Archiv der Kategorie: Gemeinde

Neue Kraft

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Die auf den HERRN harren, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler; sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.         Jesaja 40,31

Ist das nicht ein passender Vers zum Beginn des neuen Jahres? Es ist so wichtig, geistlich nicht müde zu werden! Wenn man nicht gegenhält, passiert es im Nullkommanichts, ehe man es richtig gemerkt hat.

Geistliche Müdigkeit ist gefährlich. Man ist versucht, die wichtigsten Dinge über Bord zu werfen, so wie Esau, der sein Erstgeburtsrecht leichtfertig aufgab für einen Teller Linsen. Die Zukunft fällt dem gegenwärtigen Bedürfnis zum Opfer. Man ist versucht aufzuhören, das Gute zu tun, und wenn dann die Ernte eingefahren wird, hat man keinen Ertrag vorzuweisen:

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. (Galater 6,9)

Was macht uns denn müde?

  • Warten macht müde. Wenn wir z.B. den Eindruck haben, Gott erhört unsere Gebete nicht, kann sich Frustration breitmachen (Lukas 18,1)
  • Quälende Fragen, auf die man keine Antwort findet (Psalm 77)
  • Sorgen (Matthäus 6,34)
  • Ständige Bedrängnis und Traurigkeit  (Psalm 6,7)
  • Schlechtes Kräftemanagement  und mangelndes Auftanken  (s. hier)
  • Angriffe und Verfolgung  (Psalm 143)
  • Hilfe an der falschen Stelle suchen und endloses Gelaber ohne echte Lösungen (Jesaja 47,13)
  • Widerspruch  von außen und Kampf gegen die Sünde (Hebräer 12,3-4)
  • Gottes Züchtigung, vor allem, wenn man sie falsch einordnet als Ablehnung statt als Zeichen der Zuneigung (Hebräer 12,5-11)
  • Geistliche Arbeit – Paulus schreibt davon, wie ihn die Sorge um alle Gemeinden belastet (2.Korinther 11,28)

Viele dieser Dinge gehören zum Leben, und man kann ihnen nicht ausweichen. Paulus schreibt aber auch darüber, was ihn aufrecht und am Laufen hält. Er kannte das “Geheimnis der Adlerflügel”. Er wusste: Die Kraft kann nicht aus uns kommen. Wir brauchen Gottes Kraft. Und Gott wird nicht müde!

Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist der HERR, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke. (Jesaja 40, 28,29)

Wir dürfen sozusagen die Reserven Gottes anzapfen.

Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. (2.Korinther 4,16)

Und wie funktioniert das praktisch?

In diesem Sinne:

Ein gesegnetes, kraftvolles Neues Jahr!

Wie sich Resistenzen bilden

 

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Eine wachsende Gefahr im Bereich der Medizin sind multiresistente Keime. Das sind Krankheitserreger, die gegen viele verschiedene Antibiotika unempfindlich geworden sind. Schließlich hilft dem Patienten nichts mehr. Oft rührt das daher, dass der Kranke zwar das Medikament eingenommen hat, aber zu früh damit aufgehört hat, weil er sich wieder besser fühlte. Tatsächlich aber wurden nicht alle Erreger ganz abgetötet. Denen, die übriggeblieben sind, ist dann die nächste Antibiotika-Attacke ziemlich egal – sie sind inzwischen resistent geworden. Mein Hygienelehrer drückte das so aus: “Die sagen dann nur noch: Hmmm, leckeres Antibiotikum!”

Eine analoge Gefahr von Resistenzbildung gibt es auch im geistlichen Bereich, immer da, wo man auf halbem Weg stehenbleibt. Vielleicht singen wir hingebungsvoll Alles will ich Jesus weihen und sind dabei emotional ganz aufgewühlt, aber wenn es dann praktisch wird, sind wir doch eher der Bequemlichkeit oder dem Entertainment und unseren eigenen Plänen geweiht (ich spreche aus Erfahrung). Am Anfang fällt uns der Widerspruch noch auf, aber wenn wir dann nicht Gottes Hilfe gegen unsere Trägheit suchen, sondern  uns mit gelegentlichen guten Gefühlen begnügen, werden wir irgendwann resistent gegen die Forderung, unser Kreuz auf uns zu nehmen und Ihm nachzufolgen.

