Archiv der Kategorie: Gericht

Der Realismus der Bibel

shield-492996_1920

Ich liebe die Bibel nicht zuletzt darum, weil sie nichts weichzeichnet, auch und vor allem dann nicht, wenn es um das Volk Gottes geht. Ich habe gerade das Buch der Richter durchgelesen. Es ist so realistisch, dass es einem fast übel wird: Ein Gideon, der so gut anfängt und dann selbst die Tür zum Götzendienst wieder aufstößt, Mord und Totschlag unter seiner Nachkommenschaft, ein triebgesteuerter Held Gottes wie Simson, der schließlich blind und gefangen das Mühlrad dreht, synkretistische Kulte in Privatheiligtümern, käufliche Priester, die sich dem Meistbietenden verdingen, Massenvergewaltigung  – eine Abwärtsspirale von  zunehmendem Götzendienst und geistlicher Verwirrung bis dahin, dass sie sich schlimmer aufführen als die Völker um sie her und jegliche Vollmacht verlieren, im Namen ihres Gottes zu handeln.

Was mich so betroffen macht, ist wie “klein” das ganze Elend anfängt: Ein bisschen Trägheit, ein bisschen Vergesslichkeit. Hier ein paar Kanaaniter übrig gelassen und da ein paar Götzen nicht umgehauen …. so wie wir uns manchmal mit “kleinen” Sünden und Halbheiten arrangieren, bis wir sie nicht mehr als solche empfinden. Wenn wir dann Konsequenzen erfahren müssen, heulen, und wenn Gott uns rausgehauen hat, weitermachen wie gehabt. Der Prozess ist nicht plötzlich, sondern schleichend. Irgendwann findet man seinen Zustand normal und fürchtet den Retter mehr als den Feind. Hauptsache, es wird nicht ungemütlich!

So realistisch, wie das Elend und das Böse geschildert werden, so realistisch wird auch die mitleidige Geduld Gottes beschrieben, der es nicht lassen kann, diesem Volk immer wieder Retter zu schicken. Die sind selbst unvollkommene, verdrehte Persönlichkeiten, die neben Gutem fast noch mehr Falsches tun.

Ach, das kommt mir doch alles irgendwie bekannt vor! Gibt es nicht auch unter uns Praktiken und Lehren, bei denen die Grenzen zum Aberglauben und zur Sünde sich immer mehr verwischen, bis wir manchmal schlimmer sind als die Welt? Wir sollten  uns keine Illusionen machen: Gott übt auch an seinen eigenen Leuten Gericht und hasst die Sünde bei Israel nicht weniger als bei den Kanaanitern! Er liebt die, die er erwählt hat, mit einer feuerspeienden Eifersucht – und mit einem unerschütterlichen Erbarmen. Er macht definitiv einen Unterschied zwischen “fremden” und eigenen Kindern: Wenn Gott euch nicht mit strenger Hand erziehen würde, wie er das bei allen macht, dann hätte er euch nicht als Kinder anerkannt (Hebräer 12,8).  Zu ihm zu gehören ist zugleich gefährlich und sicher. Aber nicht zu ihm zu gehören, ist hoffnungs- und heimatlos und endet in einem Gericht, aus dem es keine Rettung mehr gibt.

Predigt-Nachlese: Das Haus muss voll werden!

Predigttext: Lukas 14,15-24

Jesus war am Sabbat eingeladen bei der jüdischen High Society, in das Haus eines Ober-Pharisäers. Hier waren die Experten in puncto Gesetz versammelt, die, die alles richtig machten, und denen dafür (wie sie meinten) Ehre und Wohlstand zukam. Nicht weil sie ihn so nett fanden, hatten sie ihn eingeladen, sondern weil sie darauf lauerten, dass sie ihn bei einem Fehler erwischten, den sie gegen ihn verwenden konnten.

Er beobachtete sie und stellte fest, wie sie nach den Ehrenplätzen gierten, was offenbarte, um was es ihnen ging: Image und Position. Er forderte sie heraus und zeigte ihnen, wie dumm so ein Verhalten ist. Sie hielten es für selbstverständlich, dass sie auch im Reich Gottes zu Tisch sitzen würden. Das hatten sie sich ihrer Meinung nach verdient, denn sie hielten sich an alle Gesetze und Verordnungen, im Gegensatz zu denen, die sie für Abschaum hielten, und mit denen sie nichts zu tun haben wollten.

Nun erzählte Jesus eine Geschichte. Ein Gastgeber plant ein riesiges Bankett mit vielen Gästen. Im Orient war damals eine zweistufige Einladung üblich. Wenn man ein Fest feiern wollte, lud man die Leute ein und plante dann entsprechend ihrer Zusagen, kaufte ein, schlachtete Tiere etc. Wenn dann alles soweit zubereitet war, erging die 2. Einladung: Kommt jetzt, es ist alles fertig!

In Jesu Erzählung nun bereitet der Gastgeber das Mahl für die Geladenen; als es aber so weit ist, lassen sie ihn mit fadenscheinigen Ausreden hängen. Das war gegen alle Etikette und eine große  Beleidigung. Dass es nicht nur einer ist, der absagt, lässt eine Verschwörung vermuten, um das Fest zu torpedieren und dem Gastgeber eins auszuwischen. Zudem waren die Entschuldigungen einfach lachhaft. Wer schaut ein Stück Land an, nachdem er es gekauft hat? Wer probiert die Ochsen aus nach dem Erwerb? Jeder Mensch mit Verstand würde das vorher tun. Und man heiratet normalerweise auch nicht so spontan, dass man es bei der ursprünglichen Einladung nicht schon gewusst hätte. So ist der Zorn des öffentlich zur Schau gestellten Gastgebers nur zu verständlich. Aber wenn die Geladenen auch nicht kommen – das Essen ist bereit, und Gäste wird er haben! Und seine neue Gästeliste entspricht der, die Jesus schon vorher den Pharisäern empfohlen hatte: Lahme, Blinde, Krüppel, Arme. Sie haben keinen Besitz, der sie abhalten könnte, und wenn sie etwas erschreckt und ungläubig reagieren, so werden sie herein genötigt. Der Knecht, der sie ins Haus bringt, hat das Herz seines Herrn verstanden. Er stellt fest, dass noch Plätze frei sind und sagt zu ihm: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast, aber es ist noch Platz für weitere Gäste! Und so geht die Einladung in die nächste Runde, diesmal außerhalb der Stadt, wo alle die Ausgestoßenen leben, die man im Stadtgebiet nicht haben will. Auch sie sollen genötigt werden. Ein Nein aus höflicher Zurückhaltung ist nicht akzeptabel. Das Haus muss voll werden!

Das eine sage ich euch: Keiner von denen, die ich zuerst eingeladen hatte, wird an meinen Tisch kommen! Dieses Fazit des Hausherrn drückt sowohl seinen tiefen Schmerz über die Ablehnung aus als auch seinen berechtigten Zorn über diese Kränkung. So lehnte die Elite Israels die Einladung zur Gnade Gottes durch Jesus ab. Er kam in sein Eigentum, aber sein Volk wollte nichts von ihm wissen (Johannes 1,11 NEÜ). Doch allen, die ihn aufnahmen, die an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden. (V12) Das waren die, die sich ihrer Unwürdigkeit bewusst waren, die sich nach der Gnade sehnten, die “Zöllner und Sünder”. Paulus erinnert die Korinther: Denkt einmal an das, was ihr vor eurer Berufung wart, liebe Geschwister! Da gab es nicht viele, die nach menschlichen Maßstäben weise, einflussreich oder prominent gewesen wären, sondern Gott hat das ausgewählt, was nach dem Maßstab der Welt einfältig und schwach ist – um die Weisen und Mächtigen zu beschämen. Er erwählte das, was in der Welt als niedrig und bedeutungslos gilt; das, was für sie nichts zählt, um das, was für sie zählt, zunichte zu machen (1.Korinther1,26-28 NEÜ). Und schließlich hat Gott auch die Heiden in sein Reich eingeladen, die in den Augen frommer Juden gar kein Anrecht darauf hatten, die – im Bild gesprochen – außerhalb der Stadt ein gottentfremdetes Leben führten.

