Archiv der Kategorie: Gemeinschaft mit Gott

Schlaflos gesegnet

night-196252erleuchtetefenster2Es ist nicht das erste Mal, dass ich über dieses Thema schreibe, aber im Moment ist es gerade wieder aktuell. Wenn man um 2 Uhr nachts immer noch knallwach ist, kann man sich entscheiden, ob man verzweifeln und sich schon mal vor dem Tag morgen fürchten will, oder ob man beschließt: Der Teufel kriegt meine Nacht nicht. Ich muss dazu sagen, dass Schlaflosigkeit bis jetzt bei mir nie ein langfristiger täglicher Zustand gewesen ist – wenn also jemand dauerhaft nicht schlafen kann, braucht er sicher auch andere Hilfen. Wenn du aber einfach mal aus einer Nacht  des rastlosen Hin- und Herwälzens eine wunderbar gesegnete machen willst, dann folge meinem Tipp: Denke über Jesus nach, und hangele dich dabei als Gedankengeländer am Alphabet entlang.

Letzte Nacht sah das so aus  (gekürzt, denn mir fielen noch mehr Dinge ein):

Er, der Abdruck des Wesens Gottes, wurde angespuckt. Das Bild des unsichtbaren Gottes wurde beschimpft, um mein Befreier zu werden. Unter all denen, die er zu seinen Brüdern gemacht hat, ist er, Christus, der Chorleiter des Lobes Gottes geworden (Hebräer 2,12). Von Herzen demütig, dornengekrönt, macht er sich zu unserem Diener, erniedrigt sich, um uns zu erlösen. Furchtlos und freundlich steht er vor seinen Feinden; freiwillig gibt er sein Leben, gerecht und schuldlos, Gott gehorsam bis hin zum Tod am Kreuz. Nun ist er, der so tief herabgekommen ist, hoch erhöht – immerdar besitzt Jesus den Thron.

Er ist der König, der Löwe aus Juda, das Lamm Gottes, Liebe und Licht in Person. Der Messias ist der Menschensohn aus Nazareth; er hat sich selbst als ewig gültiges Opfer gebracht, als das wahre Passalamm . Sein Tod ist für uns die Quelle des Lebens, er ist unser Retter. Der Schöpfer wurde unser Sühnopfer, die Tür zum Vaterhaus. Der Urheber unserer Rettung wurde durch Leiden vollkommen gemacht. Er war willig, diesen Weg für uns zu gehen – zu leiden, um uns wohlzutun. Darum ist er mein Ziel; ich strebe ihm nach und möchte ewig bei ihm sein.

Ich bin immer wieder verblüfft: Was ich mehr oder weniger als Beschäftigung für meinen Kopf anfange, wird zu einer Beschäftigung für mein Herz, die fast automatisch einige Fragen, Unklarheiten und Zweifel vom Tisch fegt und mich neu ausrichtet. Irgendwann nach drei Uhr morgens bin ich endlich eingeschlafen – und heute morgen aufgewacht mit dem Bedürfnis, das alles noch mal zu rekapitulieren und zu vervollständigen. Es gibt nichts Besseres und Heilsameres, als über Jesus nachzudenken. Probier´s aus!

Gott tut den ersten Schritt

Kennst du das auch, dass du beim Bibellesen stutzt, weil dir in einem oft gelesenen Vers ein kleines Wort plötzlich ins Auge springt und dir etwas tief Bedeutsames zeigt? So ging es mir kürzlich mit dem Vers in 2.Mose 28,4:

Diese heiligen Kleider sollen sie für deinen Bruder Aaron und für seine Söhne anfertigen, damit er mir den Priesterdienst ausübt.

Mir – das war das Wörtchen, das mir so unversehens unter die Haut ging. Wozu braucht Gott einen Priester? Ist es nicht so, dass die Menschen einen Priester brauchen, einen, der zwischen ihnen und Gott vermittelt? Sind sie nicht die, die gesündigt und die Mauer gebaut haben und einen Mittelsmann und Durchbrecher brauchen, damit sie in Beziehung zu Gott treten können?

Tatsache ist: Gott ergreift die Initiative. Nicht wir suchen die Gemeinschaft mit ihm – er sucht die Gemeinschaft mit uns. Im Alten Testament hat er sich dafür die Priester und den Opferkult eingesetzt als etwas Vorläufiges, bis das wahre Opfer und der wahre Hohepriester in Jesus erschienen sind. Und auch dabei ging alle Initiative von Gott aus. Jesus hat sich freiwillig als Opfer und Priester zur Verfügung gestellt, als wir noch völlig uninteressiert, ja, seine Feinde waren  (Römer 5,8.10).

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Die Versöhnung mit Gott ist nicht unsere Idee – es ist seine Idee, sein Interesse, sein Opfer, sein Priester … damit wir davon profitieren können. Wenn das keine Liebe ist, was dann?

