es gäbe auch keine Hoffnung auf Befreiung von den Schwachheiten dieses irdischen Leibes. Als ich gestern Abend meinen alten verwirrten Vater nach mal wieder einem schmerzhaften Sturz vom Boden aufhalf, dachte ich: Wie gut, dass das hier nicht alles und nicht das Ende ist! Wie dankbar bin ich für die Hoffnung auf Auferstehung mit einem erneuerten Leib!
  • Wir hätten auch keine Sündenvergebung. Jesu Tod wäre nichts als ein tragisches Schicksal gewesen.
  • Und schon gar nicht hätten wir den Heiligen Geist bekommen, den er uns nach seiner Himmelfahrt geschickt hat, der uns ein neues Herz und die Kraft zu einem Gott wohlgefälligen Leben gibt!

Aber der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Advent: Große Freude–worüber?

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Am Sonntag hörten wir eine Predigt über Zacharias und Elisabeth, die Eltern Johannes der Täufers (Lukas 1). Sie hatten viele Jahre um einen Sohn gebetet, und nun waren sie alt geworden. Während Zacharias, der Priester war, seinen Dienst im Tempel tat, wird ihm dann die Geburt seines Sohnes Johannes angekündigt.

Während meine Gedanken sich mit der Frage beschäftigten, wie alt Zacharias gewesen sein mag, schoss es mir plötzlich durch den Kopf: Es war vielleicht eine Gnade, dass Gott sie so alt werden ließ, ehe er ihnen den ersehnten Sohn gab – denn wer möchte den Kopf seines Sohnes auf dem Silbertablett einer hasserfüllten, intriganten, gottlosen Frau sehen? Vielleicht ist ihnen das erspart geblieben, weil sie da schon nicht mehr lebten?

Dann dachte ich weiter nach über diese Eltern. Zacharias wird durch den Engel gesagt:

Gott hat dein Gebet erhört. Deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn schenken, und den sollst du Johannes nennen. Du wirst überglücklich sein, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen, denn vor Gott wird er ein Großer sein. Er wird keinen Wein und auch keine anderen berauschenden Getränke anrühren und von Mutterleib an mit dem Heiligen Geist erfüllt sein. Viele Israeliten wird er zum Herrn, ihrem Gott, zurückführen. Im Geist und in der Kraft des Propheten Elija wird er dem Herrn als Bote vorausgehen. Er wird die Herzen der Väter zu ihren Kindern umkehren lassen und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten zurückführen, um so das Volk für das Kommen des Herrn bereit zu machen. Lukas 1,13-17

Die Geburt dieses Kindes hätte nicht jeden überglücklich gemacht. Viele Eltern träumen von ganz anderen Dingen: Dass es ihrem Kind gut geht, dass es Karriere in dieser Welt macht und ein gutes Auskommen hat, dass es gesund bleibt, einen liebevollen Partner findet und aus den Eltern geliebte Großeltern macht. Aber Zacharias und Elisabeth waren glücklich, weil die Geburt ihres Kindes bedeutete, dass der Messias auf dem Weg war. Wie sehr muss man Gott lieben, damit man sich darüber freuen kann, dass der Sohn ein Prediger in der Wüste wird, der sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt und (vermutlich) weder Frau noch Kind hat und schließlich umgebracht wird, weil er die Wahrheit gesagt hat? Wenn wir an unsere Kinder denken, wünschen wir ihnen ein bequemes Leben in Wohlstand und irdischem Glück, oder ist es unsere größte Freude, wenn sie Gott dienen und Christus verherrlichen – egal, was es kostet?

Den Wettkampf durchhalten und nicht müde werden (Predigt-Nachlese)

 

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Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet! Hebräer 12,1-3

Die Menschen, an die dieser Brief geschrieben worden ist, sind entmutigt. Irgendwie haben sie nicht damit gerechnet, dass ihnen der Glaube an Jesus so viele Schwierigkeiten und Verfolgungen einbringen würde. Sollte es ihnen nicht gut gehen, wenn sie das Richtige taten? War Gott vielleicht unzufrieden mit ihnen? Sollten sie vielleicht lieber zurückkehren zur judaistischen Religion, aus der sie sich herausbekehrt hatten? Sie brauchen Ermutigung und die richtige Blickrichtung, den Blick auf Jesus.

Im 11. Kapitel werden sie an ganz viele Menschen erinnert, die vor ihnen den Glaubenslauf gelaufen sind. Was sie dabei antrieb, war nicht der Wunsch nach irdischem Wohlergehen. Mose entschloss sich

lieber zusammen mit dem Volk Gottes geplagt zu werden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung. Hebräer 11,25

Andere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, um eine bessere Auferstehung zu erlangen. Andere aber wurden durch Verhöhnung18 und Geißelung versucht, dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt19, starben den Tod durch das Schwert, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, Mangel leidend, bedrängt, geplagt. Hebräer 11, 35-37

Wie stehen wir dazu? Ist uns Gott das alles wert? Geht es vielleicht auch billiger? Um welche Belohnung geht es? Was ist der Kampfpreis? – An uns selbstzufriedene, oft viel zu “gechillte” Christen im Westen ist das eine große Herausforderung, während viele unserer Glaubensgeschwister in aller Welt einen hohen Preis für ihren Glauben zahlen.

Wie kommt man überhaupt auf die Rennbahn? Wenn man als Kind getauft wird? Wenn man in einer christlichen Familie aufwächst? Wenn man regelmäßig zum Gottesdienst geht? All das bringt uns nicht an den Start, sondern die neue Geburt.

Und dann gilt: Nicht schnell starten, langsam werden, aufgeben – sondern mit Ausdauer laufen bis zum Ziel. Damit wir das schaffen, werden uns hier überlebenswichtige Tipps gegeben. Man kann diesen Lauf nicht relaxt laufen. Man braucht Zielorientiertheit, Disziplin, Konzentration und die Bereitschaft, schmerzhaftes Training zu investieren. Man muss bereit sein, auch an und für sich gute Dinge abzulegen, wenn sie zu Gewichten werden, die uns bremsen. Niemand bindet sich für den Wettlauf einen Klotz ans Bein! Was uns belastet und ablenkt, muss weg! Die Sünde, vor allem die des Zweifelns und Unglaubens, ist dabei das größte Hindernis. Und wir brauchen Entschlossenheit zum Sieg gegen den Teufel und unser eigenes sündiges Fleisch. Wir laufen nicht, um ein bisschen rumzulaufen und am Ende in den Himmel zu schlendern, sondern um zu gewinnen. Der einzige Unterschied zu einem irdischen Wettlauf ist, dass wir nicht miteinander konkurrieren.

Dabei ist Jesus uns vorausgelaufen. Er ist der Anfänger, der Pionier des Glaubens. Er motiviert uns nicht, indem er uns von hinten antreibt, sondern indem er uns zeigt, wie es geht und was das Ziel ist. Er lebte, mitten im Leiden, ein Leben vollkommenen Vertrauens auf den Vater. Er lernte durch das, was er litt, den Gehorsam. Er schaffte durch seine Hinrichtung am Kreuz und seine Auferstehung überhaupt die Grundlage, dass wir laufen und gewinnen können. Und er lief, um etwas zu empfangen: Die vor ihm liegende Freude. Sein Ziel war die Verherrlichung des Vaters. ist das auch unser Ziel? Jesus zu ehren durch Gehorsam, seine Charakterzüge widerzuspiegeln? Dann werden wir am Ende hören:

Geh ein zur Freude deines Herrn! Matthäus 25,21

Es geht nicht darum, “in den Himmel zu kommen”, sondern diese Freude zu haben, Gott zu verherrlichen mit unserem Leben.

Aber dafür müssen wir dranbleiben, nicht müde werden, Proben bestehen, in Anfeindungen festbleiben, die erste Liebe nicht verlassen, zum Sieg entschlossen sein, und zu sagen:

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. Galater 2,20

Predigt-Nachlese: Von Melite nach Rom

Predigttext: Apostelgeschichte 28

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Via Appia Antica, von Stefano Constanini, Creative Commons Lizenz

Paulus hat es mit den anderen geretteten Schiffbrüchigen auf die Insel Melite verschlagen. Es ist kalt und es regnet. Die Einwohner sind sehr freundlich, nehmen sie auf und machen ein Feuer. Paulus hilft beim Reisig-Zusammenlesen. Als er das Holz auf das Feuer legt, schießt eine Giftschlange heraus und verbeißt sich in seine Hand.

Die Eingeborenen ziehen sofort ihre Schlüsse: Der ist bestimmt ein Mörder! Muss ja auch einen Grund haben, dass er als Gefangener nach Rom gebracht wird! Jetzt ist er aus dem Meer gerettet worden, aber der gerechten Strafe kann er nicht entfliehen! (Sie bestätigen damit übrigens Römer 2: Auch Heiden, die nie mit dem Gesetz des Alten Testamentes in Berührung gekommen sind, haben ein Bewusstsein von falsch und richtig.)

Paulus bleibt ganz gelassen. Er weiß, dass ihn das nicht umbringen kann, denn Gott hat ihm gesagt, dass er nach Rom kommt. Er jammert auch nicht: Das jetzt auch noch! Hab ich nicht genug mitgemacht? Er schüttelt das Tier einfach ins Feuer, und ihm passiert nichts. Das verwundert die Menschen jetzt vollends. Dieser Mann ist ein Mysterium! Am Ende ist er einer der Götter!

Paulus allerdings weiß, dass er nichts ist als ein begnadigter Sünder, der auf diese Insel gebracht wurde, um dort den Namen seines Retters groß zu machen. Als Publius, der Oberste der Insel, sie als Gäste aufnimmt, betet er für dessen schwerkranken Vater. Weil seine Heilung sich herumspricht, kommen all die Kranken und bitten um Gebet und werden gesund. Eine wunderbare Gelegenheit für Paulus, Jesus zu verkündigen! Drei Monate haben sie Zeit, um aus diesen neuen Gläubigen Jünger zu machen. Ihre Dankbarkeit zeigen die Inselbewohner, indem sie dafür sorgen, dass es ihnen für die Weiterfahrt an nichts mangelt.

Nun geht es endlich nach Rom. Die Brüder dort haben schon gehört, dass Paulus kommt. Sie gehen ihm mehr als zwei Tagereisen weit entgegen und geben dem Gefangenen Geleit wie einem siegreichen General! Ihre Liebe ist für Paulus eine große Ermutigung. Er wird hier nicht alleine kämpfen müssen.

In Rom hat Paulus große Möglichkeiten. Seine Untersuchungshaft erlaubt ihm, – zwar unter ständiger Anwesenheit eines Wachsoldaten – eine eigene Wohnung zu haben, wo er nach Belieben Leute empfangen kann. Er lädt die jüdische Führung zu sich ein, die auch ganz neugierig sind, mehr von ihm über diese “Sekte” zu erfahren, von der sie nur wissen, dass sie überall heiß diskutiert und abgelehnt wird. Paulus erklärt ihnen an Hand des Alten Testamentes, wer Jesus ist und wie sein Reich aussieht. Einige lassen sich überzeugen, andere nicht. Zwei Jahre kann er ungestört das Wort Gottes lehren und vor allem Briefe schreiben: Noch heute profitieren wir von seinen Briefen an die Epheser, Kolosser und Philipper. Auch der Brief an Philemon stammt aus dieser Zeit. Er weiß jede Situation für die Verkündigung des Evangeliums und den Aufbau der Gemeinden zu nutzen und verschwendet keine Energien auf Selbstmitleid.

Wir wissen, dass Paulus nach diesen zwei Jahren freigesprochen, aber später wieder verhaftet und hingerichtet wurde. In allen Umständen blieb er seinem Lebensmotto treu:

Dass durch mein Leben Christus in allem geehrt wird, ob ich nun lebe oder sterbe. Denn Christus ist mein Leben.

Predigt-Nachlese: Würden doch alle wie ich!

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Predigttext: Apostelgeschichte 25 und 26

Würden doch alle wie ich!

Der Mann, der das ausruft, ist gefangen und gefesselt. Aber er weiß, dass er das größte Glück besitzt, weil seine Sünden vergeben sind, und er Gott seinen Vater nennen kann. Und er wünscht diese Freude jedem, Freunden und Feinden, und auch dem König Agrippa, vor dem er zum Verhör erschienen ist.

Paulus hatte sich auf den Kaiser in Rom berufen, als er merkte, dass er in Gefahr stand, den jüdischen Führern ausgeliefert zu werden, bei denen Festus Pluspunkte sammeln wollte. Willst du dich in Jerusalem verantworten? hatte Festus ihn gefragt. Nein, da würde ihm kein Recht werden, das war ihm klar, dann lieber nach Rom! So bleibt er also in Gewahrsam, bis eine Möglichkeit gefunden würde, ihn zum Cäsar zu senden.

