Archiv der Kategorie: Gericht

Ist Gott hart und Jesus soft?

opposites-489521_1920Irgendwie kommt es mir immer wieder unter in Gesprächen und auf Blogs: Viele sehen einen Gegensatz zwischen dem rachedurstigen, Gericht übenden Gott des Alten Testamentes und dem gnädigen, vergebenden Jesus. Irgendwie scheint dem modernen Menschen Jesus recht sympathisch, der AT-Gott aber passt, so meint man, nicht so ganz ins Bild.

Nun, das eine wie das andere beruht auf Unkenntnis, die daher rührt, dass man die Bibel nicht ganz liest, noch nicht einmal das Neue Testament. Zudem blendet diese Wahrnehmung das Selbstzeugnis Jesu total aus, denn er hat gesagt: Ich und der Vater sind eins.

Jesus ist eins mit dem Vater im Zorn gegen die Sünde. Das Buch der Offenbarung (das übrigens der Apostel Johannes geschaut und verfasst hat, den man oft den “Apostel der Liebe” nennt) zeigt Jesus als Richter über eine gottlose Welt. In großer Furcht flehen die Menschen die Berge und die Felsen an:

Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes. Denn der große Tag ihres Zorns ist gekommen, und wer wird ihn überleben? Offenbarung 6,16.17

Der Vater ist eins mit Jesus im Willen, gnädig zu sein und zu retten. Schon immer, auch im Alten Testament, hat es Gott widerstrebt, den Sünder zu strafen. Er wünscht sich nichts mehr als seine Umkehr, damit er ihn begnadigen kann. Daher wurde innerhalb der dreieinigen Gottheit schon vor Grundlegung der Welt der Beschluss gefasst, dass der Sohn Mensch werden und für unsere Sünden sterben würde. Das Kreuz ist nichts, was Gott seinem Sohn “angetan” hat, sondern er hat es völlig freiwillig auf sich genommen. Und Gott hat den Sohn “gegeben” für eine feindselige Welt. So wie bei Abraham und Isaak, als sie zum Berg Morija gingen, kann man es von Gott und Jesus sagen: So gingen beide miteinander. Der Sohn hat sich geopfert. Der Vater hat den Sohn geopfert.

Einer meiner Lieblingsverse steht in Apostelgeschichte 20,28. Da ist die Rede davon, dass Gott sich die Gemeinde erkauft hat durch das Blut seines eigenen (Sohnes). In den englischen Übersetzungen steht durchgängig: durch sein eigenes Blut. Beide Übersetzungen sind möglich, denn das Wort Sohn ist nur ergänzt und steht nicht im Urtext. Auf jeden Fall ist klar: Da ist nicht ein unbeteiligter Gott, der fremdes Blut vergießt. Es hat Sohn und Vater alles gekostet. So groß ist ihr Zorn auf die Sünde. So groß ist ihre Liebe zu uns.

Es ist wahr: Ohne das Opfer Jesu hätte Gott unsere Sünde niemals vergeben können. Durch dieses Opfer können wir vor dem Zorn Gottes und des Lammes gerettet werden. Aber es gibt zwischen Gott und seinem Sohn keine Meinungsverschiedenheiten – weder in der Gnade noch im Gericht. Wir können nun Gott so nehmen, wie er sich offenbart hat – oder ihn ablehnen. Was wir nicht können, ist Jesus annehmen und den richtenden Gott ablehnen. Diese Option ist nicht existent.

Was religiösen Menschen die Tür zu Gott verschließt (Predigt-Nachlese)

padlock-927392_1920

In Johannes 5 spricht Jesus mit den religiösen Führern der Juden. Sie hassten ihn, weil er das Licht war, das ihre Finsternis aufdeckte. Sie hassten ihn für seinen Anspruch, der Sohn Gottes zu sein, eins mit dem Vater und von ihm autorisiert, ihnen Leben zu geben oder sie zu richten. Und sie hassten ihn, weil er ihre Position und ihr Ansehen infrage stellte.

