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Wie Gott führt – 9 Beobachtungen aus dem Buch Ruth

railway-2100353_1920Ich habe vor kurzem das Buch Ruth im Alten Testament gelesen, ein kurzes Buch von gerade mal vier Kapiteln, die schnell durchgelesen sind. Ruth, die dem Buch den Namen gegeben hat, ist eine junge Frau, deren Vergangenheit schmerzhaft war, und deren Zukunft ungewiss und nicht sehr rosig vor ihr liegt, und die erlebt, wie Gott sie in (und aus) dieser Situation führt.

Dabei hat diese Führung ganz viele verschiedene Schichten, von denen sie keine Ahnung hat. Sie weiß nicht – und hat es wohl in diesem Leben nie erfahren – dass sie die Urgroßmutter des berühmten Königs David werden wird, dass sie eines Tages in der Abstammungstafel des Messias auftauchen wird, dass man ihre Geschichte noch tausende von Jahren später lesen wird … oder gar dass sie eine Art Vorgriff auf den zukünftigen Plan Gottes ist, ein Volk zu schaffen aus Israel und den anderen Nationen. Ihr selbst erscheint ihr Leben wahrscheinlich ziemlich klein, und die entscheidenden Fragen sind: Woher bekomme ich was zu essen? Wer wird mich und meine Schwiegermutter – beides Witwen – versorgen? Gibt es für mich noch Hoffnung auf eine glückliche Ehe und Kinder? Oder war das jetzt mein Leben, und ist meine Zukunft die alttestamentliche Variante von Hartz4, nämlich in der Ernte hinter den Schnittern her zu laufen und die Reste aufzusammeln und davon den Rest des Jahres kärglich zu leben?

Gott hatte schon längst einen Plan. Er brauchte dafür weder ihr Grübeln und Sorgen noch war sie daran unbeteiligt und lag einfach auf der Couch und wartete ab, was er vorhatte. Sondern diesen Plan erfuhr sie Schritt für Schritt, indem sie Gott vertraute, nicht faul war, sondern das Nächstliegende und Vernünftige in Angriff nahm.

Darin ist sie für uns ein echtes Vorbild, an dem wir uns orientieren können.

  1. Sie hat die richtige Haltung. Sie liebt ihren Nächsten, was in ihrem Fall ihre Schwiegermutter ist. Sie will ihr beistehen und sie nicht alleine lassen. Zu keiner Zeit geht es ihr um sich selbst.
  2. Sie vertraut Gott, was für sie impliziert, dass sie sich zu seinen Leuten und seinem Volk hält, obwohl sie eigentlich eine Fremde ist.
  3. Sie erfährt, was in Israel für sie als Witwe unter der Armutsgrenze möglich ist und tut es. Sie wartet nicht, dass irgendjemand anders etwas für sie tut, im Gegenteil. Sie hat Initiative.
  4. Sie ist außerordentlich fleißig und gewissenhaft in dem, was sie tut.
  5. Als Gott ihr die Gunst Boas´zuwendet, schnappt sie nicht gleich über und schmiedet manipulative Pläne, sondern nimmt das einfach dankbar und demütig an.
  6. Sie hört auf den Rat Naomis, die ihr in Lebenserfahrung weit voraus ist.
  7. Sie zeigt Mut in ihrem Gehorsam. Naomis Vorschlage waren nicht ohne Risiko.
  8. Sie kommuniziert eindeutig mit Boas. Sie sagt genau, was sie will, manipuliert nicht, macht keine Spielchen.
  9. Sie geht konstant und bis zum Schluss einen Weg, auf dem sie eigene Wünsche und Ansprüche einem höheren Ziel und den Ordnungen Gottes unterordnet. Gerade weil es in ihrem Herzen und Handeln nicht um  “mir, meiner, mich” geht, kann Gott sie so großzügig beschenken, dass sie in nichts zu kurz kommt.

Man kann an ihr studieren, dass wir, um Gottes Führung zu erfahren, keinen Engel vom Himmel mit einem persönlichen Wort an uns brauchen. Gottvertrauen und ein reines Herz sind der Schlüssel.

Und: Gottes Pläne für unser kleines Leben passen wunderbar in seine großen Pläne für die Welt. Keiner von uns könnte sich so etwas ausdenken und planen. Er ist der Meister-Koordinator.

Stark bleiben, wenn andere uns blockieren

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Wenn einer sagt, dass die anderen schuld sind, ziehen wir ja schon innerlich eine Augenbraue hoch. Aber in Kalebs Fall stimmte das hundertprozentig! Es war eindeutig die Dummheit und der Unglaube der anderen, die ihm 40 Jahre zusätzliche Wüstenwanderung einbrachten. Wären die anderen nicht gewesen, säße er längst im Gelobten Land im Schatten seines eigenen Feigenbaums, schlürfte den Most seines eigenen Weinstocks, hätte sein Haus, seinen Acker, seine Weiden … statt dessen war er ständig am Auf- und Abbauen, Wege, Wasser und ein bisschen Gras suchen – und musste sich auch noch das Gemecker und Gejammer derer mit anhören, die diese Situation verursacht hatten!

Er war einer der wenigen, die das Land je gesehen hatten. Zu Zwölft hatten sie es 40 Tage erkundet. Es gab dort all das, was ihnen in der Wüste fehlte: saftige Früchte, fette Wiesen für das Vieh und Blumen in Fülle, um Bienen zu halten und Honig zu ernten. Zwar würden die derzeitigen Bewohner ihnen das Land nicht freiwillig überlassen, aber Gott hatte ja versprochen, sie vor ihnen auszutreiben – also dürfte das kein Problem sein! Doch so dachten leider nur er und Josua – alle anderen waren durch die Bank der Meinung, dass das zwar ein tolles Land war, aber leider nicht für sie. Unbesiegbar, diese Kanaaniter! Gott, so schlossen sie, hatte sie ins offene Messer laufen lassen! Er hatte sie aus Ägypten gerettet, um sie jetzt hier an der Grenze hilflos stehen zu lassen! Am besten gingen sie zurück dahin, wo sie hergekommen waren!

Kaleb war fassungslos. Konnte hier keiner mehr logisch denken? Warum sollte Gott so etwas tun? Welche Beleidigung für ihren Erretter und sein großzügiges Geschenk einer perfekten Heimat! Aber als er das sagte, stand er einer geschlossenen Front gegenüber. Sie hätten ihn und Josua fast gesteinigt.

Und natürlich zog Israel  damit Gottes Zorn auf sich. Er verurteilte das Volk dazu, noch 40 Jahre durch diese elende Wüste zu wandern. Diese ganze Generation sollte, mit Ausnahme von Kaleb und Josua, dort sterben und das verheißene Land niemals sehen. Erst ihre Kinder würden es kennen lernen. Kaleb aber wurde versprochen, dass ihm und seinen Nachkommen der Teil des Landes einmal gehören würde, den er erkundet hatte.

40 Jahre noch! Bis dahin würde er ein alter Mann sein … 40 Jahre, die er hätte genießen können! Aber wir hören nicht, dass Kaleb murrt über sein Schicksal. Er hält die Verheißung einfach fest: Es wird länger dauern als geplant, aber er wird das Land sehen, das seinen Kindern die Heimat sein wird.

In 40 Jahren wird aus dem begeisterten Adrenalin-Glauben seiner Jugend ein wüstenerprobter Ausdauer-Glaube, einen, den seine Tochter Achsa und sein jüngerer Bruder Otniel beobachten und von dem sie lernen, um ihn später in ihrem eigenen Leben nachzuahmen. Als wir wieder von Kaleb hören, sagt er:

Das ist jetzt 45 Jahre her, und Jahwe hat mich tatsächlich am Leben erhalten, wie er es mir damals in der Wüste durch Mose versprochen hatte. Heute bin ich 85 Jahre alt und noch genauso stark wie damals als Kundschafter. Ich kann immer noch kämpfen und in den Krieg ziehen. Gib mir nun dieses Gebirge, von dem Jahwe geredet hat. Du hast damals selbst gehört, dass die Anakiter dort in großen stark befestigten Städten wohnten. Vielleicht steht Jahwe mir bei, dass ich sie vertreiben kann. Er hat es mir ja zugesagt.

Die Wüste und die Länge der Zeit haben seinen Glauben nicht kleingekriegt! Er bekommt, was ihm versprochen wurde. Gott ist immer noch seine Kraft und der, auf dessen Hilfe er vertraut. Statt in Frust und Bitterkeit über seine Brüder zu schmoren, hat er sich geduldig unter Gottes Führung gebeugt, und sein Glaube ist wie Gold aus dem Feuer aller Prüfungen herausgeflossen.

Ich finde Kaleb sehr beeindruckend. Ich wünsche mir seine Unbeirrbarkeit, sein Festhalten an Gott, sein Rechnen mit der Erfüllung aller Verheißungen, egal, wer wo querschießt, blockiert und schuld ist. Denn Gott kommt immer ans Ziel.

Hier steht die Geschichte in der Bibel: 4.Mose 13 und 14, Josua 14 und 15

Lydia: Gemeinsam für das Evangelium

Ich sehe sie förmlich vor mir: Lydia, wie sie mitten in der Gemeinde in Philippi sitzt, als der Brief des Apostels Paulus vorgelesen wurde. Jedes Mal, wenn ich an euch denke, danke ich meinem Gott, schrieb er. Ihr wurde ganz warm ums Herz. Immer, wenn ich Gott bitte, bete ich mit Freude für euch. Denn ihr habt euch vom ersten Tag an mit mir für die gute Botschaft eingesetzt. Und das tut ihr bis heute.  ihre Gedanken wanderten zurück zu jenem Tag, als sie zum ersten Mal das Evangelium hörte. Sie hatte sich mit einigen anderen Frauen am Flussufer zum Gebet getroffen. Schon lange hatte sie nach dem wahren Gott gesucht. Sie war eine erfolgreiche und wohlhabende Händlerin, aber ihr Herz wurde von den irdischen Dingen nicht satt. Auf der Suche nach Wahrheit war sie auf den Gott der Juden gestoßen, und um ihn anzubeten, hatte sie sich dort mit Gleichgesinnten am Sabbat getroffen.

Glücklich war sie trotzdem nicht. Im Gegenteil, je mehr sie sich mit diesem Gott und seinem heiligen Gesetz beschäftigte, desto größer wurde ihre Angst vor seinem Gericht und ihre Todesfurcht. Und doch sehnte sie sich nach ihm …

Und dann waren da plötzlich diese Männer. Erstaunlich und unüblich, dass sie sich zu den Frauen setzten und sie in ein Gespräch verwickelten! Und in diesem Gespräch erfuhr sie etwas völlig Neues: Gott hatte seinen Sohn gesandt und bot ihr Vergebung und Versöhnung an. Sofort spürte sie: Das ist das, was ich gesucht habe! Ihr Herz ging auf, und eine gewaltige Freude brach wie eine Flut über sie herein! Gott, der große, heilige und gerechte Gott hatte sie so sehr geliebt, dass er seinen Sohn für sie geopfert hatte!

Das mussten alle hören! Sie lief nach Hause und schleppte ihre Familie an und alle Angestellten. Mit allen, die diese gute Botschaft annahmen, wurde sie getauft. