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Zachäus und ich

bible-2695615_1280Dass er immer einen Kopf kleiner war, als die anderen, mag ihm in seiner Jugend manche Hänselei eingetragen haben. Aber er hatte es ihnen allen gezeigt. Die Römer hatten ihn mit der Macht eines Ober-Zolleinnehmers ausgestattet, und er hatte sich damit ein privates kleines Imperium aufgebaut. Die “Sonder- und Strafgebühren”, die in seine eigene Tasche flossen, hatten ihn reich gemacht. Wie alle anderen Zolleinnehmer war er im Volk unbeliebt, weil er mit der verhassten Besatzungsmacht nicht nur kooperierte, sondern seine Position schamlos ausnutzte.

Er hatte von Jesus gehört. Ein interessanter Mann. Manche hielten ihn für den Messias. Er heilte und sprach vom Reich Gottes. Wie man hörte, mied er die Zöllner und Sünder nicht und predigte gegen die Heuchelei und Selbstgerechtigkeit der Pharisäer. Man sagte aber auch, dass er vor den Gefahren des Reichtums warnte und selbst nichts besaß und keinerlei finanzielle Interessen verfolgte. Und er sollte heute nach Jericho kommen.

Ich möchte ihn gerne mal mit eigenen Augen sehen, dachte Zachäus, selbst hören, was er sagt, und ob das alles so ist, wie man erzählt. Als er sich allerdings der Volksmenge näherte, erkannte er sein Problem. Nach vorne durch würde er nicht kommen, und hinten konnte er nichts sehen, weil er so klein war. Es gab nur eine Lösung: Er musste auf einen Baum steigen. Ein bisschen peinlich vielleicht, aber egal! Vielleicht bekam er diese Chance nie wieder.

Und da sah er ihn, umgeben und eingezwängt von Menschentrauben, die ihn hören, sehen und anfassen und ihre Anliegen vortragen wollten. Und just unter seinem Baum blieb er stehen, blickte hoch und sagte: Zachäus, komm schnell da runter! Ich muss heute bei dir übernachten! Ich stelle mir vor, dass das Herz des Zachäus für einen Moment stillzustehen schien und dann wie wild zu klopfen begann. Er kennt mich? Er will mich besuchen? Er weiß meinen Namen? Wenn er meinen Namen weiß, weiß er auch, wer ich bin und was ich getan habe.

Der Name Zachäus bedeutet tatsächlich der Gerechte, Reine, Unschuldige. Vielleicht hatten sich seine Eltern das für ihn gewünscht. Und nun, als Jesus seinen Namen aussprach und sich bei ihm einlud, lag da so viel Hoffnung drin, dass er genau das werden könnte, dass es Vergebung und eine Chance zur Umkehr für ihn gab. Eine große Freude erfüllte ihn. Von Jesus angenommen zu sein, hieß, bei Gott angekommen zu sein.

Er rutschte im Eiltempo von diesem Baum herunter. Ja, schrie sein Herz und sagte sein Mund, komm zu mir! Alles, was ich bin und habe, soll dir gehören, denn du heilst mich von Schuld und Scham und dem Ausgestoßensein vom Volk Gottes!

Die Umstehenden aber regten sich auf, nicht über Zachäus, sondern über Jesus. Sonderbare Freundschaften pflegte dieser angebliche Sohn Gottes! Sollte der Messias sich nicht weghalten von den Sündern und vor allem von solchen, die mit Rom paktierten? In den Kategorien ihrer “Sündenschubladen” war Zachäus “unterste Schublade”.

Zachäus aber platzte fast vor Freude. Ihm war vergeben. Und deswegen verspürte er plötzlich ein tiefes Bedürfnis, Dinge in Ordnung zu bringen und seinem neuen Herrn Ehre zu machen. Prioritäten hatten sich in einem Augenblick total verschoben. Geld war nicht mehr wichtig, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit und Gott zu gefallen war wichtig. Und es war überhaupt nicht mehr schwer, sich vom Geld zu trennen, denn es war Überflüssig geworden. Er musste sich nicht mehr durch seinen Reichtum und seine Macht definieren.

Herr, sagte er zu Jesus,  ich gebe die Hälfte meiner Güter den Armen, und was ich durch falsche Anklage genommen habe, werde ich vierfach erstatten!  Jesus hatte kein Wort davon gesagt, aber Zachäus Herz war verändert. Er war frei geworden.

Jesus bestätigte ihm das noch mal: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren. Auch Zachäus ist ein Sohn Abrahams. Der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Das war der Identitätswechsel: Der Verlorene war ein Geretteter geworden, der Ausgestoßene wiederhergestellt als Sohn des “Vaters des Glaubens”.

Die Geschichte erinnert mich an mich selbst. Nie werde ich den Augenblick vergessen, als es in mich einsank, dass mir vergeben ist. Ich hatte Gott noch nicht einmal drum gebeten. Wie auch, ich dachte ja, er sei mein Feind! Aber er kam mir entgegen und sagte: Ich nehme dich auf. Überwältigt von seiner Liebe war ich bereit, mein Leben auf den Kopf zu stellen, alles rauszuschmeißen, was ihm missfiel und zu tun, was er sagen würde. Das alles änderte sich in einem einzigen Augenblick, als ich ihm glaubte. Es war nicht so, dass ich mich erst verbesserte und allmählich ein Christ wurde (das hatte ich lange versucht und längst aufgegeben). Es war noch nicht mal so, dass ich erst ein Sündenbekenntnis ablegte oder um Vergebung bat. Das kam später. In diesem einen kleinen Moment, als ich seine Liebe dankbar im Glauben annahm, war ich geheilt und gerettet. Wie Zachäus.

Die Geschichte steht in der Bibel in Lukas 19.

Wenn Gott jubelt und im Himmel eine Party steigt (Predigt-Nachlese)

Bibeltexte: Epheser 2,8-10 und zur Illustration Lukas 15,11-32

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Als Paulus sein Abschiedsgespräch mit den Leitern der Gemeinde von Ephesus führte, sagte er ihnen:

“Und nun vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an … “ (Apg 20, 32)

Hier im Brief an die Epheser erklärt er noch einmal, was Gnade ist: Gott hat uns gerettet auf Grund seiner Liebe. Wir waren verloren und tot in unseren Sünden. Was kann ein Toter tun, um sich wieder zum Leben zu erwecken? Gar nichts. Gott hatte den Plan und die Initiative für unsere Erlösung, und Gott hat ihn durchgeführt. Ohne dass wir etwas beitragen können, gibt er uns das Leben durch Christus umsonst.

Damit wir uns das in etwa vorstellen können, hat Jesus die Geschichte von einem Vater und seinen zwei Söhnen erzählt. Seine Zuhörerschaft setzte sich zusammen aus zwei Sorten Menschen: Aus denen, deren sündiges Leben offensichtlich war, und den Pharisäern, die ein Leben nach höchsten moralischen und religiösen Standards führten.

Und nun erzählt Jesus von dem jüngeren Sohn. Er wollte sich vom Vater lösen und verlangte die vorzeitige Auszahlung des Erbes, damit er damit ein Leben nach seinem Geschmack führen konnte. Der Vater teilte den Söhnen das Erbe, und der Sohn machte sich auf in die Welt. Die Sache ging schief. Er landete bankrott und kaputt bei den Schweinen, deren Futter er noch nicht mal essen durfte – sie waren wertvoller als er. In diesem Sohn erkannten die Sünder sich und ihr Leben wieder. Ja, so fühlt sich das an, wenn man alles in den Sand gesetzt hat und im Loch hängt und nichts und niemand mehr hat! Und die Pharisäer dachten: Recht geschieht ihm! Wäre er mal anständig und zuhause geblieben! Hätte er mal Gottes Gebote gehalten und seinen Vater geehrt!

in der Hungersnot und mitten im Dreck kommt er zur Besinnung. Er hat´s vergeigt, und er ist am Ende. Warum nur ist er von zu Hause weg? Da ging es selbst den Aushilfskräften besser! Und der Entschluss reift: ich geh nach Hause! ich bin nicht mehr wert, sein Sohn zu sein, aber vielleicht erbarmt er sich meiner und lässt mich für sich arbeiten?

Was er nicht weiß: Der Vater hat die ganze Zeit gelitten. Er hat auf ihn gewartet und Ausschau gehalten, und als er ihn am Horizont auftauchen sieht, rennt er ihm entgegen, was die Füße tragen. Der Sohn kann sein Sündenbekenntnis gar nicht vollenden, da werden ihm schon die Lumpen ausgezogen. Ein neues Gewand muss her und ein Ring und Schuhe, und schon sitzt er frisch gewaschen und wie neu an der Festtafel, und die “Du bist wieder zu Hause” -Party steigt mit Kalbsbraten, Musik und Tanz!

Ja, was für eine Musik in den Ohren verlorener Sünder: Der Vater vergibt uns alles, was wir getan haben! Er nimmt uns an! Aber dem älteren Bruder, der immer brav daheim geblieben ist, geschuftet hat wie ein Pferd und – wenn auch manchmal zähneknirschend – alles immer richtig gemacht hat, dem gefällt diese Musik gar nicht. ist dieser Schuft von einem Bruder etwa mehr wert als er? Der hätte seinetwegen da verrecken können, wo der Pfeffer wächst!

Das ist der Skandal der Gnade, der auch den Pharisäern wie Sand zwischen den Zähnen knirscht. Wie – es geht nicht nach Verdienst? Meine ganze Mühe gilt nichts? Das ist eine Unverschämtheit! Ihre Selbstgerechtigkeit lässt sie nicht erkennen, dass sie in Gottes Augen gerade so verdorben sind wie die, die sie als Sünder bezeichnen, denn Gott schaut tiefer und durchleuchtet die Motive unseres Herzens. Jeder Mensch, egal wie moralisch er zu leben versucht, hat nur eine Chance: Sich die Gnade Gottes gefallen zu lassen! Wer dazu zu gut ist, der bleibt verloren.

Deswegen hat Jesus die Geschichte erzählt. Wie gerne wollte er den Pharisäern die Augen öffnen, dass sie sich als die sähen, die sie wirklich waren! Wie gerne will er uns die Augen öffnen! Gnade zu erweisen, zu vergeben, seine Arme für uns auszubreiten, ist Gottes größte Freude. Er muss dazu nicht überredet werden, und wir müssen uns und ihn nicht mit Selbstverbesserungsversuchen aufhalten. Er jubelt, wenn wir umkehren, und der Himmel feiert ein Fest!

Und dann ändert sich unser Leben. Gnade macht gnädig gegen unsere Mitmenschen. Wir werden fähig zu vergeben und zu lieben. Wir fangen an, den Vater zu imitieren. Wir wollen ihm gefallen, weil wir ihn lieben, und wir wollen ihm dienen, weil wir so dankbar sind für die Gnade  – und weil es überhaupt nichts Besseres gibt, als bei ihm zu Hause zu sein.

Deshalb: Komm heim! Der Vater wartet auf dich!

 

Übrigens, wer die Predigt im Original anhören möchte, kann das hier tun.

Predigt-Nachlese: Noahs Glaube

 

Predigttext: Hebräer 11,7noahs-ark-313735_1280

Noah kennt irgendwie jeder. Fast in jedem Kinderzimmer findet man die Arche mit den Tierpärchen und Bilderbücher zum Thema ! Verfilmt wurde die Geschichte auch, allerdings nicht so, wie sie sich nach der Bibel zugetragen hat.

Die Bibel zeigt uns Noah als einen Menschen, von dessen Glauben wir lernen können:

Durch Glauben baute Noah, als er eine göttliche Weisung über das, was noch nicht zu sehen war, empfangen hatte, von Furcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses. Durch ihn verurteilte er die Welt und wurde Erbe der Gerechtigkeit, die nach dem Glauben ist.

Noah muss in den Augen seiner Zeitgenossen ein ziemlich schräger Typ gewesen sein. Er baute ein riesiges Schiff auf dem Trockenen! Es war völlig unvorstellbar, zu was das einmal gut sein sollte, denn nicht nur gab es da, wo er war, kein Meer, auf dem das Ding schwimmen hätte können – noch viel unvorstellbarer war eine Flut.

Unter seinen Mitmenschen war er aber auch sonst ein Fremdkörper. Sie ignorierten Gott völlig.

Jahwe aber sah, wie groß die Bosheit der Menschen auf der Erde war. Ihr ganzes Denken und Streben, alles, was aus ihrem Herzen kam, war immer nur böse. Da beklagte Jahwe es, den Menschen erschaffen zu haben, und es schmerzte ihn bis in sein Innerstes hinein. (1.Mose 6,5,6 NEÜ)

Noah dagegen lebte mit Gott. Er wird als gerecht und untadelig beschrieben, was nicht bedeutet, dass er perfekt und ohne Fehler war. Aber er war in der ihn umgebenden Kultur der Gottlosigkeit der Einzige, der sein Leben nach Gott ausrichtete und ihm nicht den Rücken kehrte. So sollen auch wir uns abheben und als Kinder Gottes

ein reines, vorbildliches Leben führen in einer dunklen Welt voller verdorbener und verirrter Menschen, unter denen euer Leben wie ein helles Licht leuchtet. (Philipper 2,15 NEÜ)

Wir können nicht an allem teilhaben, was diese Welt so tut – und dann steht man manchmal allein. Noah zeigt uns, dass es mit Gott an unserer Seite nicht einfach, aber möglich ist!

In seinem Glauben stützte sich Noah auf nichts anderes, als das was Gott gesagt hatte, auch wenn er es noch nicht sehen konnte. Es ging über seine Erfahrung weit hinaus und war mit seiner Logik nicht zu fassen, aber er vertraute darauf. Über einen Zeitraum von 120 Jahren investierte er sein Leben in den Bau dieses riesigen Schiffes angesichts von Unverständnis, Spott und Gleichgültigkeit seiner Zeitgenossen, die weiterlebten wie bisher – und sah kein einziges Wölkchen am Himmel, das ihn und seine Gerichtsbotschaft bestätigt hätte.

Und dann, als alles beendet war, kam die Flut plötzlich und unerwartet und dauerte ein Jahr. Es gab keine Entkommen und kein Überleben außer für die, die vor dem Gericht in die Arche gegangen waren.

Gott wird diese Welt noch einmal richten. Auch diesmal lässt er es vorher verkündigen.

Der Tag des Herrn wird so unerwartet kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel unter schrecklichem Lärm vergehen, und alles wird sich in Flammen auflösen; und die Erde wird mit allem, was auf ihr ist, dem Gericht ausgeliefert werden. (2.Petrus 3,10 NEÜ)

Die Arche, die er anbietet, ist Jesus Christus. Wenn wir unser Vertrauen in ihn setzen, werden wir gerettet. Dieses Vertrauen wird sich dann auch ganz praktisch zeigen. Unser Leben wird sich ändern. Statt dem Glück in dieser Welt nachzujagen, werden wir in die Ewigkeit investieren, in Dinge, die wir noch nicht sehen. Wir werden danach streben, Gott durch sein Wort immer besser kennenzulernen und ihm zu gefallen.

Wenn aber alles um uns her sich auf diese Weise auflösen wird, wie viel mehr solltet ihr dann ein Leben führen, das heilig ist und Gott ehrt! Ihr solltet diesen Tag erwarten und ihn herbeisehnen – den Tag, an dem Gott den Himmel in Brand setzt und die Elemente in den Flammen zerschmelzen. Wir aber erwarten den neuen Himmel und die neue Erde, die er versprochen hat. Dort wird Gottes Gerechtigkeit herrschen. Bemüht euch deshalb darum, liebe Freunde, ein reines und tadelloses Leben im Frieden mit Gott zu führen, während ihr auf dies alles wartet. Und denkt daran: Gott wartet, damit die Menschen gerettet werden. (2.Petrus 3,11-15)

Predigt-Nachlese: Ist dein Glaube tot oder lebendig?

Predigttext: Jakobus 2

centimeter-15656_1280Auf das Wort Gottes zu hören und zu sagen, dass man daran glaubt, ohne auch danach zu handeln, ist Selbstbetrug. Es genügt auch nicht, zu wissen, was wahr ist. Jakobus sagt es ganz brutal: Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt. Gut! Aber die Dämonen glauben das auch – und zittern vor Angst. Echter “lebendiger” Glaube hat Konsequenzen.

Der Jakobusbrief ist voller praktischer Prüfsteine für unseren Glauben. Im 2. Kapitel geht es  um “Ansehen der Person”. Wie bemessen wir den Wert eines Menschen? Nach seinem Aussehen und seinem Geldbeutel, nach den Vorteilen, die wir aus ihm ziehen können? Jakobus stellt unser Wertsystem auf den Kopf und fragt: Sind es nicht gerade die Reichen, die euch tyrannisieren? Ziehen nicht sie euch vor die Gerichte? Sind nicht sie es, die den guten Namen dessen, dem ihr gehört, in Verruf bringen? Wenn wir an einen Gott glauben, der die Armen und Verachteten auserwählt hat, die Wahrheit zu erkennen und reich im Glauben zu sein – warum handeln wir dann nicht dementsprechend? Warum stecken wir Menschen nach äußeren Kriterien in Schubladen? Bevorzugung und Parteilichkeit, das macht Jakobus ganz klar, ist Sünde! Wenn wir selbst doch auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sind, sollten wir sie dann nicht auch für andere haben?

Um zu zeigen, was echter Glaube ist, nimmt Jakobus Abraham als Beispiel. Wurde unser Stammvater Abraham nicht wegen seines Handelns als gerecht betrachtet – eben weil er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte? Das Vertrauen Abrahams zu Gott zeigte sich in einem “Werk”. Genauso war es bei Rahab. Sie versteckte die Spione aus Glauben, und dieses “Werk” führte zu ihrer Rettung. Ist das nun ein Widerspruch zu dem, was Paulus den Ephesern schreibt:

Denn durch die Gnade seid ihr gerettet worden aufgrund des Glaubens. Dazu habt ihr selbst nichts getan, es ist Gottes Geschenk und nicht euer eigenes Werk. Denn niemand soll sich etwas auf seine guten Taten einbilden können (Epheser 2,8.9)?

Müssen wir doch etwas tun, um gerettet zu werden?

Auch für Jakobus ist es der Glaube, der rettet, und nicht die Werke. Aber der echte Glaube erweist sich durch das, was man tut. Er bringt Frucht. Wer in Jesus ist, ist wie eine Rebe am Weinstock. Niemand kann irgendein Gott wohlgefälliges “Werk” produzieren ohne Jesus, und zu Jesus kommen wir durch den Glauben. Wenn aber unser Glauben keine Frucht zeigt, dann haben wir Jesus nie gekannt. Wie der Körper ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne die Werke tot, aber die Lebensverbindung zu Jesus bewirkt, dass wir einander lieben, nicht nur mit “Blabla”, sondern auch mit Taten.

Predigt-Nachlese: Der Blick in den Spiegel

Predigttext: Jakobus 1,9-27

file0001814974274Das Kernthema des Jakobusbriefs ist in Jak.1,22 zusammengefasst:

Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen.

Unser Glaube, wenn er echt ist, muss sich in der Tat bewähren. In den vorhergehenden Versen werden wir aufgefordert, uns zu freuen, wenn unser Glaube in Schwierigkeiten erprobt wird. Diese Prüfungen zeigen uns unser eigenes Herz – dass wir ohne Gott nicht sind und nichts können – und erziehen uns zu einem bewährten, erwachsenen Christsein.

Der arme Bruder soll sich seines Reichtums bewusst sein und der reiche seiner Vergänglichkeit. Durch Christus sind wir zu Kindern und Erben gemacht und Anwärter auf die ewige Herrlichkeit. Reichtum in dieser Welt ist nicht per se etwas Schlechtes, wenn es uns klar ist, wie flüchtig er ist, und dass er uns anvertraut ist, um damit Gutes  zu tun. Gefährlich ist er, wenn er uns die Abhängigkeit von Gott vergessen lässt. Deswegen weist Jakobus uns darauf hin: Ob reich oder arm – wir sind nichts in uns selbst.

Versuchung gibt uns die Gelegenheit zur Bewährung. Wir sollen aber wissen, dass Gott uns nicht zum Bösen versucht.  Er ist ein guter Gott – nicht wie die heidnischen Götter, die ein böses Spiel mit den Menschen treiben und versuchen, sie reinzulegen. Kein Schatten fällt auf seinen vollkommen reinen Charakter. Sein Ziel ist nie, uns auf einen falschen Weg zu locken, Allerdings lockt und verführt uns unsere eigene Lust zur Sünde. Die Folge der Sünde ist geistlicher Tod, aber Umkehr ist immer möglich!

Ein Punkt, wo wir mit der Sünde schnell bei der Hand sind, ist der Zorn. Zorn führt zu nichts Positivem.Wie schnell kommen uns doch zornige, verletzende Worte über die Lippen. Immer wieder warnt uns Jakobus vor leichtfertigem, ungezügeltem Gebrauch unserer Zunge. Vor dem Reden sollte stets das geduldige Zuhören stehen.

Was das Hören des Wortes Gottes betrifft, so gibt es allerdings eine Gefahr, nämlich die, es wirkungslos an uns ablaufen zu lassen. Das ist so, sagt Jakobus, als ob du morgens in den Spiegel guckst und siehst, dass du ganz fürchterlich  zerzaust und schmutzig und verquollen bist. Und dann sagst du nur “okay” und gehst so aus dem Haus. Dafür ist ein Spiegel nicht da. Er zeigt dir, wie du aussiehst, damit du was daran änderst! Gott hält uns den Spiegel vor, damit wir darauf reagieren und unser Leben ändern. Wenn nach dem Spiegel nichts passiert, dann ist Selbstbetrug die Ursache! Jesus stellt die Frage:

 Was nennt ihr mich aber »Herr, Herr« und tut nicht, was ich sage?

Das ist tatsächlich ein sehr unlogisches Verhalten und etwa genauso verrückt, wie ein Haus auf Sand zu bauen, wo es der nächste Wolkenbruch wegschwemmt.

Ein verändertes Herz zeigt sich in dem, was wir tun, z.B. so.

Eine reine und makellose Frömmigkeit vor Gott, dem Vater, ist es, Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen und sich von der Welt unbefleckt zu bewahren.

Es geht nicht darum, durch das was man tut, vor Gott gerecht zu werden. Es geht auch nicht um (unmögliche) Perfektion. Es geht darum, Selbstbetrug und religiöse Heuchelei aufzugeben und das Leben von Gott reinigen zu lassen. Jakobus will uns zur Selbsterkenntnis bringen und uns zu Jesus treiben, der uns von innen heraus neu machen kann, damit wir das tun können, was Gott gefällt.