Und doch gibt er sie nicht auf. Wenn sie ihm persönlich nicht glauben, dann kann er Johannes den Täufer als Zeugen ins Feld führen oder die Wunder, die unbestreitbar waren, oder die Schrift, die ihn vorhergesagt hat, sogar Moses, den sie so hochhalten. Und er tut das nicht, weil er diese Zeugen nötig hätte, sondern er sagt das um ihretwillen:

Ich sage das, damit ihr gerettet werdet. (Johannes 5,34)

Das ist seine Intention, selbst für seine ärgsten Feinde. Und um ihnen zu helfen zu erkennen, was sie daran hindert, hält er ihnen den Spiegel vor, damit sie sehen, wie sie sind, und wovon sie umkehren müssen, damit sie glauben und gerettet werden können. Dabei scheut er sich nicht, konfrontativ und deutlich zu sein, denn mit weniger ist ihnen nicht gedient.

  • Gottes Wort hat keinen Raum in euren Herzen. Sie kannten die Schrift vor- und rückwärts und auswendig als ein Buch von Geboten und Gesetzen, zu denen sie vorsichtshalber unzählige Ausführungsverordnungen gemacht hatten und beachteten. Aber ihr Herz war nie erreicht worden, nie von seiner Sündhaftigkeit überführt worden. Da war kein Platz in ihnen zum Empfang der Worte der Gnade, denn in ihren Augen hatten sie alles richtig gemacht.
  • Ihr wollt nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen. Das hätte ja geheißen, sie brauchen ihn, um ihnen das Leben zu geben! Sie doch nicht! Sie konnten sich selbst den Weg zu Gott erarbeiten!
  • Ihr sucht die Ehre von Menschen. Jesus sagt es ziemlich drastisch: Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre von dem alleinigen Gott nicht sucht? Wer glauben will, muss seine Reputation und seinen Selbstschutz fahren lassen. Er kann nicht mehr so tun, als ob. Er muss seine Sünden bekennen. Es gibt kein größeres Hindernis zum Glauben als Heuchelei und den Wunsch, vor Menschen etwas darzustellen, was man im Kern seines Wesens und in seinen geheimsten Taten nicht ist.
  • Ihr habt die Liebe Gottes nicht in euch. Sie waren Spezialisten in den zehn Geboten, aber sie konnten noch nicht einmal das erste halten: Gott über alle Dinge zu lieben. Nur sahen sie das nicht, weil sie den selbstgerechten Buchstabengehorsam mit der Liebe zu Gott verwechselten.
  • Ihr glaubt den Schriften nicht wirklich. Hätten sie den Schriften Mose wirklich geglaubt und nicht immer nur ihre To do-Liste zum Abhaken darin gesucht, so hätten sie erkannt, dass er einen Erlöser für ihren und unseren tiefen Schaden vorausgesagt hat, und sie hätten die Stimme des Autors in Jesus wiedererkannt.

Es betrifft nicht nur die Pharisäer, sondern dient auch unserer Selbstprüfung.  Kennen wir Gott? Ehren und lieben wir ihn? Ist er die Quelle unserer Freude, die Nummer 1 in unserem Leben? Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Schielen wir nach der Anerkennung von Menschen, oder bekennen wir uns zu unserer Schuld und nehmen gerne die Gnade Gottes an und das Kreuz auf und folgen  Jesus nach?

Wer wird gerettet, und wer wird verdammt?

 

law-1063249_1920

Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. (Johannes 3,17)

Und doch werden nicht alle Menschen gerettet werden. Nicht alle werden profitieren von dem, was Jesus getan hat. Er hat dieses wunderbare Angebot – ewiges Leben, das schon im Hier und Jetzt beginnt – an den Glauben geknüpft.

Was ist dieser Glaube? Glaube ist nicht eine Annahme oder Vermutung (obwohl wir den Begriff landläufig auch so gebrauchen), sondern das tiefe Vertrauen in die Echtheit, Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit einer Person und in das, was sie sagt. Das ist das Vertrauen, das Jesus von uns verlangt. Dieses Vertrauen hat notwendig Konsequenzen: Wenn ich mich auf ihn verlasse, werde ich auch mein Leben auf ihn bauen und ihm gehorchen.