Wie das Leben neu wird: Ein reines Gewissen, eine neue DNA und Zutritt zum Thron Gottes (Predigt-Nachlese)

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Heute hatten wir eine Predigt über Hebräer 10. Kein ganz einfacher Text; man muss ein bisschen Ahnung vom Alten Testament haben, um ihn richtig zu verstehen.

Im Wesentlichen geht es um die Fragen:

  • Wie werde ich meine Schuld los, damit mein Gewissen mich nicht mehr quält?
  • Wie kann man denn überhaupt anders – heilig und gerecht – leben?
  • Wie kann man in Beziehung zu Gott treten?

Im Alten Testament hatte Gott angeordnet, dass die Isareliten Tieropfer für ihre Sünden bringen mussten. Besonders am sog. Großen Versöhnungstag wurden sowohl für persönliche als auch für die kollektiven Sünden des Volkes unzählige Opfer gebracht, und das Jahr für Jahr. Trotzdem war es nie “gut”.  Das Gewissen war nie wirklich erleichtert, die nächste Sünde wartete um die Ecke, und wie konnte das Blut von Stieren und Böcken Sünde wirklich wegnehmen? Ein Ende der Opfer, der Ströme von Tierblut, war nicht abzusehen. Wann konnte man je vor der Strafe Gottes sicher sein?

Diese Opfer waren ein Schatten einer höheren Wirklichkeit. Sie sollten zeigen, dass uns tatsächlich nur ein Opfer vor dem berechtigten Zorn Gottes retten kann. Dieses Opfer konnte nur Gott selber bringen, nur einer, der selbst völlig rein, heilig und gerecht war und keinerlei Strafe verdient hatte. Dieser Eine war Jesus, der sich selbst dafür zur Verfügung stellte.

Dieses Opfer hat eine völlig andere Qualität als die Tieropfer. Es reinigt uns ein für alle Mal. Wir können unter Berufung auf dieses Opfer zu Gott kommen, unsere Sünden bekennen, und Gott wird nie mehr daran denken. Egal, welche Sünde? Ja, jede. Große Sünden, kleine Sünden, da ist kein Unterschied. Du kannst werden wie ein neugeborenes Kind. Und du musst selbst kein Opfer bringen, nur Gottes Opfer annehmen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist nicht gedacht für solche, die einen Freibrief wollen, um weiter zu sündigen, sondern für die, die ein neues Leben wollen und ihn darum bitten.

Und da Gott weiß, dass wir uns selbst dieses neue Leben nicht geben können (nur Münchhausen konnte sich an seinen eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen), macht er auch das für uns: Er gibt uns eine neue geistliche DNA. Er schreibt seine Gesetze auf unser Herz. Er lässt uns teilhaben an seiner göttlichen Wesensart. Er schenkt uns seinen Geist. Alles, was er von uns fordert, gibt er uns: Die Liebe zu ihm und die Liebe zum Nächsten. Und wie nach einer natürlichen Geburt entfaltet sich dieses neue Leben nach und nach in uns in Lern- und Wachstumsprozessen. Das nennt man Heiligung. Aber auch wenn wir beim Lernen noch stolpern und der Kampf mit der Sünde in diesem Leben nicht aufhört, so sind wir jetzt doch seine echten Kinder und haben ganz andere Voraussetzungen.

Denn wir haben jetzt “freien Eintritt” beim Vater im Himmel. Im Alten Testament war Gott da, aber unzugänglich. In das Allerheiligste des Tempels durfte nur einmal im Jahr der Hohepriester, nachdem er für seine eigenen Sünden geopfert und Reinigungszeremonien befolgt hatte. Vor dem Allerheiligsten hing ein dicker Vorhang, der jeden Normalsterblichen davon abhielt, aus Versehen vor den heiligen Gott zu treten, denn das wäre sein Tod gewesen. Als Jesus starb, zerriss Gott selbst diesen Vorhang. Wir dürfen zu ihm kommen. Wenn etwas sehr teuer war, muss man es richtig ausnutzen, nicht wahr? Dieser Zugang war sehr teuer, deshalb komm, und komm oft!

Möchtest du das? Ein reines Gewissen, ein neues Leben, eine Beziehung zu Gott? Du kannst nichts dazu tun, es ist ein Geschenk. In Gottes Palast wohnen nur Bettler, die er zu seinen Kindern gemacht und ins fertige Nest gesetzt hat. Das nennt man Gnade, und sie ist für jeden, der sich selbst nicht helfen kann und das einsieht. Du bist herzlich eingeladen!