Vielleicht haben wir das Wort Gottes so oft gehört und waren so oft davon bewegt und angesprochen, haben aber keine Konsequenzen gezogen und mit der Sünde nicht gebrochen. Wir mögen die Atmosphäre im Gottesdienst und die netten Leute, wir stimmen vom Kopf her allem zu, aber wir wollen es ja mal nicht übertreiben. Am Ende werden wir noch als extrem verschrien! Einen leichten Anflug von Ungemütlichkeit können wir manchmal nicht leugnen, wenn das Wort uns trifft, aber irgendwann juckt uns das auch nicht mehr, und wir können fröhlich gerade so herausgehen, wie wir hineingegangen sind.

Vielleicht züchtigt Gott uns in seiner väterlichen Güte, aber  anstatt ihn zu fragen, was er uns beibringen möchte und uns vor ihm zu demütigen, sehen wir uns als Opfer widriger Umstände oder böser Menschen und nehmen unsere Zuflucht zu humanistischer Selbstbestätigung und suchen uns Leute, die uns sagen: “Du bist okay, so wie du bist, und auch Gott ist ganz vernarrt in dich! Von ihm kann das nicht kommen!”

Wenn wir das lange genug machen, werden wir irgendwann multiresistent gegen die Gnade, die uns zur Umkehr bewegen will.

Wie kann man dem entgegenwirken?  Indem wir Gott von ganzem Herzen suchen, weil wir wissen, dass wir ohne ihn nichts können. Und durch echte Gemeinschaft – nicht nur unverbindlichen Gottesdienstbesuch (schreckliches Wort!) – sondern durch Eingebundensein in aufrichtige gegenseitige Ermahnung und Ermutigung durch das Wort Gottes – nicht nur hin und wieder, sondern fortlaufend.

Ermahnt euch gegenseitig jeden Tag, solange es dieses „Heute“, von dem die Schrift spricht, noch gibt, damit niemand auf den Betrug der Sünde hereinfällt und hart wird. (Hebräer 3,13)

Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich schon einige angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt. (Hebräer 10, 24.25)

So viel zu danken!

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Am Samstag hatte ich einen wunderbaren Tag. Ich hatte mal keinen Termin und keine Verpflichtung außer ein paar Kleinigkeiten, die ich von zu Hause erledigen konnte. Das hieß: Zeit, mit dem Herrn zu reden, über das was mich so umtreibt.

Ich wollte außerdem einen Teil meiner Gebetsliste neu aufsetzen, weil vieles nicht mehr aktuell war. Diese Liste hat ein bisschen Ähnlichkeit mit einem Fotoalbum – mir hilft das manchmal, wenn ich ein Bild vor Augen habe. Daneben stehen dann die Punkte, für die ich beten will.

Ich liebe meine Gemeinde, und deswegen nimmt sie einen großen Teil davon ein. Normalerweise beschäftigen sich meine Gebetsanliegen eher mit den Defiziten. Gib doch XY, was fehlt, sei es Erkenntnis, Eifer, Weisheit für Entscheidungen, Gesundheit, ein Haus, eine Tagesmutter (nur so zum Beispiel).

Ich bin also an dieser Gebetsliste, und auf einmal kommt mir eine Idee. Ich klebe neben jedes Bild einen Smilie (ich weiß, ich bin ein Spielkind) und schreibe dazu, für was ich Gott im Leben dieses Menschen dankbar bin. Das war ein gesegnetes Nachdenken! Bei manchen hab ich eine ganze Liste zum Danken gefunden, bei anderen ist es weniger, aber bei jedem, auch bei den “Kummerkindern”, konnte ich was hinschreiben! Und ich habe einen ganz neuen Blick bekommen auf Gottes Handeln für und in meinen Glaubensgeschwistern, einen Blick weg von den Defiziten hin zu den Ressourcen seiner Gnade. Die Bitten werden dann mit einer ganz neuen Hoffnung gefüllt. Probier´s auch mal aus!