Die Frage ist: Wenn Jesus so verlässlich ist, wenn er uns so viel anbietet – Zugang zu Gott, Rettung, Vergebung, Frieden, Leben, Liebe, Freude – warum wollen das trotzdem so viele nicht haben? Jesus diagnostiziert:

Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. (Johannes 3,19.20)

Wir sind lichtscheue Kreaturen. Wie die Kakerlaken sind wir auf der Flucht vor dem Licht, und unsere Dunkelheit ist uns lieber, weil sie das schmerzhafte Aufdecken unserer Leichen im Keller verhindert, all der Dinge, die wir vor Gott und oft auch vor Menschen seit unserer Kindheit zu verbergen geübt haben. Wer zu Jesus kommen will, der muss ins Licht kommen! Er wird dann von Gott

errettet aus der Herrschaft der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, (Kolosser 1,13)

Von Natur sind wir alle schon verdammt, “Kinder des Zorns”, wie die Bibel das nennt. Das Gericht ist uns sicher. Wir brauchen eine neue Geburt, eine geistliche Totenauferstehung. Das wird in der Taufe abgebildet. Die Taufe selbst rettet uns nicht – sie zeigt nur bildlich das, was an uns geschehen ist. Das Untertauchen symbolisiert unser Sterben mit Jesus – er hat unsere Sünde weggenommen – und das Auftauchen ist ein Bild der Auferstehung mit ihm. Ich bekomme ein neues Leben – sein Leben! Der Glaube ist die Art und Weise, wie ich das, was Jesus für mich getan hat, annehme.

Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. (Johannes 3,36)

Das Urteil ist längst gefällt, die Strafe verhängt. Die einzige Rettung ist, dass ein Sündloser kam und meine Strafe trug, und dieses Opfer des Sohnes Gottes kommt mir zugute, wenn ich glaube und zum Licht komme.

Jesus zieht in Jerusalem ein (Predigt-Nachlese)

file0001095295956 (2)

Predigttext: Johannes 12

Was für eine Menge  sich da in der Jerusalemer Frühlingsluft tummelte! Das bevorstehende Passafest hatte sie alle in die Stadt hineingeschwemmt. Praktisch jede Familie hatte Gäste. In dieser Atmosphäre verbreiteten sich Neuigkeiten in Windeseile. Die neuste Nachricht war die von der Auferweckung des Lazarus von den Toten. Dieser Jesus – war er etwa doch der Messias? Er zeigte all die Anzeichen, die der Prophet Jesaja ihm zugeordnet hatte:

Seht, da ist euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes; er selbst kommt und wird euch retten! Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen lobsingen … Und eine Straße wird dort sein und ein Weg; man wird ihn den heiligen Weg nennen; kein Unreiner wird auf ihm gehen, sondern er ist für sie; die auf dem Weg wandeln, selbst Einfältige, werden nicht irregehen. (35, 3-8)

Er hatte Aussätzige geheilt, Dämonen ausgetrieben, Blinden das Augenlicht wiedergegeben. Und er rief die Menschen zur Buße: Zöllnern und Huren sprach er Vergebung zu. Er selbst beschrieb den Inhalt seiner Mission so:

Der Menschensohn ist ja gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Damit nahm er für sich die Beschreibung in Anspruch, die der Prophet Daniel dem Messias gegeben hatte.

Und in dieser Menge, die da Jesus entgegenströmte, waren viele, die seine Heilung, Befreiung und Vergebung empfangen hatten. Um nur einige Namen zu nennen: Maria Magdalena, aus der er sieben Teufel ausgetrieben hatte, der Zöllner Zachäus, Simon der Aussätzige … Sie alle begrüßten ihn heute als den König, so wie es der Prophet Sacharja vorausgesagt hatte:

Freue dich, du Zionsstadt! Jubelt laut, ihr Leute von Jerusalem! Seht, euer König kommt zu euch! Er ist gerecht vor Gott, und er bringt die Rettung. Er ist demütig und reitet auf einem Fohlen, dem männlichen Jungtier einer Eselin. (Sacharja 9,9)

Sie gehen ihm mit Palmzweigen und Lobgesang entgegen, sehr zum Missfallen der Pharisäer, die feststellen müssen: Wir kommen so nicht weiter. Alle Welt läuft ihm nach.

Was die feiernde Menge nicht ahnt: Dass ihr Messias auf dem Weg zum Kreuz ist. Er präsentiert sich ihnen an dem Tag, an dem die Passalämmer ausgewählt werden, weil er das wahre und letzte Passalamm sein wird. Immer wieder versucht er es ihnen zu erklären, so auch heute:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde kommt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, wird es viele neue Körner hervorbringen.