Gott ist es ernst damit, dass sein Haus voll werden soll. Er wartet immer noch, bis alle seine Gäste Platz genommen haben. Er hat Geduld mit euch, denn er will nicht, dass irgendjemand ins Verderben geht, sondern dass alle Gelegenheit haben, zu ihm umzukehren  (2.Petrus 3,9 NEÜ). Wir sind seine Knechte, die alle mit  Dringlichkeit hereinnötigen sollen. Wer an den Sohn glaubt, wer ihm vertraut, hat ewiges Leben.  Das ist die Einladung. Wer dem Sohn aber nicht gehorcht, wird das ewige Leben nie zu sehen bekommen, denn Gottes Zorn wird auf ihm bleiben (Johannes 3,36 NEÜ). Das Gericht ist die ernüchternde Kehrseite von Gottes großer Barmherzigkeit.

Wirst du die Einladung annehmen?

Predigt-Nachlese: Wer gegen Gott kämpft, ist ein Narr!

Predigttext: Apostelgeschichte 12, 11-25

1. Gottes Ziele können nicht vereitelt werden, und Gottes Macht kann niemand widerstehen

Der Engel hatte Petrus aus dem Gefängnis geführt, und es war ihm nicht so ganz klar, ob er sich in der Wirklichkeit befand oder in einem Traum. Aber schließlich kam er in der Realität an: Gott hat tatsächlich seinen Engel gesandt, und ich bin frei! Die Pläne von Herodes sind zunichte gemacht und die Erwartung der Juden enttäuscht. Was nun? Es wird nicht lange dauern, bis man mein Verschwinden bemerkt und mich sucht! Er musste die Seinen aufsuchen, denn auch für sie war diese Situation gefährlich, und er wusste auch, wo er sie finden würde: Sie waren mit Sicherheit im Haus von Maria zum Beten versammelt.

Als er dort ankommt und ans Tor klopft, kommt Rhode, das Dienstmädchen, und er ruft: Mach auf, ich bin´s, Petrus! Und sie freut sich so, dass es eine Fehlschaltung in ihrem Kopf gibt, und sie die Tür nicht aufmacht, sondern ins Haus läuft und ruft: Petrus steht draußen!  Und was sagen die gläubigen Beter, die um eben dieses Wunder zu Gott gefleht haben? Du hast sie ja nicht alle! Das kann ja gar nicht sein! Aber sie beteuert, dass er es ist; schließlich hat sie ihn ganz deutlich gehört! Dann ist es wohl sein Engel, diskutieren sie, während der arme Petrus draußen steht und klopft und klopft. Als schließlich jemand auf die Idee kommt, vielleicht einfach mal nachzusehen, sind sie alle völlig aus dem Häuschen. Wer hätte das gedacht, dass Gott ihr Gebet so erhört! Petrus muss sie erst mal zur Ruhe bringen, und dann erzählt er ihnen die ganze Geschichte. Aber nun, liebe Geschwister, muss ich weg von hier! Könntet ihr das bitte alles Jakobus und den Brüdern berichten? Und er verabschiedet sich und geht. (Von hier an verlagert sich übrigens der Fokus der Apostelgeschichte von Petrus auf Paulus.)

Dann wird es hell, und die Soldaten stellen fest, was für eine Katastrophe ihnen passiert ist. Die Befreiung von Petrus ist ihr Todesurteil. Der frustrierte Herodes, der nicht zugeben kann, dass Gott stärker ist als er, braucht einen Sündenbock, und das sind natürlich die, die er als Bewacher eingesetzt hat. Statt Buße zu tun, lässt er sie hinrichten.

Und nun ist er reif für die nächste Lektion:

2. Gottes Gericht kann nicht umgangen werden

Wer sich vor Gott nicht demütigen will, arbeitet an seinem eigenen Fall. Herodes reiste nach diesen Ereignissen zurück in seine Residenzstadt Cäsarea. Er hatte Ärger gehabt mit den freien Handels- und Hafenstädten Tyrus und Sidon und  ihnen deswegen die Lebensmittelversorgung abgeschnitten. Nun mussten sie klein beigeben und baten ihn um Frieden. Das war ganz nach seinem Geschmack und blies seinen Stolz so sehr auf, dass er ein Event ansetzte, um das zu feiern. Er bekleidete sich mit seinen königlichen Gewändern, die dem jüdischen Historiker Josephus zufolge aus Silberfäden gewebt waren, und setzte sich auf den Thron, um eine öffentliche Rede an das Volk zu halten. War er durch die Lichtreflektion auf seiner Kleidung so eine strahlende Erscheinung oder war es pure Schmeichelei, auf jeden Fall riefen die Menschen ihm zu: „So spricht ein Gott und nicht ein Mensch!“, und er nahm ihre Huldigung an und widersprach nicht.

Aber Gott teilt seine Ehre nicht, und das Maß war voll. Im gleichen Augenblick aber schlug ihn ein Engel des Herrn, weil er sich als Gott feiern ließ und nicht Gott die Ehre gab. Von Würmern zerfressen starb er unter Qualen. Josephus erzählt, dass er fünf Tage litt.

So musste er am Ende erkennen, dass es Gott ist, der alles unter Kontrolle hat, und dass Gott Widerstand und Hochmut nicht ungestraft lässt. Gott bietet Vergebung und Versöhnung an, aber die Voraussetzung ist immer Einsicht und Umkehr. Wenn wir das nicht wollen, bleibt nur das Gericht. Wie viel schlimmer wird es uns ergehen, wenn wir den ablehnen, der vom Himmel her zu uns spricht …. Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. (Hebräer 12, 25 ff)

Die Pläne des Herodes waren folgende gewesen: Jakobus und Petrus sterben, und seine Macht wird ausgebaut. Die Pläne Gottes sahen vor: Petrus wird weiter leben und dienen, Herodes wird gerichtet,  Jakobus wird die Ehre des Märtyrertodes zuteil und Gottes Macht wird ausgebaut, sein Reich und sein Wort breiten sich weiter aus. Am Ende heißt es: Immer mehr Menschen hörten das Wort Gottes und kamen zum Glauben. Die Pforten der Hölle können die Gemeinde Jesu nicht überwältigen – weder damals noch heute.

Zwei Opfer und ein Mord: Kain und Abel

Manche Geschichten in der Bibel beunruhigen uns wegen dem, was sie nicht erzählen. Im Fall von Kain und Abel bewegt uns die Frage: Warum nahm Gott das Opfer von Abel an, aber das von Kain nicht?

Die Welt war noch jung und das Wissen um Gott noch frisch, als diese beiden geboren wurden. Als Kain zur Welt kam, scheint Eva vor Stolz und Optimismus fast zu platzen: “Ich habe einen Mann erworben mit dem Herrn!” Dieser Junge, fand sie, war eine tolle Errungenschaft – Kain bedeutet: Erworbenes, Gewinn. Und dann kommt Nummer Zwei, und sie nennt ihn Abel: Hauch, Nichtigkeit. War er vielleicht klein und schwächlich?  Oder hat sich ihre Perspektive zwischenzeitlich verändert? Wir wissen es nicht. Fest steht, sie hat diese Namen nicht aus dem Buch der schönsten Vornamen ausgewählt, sondern sie wollte damit etwas aussagen über ihre Kinder. Kannst du dir vorstellen, wie sie sie zu Tisch rief? “He, Gewinn und Nichtigkeit, kommt rein! Das Essen ist fertig!” Ob diese Namen nicht ihre Beziehung zueinander und ihr Bild von sich selbst prägten?

Sie schlugen verschiedene Laufbahnen ein: Kain als Ackerbauer und Abel als Schafhirte. ich habe mich gefragt, warum jemand Schafe züchtete zu einer Zeit, als noch gar kein Fleisch gegessen wurde, denn wenn ich es recht verstehe, wurde Fleisch als Nahrung erst nach der Sintflut eingeführt. Vermutlich dienten die Tiere also nur als Milchquelle und lieferten Felle oder Wolle zur Bekleidung. Der Sündenfall hatte die Scham mit sich gebracht und die Notwendigkeit, für Bedeckung zu sorgen. Abels Schafe waren eine Erinnerung daran. Natürlich wurde auch Kain immer wieder an die große Katastrophe erinnert, wenn er sich mit Disteln und Dornen abplagte, aber er überwand sie durch die Kraft seiner Arme und trotzte dem Erdboden die Feldfrucht ab.

Beiden Brüdern  war Gott nicht egal, und sie sehnten sich nach seinem Wohlgefallen. Deshalb brachten sie auch beide ein Opfer. Kain brachte Gott etwas dar von dem, was er angebaut hatte, und Abel nahm etwas von den Erstgeborenen seiner Herde und schlachtete es für Gott. Wie sie auf die Idee kamen, so etwas zu tun, wird uns nicht gesagt; es scheint irgendwie im Menschen drin zu stecken, durch ein Opfer mit Gott in Beziehung zu treten. Und nun steht im Hebräerbrief (11,4): Durch den Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain. Gott nahm Abels Opfer an, um zu zeigen, dass er in seinen Augen gerecht gesprochen war. Im Umkehrschluss heißt das: Kain brachte sein Opfer nicht durch Glauben dar! Aber er glaubte doch, oder bringen etwa Ungläubige Opfer für Gott?! Es scheint also zwei Arten Glauben zu geben! Und es scheint Opfer zu geben, die Gott akzeptiert, und solche, die er nicht akzeptiert. Dem einen Opfernden sagt Gott: Ich nehme dich an, du bist vor mir gerecht! und dem anderen zeigt er die kalte Schulter. Dabei hat der so hart dafür gearbeitet!

Was war das denn für ein Glaube, durch den Abel das bessere Opfer brachte? Glaube ist das feste Vertrauen auf Gottes Versprechen, obwohl man nichts davon sieht. Die Glaubens-Menschen, von denen im 11. Kapitel des Hebräerbriefs die Rede ist, kennen den unsichtbaren Gott. Sie rechnen mit seinen Zusagen und bauen ihr ganzes Leben darauf. Welche Zusage von Gott kannte Abel denn überhaupt? Wohl doch die, die Gott seinen Eltern gegeben hatte: Dass ein Erlöser kommen sollte, der die Schlange überwinden würde! Wer das glaubt, erkennt an, dass er einen Erlöser braucht, dass er sonst verloren ist, und Abel, der nichtige Hauch, hatte damit kein Problem. Er kam zu Gott als ein  versöhnungsbedürftiger Sünder und empfing Gnade. Denn das ist Gottes “Grundgesetz”: „Gott widersetzt sich den Hochmütigen, nur den Demütigen erweist er Gnade“ (1. Petrus 5,5) . Obwohl das nicht ausdrücklich so gesagt wird, kann man annehmen, dass Abel durch diesen Glauben auch die Einsicht gewann, dass nur ein Schlachtopfer ihm Zugang zu Gott geben konnte, denn ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung (Hebräer 10,22).

Nun wurde Kain aber zornig! Wenn einer unverdient Gnade empfängt, während der, der sich abmüht, leer ausgeht – das ist schwer zu verkraften. Kain ist da nicht der Einzige – er kann  mit allen Pharisäern und Selbstgerechten dieser Welt einen Verein gründen. Gott sah die schwarze Lava in seinem Herzen aufsteigen, und in seiner Freundlichkeit versuchte er, ihn zur Einsicht und Umkehr zu bringen, aber Kain ignorierte ihn. Die Katastrophe nahm ihren Lauf: Er lockte seinen Bruder aufs Feld und erschlug ihn. Auch das hat sich seither vieltausendfach wiederholt. Wer auf Gottes Ermahnung zur Umkehr nicht hört, dessen Herz wird hart und härter, bis er Dinge tut, die man nicht mehr ungeschehen machen kann.

Gott lässt den Mord zu, wie er auch den Mord an Seinem Sohn zuließ und wie er die Verfolgung von Christen in Vergangenheit und Gegenwart nicht verhindert hat. Aber während Abels Blut Kain vor Gott anklagte, bewirkt Jesu Blut Vergebung für alle, die ihre Bedürftigkeit demütig zugeben können.

Bist du Kain oder Abel?

Was macht Jesus eigentlich im Himmel?

Heute ist Himmelfahrtstag. Für viele Menschen ist es einfach “Vatertag”, weil sie mit “Christi Himmelfahrt” wenig bis nichts anfangen können. Der Himmel mitsamt Christus ist weit weg, denken sie. Was hat das mit mir zu tun, falls es überhaupt wahr ist?

Ja, was macht Jesus eigentlich im Himmel? Hat er sich dahin verzogen, weil die Welt ihn nicht mehr interessiert?

  • Er regiert an Gottes Seite. Er hat alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Zur Zeit benutzt er seine Macht, um seinem Evangelium den Weg bis in den letzten Winkel der Welt zu bahnen. Er schickt seine Leute wie Schafe unter die Wölfe, um seinen Feinden Vergebung anzubieten und sie mit seiner Liebe bekannt zu machen. Er zieht Menschen zu sich auf unendlich vielen individuellen Wegen, aber immer durch sein Wort. Dadurch baut er sein Reich und sammelt sein Volk. Noch wird seine Herrschaft in dieser Welt nicht akzeptiert, er herrscht inmitten seiner Feinde.
  • Er “pflegt” seine Gemeinde auf der Erde. Durch den Geist, den er den Gläubigen geschickt hat, baut er sie auf, erinnert sie an seine Worte, korrigiert und reinigt sie, gibt ihnen Anweisungen, tröstet sie in allen Widrigkeiten und Nöten. Er gibt ihnen geistliche Gaben und setzt Menschen ein, um seine Gemeinde zu versorgen. Gleichzeitig vertritt er die Seinen im Himmel vor Gott und erwirkt ihnen die Vergebung ihrer Sünden. Er ist der ständige Vermittler zwischen Gott und uns.
  • Denen, die ihm vertrauen, bereitet er “Wohnungen” bei Gott. Er ist unser Vorläufer, der garantiert, dass wir in unserem himmlischen Vaterland ankommen, unser Hoffnungs-Anker im Himmel.
  • Er wartet auf den Zeitpunkt seiner Wiederkunft auf die Erde. Dann wird seine Herrlichkeit für jeden sichtbar sein, und auch die Widerspenstigen werden sich ihm unterwerfen. Dann wird alles zurechtgerückt: Er wird seine Diener belohnen und seine Feinde bestrafen. Dann heißt es: „Jetzt gehört die Herrschaft über die Welt unserem Herrn und seinem Messias! Und er wird in alle Ewigkeit regieren!“(Offenbarung 11,15)

Dass man Jesus jetzt nicht sieht, heißt nicht, dass man ihn nicht erleben kann! Man kann, das können viele bezeugen, die seinem Wort geglaubt haben. Und schon gar nicht heißt das, dass man ihn etwa nicht ernst nehmen müsste, denn er wird wiederkommen, und dann kommt er als Richter. Und jeder wird seine Knie vor ihm beugen.

Predigt-Nachlese: Stephanus vor seinen Anklägern

Predigttext: Apostelgeschichte 6,77,36

Die internen Probleme, die in der ersten Gemeinde auftauchten, stellten kein Hindernis für ihr Wachstum dar. Sie wurden angegangen, boten eine Gelegenheit zum Dazulernen und zur  Verbesserung der Struktur. Viele Priester kamen zum Glauben. Es ist ein Vorteil, mit dem Alten Testament vertraut zu sein, dem Symbolismus der Opfer, der Stiftshütte, des Tempels. Alles im Gesetz weist auf die Notwendigkeit eines endgültigen Opfers hin. Sie erkannten in Jesus das Lamm Gottes und ihren Messias und wurden wahre Söhne Abrahams.

Aber es gab natürlich auch die andere Seite, z.B. die aus der Synagoge der Libertiner. Sie legten sich mit Stephanus an, der einigen Einfluss auf das Volk hatte. Obwohl er als Diakon berufen wurde, um seinen Glaubensgeschwistern in praktischer Weise zu dienen, hatte er auch andere Gaben, und Gott gebrauchte ihn, um im Namen Jesu Zeichen und Wunder zu tun. Dass sie gegen seine Weisheit und geistliche Vollmacht nicht die Oberhand gewinnen konnten, regte sie nur um so mehr auf, und ihr Hass brachte sie dazu, ihn zu verleumden und falsch anzuklagen.

Doch als er vor dem Hohen Rat stand, und sie ihn ansahen, sahen sie ganz deutlich, dass Gott hinter ihm stand. Wenn es heißt, dass sie sein Gesicht sahen “wie eines Engels Angesicht”, so spiegelte sich darin die Herrlichkeit und Autorität Gottes. Und im Auftrag Gottes verkündet er ihnen beides, Gericht und Gnade. Er geht zurück in die Geschichte Israels und beginnt bei Abraham. Am Beispiel Josefs und Moses zeigt er ihnen, dass schon ihre Väter mit Unverständnis und Ablehnung reagierten, wenn Gott ihnen einen Retter sandte. Ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie, die Söhne, jetzt auch in ihrer geistlichen Blindheit den Messias verpassen? Mit dem Wort Gottes versucht er, sie zu überführen von der ererbten Rebellion in ihren Herzen, die sie hindert, Jesus als den Christus zu erkennen.

Aber sie wollen Gott nicht Recht geben. Die Wahrheit löst nur unbändigen Hass in ihnen aus. Wer mit der Wahrheit Gottes konfrontiert wird, muss sich entscheiden, und es gibt nur zwei Alternativen: Man erkennt sie an und kehrt um, oder man macht sein Herz hart und stößt sich selbst noch weiter in die Entfremdung von Gott.

Sie stürzen auf Stephanus los und steinigen ihn zu Tode, und er bittet Gott um Vergebung für sie. Er hat ihnen das alles nicht gesagt, weil er ihnen das Gericht wünscht, sondern weil er sie mit Gott versöhnen und zusammenbringen will – und der Weg dahin führt immer über die Erkenntnis der eigenen Schuld.

Mit dabei ist Saulus, der spätere Apostel Paulus. Er ist ein glühender Christenhasser, und wird sich in der darauffolgenden Zeit als Verfolger der Gemeinde noch besonders profilieren – bis sich der letzte Wunsch des Stephanus an ihm erfüllen und er eine völlige Kehrtwende machen und die Staffel aufnehmen und selber in den “Dienst der Versöhnung” eintreten wird, den Gott den Seinen aufgetragen hat.

Predigt-Nachlese: Gut beraten?

Predigttext: Psalm 1

Der Druck unserer Kultur, uns ihrem Wertsystem und ihrer Denkweise anzupassen, wird immer militanter. Wir alle, aber besonders die Jugend, sehen uns einer ständigen Gehirnwäsche ausgesetzt. Auch bei denen, die in einem christlichen Umfeld aufwachsen, lässt sich beobachten: Die einen bleiben auf dem Weg Gottes, die anderen geben nach, stolpern von Kompromiss zu Kompromiss und gehen schließlich ganz in dieser Welt auf.

Warum dieser Unterschied? Psalm 1 gibt uns Auskunft.

In Vers 1 heißt es: Wohl dem, der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, wo die Spötter sitzen. Der Umkehrschluss sieht so aus: Wenn ein Mensch schlechtem Rat folgt, den Rat der Bibel verwirft und meint, es besser zu wissen, steht er mit dem nächsten Schritt auf dem Weg der Sünder. Irgendwann ist er dann fest etabliert im Kreis der Spötter, völlig abgekommen vom Weg zum Leben.

Der gesegnete Mensch dagegen ist ein Mensch der Bibel, nicht nur sonntagsmorgens, sondern Tag und Nacht. Jesus lebt in seinem Herzen, und durch sein Wort hat er ständig Gemeinschaft mit ihm. Er flieht den Rat der Gottlosen wie Josef, selbst wenn er einen hohen Preis dafür bezahlen muss. Er hält sich fern von einem destruktiven, widergöttlichen Lebensstil. Er schottet sich nicht von den Menschen ab, aber er will sich nicht hineinziehen lassen in die Sünde. Er passt auf, was er anschaut und anklickt, was ihn beeinflusst, was er mitmacht, auf was er hört. Er sucht die Gemeinschaft der Kinder Gottes, wo man einander mit Gottes Wort ermahnt und ermutigt.

Unser Psalm vergleicht ihn mit einem Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht zu seiner Zeit bringt, und dessen Blätter nicht verwelken. Ein Baum kann sich nicht selber pflanzen. Im Leben dieses Menschen hat ein Werk Gottes stattgefunden. Er hat sich mit seiner Schuld an seinen Erlöser gewendet, und der hat ihn ans Lebenswasser gepflanzt und versorgt ihn damit. Schwierigkeiten bringen ihn nicht ab von seinem Gott, er findet immer Grund, Gott zu danken! Aus seinem Leben kommt die Frucht des Geistes, Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung (Galater 5,22) hervor, und er ist ein Segen für andere.

Wer zu Christus gekommen ist in der Hoffnung auf ein besseres Leben in dieser Welt und nicht, weil er Vergebung seiner Sünden gesucht hat, der wird sich als Spreu erweisen, die fortweht, wenn die Schwierigkeiten des Lebens über ihn hinwegfegen. Wer seine Ohren dauerhaft gegen die Wahrheit Gottes verschließt, wird im letzten Gericht ohne Verteidigung sein. Er kann nicht mit dem Volk Gottes zusammen in der Herrlichkeit leben. Aber der Herr kennt den Weg der Gerechten, er hat ihn im Blick – auch mitten im Leiden ist er geborgen. Dieser Mensch gehört zu ihm für alle Ewigkeit.