Das liebe ich an Gottes Wort

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Das liebe ich an Gottes Wort, dass es mit Geschichten kommt von Menschen, die vor Tausenden von Jahren in einer völlig anderen Umwelt lebten und doch wie wir mit Sünde und Unglauben kämpften, mit widrigen Umständen, mit zwischenmenschlichen Konflikten, mit Schwäche und Zwiegespaltenheit, und in all ihrer Not durch Glauben den lebendigen Gott und seine Gnade erfuhren.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es mir die Schlüssel gibt zu den Fragen, die sonst ungeklärt blieben: Was ist es mit dem Zustand dieser Welt, dem Zustand meines eigenen Herzens, unserer Erlösungsbedürftigkeit, und wer macht uns frei?
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es so realistisch ist, dass es die Wahrheit spricht ohne Schönfärberei, ohne auszuweichen, dass es die alten Wunden aufreißt und darin, wo nötig, herumstochert, dass es aber auch die Realität einer Wunden heilenden, bis zum Äußersten gehenden, blutigen, dornengekrönten Liebe zeigt.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass darin Raum ist für Poesie und Kreativität, für Wortbilder und Sprachspiele, für Gefühle wie Trauer und Angst, Depression und inneren Aufruhr und für Liebe und Entzücken und Jubel und Lobgesang.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es in Briefen spricht, die tiefschürfende theologische Abhandlungen und unsere alltägliche Lebenspraxis verbinden und uns zeigen, dass bei Gott alles aus einem Guss ist.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass Gott zuerst durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn von sich selber spricht, sein Herz offenbart, was er liebt, was er hasst, was er für uns empfindet. Dass er seine Pläne und Absichten vor uns offenlegt, dass er eine Beziehung zu uns haben und uns zu seinen Freunden machen will.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es uns einen Ausblick gibt auf die Zukunft, auf ein Reich von Frieden und Gerechtigkeit, wo die Tränen abgewischt werden und alles Freude und Anbetung ist.

Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag! Psalm 119, 97

Beten lernen (3): Was gibt mir das Recht?

cmdr-shane-610506-unsplashVor Jahren hatte ich eine liebe Freundin, bei der wir uns unter der Woche zum Beten und Bibellesen getroffen haben. Sie war für mich der Inbegriff unkomplizierter Gastfreundschaft. Wenn sie mal in Urlaub war, gab sie einfach einem von uns den Schlüssel. Wir durften an ihre Schränke gehen und uns Tassen holen und was wir sonst so brauchten. Es passierte mir oft, wenn ich vor ihrer Tür stand, dass ich gedankenverloren meinen eigenen Hausschlüssel zückte, bis mir einfiel: Ach nein, das ist doch nicht deine Wohnung! Als ich ihr das mal erzählte lachte sie und meinte: Das ist ein gutes Zeichen; es heißt, dass du dich hier zu Hause fühlst.

Was ist der Schlüssel, dass ich mich bei Gott so zu Hause fühlen kann, dass ich da ganz unkompliziert ein und aus gehen kann?

Als Gott den Menschen geschaffen hat, hatte er im Garten Eden vertrauten Umgang mit ihm. Es war völlig klar, dass er der Schöpfer war und der Mensch das Geschöpf, aber da war keine Barriere zwischen ihnen. Die Gemeinschaft war ungetrübt und wunderschön.

Das änderte sich schlagartig, als der Mensch Gott das Vertrauen entzog und lieber dem Satan glaubte. In diesem Moment zogen Scham, Furcht, Schuldgefühle und Fremdheit in die Beziehung ein. Mensch und Gott konnten nicht mehr zusammen leben. Diese Beziehungsstörung hat sich “vererbt”. Zwischen Mensch und Gott ist sozusagen eine Mauer, und wir alle wurden hinter dieser Mauer im Land der zwar stolzen, aber im tiefsten furchtsamen und heimatlosen Rebellen geboren. Was uns übrigblieb, war bestenfalls eine Sehnsucht nach Sinn und selbstgebastelte Konzepte von Gott, aber wir kannten ihn nicht persönlich.

Gott wollte es nicht dabei bewenden lassen. Er hatte von Anfang an einen Rettungsplan, und den hat er ausgeführt, indem er uns durch seinen Sohn und sein Opfer am Kreuz eine Brücke zu sich zurück gebaut hat. Alle, die sich Jesus übergeben und diesen Vertrauensentzug zurücknehmen, die mit ihrem ganzen Sein sagen: Ich glaube dir, darum will ich auf dich hören!, die erhalten den Schlüssel zurück ins Paradies der Gemeinschaft mit Gott.

Darum sagt Jesus:

 Der Vater selbst hat euch lieb!

 Wenn ihr betet, sagt: Unser Vater! 

 Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.

Jesus gibt denen, die ihm vertrauen, die Zugangsberechtigung zu Gott als Vater (der, bei dem ich zu Hause bin). Deswegen sagt er, wir sollen in seinem Namen beten. Sein Name – das ist das ganze Gewicht seiner Person und seines Opfers. Er ist unser Schlüssel in die wiedergewonnene, liebevolle Gemeinschaft mit Gott. Er gibt uns durch sein Verdienst das unverdiente Recht, zu Gott zu kommen und alles, was uns bewegt, mit ihm zu teilen. Dann können wir beten.