Bild:Blumen Vektor durch Freepik entwickelt

Der Realismus der Bibel

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Ich liebe die Bibel nicht zuletzt darum, weil sie nichts weichzeichnet, auch und vor allem dann nicht, wenn es um das Volk Gottes geht. Ich habe gerade das Buch der Richter durchgelesen. Es ist so realistisch, dass es einem fast übel wird: Ein Gideon, der so gut anfängt und dann selbst die Tür zum Götzendienst wieder aufstößt, Mord und Totschlag unter seiner Nachkommenschaft, ein triebgesteuerter Held Gottes wie Simson, der schließlich blind und gefangen das Mühlrad dreht, synkretistische Kulte in Privatheiligtümern, käufliche Priester, die sich dem Meistbietenden verdingen, Massenvergewaltigung  – eine Abwärtsspirale von  zunehmendem Götzendienst und geistlicher Verwirrung bis dahin, dass sie sich schlimmer aufführen als die Völker um sie her und jegliche Vollmacht verlieren, im Namen ihres Gottes zu handeln.

Was mich so betroffen macht, ist wie “klein” das ganze Elend anfängt: Ein bisschen Trägheit, ein bisschen Vergesslichkeit. Hier ein paar Kanaaniter übrig gelassen und da ein paar Götzen nicht umgehauen …. so wie wir uns manchmal mit “kleinen” Sünden und Halbheiten arrangieren, bis wir sie nicht mehr als solche empfinden. Wenn wir dann Konsequenzen erfahren müssen, heulen, und wenn Gott uns rausgehauen hat, weitermachen wie gehabt. Der Prozess ist nicht plötzlich, sondern schleichend. Irgendwann findet man seinen Zustand normal und fürchtet den Retter mehr als den Feind. Hauptsache, es wird nicht ungemütlich!

So realistisch, wie das Elend und das Böse geschildert werden, so realistisch wird auch die mitleidige Geduld Gottes beschrieben, der es nicht lassen kann, diesem Volk immer wieder Retter zu schicken. Die sind selbst unvollkommene, verdrehte Persönlichkeiten, die neben Gutem fast noch mehr Falsches tun.

Ach, das kommt mir doch alles irgendwie bekannt vor! Gibt es nicht auch unter uns Praktiken und Lehren, bei denen die Grenzen zum Aberglauben und zur Sünde sich immer mehr verwischen, bis wir manchmal schlimmer sind als die Welt? Wir sollten  uns keine Illusionen machen: Gott übt auch an seinen eigenen Leuten Gericht und hasst die Sünde bei Israel nicht weniger als bei den Kanaanitern! Er liebt die, die er erwählt hat, mit einer feuerspeienden Eifersucht – und mit einem unerschütterlichen Erbarmen. Er macht definitiv einen Unterschied zwischen “fremden” und eigenen Kindern: Wenn Gott euch nicht mit strenger Hand erziehen würde, wie er das bei allen macht, dann hätte er euch nicht als Kinder anerkannt (Hebräer 12,8).  Zu ihm zu gehören ist zugleich gefährlich und sicher. Aber nicht zu ihm zu gehören, ist hoffnungs- und heimatlos und endet in einem Gericht, aus dem es keine Rettung mehr gibt.

Predigt-Nachlese: Ein Leben rückhaltloser Hingabe

Apostelgeschichte 20

Paulus war ein unermüdlicher Evangelist, der Menschenseelen zu gewinnen suchte. Aber damit endete es für ihn nicht. Er war auch und vor allem durch und durch ein Hirte. Er liebte die Gemeinde Gottes leidenschaftlich und war bestrebt, nicht nur durch Worte, sondern durch sein ganzes Leben zu zeigen, wie Nachfolge Jesu aussieht. Dabei ging es ihm immer um die Ehre Gottes. Er wollte keine Bewunderer seiner eigenen Person um sich sammeln, sondern lebendiges Anschauungsmaterial für ein Leben der Hingabe an unseren Gott und Retter sein.

In Ephesus war sein Dienst so effektiv gewesen, dass die ganze Provinz Asien nach zwei Jahren von der Botschaft durchdrungen war. Schließlich wurde die Abkehr so vieler Menschen vom Götzendienst zu einer wirtschaftlichen Bedrohung für die Devotionalien-Händler des Artemis-Tempels. Sie zettelten einen Aufruhr an, und Paulus musste Ephesus verlassen. Er durchzog dann Mazedonien und Griechenland, besuchte die Gläubigen und ermutigte sie. In dieser Zeit entstanden vermutlich auch einige seiner Briefe, die uns bis heute mit dem reichen Schatz seiner Theologie versorgen. Wir erfahren darin aber auch viel über seine Lebensführung und die Art, wie er die Beziehungen in der Gemeinde gelebt hat: Seine Liebe, seine Arbeit, sein Leiden, seine Hingabe, seine Nachfolge ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben. Wir gewinnen Einblick in seine äußere Bedrängnis und in seine emotionalen Belastungen. Er kennt Anfechtungen durch Ängste und Mutlosigkeit, aber er nutzt seine Erfahrungen mit dem tröstenden und barmherzigen Gott, um andere zu trösten.

In unserem Kapitel finden wir einen Mann, der weiß, dass er für diesen Dienst nicht mehr viel Zeit hat. Man spürt ihm eine gewisse Dringlichkeit ab. In Troas versammeln sich die Gläubigen am ersten Tag der Woche, um das Brot zu brechen und der Unterweisung des Apostels zuzuhören. Was er ihnen noch sagen will, das packt er alles in dieses Treffen hinein! Mitternacht ist längst vorbei, und die angezündeten Öllampen verbrauchen den Sauerstoff in der Luft. Da kann man schon mal müde werden! Ein junger Mann namens Eutychus wird vom Schlaf überwältigt, fällt aus dem Fenster aus dem 3. Stock und wird tot aufgehoben. Wie Elia im Alten Testament wirft Paulus sich betend über ihn, beruhigt die Geschwister und versichert ihnen, dass der junge Mann lebt. Dieser Zwischenfall bremst aber seinen Eifer keineswegs (und ich vermute, jetzt waren auch alle wach!!), und er redet weiter bis zum Morgen! Dann reist er ab.

Während die übrigen seines Reise-Teams mit dem Schiff lossegeln, geht Paulus eine Strecke zu Fuß (über die Gründe habe ich hier mal gemutmaßt) und trifft dann in Assos wieder mit ihnen zusammen. Obwohl er für die Gemeinde in Ephesus noch so viel auf dem Herzen hat, beschließt er, dort nicht Station zu machen, weil er es eilig hat, nach Jerusalem zu kommen. Er ruft aber die Ältesten von Ephesus nach Milet herüber, um noch einige wichtige Dinge mit ihnen zu besprechen. Er muss sie noch einmal an sein Beispiel erinnern. Er hat dem Herrn bei ihnen gedient in Mühen, Demut und Tränen. So sollen sie auch dienen! Er hat das Wort treu verkündigt und nichts ausgelassen. Er hat ihnen die Gnade verkündigt, die er selbst als der größte der Sünder erfahren hatte, aber auch den Ernst der Heiligkeit Gottes und den Preis der Nachfolge – und er hat ihnen gezeigt, dass dieser Weg der Weg der Freude ist! Er ist in aller Traurigkeit immer fröhlich, und in seiner Armut macht er – nach dem Muster seines Meisters – viele reich. Sein Leben wirft er gerne in die Waagschale für das Evangelium. Ein lebendiges Opfer zu sein – das war nach allem, was Jesus für ihn getan hat, ein alternativloser Lebensstil! Dazu fordert er auch uns auf.

Wollen wir das?

Predigt-Nachlese: Leben im Geist – ganz praktisch

Predigttext: Galater 6

Wir sind frei vom Gesetz und leben durch den Heiligen Geist. Aber wie sieht das im Alltag aus?

Wir werden immer noch versucht und können von der Sünde überrascht und überrannt werden. Niemand sollte denken, dass ihm das nicht passieren kann! Wir brauchen dann weder jemand, der unsere Sünde kleinredet oder ignoriert, noch jemand, der noch drauftritt, wenn wir am Boden liegen. Wir brauchen jemand, der uns zurechthilft, und das braucht manchmal Zeit. Und deswegen müssen wir auf der einen Seite wachsam sein und beten, dass wir nicht selbst versucht werden, und auf der anderen Seite bereit sein, dem beizustehen, der in Sünde gefallen ist. Allerdings setzt das voraus, dass derjenige das auch will und nicht etwa an seiner Sünde festhält und einen Friedensvertrag mit ihr geschlossen hat.

Das Gesetz Christi ist sein neues Gebot der Liebe zueinander. Dazu gehört, dass man das mit trägt, was der Bruder oder die Schwester alleine nicht tragen kann. Allerdings muss man sich vor dem Umkehrschluss hüten, dass die anderen für meine Probleme zuständig und sozusagen verpflichtet sind, mir zu helfen, und ich das fordern könnte. Das Evangelium befreit von dieser “Ich-im-Zentrum”-Perspektive. Wir können die sein, die damit anfangen, uns nach hinten zu stellen und den Nächsten nach vorn!

Was uns daran hindert, ist unser Stolz. Sind wir uns zu gut, um anderen zu dienen? Unser Stolz ekelt Gott – er ist ihm widerlich. Stolz ist der Grund, warum Menschen in die Hölle gehen. Den Ungläubigen hindert er, seine Verlorenheit und Schwachheit anzuerkennen und zu Jesus um Hilfe zu schreien.  Aber auch wir Gläubigen können geistlichen Stolz entwickeln, und das war das Problem der Galater. Stolz macht uns blind für unsere eigene Sünde und lässt uns auf denen herumhacken, die unsere Gesetze nicht befolgen. Wenn wir mal genau in den Spiegel gucken, werden wir unsere Schwachpunkte schon sehen, und dann haben wir genug an der Verantwortung für unsere eigenen Fehler und können uns über niemanden erheben.

Die Liebe gebietet uns auch, die zu unterstützen, die uns das Wort Gottes lehren. Sie nehmen damit eine gewaltige Verantwortung auf sich, denn Gott verlangt von ihnen Rechenschaft für das, was sie sagen (oder nicht sagen). Deswegen ist das auch nichts, worum man sich reißen sollte! Hier ist vor allem an materielle Güter gedacht, aber auch an geistliche Gemeinschaft, an Fürbitte, an das Abnehmen von Tätigkeiten, die den  zum Lehrdienst Beauftragten an seiner eigentlichen Aufgabe hindern (vgl. Apg.6).

Unser ganzes Leben funktioniert eigentlich nach dem Natur-Prinzip von Saat und Ernte. Wenn du Weizen säst, wächst kein Mais. Aus Apfelkernen entsteht kein Kartoffelbaum. Wer auf seine eigene Natur sät, wird von ihr den Tod ernten. Wer auf den Geist Gottes sät, wird von ihm das ewige Leben ernten. Das was du erntest, wird wesensmäßig dem entsprechen, was du gesät hast. Wir denken da oft unlogisch. Wir leben unserer eigenen Lust und wundern uns, dass wir die Gemeinschaft mit Gott verlieren. Wenn wir jede Gelegenheit ergreifen, um Gutes zu investieren, vor allem in die Gemeinde, die Familie Gottes, dann wächst auch Gutes. Wenn wir uns gehen lassen und unsere eigenen Interessen verfolgen, wird eine vergiftete Atmosphäre das Ergebnis sein.

Bei den Galatern gab es solche Menschen, die die ganze Gemeinde durcheinander brachten. Paulus deckt hier ihre wahren Motive auf. Sie wollen Ansehen in der jüdischen Community, und dafür opfern sie die Freiheit der anderen und drängen sie, sich beschneiden zu lassen. Sie wollen die Verfolgung und das Ärgernis des Kreuzes vermeiden. Der Teufel will uns immer einreden, es ginge auch ohne das Kreuz, und mit ein paar Kompromissen könnten wir die Härten entspitzen und das Ansehen der Gesellschaft gewinnen. Für Paulus dagegen ist das Kreuz die Mitte seines Lebens und seiner Botschaft. Es verurteilt sowohl die zügellose Sünde als auch die selbstgerechte Religiosität. Diese Dinge liegen hinter ihm; er ist ihnen gegenüber tot. Er weiß, dass vor Gott nicht zählt, wer wir sind und was wir tun, sondern nur die neue Schöpfung, Gottes eigenes Werk. Gottes Gnade genügt uns, und auf diesem Weg ist Frieden und Barmherzigkeit. Für diese Erkenntnis und für dieses Evangelium hat er so viel gelitten, und darum wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass die Galater und auch wir fest dabei bleiben!

Predigt- Nachlese: Paulus, ein Vorbild in der Nachfolge Jesu

Predigttext: Apostelgeschichte 18,12-23

Paulus hat den Korinthern mal geschrieben: Nehmt mich zum Vorbild, so wie ich Christus zum Vorbild nehme! Sie hatten ja reichlich Gelegenheit gehabt, ihn zu beobachten. Und wir sind in der glücklichen Lage, sein Leben und Beispiel in der Apostelgeschichte und in seinen Briefen verfolgen zu können.

Nachdem der Herr Paulus aus seinem Entmutigungsloch herausgeholt und durch feste Zusagen und einen klaren Auftrag wieder auf die Füße gestellt hatte, konnte Paulus relativ ungestört 18 Monate lang das Evangelium verkündigen. Das war die bisher längste Zeit in ein und derselben Stadt auf dieser 2. Missionsreise. Aus allen vorherigen Städten hatte man ihn bald verjagt. Am Ende dieser anderthalb Jahre ging aber auch in Korinth der Ärger los. Die Juden klagten ihn vor dem Prokonsul Gallio an, dass er eine illegale Religion verbreite. Gallio wies ihre Anklage ab. Für ihn war das Christentum eine jüdische Splittergruppe, und das Judentum war offiziell eine “religio licita”, eine genehmigte Religion. Diese internen Streitigkeiten der Juden gingen ihm auf die Nerven; das sollten sie gefälligst unter sich regeln. Er trieb sie förmlich vor dem Richterstuhl weg. Sosthenes, der Vorsteher der Synagoge, wurde vor seinen Augen verprügelt, aber er kümmerte sich nicht darum. Übrigens taucht dieser Sosthenes später als “Bruder”  wieder auf. Er hatte sich offensichtlich bekehrt, und war damit schon der zweite Synagogenvorsteher in Korinth, der zum Glauben kam!

Anschließend konnte Paulus noch eine ganze Weile in Korinth weiterarbeiten. Dann wurde es Zeit, weiter zu ziehen. Nachdem er ein Nasiräergelübde eingelöst hatte – vielleicht aus Dankbarkeit für Gottes Handeln in Korinth – reiste er mit seinen guten Freunden und Mitarbeitern Priscilla und Aquila ab nach Ephesus. Schon früher hatte es ihn dorthin gezogen, aber damals hatte Gott es nicht erlaubt. Obwohl er in Korinth nach der Ablehnung durch die Juden gesagt hatte, er werde sich jetzt zu den anderen Völkern wenden, suchte er auch hier zuerst die Synagoge auf. Sein Herz brannte für sein eigenes Volk, dem die Verheißungen Gottes galten, und er konnte es nicht aufgeben. Er fand dort auch ein positives Echo, konnte aber nicht bleiben, und versprach, später zurückzukehren. Er baute aber sozusagen einen Stützpunkt auf, indem er Aquila und Priscilla dort zurückließ. Er selbst musste nach Jerusalem, wo er die dortige Gemeinde besuchte. Dann machte er sich auf den Weg zurück in seine sendende Gemeinde in Antiochia und von dort zu Besuchen in all die Gemeinden, die er in Galatien und Phrygien gegründet hatte. Er hatte ein Hirtenherz – er musste sicherstellen, dass seine “Schafe” gut versorgt waren, geistlich wuchsen, auf festem Grund standen und geeignete Leiter hatten. Obwohl ihm in all diesen Städten Schwierigkeiten und Gefahren drohten, ließ er sich nicht von Leidensfurcht und -müdigkeit, sondern von seiner Liebe zu den Kindern Gottes bestimmen.

Wir können von ihm lernen, was Nachfolge Christi bedeutet. Die Stoßrichtung beschreibt er so: Ihr sollt nicht euren eigenen Vorteil suchen, sondern den des anderen!  Wir haben Verantwortung füreinander; bei allem, was wir tun und lassen, sollten wir das Wohl der Glaubensgeschwister im Blick haben. Wir leben nicht mehr unabhängig und für uns selbst. Gott hat uns nicht nur zu Trophäen seiner Gnade gemacht, sondern auch zum Dienst befreit und “Werke” für uns vorbereitet, die wir in seiner Kraft tun dürfen. Wir sollen unser erlöstes Leben nicht vergeuden, sondern ein Verständnis dafür entwickeln, was Gott von uns will, wie wir ihm dienen können sowohl in der Gemeinde als auch in der Welt. Unser Glaube und unsere Hoffnung sollen sich zeigen, indem wir mit Lob und Dank übersprudeln und nicht mit Auflehnung und Quengeln auf die Prüfungen Gottes reagieren. So können wir der Welt das Evangelium verkündigen und demonstrieren in diesen “bösen Tagen”.