Archiv der Kategorie: Hebräerbrief

Den Wettkampf durchhalten und nicht müde werden (Predigt-Nachlese)

 

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Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet! Hebräer 12,1-3

Die Menschen, an die dieser Brief geschrieben worden ist, sind entmutigt. Irgendwie haben sie nicht damit gerechnet, dass ihnen der Glaube an Jesus so viele Schwierigkeiten und Verfolgungen einbringen würde. Sollte es ihnen nicht gut gehen, wenn sie das Richtige taten? War Gott vielleicht unzufrieden mit ihnen? Sollten sie vielleicht lieber zurückkehren zur judaistischen Religion, aus der sie sich herausbekehrt hatten? Sie brauchen Ermutigung und die richtige Blickrichtung, den Blick auf Jesus.

Im 11. Kapitel werden sie an ganz viele Menschen erinnert, die vor ihnen den Glaubenslauf gelaufen sind. Was sie dabei antrieb, war nicht der Wunsch nach irdischem Wohlergehen. Mose entschloss sich

lieber zusammen mit dem Volk Gottes geplagt zu werden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung. Hebräer 11,25

Andere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, um eine bessere Auferstehung zu erlangen. Andere aber wurden durch Verhöhnung18 und Geißelung versucht, dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt19, starben den Tod durch das Schwert, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, Mangel leidend, bedrängt, geplagt. Hebräer 11, 35-37

Wie stehen wir dazu? Ist uns Gott das alles wert? Geht es vielleicht auch billiger? Um welche Belohnung geht es? Was ist der Kampfpreis? – An uns selbstzufriedene, oft viel zu “gechillte” Christen im Westen ist das eine große Herausforderung, während viele unserer Glaubensgeschwister in aller Welt einen hohen Preis für ihren Glauben zahlen.

Wie kommt man überhaupt auf die Rennbahn? Wenn man als Kind getauft wird? Wenn man in einer christlichen Familie aufwächst? Wenn man regelmäßig zum Gottesdienst geht? All das bringt uns nicht an den Start, sondern die neue Geburt.

Und dann gilt: Nicht schnell starten, langsam werden, aufgeben – sondern mit Ausdauer laufen bis zum Ziel. Damit wir das schaffen, werden uns hier überlebenswichtige Tipps gegeben. Man kann diesen Lauf nicht relaxt laufen. Man braucht Zielorientiertheit, Disziplin, Konzentration und die Bereitschaft, schmerzhaftes Training zu investieren. Man muss bereit sein, auch an und für sich gute Dinge abzulegen, wenn sie zu Gewichten werden, die uns bremsen. Niemand bindet sich für den Wettlauf einen Klotz ans Bein! Was uns belastet und ablenkt, muss weg! Die Sünde, vor allem die des Zweifelns und Unglaubens, ist dabei das größte Hindernis. Und wir brauchen Entschlossenheit zum Sieg gegen den Teufel und unser eigenes sündiges Fleisch. Wir laufen nicht, um ein bisschen rumzulaufen und am Ende in den Himmel zu schlendern, sondern um zu gewinnen. Der einzige Unterschied zu einem irdischen Wettlauf ist, dass wir nicht miteinander konkurrieren.

Dabei ist Jesus uns vorausgelaufen. Er ist der Anfänger, der Pionier des Glaubens. Er motiviert uns nicht, indem er uns von hinten antreibt, sondern indem er uns zeigt, wie es geht und was das Ziel ist. Er lebte, mitten im Leiden, ein Leben vollkommenen Vertrauens auf den Vater. Er lernte durch das, was er litt, den Gehorsam. Er schaffte durch seine Hinrichtung am Kreuz und seine Auferstehung überhaupt die Grundlage, dass wir laufen und gewinnen können. Und er lief, um etwas zu empfangen: Die vor ihm liegende Freude. Sein Ziel war die Verherrlichung des Vaters. ist das auch unser Ziel? Jesus zu ehren durch Gehorsam, seine Charakterzüge widerzuspiegeln? Dann werden wir am Ende hören:

Geh ein zur Freude deines Herrn! Matthäus 25,21

Es geht nicht darum, “in den Himmel zu kommen”, sondern diese Freude zu haben, Gott zu verherrlichen mit unserem Leben.

Aber dafür müssen wir dranbleiben, nicht müde werden, Proben bestehen, in Anfeindungen festbleiben, die erste Liebe nicht verlassen, zum Sieg entschlossen sein, und zu sagen:

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. Galater 2,20

Drei Life Essentials in der Beziehung zu Gott

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Im Hebräerbrief wird von drei Dingen gesprochen, die für unsere Beziehung zu Gott essentiell sind. Wenn wir meinen, wir können darauf verzichten und trotzdem Gott nahe sein, so leben wir in Selbsttäuschung.

1. Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung! (Hebräer 9,22)

Das Blut, das Jesus Christus für uns vergossen hat, ist die Basis. Ohne dieses Blut kann die Trennung von Gott nicht aufgehoben werden. Dieses Blut wäscht uns von unseren Sünden und gibt uns Gott gegenüber ein reines Gewissen. Es ist das Sühnegeld für unsere Erlösung, der Kaufpreis, der uns aus der Sklaverei der Sünde freikauft.

2. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. (Hebräer 11,6)

Das Vertrauen zu Gott und zu seinem Wort ist die Art und Weise, wie wir diese Vergebung in Anspruch nehmen. Wir haben erkannt, dass er es gut mit uns meint, dass er uns mehr liebt als irgend jemand sonst, und was er sich diese Liebe hat kosten lassen. Das bewirkt, dass wir uns ihm ganz anvertrauen.

3. Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen. (Hebräer 12,14)

Heiligung ist der Beweis für dieses Vertrauen, Sie ist der Beweis, dass wir diese Reinigung auch tatsächlich wollen, dass wir wirklich in der Beziehung zu diesem Gott leben möchten, der sagt: “Seid heilig, denn ich bin heilig!” Heiligung ist keine fromme Leistung, mit der wir es uns verdienen, in den Himmel zu kommen, sondern Gottes Tun an uns, in das wir bewusst und dankbar einwilligen, Ganz unverdient hat er uns in seine Familie aufgenommen. Wir sind wie Straßenkinder, die vom König adoptiert wurden. Wir fühlen uns so begnadigt und sind so glücklich über unsere neue Identität, dass wir nur zu gerne die Tischsitten in seinem Haushalt lernen und uns ihm anpassen wollen.

Wie sich Resistenzen bilden

 

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Eine wachsende Gefahr im Bereich der Medizin sind multiresistente Keime. Das sind Krankheitserreger, die gegen viele verschiedene Antibiotika unempfindlich geworden sind. Schließlich hilft dem Patienten nichts mehr. Oft rührt das daher, dass der Kranke zwar das Medikament eingenommen hat, aber zu früh damit aufgehört hat, weil er sich wieder besser fühlte. Tatsächlich aber wurden nicht alle Erreger ganz abgetötet. Denen, die übriggeblieben sind, ist dann die nächste Antibiotika-Attacke ziemlich egal – sie sind inzwischen resistent geworden. Mein Hygienelehrer drückte das so aus: “Die sagen dann nur noch: Hmmm, leckeres Antibiotikum!”

Eine analoge Gefahr von Resistenzbildung gibt es auch im geistlichen Bereich, immer da, wo man auf halbem Weg stehenbleibt. Vielleicht singen wir hingebungsvoll Alles will ich Jesus weihen und sind dabei emotional ganz aufgewühlt, aber wenn es dann praktisch wird, sind wir doch eher der Bequemlichkeit oder dem Entertainment und unseren eigenen Plänen geweiht (ich spreche aus Erfahrung). Am Anfang fällt uns der Widerspruch noch auf, aber wenn wir dann nicht Gottes Hilfe gegen unsere Trägheit suchen, sondern  uns mit gelegentlichen guten Gefühlen begnügen, werden wir irgendwann resistent gegen die Forderung, unser Kreuz auf uns zu nehmen und Ihm nachzufolgen.

Vielleicht haben wir das Wort Gottes so oft gehört und waren so oft davon bewegt und angesprochen, haben aber keine Konsequenzen gezogen und mit der Sünde nicht gebrochen. Wir mögen die Atmosphäre im Gottesdienst und die netten Leute, wir stimmen vom Kopf her allem zu, aber wir wollen es ja mal nicht übertreiben. Am Ende werden wir noch als extrem verschrien! Einen leichten Anflug von Ungemütlichkeit können wir manchmal nicht leugnen, wenn das Wort uns trifft, aber irgendwann juckt uns das auch nicht mehr, und wir können fröhlich gerade so herausgehen, wie wir hineingegangen sind.

Vielleicht züchtigt Gott uns in seiner väterlichen Güte, aber  anstatt ihn zu fragen, was er uns beibringen möchte und uns vor ihm zu demütigen, sehen wir uns als Opfer widriger Umstände oder böser Menschen und nehmen unsere Zuflucht zu humanistischer Selbstbestätigung und suchen uns Leute, die uns sagen: “Du bist okay, so wie du bist, und auch Gott ist ganz vernarrt in dich! Von ihm kann das nicht kommen!”

Wenn wir das lange genug machen, werden wir irgendwann multiresistent gegen die Gnade, die uns zur Umkehr bewegen will.

Wie kann man dem entgegenwirken?  Indem wir Gott von ganzem Herzen suchen, weil wir wissen, dass wir ohne ihn nichts können. Und durch echte Gemeinschaft – nicht nur unverbindlichen Gottesdienstbesuch (schreckliches Wort!) – sondern durch Eingebundensein in aufrichtige gegenseitige Ermahnung und Ermutigung durch das Wort Gottes – nicht nur hin und wieder, sondern fortlaufend.

Ermahnt euch gegenseitig jeden Tag, solange es dieses „Heute“, von dem die Schrift spricht, noch gibt, damit niemand auf den Betrug der Sünde hereinfällt und hart wird. (Hebräer 3,13)

Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich schon einige angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt. (Hebräer 10, 24.25)

Angst vor Gott oder Gottesfurcht?

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Angst vor Gott zu haben ist die natürliche Kondition des Menschen. Gott und meine Sünde sind nicht kompatibel! Wir können versuchen, das zu ignorieren und zu vergessen, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Jedes Mal, wenn ein Mensch stirbt, ist es ein Hinweis darauf, dass ein tiefer Riss durch die Schöpfung geht. Der Tod ist der Lohn der Sünde.

Es geht aber um mehr als das physische Sterben. Nach dem Tod kommt das Gericht Gottes. Auf unsere Sünde steht eine ewige Strafe. Jesus hat sehr oft von der Hölle gesprochen, von einem Feuer, das nie verlischt, einer ewigen Qual. Er findet es überhaupt nicht abwegig, sich davor zu fürchten:

Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen! Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet! (Lukas 12,4.5)

Es ist also gut und gesund, Gott zu fürchten.

Es gibt allerdings zwei Spielarten der Gottesfurcht. Die eine ist die Angst derer, die Gott Widerstand leisten. Die Dämonen zittern, aber sie beugen sich nicht vor Gott. Auch gottlose Menschen – und ich war einer von ihnen! – haben tief innen Angst vor Gott, aber ihr Stolz lässt es nicht zu, das zuzugeben. Lieber beschließen sie, dass es keinen Gott gibt, und hoffen, ihr Problem so zu lösen. Trotzdem sind sie Gefangene ihrer Todesfurcht. Von dieser Angst will Jesus uns erlösen. Dafür müssen wir unsere Schuld vor ihm zugeben und unseren Trotz und unsere Autonomie fahren lassen. Der Glaube an seinen stellvertretenden Tod und seine Auferstehung nimmt uns dann die Angst vor dem Gericht weg und bringt uns zu Gott in eine Vater-Kind-Beziehung.

Dann entsteht die zweite, positive Variante der Gottesfurcht. Gottes Wesen ändert sich ja kein bisschen, wenn wir uns bekehren. Er ist immer noch der Gott, der die Sünde hasst – auch und gerade im Leben seiner Kinder. Er vergibt uns Sünde gerne und sofort, aber er wird nicht tolerieren, dass wir darin leben, sie lieben und hegen und pflegen.

Als ich aus meiner Verlorenheit zu ihm kam, habe ich diese Furcht kennengelernt. Es ist nicht mehr die Furcht vor der Hölle, aber die Furcht, ihn zu betrüben, zu verunehren und die Beziehung nicht mehr genießen zu können. Und ohne diese Beziehung kann ich nicht mehr sein – sie ist mein ganzes und einziges Glück! Diese Art Gottesfurcht ist ein Produkt der Liebe, die Gott in unsere Herzen gesenkt hat. Sie geht mit Dankbarkeit und Vertrauen und einer tiefen Freude Hand in Hand.

Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht! Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. (Hebräer 12, 28.29)

Predigt-Nachlese: Noahs Glaube

 

Predigttext: Hebräer 11,7noahs-ark-313735_1280

Noah kennt irgendwie jeder. Fast in jedem Kinderzimmer findet man die Arche mit den Tierpärchen und Bilderbücher zum Thema ! Verfilmt wurde die Geschichte auch, allerdings nicht so, wie sie sich nach der Bibel zugetragen hat.

Die Bibel zeigt uns Noah als einen Menschen, von dessen Glauben wir lernen können:

Durch Glauben baute Noah, als er eine göttliche Weisung über das, was noch nicht zu sehen war, empfangen hatte, von Furcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses. Durch ihn verurteilte er die Welt und wurde Erbe der Gerechtigkeit, die nach dem Glauben ist.

Noah muss in den Augen seiner Zeitgenossen ein ziemlich schräger Typ gewesen sein. Er baute ein riesiges Schiff auf dem Trockenen! Es war völlig unvorstellbar, zu was das einmal gut sein sollte, denn nicht nur gab es da, wo er war, kein Meer, auf dem das Ding schwimmen hätte können – noch viel unvorstellbarer war eine Flut.

Unter seinen Mitmenschen war er aber auch sonst ein Fremdkörper. Sie ignorierten Gott völlig.

Jahwe aber sah, wie groß die Bosheit der Menschen auf der Erde war. Ihr ganzes Denken und Streben, alles, was aus ihrem Herzen kam, war immer nur böse. Da beklagte Jahwe es, den Menschen erschaffen zu haben, und es schmerzte ihn bis in sein Innerstes hinein. (1.Mose 6,5,6 NEÜ)

Noah dagegen lebte mit Gott. Er wird als gerecht und untadelig beschrieben, was nicht bedeutet, dass er perfekt und ohne Fehler war. Aber er war in der ihn umgebenden Kultur der Gottlosigkeit der Einzige, der sein Leben nach Gott ausrichtete und ihm nicht den Rücken kehrte. So sollen auch wir uns abheben und als Kinder Gottes

ein reines, vorbildliches Leben führen in einer dunklen Welt voller verdorbener und verirrter Menschen, unter denen euer Leben wie ein helles Licht leuchtet. (Philipper 2,15 NEÜ)

Wir können nicht an allem teilhaben, was diese Welt so tut – und dann steht man manchmal allein. Noah zeigt uns, dass es mit Gott an unserer Seite nicht einfach, aber möglich ist!

In seinem Glauben stützte sich Noah auf nichts anderes, als das was Gott gesagt hatte, auch wenn er es noch nicht sehen konnte. Es ging über seine Erfahrung weit hinaus und war mit seiner Logik nicht zu fassen, aber er vertraute darauf. Über einen Zeitraum von 120 Jahren investierte er sein Leben in den Bau dieses riesigen Schiffes angesichts von Unverständnis, Spott und Gleichgültigkeit seiner Zeitgenossen, die weiterlebten wie bisher – und sah kein einziges Wölkchen am Himmel, das ihn und seine Gerichtsbotschaft bestätigt hätte.

Und dann, als alles beendet war, kam die Flut plötzlich und unerwartet und dauerte ein Jahr. Es gab keine Entkommen und kein Überleben außer für die, die vor dem Gericht in die Arche gegangen waren.

Gott wird diese Welt noch einmal richten. Auch diesmal lässt er es vorher verkündigen.

Der Tag des Herrn wird so unerwartet kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel unter schrecklichem Lärm vergehen, und alles wird sich in Flammen auflösen; und die Erde wird mit allem, was auf ihr ist, dem Gericht ausgeliefert werden. (2.Petrus 3,10 NEÜ)

Die Arche, die er anbietet, ist Jesus Christus. Wenn wir unser Vertrauen in ihn setzen, werden wir gerettet. Dieses Vertrauen wird sich dann auch ganz praktisch zeigen. Unser Leben wird sich ändern. Statt dem Glück in dieser Welt nachzujagen, werden wir in die Ewigkeit investieren, in Dinge, die wir noch nicht sehen. Wir werden danach streben, Gott durch sein Wort immer besser kennenzulernen und ihm zu gefallen.

Wenn aber alles um uns her sich auf diese Weise auflösen wird, wie viel mehr solltet ihr dann ein Leben führen, das heilig ist und Gott ehrt! Ihr solltet diesen Tag erwarten und ihn herbeisehnen – den Tag, an dem Gott den Himmel in Brand setzt und die Elemente in den Flammen zerschmelzen. Wir aber erwarten den neuen Himmel und die neue Erde, die er versprochen hat. Dort wird Gottes Gerechtigkeit herrschen. Bemüht euch deshalb darum, liebe Freunde, ein reines und tadelloses Leben im Frieden mit Gott zu führen, während ihr auf dies alles wartet. Und denkt daran: Gott wartet, damit die Menschen gerettet werden. (2.Petrus 3,11-15)

Predigt-Nachlese: Glaube – eine Art magische Kraft oder Vertrauen in Gottes Versprechen?

Predigttext: Hebräer 11, 1-4

Wenn die Bibel von Glauben spricht: Was meint sie damit? Was ist das, und was bewirkt das in denen, die glauben?

Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung ist Glaube keine Macht, durch die man Wirklichkeiten erschaffen kann. Manche Verkündiger behaupten, man könnte Dinge “in Existenz glauben”: Heilung, Wohlstand, die Rettung von Menschen, die wir lieben. Wenn es dann nicht funktioniert, hat der Glaubende ruck-zuck den Schwarzen Peter: Er hat eben nicht genug geglaubt.

Von solchen Psycho-Spielchen weiß die Bibel nichts. Der biblische Glaube lebt in unvollkommenen Menschen, die Fehlschläge, Herausforderungen, Spott, Verfolgung und Tod erleben, und hält stand. Er ist nicht eine Macht, die man besitzt, sondern die Gabe Gottes, IHM und seinem Wort in jeder Lage das volle und unerschütterliche Vertrauen zu schenken. Ein Mensch, der Gott so vertraut, hat gar kein Interesse daran, eigene Vorstellungen und Wünsche durchzuboxen und die Realität entsprechend zu formen, denn er weiß, dass das, was Gott in sein Leben hinein ordnet, das Beste für ihn ist.

Biblischer Glaube ist eine ganz zweifelsfreie Hoffnung und Gewissheit über Dinge, die die natürlichen Augen nicht sehen können: Gott wird halten, was er verspricht. Der natürliche, weltliche Mensch kann das nicht verstehen. Seine oft gehörte Devise heißt: Ich glaube nur, was ich sehe! Der Glaubende dagegen erfährt: Ich sehe, was ich glaube! Glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben! sagt Jesus. Das gibt eine ganz andere Einstellung zu allem, was mir widerfährt. Warum kann Stephanus, als er unter dem Steinhagel sterbend den Himmel offen sieht, seinen Feinden vergeben? Weil er weiß, dass er etwas hat, für das es sich zu leben und zu sterben lohnt!

Hebräer 11 zeigt uns, dass das Prinzip des Glaubens nichts Neues ist und nicht erst im Neuen Testament auftaucht.Durch Glauben wissen wir, dass Gott die Welt durch sein Wort aus Nichts gemacht hat. Er ist der Einzige der dabei war, und nur ER kann uns darüber informieren. Und dann konnte der Mensch nach dem Sündenfall und dem Ausschluss aus der Gegenwart Gottes sich nur noch durch Glauben an dem Versprechen Gottes festhalten, dass er einen Erlöser schicken würde, der den Bruch wieder heilt. Die Ersten, in denen wir die Auswirkungen von Glauben und Unglauben erkennen können, sind Kain und Abel. Während Abel das Opfer bringt, das in seinen eigenen Augen recht ist (das ist übrigens das Wesen aller falschen Religion), bringt Abel das blutige Opfer, das Gott fordert, und das auf das Lamm Gottes hinweist, das die Sünde der Welt wegnimmt – Jesus. Obwohl er ja nur Puzzleteile und Bruchstücke der Wahrheit hat, erkennt er dadurch an, dass in keinem anderen das Heil ist und kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen! Er besitzt diesen Glauben an die Heilsinitiative Gottes, der unsere Sünde auf Jesus legt und uns im Austausch dafür seine Gerechtigkeit gibt! Genau das ist die Essenz und Basis des Glaubens, von dem in Hebräer 11 die Rede ist und der in den dort beschriebenen Glaubensvorbildern lebte und uns zur Nachahmung anregen soll.

Zwei Opfer und ein Mord: Kain und Abel

Manche Geschichten in der Bibel beunruhigen uns wegen dem, was sie nicht erzählen. Im Fall von Kain und Abel bewegt uns die Frage: Warum nahm Gott das Opfer von Abel an, aber das von Kain nicht?

Die Welt war noch jung und das Wissen um Gott noch frisch, als diese beiden geboren wurden. Als Kain zur Welt kam, scheint Eva vor Stolz und Optimismus fast zu platzen: “Ich habe einen Mann erworben mit dem Herrn!” Dieser Junge, fand sie, war eine tolle Errungenschaft – Kain bedeutet: Erworbenes, Gewinn. Und dann kommt Nummer Zwei, und sie nennt ihn Abel: Hauch, Nichtigkeit. War er vielleicht klein und schwächlich?  Oder hat sich ihre Perspektive zwischenzeitlich verändert? Wir wissen es nicht. Fest steht, sie hat diese Namen nicht aus dem Buch der schönsten Vornamen ausgewählt, sondern sie wollte damit etwas aussagen über ihre Kinder. Kannst du dir vorstellen, wie sie sie zu Tisch rief? “He, Gewinn und Nichtigkeit, kommt rein! Das Essen ist fertig!” Ob diese Namen nicht ihre Beziehung zueinander und ihr Bild von sich selbst prägten?

Sie schlugen verschiedene Laufbahnen ein: Kain als Ackerbauer und Abel als Schafhirte. ich habe mich gefragt, warum jemand Schafe züchtete zu einer Zeit, als noch gar kein Fleisch gegessen wurde, denn wenn ich es recht verstehe, wurde Fleisch als Nahrung erst nach der Sintflut eingeführt. Vermutlich dienten die Tiere also nur als Milchquelle und lieferten Felle oder Wolle zur Bekleidung. Der Sündenfall hatte die Scham mit sich gebracht und die Notwendigkeit, für Bedeckung zu sorgen. Abels Schafe waren eine Erinnerung daran. Natürlich wurde auch Kain immer wieder an die große Katastrophe erinnert, wenn er sich mit Disteln und Dornen abplagte, aber er überwand sie durch die Kraft seiner Arme und trotzte dem Erdboden die Feldfrucht ab.

Beiden Brüdern  war Gott nicht egal, und sie sehnten sich nach seinem Wohlgefallen. Deshalb brachten sie auch beide ein Opfer. Kain brachte Gott etwas dar von dem, was er angebaut hatte, und Abel nahm etwas von den Erstgeborenen seiner Herde und schlachtete es für Gott. Wie sie auf die Idee kamen, so etwas zu tun, wird uns nicht gesagt; es scheint irgendwie im Menschen drin zu stecken, durch ein Opfer mit Gott in Beziehung zu treten. Und nun steht im Hebräerbrief (11,4): Durch den Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain. Gott nahm Abels Opfer an, um zu zeigen, dass er in seinen Augen gerecht gesprochen war. Im Umkehrschluss heißt das: Kain brachte sein Opfer nicht durch Glauben dar! Aber er glaubte doch, oder bringen etwa Ungläubige Opfer für Gott?! Es scheint also zwei Arten Glauben zu geben! Und es scheint Opfer zu geben, die Gott akzeptiert, und solche, die er nicht akzeptiert. Dem einen Opfernden sagt Gott: Ich nehme dich an, du bist vor mir gerecht! und dem anderen zeigt er die kalte Schulter. Dabei hat der so hart dafür gearbeitet!

Was war das denn für ein Glaube, durch den Abel das bessere Opfer brachte? Glaube ist das feste Vertrauen auf Gottes Versprechen, obwohl man nichts davon sieht. Die Glaubens-Menschen, von denen im 11. Kapitel des Hebräerbriefs die Rede ist, kennen den unsichtbaren Gott. Sie rechnen mit seinen Zusagen und bauen ihr ganzes Leben darauf. Welche Zusage von Gott kannte Abel denn überhaupt? Wohl doch die, die Gott seinen Eltern gegeben hatte: Dass ein Erlöser kommen sollte, der die Schlange überwinden würde! Wer das glaubt, erkennt an, dass er einen Erlöser braucht, dass er sonst verloren ist, und Abel, der nichtige Hauch, hatte damit kein Problem. Er kam zu Gott als ein  versöhnungsbedürftiger Sünder und empfing Gnade. Denn das ist Gottes “Grundgesetz”: „Gott widersetzt sich den Hochmütigen, nur den Demütigen erweist er Gnade“ (1. Petrus 5,5) . Obwohl das nicht ausdrücklich so gesagt wird, kann man annehmen, dass Abel durch diesen Glauben auch die Einsicht gewann, dass nur ein Schlachtopfer ihm Zugang zu Gott geben konnte, denn ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung (Hebräer 10,22).

Nun wurde Kain aber zornig! Wenn einer unverdient Gnade empfängt, während der, der sich abmüht, leer ausgeht – das ist schwer zu verkraften. Kain ist da nicht der Einzige – er kann  mit allen Pharisäern und Selbstgerechten dieser Welt einen Verein gründen. Gott sah die schwarze Lava in seinem Herzen aufsteigen, und in seiner Freundlichkeit versuchte er, ihn zur Einsicht und Umkehr zu bringen, aber Kain ignorierte ihn. Die Katastrophe nahm ihren Lauf: Er lockte seinen Bruder aufs Feld und erschlug ihn. Auch das hat sich seither vieltausendfach wiederholt. Wer auf Gottes Ermahnung zur Umkehr nicht hört, dessen Herz wird hart und härter, bis er Dinge tut, die man nicht mehr ungeschehen machen kann.

Gott lässt den Mord zu, wie er auch den Mord an Seinem Sohn zuließ und wie er die Verfolgung von Christen in Vergangenheit und Gegenwart nicht verhindert hat. Aber während Abels Blut Kain vor Gott anklagte, bewirkt Jesu Blut Vergebung für alle, die ihre Bedürftigkeit demütig zugeben können.

Bist du Kain oder Abel?