Nun ist es etwas schwierig, jemand ohne überzeugende Anklagepunkte in ein Berufungsverfahren zu schicken. Da trifft es sich gut, dass Festus hohen Besuch bekommt, den er um eine Stellungnahme und Rat bitten kann. König Agrippa der Zweite und seine Schwester Berenike sind seine Gäste, und ja, Agrippa ist neugierig: Ich würde diesen Mann gern kennenlernen und hören, was er zu sagen hat.

Und dann steht der treue Zeuge Jesu vor ihm und seinem ganzen Tross im Gerichtssaal und bekommt die Gelegenheit, zu reden. Ich schätze mich glücklich, dass ich mich vor dir verteidigen kann, beginnt Paulus. Wirklich? Weiß er nicht, dass der Urgroßvater dieses Mannes die Kinder von Bethlehem hat abschlachten lassen, sein Großvater Johannes, den Täufer, auf dem Gewissen hat, und sein Vater Jakobus hinrichten ließ? Erwartet er etwa Gerechtigkeit von ihm?  – Nein, Paulus ist nicht naiv, aber er sieht eine Chance für Agrippa! Er wird heute das Evangelium hören und die Gelegenheit bekommen, sich zu Christus zu bekehren.

Bei Agrippa muss Paulus nicht bei Null anfangen. Er weiß viel aus der Heiligen Schrift. Er ist zwar In Rom erzogen worden, aber in allen jüdischen Gebräuchen und Streitfragen wohl bewandert. Genau genommen ist er von Rom als Oberaufsicht über den Tempel eingesetzt. Paulus erzählt ihm nun von seinem eigenen Leben: Wie fromm er war und doch so verloren, weil er Jesus bekämpft hat. Die bösen Dinge, die er den Gläubigen getan hat. Wie der Auferstandene ihm begegnet ist und sein Leben auf den Kopf gestellt hat. Von dem Auftrag, den er bekommen hat. Und ja, für alle Menschen und auch für Agrippa gilt das Angebot, umzukehren und aus der Finsternis zum Licht und aus der Gewalt Satans zu Gott zu kommen!  Vergebung der Sünden und ein ewiges Erbe – dafür hat Christus gelitten und stellvertretend unsere Strafe auf sich genommen. Es gab Gnade für den Sünder Paulus wie es auch Gnade für den Sünder Agrippa geben kann.

Festus ist das alles ein bisschen zuviel. Paulus, du hast den Verstand verloren! Dass Christen verrückt sind, ist keine unübliche Anklage, um die Ablehnung unserer Botschaft zu rechtfertigen. Aber wir könnten gar nicht vernünftiger sein, denn das, was wir glauben, steht auf der festen Grundlage uralter Verheißungen! Paulus wendet sich wieder an den König: Agrippa, glaubst du den Propheten? Ich weiß doch, dass du glaubst!  Agrippa, so herausgefordert, antwortet etwas nervös: Du überredest mich noch, ein Christ zu werden!

Ach, wie gerne täte Paulus das!  Es ist sein tiefster Herzenswunsch, dass alle würden wie er, nur ohne diese Fesseln! Aber Agrippa übergeht diesen Ruf an sein Herz. Der Mann ist interessant und seine Lebensgeschichte berührend, da ist was dran – aber werden wie er? Die Kosten sind ihm zu hoch. Er geht zur Tagesordnung über.

Eine tragische Geschichte! Gott bietet Versöhnung an, es geht um Himmel oder Hölle, Licht oder Finsternis, Leben im  Reich Gottes oder im Machtbereich Satans. Wer nicht wählt, wählt auch – es gibt keinen neutralen Boden. Lass das nicht deine Geschichte sein! Weise deinen Erlöser nicht ab! Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, verschließt euch seinem Reden nicht! (Hebräer 3,15)

Bild: Nikolai Korniliewitsch Bodarewskie [Public domain], via Wikimedia Commons

Predigt-Nachlese: Der sicherste Platz der Welt

…ist im Zentrum des Willens Gottes.

chicks-706486_1280Predigttext: Apostelgeschichte 23,12-35

Diese Erfahrung darf Paulus auch machen. Nach den Turbulenzen der letzten Tage, die ihn mehrmals an den Rand des Todes gebracht haben, begegnet ihm der Herr in der Nacht im Gefängnis und ermutigt ihn. Das hier ist noch nicht das Ende, weder seines Lebens noch seines Dienstes. Er hat nach seiner Bekehrung auf der Straße nach Damaskus einen Auftrag  und eine Berufung empfangen. Dieser Lauf ist noch nicht vollendet, und bis dahin ist sein Leben trotz aller Feindseligkeiten unzerstörbar.

Jetzt gibt ihm Jesus noch mal eine ganz konkrete Zusage: Du wirst in Rom für mich Zeugnis ablegen. Und er gibt seinem Knecht die Anerkennung, nach der seine Seele dürstet: …. so wie du in Jerusalem für mich gezeugt hast … Mag Paulus seine Versuche, seine Volksgenossen von Jesus zu überzeugen, vielleicht als Fehlschlag werten – Jesus sieht das anders.

Nun weiß Paulus zwar, dass er nach Rom kommen wird. Dass sich das noch zwei Jahre hinziehen wird, kann er aber nicht ahnen. Aber er braucht auch nicht ins Morgen zu schauen – es ist der allmächtige und souveräne Gott, der sein Leben führt. Dieser Gott sieht auch, dass sich schon der nächste Mordanschlag zusammenbraut, und hat schon Vorsorge getroffen, um ihn zu vereiteln. Der Hass der Gegner, deren religiöser Eifer sich mit Morden und Lügen gut zu vereinbaren scheint, hat im Lauf der Geschichte bis in unsere Zeit immer wieder Nachahmer gefunden. 40 Fanatiker haben sich mit einem Eid verschworen, nichts zu essen und zu trinken, bis sie Paulus getötet haben – einen Eid, dem sie nicht Genüge tun können! Denn ihr heimtückischer Plan kommt ans Licht durch den Neffen des Paulus, dem die Sache irgendwie zu Ohren gekommen ist, und der den zuständigen Befehlshaber darüber informiert. Was für Zufälle Gott hier arrangiert, um seinen Knecht zu beschützen!

Der Befehlshaber Claudius Lysias beschließt sofort, Paulus zu seinem Vorgesetzten Felix zu überstellen, ehe die Mörder zuschlagen können. Er lässt ihn von 200 (!) Soldaten begleiten und schickt einen Brief mit, in dem er einerseits die objektive Unschuld des Paulus feststellt, andererseits den Schwarzen Peter der endgültigen Entscheidung (mit dem Potential, die Juden gewaltig zu verärgern) an Felix weiterreicht.

Felix lässt ihn im Palast des Herodes aufbewahren, bis seine Ankläger kommen. Es ist zu vermuten, dass es Paulus dort – abgesehen vom Verlust seiner Freiheit – nicht schlecht geht. Das ist ein Zeichen der Fürsorge Gottes für seinen arg gebeutelten Diener. Er weiß, wann er mit Schlägen und Steinigungen innerlich zurecht kommen kann und wann er ein bisschen Ruhe braucht.

Für Paulus sind allerdings weder die guten noch die schlechten Erfahrungen das, was über seine Bereitschaft zur Nachfolge entscheidet. Leiden ist nicht nur ihn selbst, sondern für alle Kinder Gottes, ein unabdingbarer Bestandteil des Weges mit Jesus. Das hat er immer ganz klar gesagt. Aber genauso sicher ist, dass Jesus immer an der Seite der Seinen sein wird mit seiner Gegenwart, seiner Fürsorge und seinem Trost. Das Ziel des Glaubenslaufs liegt aber weder im Wohlergehen noch im Leiden, sondern in der Verherrlichung Gottes und in der Verkündigung des Evangeliums. Diesem Ziel alle Eigeninteressen unterzuordnen, hat uns Paulus vorgemacht.

Predigt-Nachlese: Liebe macht aus Katastrophen Gelegenheiten

Predigttext: Apostelgeschichte 21,47 – 22,16

chains-19176_1280 Paulus war mit einigen nichtjüdischen Brüdern nach Jerusalem gekommen. Sie brachten den Jerusalemer Christen Geld, das die Glaubensgeschwister in Griechenland und Mazedonien für sie gesammelt hatten. Er freute sich an diesem Ausdruck der Einheit zwischen den Christus-Gläubigen aus den Juden und aus den Heidenvölkern. Durch dieses miteinander Teilen sagten sie: Wir gehören zusammen als der eine Leib Christi. Dieses Zusammenwachsen lag Paulus sehr am Herzen!

Das hinderte ihn aber nicht daran, ein paar jüdischen Brüdern bei der Erfüllung ihrer Gelübde beizustehen, wie Jakobus ihn gebeten hatte. Dabei wurde er nun von Juden aus Asien im Tempel gesehen. Der zentrale Tempelbezirk war für Heiden gesperrt; sie durften sich nur im sogenannten “Vorhof der Heiden” aufhalten. Nun meinte jemand, der Paulus zuvor mit Trophimus, einem Nichtjuden aus Ephesus, in der Stadt gesehen hatte, Paulus habe Heiden in den Tempel gebracht  – ein Frevel! Im wegen des Passafestes überfüllten Jerusalem kam es dann ganz schnell zur Zusammenrottung eines aufgebrachten Mobs. Dieser Mensch, von dem sowieso das Gerücht ging, er predige gegen das Volk, das Gesetz und den Tempel, hatte sich erdreistet, das Heiligtum zu verunreinigen? Blasphemie! Er war des Todes! Sie schnappten ihn, schlugen ihn und wollten ihn umbringen.

Was wohl in Paulus vorging? Hier war Stephanus unter sehr ähnlichen Beschuldigungen aus der Stadt geschleift und gesteinigt worden. Damals war er, Paulus, auf der Seite der Mörder gewesen … jetzt war er auf der Seite Jesu.

Die Römer überwachten das Geschehen rund um den Tempel von der Burg Antonia aus. Daher konnte auch jetzt der Chiliarch mit seinen Soldaten schnell eingreifen. Er ließ Paulus dem wütenden Mob entreißen, gefangen nehmen und fesseln – so wie Agabus es voraus gesagt hatte! Unter dem Geschrei der mordgierigen Menge wurde Paulus zum Lager gebracht. Aber ehe Paulus dort in Sicherheit gesetzt werden konnte, hatte er eine Bitte. Erlaube mir doch, zu dem Volk zu reden!

Paulus sieht – mitten in der Katastrophe seiner Gefangennahme – in dieser feindseligen Menge  Menschen, die so sind, wie er früher war. Nur die Gnade, die Begegnung mit dem Auferstandenen, hatte aus ihm einen anderen gemacht. Aber diese Leute hier waren seine “Brüder nach dem Fleisch”, von denen er im Römerbrief (9,2.3) schreibt:

Mein Herz ist von tiefer Traurigkeit erfüllt, und es quält mich unablässig, wenn ich an die Angehörigen meines Volkes denke, an meine Brüder und Schwestern, mit denen ich durch die gemeinsame Abstammung verbunden bin. Für sie hätte ich es auf mich genommen, verflucht und für immer von Christus getrennt zu sein.

Er sieht hier keine Feinde, sondern Menschen, die das Evangelium brauchen – und eine wunderbare Gelegenheit zur Verkündigung!

Tatsächlich bekommt er die Erlaubnis dazu, und das Volk wird sogar ruhig. Obwohl er normalerweise Griechisch sprach, spricht er sie auf  Hebräisch an. Liebe Brüder und Väter! …Ich bin ein Jude wie ihr. Und er erzählt ihnen seine Geschichte, wer er war, und wie er wurde, der er ist. Ein Schüler des berühmten Rabbis Gamaliel, ein strenger Pharisäer und Christenverfolger – bis Jesus ihm begegnete. Die Herrlichkeit Jesu ließ ihn erblinden, so dass er seine geistliche Blindheit erkannte. Von da an war alles anders. Er bekannte in der Taufe, dass ihm, dem “Super-Pharisäer”, dem vermeintlich Gerechten, die Gerechtigkeit Gottes und die Beschneidung des Herzens gefehlt hatte, und dass er sie in Jesus gefunden hatte.

Er sagt ihnen die ganze Wahrheit, weil er sie liebt, obwohl sie ihn nicht hören wollen. Sie wollen nicht auf einer Stufe stehen mit den Heiden als rettungsbedürftige Sünder.

Was können wir von Paulus lernen?

  • Er lehnt sich gegen Schwierigkeiten nicht auf, sondern nimmt sie an als Plan Gottes.
  • Er sieht in Katastrophen Gelegenheiten für das Evangelium und Herausforderungen für sein Vertrauen.
  • Die Liebe lässt ihn Brücken suchen zu seinen Feinden.
  • Wenn er über sich selbst spricht, dann zur Verherrlichung seines Herrn Jesus Christus!