Archiv der Kategorie: Jesus im Alten Testament

So viele Zeugen! (Predigt-Nachlese)

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Wir hörten heute im Gottesdienst die Geschichte über die sogenannten Emmaus-Jünger. Das waren zwei weiter nicht benannte Männer, die am Sonntag nach der Kreuzigung Jesu auf dem Weg nach dem Dörfchen Emmaus miteinander unterwegs waren. In tiefer Niedergeschlagenheit rekapitulierten sie die Ereignisse  und versuchten, den Sinn dahinter zu finden. Da schließt sich ihnen ein Fremder an und fragt sie, über was sie sich so intensiv unterhalten, und sie schütten ihm ihr Herz aus und erzählen ihm die ganze Geschichte: Wer Jesus war, wie er gekreuzigt wurde und ihre ganze Hoffnung, dass er der Messias sei, dadurch zerstört wurde. Was uns aber völlig aus der Fassung gebracht hat, sagten sie, ist dass einige Frauen aus unserem Kreis heute morgen an seinem Grab waren und angeblich Engel gesehen haben, die sagen, dass er lebt, und dann gingen einige von den Männern hin, und das Grab war tatsächlich leer! – Manchmal sind die guten Botschaften verwirrender als die schlechten!

Und dann erklärt ihnen dieser Fremde das Alte Testament. Er zeigt ihnen, dass das, was ihnen so sinnlos schien, genau Gottes Plan entsprach und schon immer in der Schrift stand: “Musste der Messias nicht das alles erleiden, bevor er verherrlicht wird?“ Sie hatten es tausendmal gelesen und nie erfasst. Aber jetzt setzte sich vor ihren Augen das Puzzle zusammen. (Einige Kostproben von der Darstellung Jesu im Alten Testament findest du hier.)

Es ist alles so spannend, dass sie ihn, am Ziel angekommen, bitten, doch über Nacht zu bleiben. Und als sie mit ihm am Tisch sitzen, und er das Brot segnet und ihnen reicht, erkennen sie ihn: Es ist Jesus. Und direkt danach sehen sie ihn nicht mehr. Aber sie sind völlig überzeugt, dass er es war, so sehr, dass sie sich trotz später Stunde sofort nach Jerusalem aufmachen zu ihren Freunden. Aber ehe sie dazu kommen, ihre Geschichte zu erzählen, platzen die anderen schon los: “Der Herr ist wirklich auferweckt worden und Simon erschienen!”

Als ich so über diesen Bericht nachsann, dachte ich: Was wäre wohl passiert, wenn es nur das Erlebnis der Emmaus-Jünger gegeben hätte als einziges Zeugnis der Auferstehung Jesu? Wahrscheinlich wären sie selbst nach einiger Zeit ins Schleudern gekommen: Haben wir uns das nicht nur eingebildet? Aber sie kommen zu ihren Freunden, und die haben ihn auch gesehen und erzählen es, ehe sie ihre Story überhaupt anbringen können – zwei völlig unabhängige Zeugnisse. Viel später schreibt Paulus den Korinthern:

Ich habe euch in erster Linie das weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, wie es die Schriften gesagt haben. Er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, wie es die Schriften gesagt haben. Er ist dem Kephas erschienen, dann dem Kreis der Zwölf. Danach erschien er mehr als 500 Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch am Leben sind; nur einige sind schon gestorben. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Zuallerletzt erschien er auch mir, dieser „Fehlgeburt“.

Gott erwartet nicht, dass wir von der Sorte “leichtgläubig und naiv” sind oder uns auf mystische Erfahrungen verlassen. Er hat Sorge getragen, dass die Auferstehung eine gut bezeugte Tatsache ist. Er hat Menschen zu Augenzeugen gemacht, er hat uns das fortlaufende Zeugnis der Heiligen Schrift gegeben, und er gibt uns das innere Zeugnis durch den heiligen Geist, der uns sagt: Das ist die Wahrheit!

Zeit der Gnade

Momentan lese ich durch den Propheten Jesaja, und heute kam ich zum Kapitel 61. Dort steht in den ersten Versen:

Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe, einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, damit ich alle Trauernden tröste …

Viele Jahre später liest Jesus diese Verse in der Synagoge in seiner Heimatstadt Nazareth vor und bezieht sie auf sich selbst. Aber da gibt es ein interessantes Detail. Er stoppt nach dem “Gnadenjahr”. Den “Tag der Vergeltung” erwähnt er nicht. Dann macht er das Buch zu und gibt es dem Synagogendiener und sagt: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Wollte er nun damit sagen, dass Gott kein Gericht üben wird? Ganz bestimmt nicht! Jesus selbst hat oft vom Gericht gesprochen, und er hat ausdrücklich betont, dass alles im Alten Testament volle Gültigkeit hat. Was er sagen will: In IHM ist dieses Gnadenjahr angebrochen. Gott will nicht richten, er will retten, und er hat uns einen Retter gesandt. Das Herz Gottes ist auf Vergebung und Versöhnung gerichtet – wenn wir es denn annehmen wollen.image

Unser Gott liebt seine Feinde. Das ist mir vor Kurzem auch im Matthäusevangelium ganz neu bewusst geworden. Da sagt Jesus:

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Gott tut das “Unnormale”, das Besondere, und er möchte, dass wir als seine Kinder es ihm nachmachen. Das Normale ist, dass man seine Freunde liebt und seine Feinde hasst, aber Gott möchte aus Feinden Freunde machen. Er geht auf sie zu und erzeigt ihnen unverdiente Freundlichkeit. Er sendet ihnen Jesus, um für ihre Sünden zu sterben, um ihnen einen Weg zu bahnen in seine Gegenwart. Er hebt das Gericht nicht auf, aber er räumt ihnen ein Gnadenjahr ein, um umzukehren.

Er hat das auch für mich getan, und wie froh bin ich dafür! Und auch für dich gilt dieses Angebot!  Schlag es nicht aus!

Verachtest du etwa den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt? (Römer 2,4)

Was religiösen Menschen die Tür zu Gott verschließt (Predigt-Nachlese)

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In Johannes 5 spricht Jesus mit den religiösen Führern der Juden. Sie hassten ihn, weil er das Licht war, das ihre Finsternis aufdeckte. Sie hassten ihn für seinen Anspruch, der Sohn Gottes zu sein, eins mit dem Vater und von ihm autorisiert, ihnen Leben zu geben oder sie zu richten. Und sie hassten ihn, weil er ihre Position und ihr Ansehen infrage stellte.

Und doch gibt er sie nicht auf. Wenn sie ihm persönlich nicht glauben, dann kann er Johannes den Täufer als Zeugen ins Feld führen oder die Wunder, die unbestreitbar waren, oder die Schrift, die ihn vorhergesagt hat, sogar Moses, den sie so hochhalten. Und er tut das nicht, weil er diese Zeugen nötig hätte, sondern er sagt das um ihretwillen:

Ich sage das, damit ihr gerettet werdet. (Johannes 5,34)

Das ist seine Intention, selbst für seine ärgsten Feinde. Und um ihnen zu helfen zu erkennen, was sie daran hindert, hält er ihnen den Spiegel vor, damit sie sehen, wie sie sind, und wovon sie umkehren müssen, damit sie glauben und gerettet werden können. Dabei scheut er sich nicht, konfrontativ und deutlich zu sein, denn mit weniger ist ihnen nicht gedient.

  • Gottes Wort hat keinen Raum in euren Herzen. Sie kannten die Schrift vor- und rückwärts und auswendig als ein Buch von Geboten und Gesetzen, zu denen sie vorsichtshalber unzählige Ausführungsverordnungen gemacht hatten und beachteten. Aber ihr Herz war nie erreicht worden, nie von seiner Sündhaftigkeit überführt worden. Da war kein Platz in ihnen zum Empfang der Worte der Gnade, denn in ihren Augen hatten sie alles richtig gemacht.
  • Ihr wollt nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen. Das hätte ja geheißen, sie brauchen ihn, um ihnen das Leben zu geben! Sie doch nicht! Sie konnten sich selbst den Weg zu Gott erarbeiten!
  • Ihr sucht die Ehre von Menschen. Jesus sagt es ziemlich drastisch: Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre von dem alleinigen Gott nicht sucht? Wer glauben will, muss seine Reputation und seinen Selbstschutz fahren lassen. Er kann nicht mehr so tun, als ob. Er muss seine Sünden bekennen. Es gibt kein größeres Hindernis zum Glauben als Heuchelei und den Wunsch, vor Menschen etwas darzustellen, was man im Kern seines Wesens und in seinen geheimsten Taten nicht ist.
  • Ihr habt die Liebe Gottes nicht in euch. Sie waren Spezialisten in den zehn Geboten, aber sie konnten noch nicht einmal das erste halten: Gott über alle Dinge zu lieben. Nur sahen sie das nicht, weil sie den selbstgerechten Buchstabengehorsam mit der Liebe zu Gott verwechselten.
  • Ihr glaubt den Schriften nicht wirklich. Hätten sie den Schriften Mose wirklich geglaubt und nicht immer nur ihre To do-Liste zum Abhaken darin gesucht, so hätten sie erkannt, dass er einen Erlöser für ihren und unseren tiefen Schaden vorausgesagt hat, und sie hätten die Stimme des Autors in Jesus wiedererkannt.

Es betrifft nicht nur die Pharisäer, sondern dient auch unserer Selbstprüfung.  Kennen wir Gott? Ehren und lieben wir ihn? Ist er die Quelle unserer Freude, die Nummer 1 in unserem Leben? Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Schielen wir nach der Anerkennung von Menschen, oder bekennen wir uns zu unserer Schuld und nehmen gerne die Gnade Gottes an und das Kreuz auf und folgen  Jesus nach?

“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?” Das Leiden Jesu im Alten Testamnent ((8)

Jesaja53Auf einer einsamen Straße zwischen Jerusalem und Gaza fährt eine Kutsche. Im Wagen sitzt ein dunkelhäutiger Mann, ganz vertieft in eine Buchrolle, aus der er murmelnd liest.  Auf seiner Suche nach Wahrheit ist er auf den Gott Israels gestoßen, und er hat Jerusalem besucht, um ihn anzubeten und mehr zu erfahren. Von dort hat er sich das Buch des Propheten Jesaja mitgebracht.

Er ist der Schatzmeister der Königin von Äthiopien, aber sein Herz ist auf der Suche nach mehr als Karriere und Reichtum. Er hat schon gelernt, dass der Gott Israels Gerechtigkeit und Sünde sehr ernst nimmt. Ständig werden Opfer im Tempel dargebracht, um Sühne zu leisten. Aber wie kann er, ein Heide, fern von israelitischem Boden, mit Gott versöhnt werden und Frieden haben?

Was er nun hier liest, ist interessant. Wenn er nur wüsste, um wen es geht! Da ist von einer Person die Rede, die ihr Leben als Schuldopfer gibt, und von anderen, die dadurch Frieden und Heilung bekommen. Aber wer ist diese Person? Spricht der Prophet hier von sich selber? Dann wäre es eine alte Geschichte … Wie er sich nach diesem Frieden sehnt! Er muss wissen, von wem hier gesprochen wird. Aber er kommt nicht weiter.

Ein Mann ist schon ein paar Meter neben seinem Wagen hergelaufen und hat seinem Lesen zugehört. Jetzt spricht er ihn an: “Verstehst du denn, was du liest?”  “Wie sollte ich, wenn es mir keiner erklärt!” Vielleicht hat dieser Mann Ahnung? Vielleicht hat Gott die Fragen seiner Seele gesehen und ihn geschickt? “Steig doch auf und setz dich zu mir!”  Und ohne weitere Höflichkeiten tauchen sie in den Text ein:

Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.

“Ich bitte dich, von wem spricht der Prophet hier?”

Die nun folgende Unterhaltung ist rekonstruiert. In der biblischen Geschichte steht nur, dass Philippus – so hieß der 2. Mann – ihm ausgehend von dieser Stelle das Evangelium erklärte. Das mag in etwa so ausgesehen haben:

Ich kenne den, von dem er spricht! Sein Tod hat vor noch nicht allzu langer Zeit Jerusalem erschüttert. Es ist Jesus, der Sohn Gottes. Er ist als Mensch auf diese Erde gekommen, um uns zu retten vor dem Zorn Gottes. Er ist der vor langer Zeit verheißene Messias Israels. Er hat all die Wunder und Zeichen des Messias getan: Er hat Lahme und Blinde geheilt, Dämonen ausgetrieben, Brot vermehrt, Stürme gestillt, und die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt. Er hat Sünder angenommen und ihnen vergeben. Aber unsere Obersten hassten ihn, weil er ihnen die Wahrheit sagte über ihre Heuchelei, und weil sie eifersüchtig waren. Sie haben ihn unter falscher Anklage den Römern überliefert und seine Kreuzigung gefordert. Und er hat sich ohne Widerstand verhaften, foltern und töten lassen. Was damals niemand verstand, obwohl er es oft gesagt hatte, war, dass er sein Leben als Schuldopfer geben wollte. Er ist der, von dem hier die Rede ist: Das Lamm Gottes, das alle anderen Opfer für immer überflüssig macht. An diesem Kreuz hat Gott unser aller Schuld auf ihn gelegt, so wie es hier steht:

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.”

“ Hm. Aber wenn er tot ist, wie kann er dann Nachkommen haben und in die Länge leben und das Licht schauen und all die Dinge, die hier sonst noch stehen? Und wie kann man wissen, dass Gott dieses Opfer angenommen hat?”

“ Ja, das Beste kommt noch! Nachdem er drei Tage im Grab lag – übrigens im Grab eines Reichen, so wie es hier steht! – ist er auferstanden. Er ist danach vielen Menschen erschienen, seinen Jüngern und mehr als 500 glaubwürdigen Zeugen, und er war noch über 40 Tage bei seinen Jüngern und hat sie unterwiesen. Dann ist er vor ihren Augen in den Himmel aufgefahren. Dort sitzt er jetzt zur Rechten Gottes. Von dort hat er auch allen, die an ihn glauben, den Heiligen Geist geschickt, der eine unerschütterliche Gewissheit in ihr Herz senkt, dass sie Gottes Kinder sind.”

Im Herzen des Schatzmeisters breitet sich eine große Hoffnung aus. Wenn Jesus auch für ihn das Opferlamm geworden ist und er diesen Heiligen Geist bekommen und mit nach Hause nach Äthiopien nehmen kann, dann will er das haben! Sofort! Dort hinten ist eine Wasserstelle, und er will getauft werden und seine Annahme dieses Opfers bekennen! “Gibt es ein Hindernis, dass ich getauft werde?”  “Glaubst du von ganzem Herzen?” “Ja!” Sie halten an, und Philippus tauft ihn ohne Zögern. Dann nimmt der Geist Gottes den Philippus weg. Er wird auch nicht mehr gebraucht, denn der Schatzmeister ist mit einer tiefen Freude  und Gewissheit erfüllt. Das Problem seiner Schuld ist gelöst, und er hat einen auferstanden Herrn im Himmel und den Heiligen Geist, der ihn leiten wird.

Die Geschichte steht in der Bibel in Apostelgeschichte 8; der Text aus Jesaja, der den Kämmerer beschäftigte, steht in Jesaja 53.

Bildquelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Isaiah_53#/media/File:Great_Isaiah_Scroll_Ch53.jpg  Isaiah 53 in the Great Isaiah Scroll, found at Qumran and dated to the 2nd century BCE, public domain

Das Leiden Jesu im Alten Testament (7)

dargestellt durch Josef als “Typus”

Josef

Teil 6 der Miniserie über die Aussagen des Alten Testaments zu den Leiden des Messiasverhöhnt

Jesus zieht in Jerusalem ein (Predigt-Nachlese)

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Predigttext: Johannes 12

Was für eine Menge  sich da in der Jerusalemer Frühlingsluft tummelte! Das bevorstehende Passafest hatte sie alle in die Stadt hineingeschwemmt. Praktisch jede Familie hatte Gäste. In dieser Atmosphäre verbreiteten sich Neuigkeiten in Windeseile. Die neuste Nachricht war die von der Auferweckung des Lazarus von den Toten. Dieser Jesus – war er etwa doch der Messias? Er zeigte all die Anzeichen, die der Prophet Jesaja ihm zugeordnet hatte:

Seht, da ist euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes; er selbst kommt und wird euch retten! Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen lobsingen … Und eine Straße wird dort sein und ein Weg; man wird ihn den heiligen Weg nennen; kein Unreiner wird auf ihm gehen, sondern er ist für sie; die auf dem Weg wandeln, selbst Einfältige, werden nicht irregehen. (35, 3-8)

Er hatte Aussätzige geheilt, Dämonen ausgetrieben, Blinden das Augenlicht wiedergegeben. Und er rief die Menschen zur Buße: Zöllnern und Huren sprach er Vergebung zu. Er selbst beschrieb den Inhalt seiner Mission so:

Der Menschensohn ist ja gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Damit nahm er für sich die Beschreibung in Anspruch, die der Prophet Daniel dem Messias gegeben hatte.

Und in dieser Menge, die da Jesus entgegenströmte, waren viele, die seine Heilung, Befreiung und Vergebung empfangen hatten. Um nur einige Namen zu nennen: Maria Magdalena, aus der er sieben Teufel ausgetrieben hatte, der Zöllner Zachäus, Simon der Aussätzige … Sie alle begrüßten ihn heute als den König, so wie es der Prophet Sacharja vorausgesagt hatte:

Freue dich, du Zionsstadt! Jubelt laut, ihr Leute von Jerusalem! Seht, euer König kommt zu euch! Er ist gerecht vor Gott, und er bringt die Rettung. Er ist demütig und reitet auf einem Fohlen, dem männlichen Jungtier einer Eselin. (Sacharja 9,9)

Sie gehen ihm mit Palmzweigen und Lobgesang entgegen, sehr zum Missfallen der Pharisäer, die feststellen müssen: Wir kommen so nicht weiter. Alle Welt läuft ihm nach.

Was die feiernde Menge nicht ahnt: Dass ihr Messias auf dem Weg zum Kreuz ist. Er präsentiert sich ihnen an dem Tag, an dem die Passalämmer ausgewählt werden, weil er das wahre und letzte Passalamm sein wird. Immer wieder versucht er es ihnen zu erklären, so auch heute:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde kommt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, wird es viele neue Körner hervorbringen.

In der Menge waren viele, die ihm von Herzen glaubten und ihre Verehrung darbrachten. Andere schwammen mit auf der Welle der momentanen Begeisterung, aber ihr Innerstes war nicht verändert. Ihre Herzen waren hart und verstanden nichts. Für sie würde es kein großer Switch sein, ein paar Tage später auf einer anderen Welle zu reiten und lautstark seine Hinrichtung zu fordern.

Wo stehen wir? Sind wir wirklich zu ihm umgekehrt, sind unsere Sünden vergeben, ist unser Herz erneuert? Lieben wir ihn? Oder sind wir nur Mitläufer, die wie welke Blätter mal von diesem, mal von jenem Windstoß getrieben werden?  Wer die Botschaft Jesu nicht annimmt, der verdammt sich selbst, wie Jesus sagt:

Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, von der Finsternis frei wird. Wer hört, was ich sage, und sich nicht danach richtet, den verurteile ich nicht. Denn ich bin nicht in die Welt gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Wer mich verachtet und nicht annimmt, was ich sage, hat seinen Richter schon gefunden: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn an jenem letzten Tag verurteilen.