In der Menge waren viele, die ihm von Herzen glaubten und ihre Verehrung darbrachten. Andere schwammen mit auf der Welle der momentanen Begeisterung, aber ihr Innerstes war nicht verändert. Ihre Herzen waren hart und verstanden nichts. Für sie würde es kein großer Switch sein, ein paar Tage später auf einer anderen Welle zu reiten und lautstark seine Hinrichtung zu fordern.

Wo stehen wir? Sind wir wirklich zu ihm umgekehrt, sind unsere Sünden vergeben, ist unser Herz erneuert? Lieben wir ihn? Oder sind wir nur Mitläufer, die wie welke Blätter mal von diesem, mal von jenem Windstoß getrieben werden?  Wer die Botschaft Jesu nicht annimmt, der verdammt sich selbst, wie Jesus sagt:

Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, von der Finsternis frei wird. Wer hört, was ich sage, und sich nicht danach richtet, den verurteile ich nicht. Denn ich bin nicht in die Welt gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Wer mich verachtet und nicht annimmt, was ich sage, hat seinen Richter schon gefunden: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn an jenem letzten Tag verurteilen.

Jona predigt den Niniviten – Gnade für die Feinde (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Jona 3

Dore_jonah

Jonah preaching to the Ninevites, by Gustave Dore (d. 1883) https://commons.wikimedia.org

Diener Gottes waren öfters mal müde und verzagt und baten Gott um Entlassung (z.B. Elia oder Mose). Aber kein anderer Prophet hat so wie Jona den Auftrag Gottes kategorisch abgelehnt und diese Ablehnung auch konsequent in die Tat umgesetzt. Warum eigentlich? Um das zu verstehen, müssen wir Israels Beziehung zu den Assyrern genauer unter die Lupe nehmen.

Die Assyrer waren durch die Jahrhunderte eingefleischte Feinde Israels. Jona lebte und wirkte zur Zeit Jerobeams II (781–742 v. Chr. ). Sein Zeitgenosse und Mit-Prophet Hosea kündigte die Verschleppung Israels nach Assyrien an, wenn Israel sich weigert, sich zu bekehren. Dazu ist es tatsächlich 722 v. Chr. gekommen, und es ist durchaus möglich, dass Jona das noch persönlich erlebt hat. Es stand also dem Interesse Israels völlig entgegen, dass Ninive Buße tat und nicht von Gott zerstört wurde. In Jonas Augen machte Gott hier etwas gravierend falsch!

Gott hat allerdings noch nie einen seiner Diener vom Haken gelassen. Man kann nicht sagen: “Ich bin raus!” Er “fischt” Jona aus dem Meer und stellt ihn wieder her. Der Ruf wird bestätigt und erneuert. Und diesmal lesen wir einfach: Da machte sich Jona auf und ging nach Ninive, nach dem Wort des Herrn.

Das historische Setting: Ninive war die größte Stadt der damaligen Welt mit 100.000 bis 150.000 Einwohnern. (Normalerweise hatten Städte maximal mehrere tausend Einwohner.) Vom Umfang her wird sie hier mit drei Tagereisen groß beschrieben, was wohl die Außenbezirke mit einschließt. Der Name der Stadt kann auf ein alt-akkadisches Wort für Fisch zurückgeführt werden. Die Niniviten verehrten einen Fisch-Gott (Dagon) und eine Fisch-Göttin. Die Tatsache, dass der Gott Israels ihnen Jona durch einen Fisch bringen ließ, zeigte ihnen deutlich, wer der Höchste ist, und dass sie sein Wort ernst nehmen mussten. Was auch zur Öffnung ihrer Herzen beigetragen haben mag, ist die Tatsache, dass es nach neueren astronomischen Forschungen 763 v.Chr. eine Sonnenfinsternis gab. Wir wissen allerdings nicht genau, wann Jona dort war.

Auf jeden Fall schlägt Jonas Bußpredigt ein wie eine Bombe! Eine ganze Stadt tut Buße. Der König ordnet an:

Menschen und Vieh, Rinder und Schafe sollen nichts genießen, sie sollen weder weiden noch Wasser trinken; sondern Menschen und Vieh sollen sich in Sacktuch hüllen und mit aller Kraft zu Gott rufen und sollen umkehren, jeder von seinem bösen Weg und von dem Unrecht, das an seinen Händen klebt!

Wenn man bedenkt, dass die Assyrer so stolz waren auf ihre eigene Grausamkeit, dass sie ihre Folter- und Unterwerfungsmethoden minutiös dokumentierten, dann muss man hier von echter Einsicht und Umkehr sprechen. Die größte Metropole fällt vor Gott auf die Knie, und Gott bläst das Gericht ab. Er zeigt damit seinen Charakter: Er hat Gnade für die Schlimmsten und Bösesten, wenn sie umkehren. Er hat auch Gnade für uns.

Jesus greift diese Ereignisse im Neuen Testament auf. Die Niniviten sind Zeugen dafür, dass Gott gnädig ist, wenn man sich demütigt und die Schuld bekennt. Sie sind Zeugen gegen die Religiösen und Selbstgerechten, die Jesus ablehnen, weil sie keine Gnade zu brauchen meinen.

Leider haben künftige Generationen Ninives sich wieder zum Bösen umgewandt. Der Prophet Nahum stellt fest: Weh der mörderischen Stadt, erfüllt mit Lüge und Gewalt!  Das Rauben lässt sie nicht. Er kündigt ihre endgültige Zerstörung an.

So ist es auch gekommen. Bis vor 150 Jahren lag die Stadt unter dem Staub begraben. Dann begannen archäologische Arbeiten. 2015 haben die IS-Dschihadisten die Stadtmauer und vieles andere zerstört.

Fazit: Gott liebt es, gnädig zu sein. Er bereitet Herzen und Situationen vor, und er trägt uns auf, diese Gnade zu verkünden.

Angst vor Gott oder Gottesfurcht?

fire-171229_1280

Angst vor Gott zu haben ist die natürliche Kondition des Menschen. Gott und meine Sünde sind nicht kompatibel! Wir können versuchen, das zu ignorieren und zu vergessen, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Jedes Mal, wenn ein Mensch stirbt, ist es ein Hinweis darauf, dass ein tiefer Riss durch die Schöpfung geht. Der Tod ist der Lohn der Sünde.

Es geht aber um mehr als das physische Sterben. Nach dem Tod kommt das Gericht Gottes. Auf unsere Sünde steht eine ewige Strafe. Jesus hat sehr oft von der Hölle gesprochen, von einem Feuer, das nie verlischt, einer ewigen Qual. Er findet es überhaupt nicht abwegig, sich davor zu fürchten:

Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen! Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet! (Lukas 12,4.5)

Es ist also gut und gesund, Gott zu fürchten.

Es gibt allerdings zwei Spielarten der Gottesfurcht. Die eine ist die Angst derer, die Gott Widerstand leisten. Die Dämonen zittern, aber sie beugen sich nicht vor Gott. Auch gottlose Menschen – und ich war einer von ihnen! – haben tief innen Angst vor Gott, aber ihr Stolz lässt es nicht zu, das zuzugeben. Lieber beschließen sie, dass es keinen Gott gibt, und hoffen, ihr Problem so zu lösen. Trotzdem sind sie Gefangene ihrer Todesfurcht. Von dieser Angst will Jesus uns erlösen. Dafür müssen wir unsere Schuld vor ihm zugeben und unseren Trotz und unsere Autonomie fahren lassen. Der Glaube an seinen stellvertretenden Tod und seine Auferstehung nimmt uns dann die Angst vor dem Gericht weg und bringt uns zu Gott in eine Vater-Kind-Beziehung.

Dann entsteht die zweite, positive Variante der Gottesfurcht. Gottes Wesen ändert sich ja kein bisschen, wenn wir uns bekehren. Er ist immer noch der Gott, der die Sünde hasst – auch und gerade im Leben seiner Kinder. Er vergibt uns Sünde gerne und sofort, aber er wird nicht tolerieren, dass wir darin leben, sie lieben und hegen und pflegen.

Als ich aus meiner Verlorenheit zu ihm kam, habe ich diese Furcht kennengelernt. Es ist nicht mehr die Furcht vor der Hölle, aber die Furcht, ihn zu betrüben, zu verunehren und die Beziehung nicht mehr genießen zu können. Und ohne diese Beziehung kann ich nicht mehr sein – sie ist mein ganzes und einziges Glück! Diese Art Gottesfurcht ist ein Produkt der Liebe, die Gott in unsere Herzen gesenkt hat. Sie geht mit Dankbarkeit und Vertrauen und einer tiefen Freude Hand in Hand.

Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht! Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. (Hebräer 12, 28.29)

Predigt-Nachlese: Aufschieben ist gefährlich

Predigttext: Apostelgeschichte 24 512px-Pompeii_Garden_of_the_Fugitives_02Paulus ist, um ihn vor der jüdischen Verschwörung zu retten, bei Nacht und Nebel nach Cäsarea überstellt worden. Jetzt ist er in den Händen des Statthalters Felix. Felix ist ein ehemaliger Sklave und ein Günstling des Claudius Cäsar, ein machtberauschter Mensch, der kriegt, was er will. Seine sehr schöne junge Frau, Drusilla, ist eine Jüdin aus königlicher Familie, die Tochter Agrippas. Felix hat sie dem König von Emessa ausgespannt – für beide ist es die 3. Ehe. Die Juden hassen Felix aus tiefstem Herzen. Doch als nun die Delegation aus Jerusalem kommt, um ihn mit Hilfe des Anwalts Tertullus anzuklagen, finden sie viele schmeichelhafte Worte. Sie wollen vor allem ihr Ziel erreichen, Paulus den Garaus zu machen, und da wollen sie Felix hineinmanipulieren. Sie beschreiben den Apostel als Aufrührer und Kopf der Nazarener-Sekte und beschuldigen ihn erneut, den Tempel entweiht zu haben, ohne dafür Zeugen auffahren zu können. Paulus bestreitet wahrheitsgemäß, was ihm bezüglich der Schändung des Tempels vorgeworfen wird, auch hat er keinen Aufruhr angezettelt. Aber zu dem Nazarener bekennt er sich, ebenso wie zur Autorität des Wortes Gottes im Alten Testament. Er greift nicht, wie seine Gegner, in die diplomatische Trickkiste – er sagt einfach nur die Wahrheit. Felix kommt nicht zum ersten mal mit dem Evangelium in Berührung. Er hat schon von dem “Weg” gehört. Er findet die Sache auch recht interessant, aber er will sich bei den Juden nicht in die Nesseln setzen. Man kann die Angelegenheit ja aufschieben, erst mal auf “wenn Lysias kommt”. Paulus bleibt gefangen, aber es geht ihm nicht schlecht. Er darf Besuch empfangen, seine Freunde dürfen ihn versorgen, und er kann Briefe schreiben, wovon er auch fleißig Gebrauch macht. Und Felix und Drusilla lassen ihn kommen, um sich mit ihm über Religion zu unterhalten. Sie hätten es gerne unverbindlich, aber da kennen sie Paulus schlecht. Paulus spricht unerschrocken über Jesus, aber auch über das kommende Gericht, ihr lustgebundenes Leben und die Notwendigkeit der Umkehr. Den beiden wird es ganz anders! Das hat wirklich zu ihnen gesprochen …. doch dann nimmt Felix wieder seine Zuflucht zu seiner üblichen Taktik: Aufschieben. Für heute ist es genug, sagt er. Vielleicht reden wir bei Gelegenheit noch mal. Gott hat ihm Gnade angeboten – auch für Sünder wie Felix ist Jesus gestorben – aber Felix will nicht. Heute nicht, vielleicht irgendwann einmal! In den kommenden zwei Jahren lässt er Paulus öfters mal zum Gespräch kommen, auch weil er die Hoffnung auf Bestechungsgelder nicht ganz aufgeben kann. Am Ende seiner Amtszeit hinterlässt er ihn seinem Nachfolger (obwohl ein Römer eigentlich nicht länger als zwei Jahre in Untersuchungshaft gehalten werden darf). Er hat genügend Zeit gehabt, Paulus zu beobachten, wie er voller Freude seinem Herrn auch als Gefangener dient, sein ganzes Dasein ein Zeugnis der lebendigen Hoffnung durch Christus. Aber er ist über das Vertagen nicht hinaus gekommen. Wenn Gott uns zur Buße ruft, dann sagt er “Heute!”  Drusillas Leben fand ein vorzeitiges Ende, als sie mit ihrem Sohn bei den Reichen und Schönen in der Partystadt Pompej dem Ausbruch des Vesuvs zum Opfer fiel. So weiß auch keiner von uns, ob er morgen noch lebt. Aufschieben ist keine Option, wenn es um ewiges Leben oder ewige Verdammnis geht. Nimm Gottes Versöhnungsangebot heute an! Morgen kann es zu spät sein.

Bildquelle: By Lancevortex (Photo taken by Lancevortex) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons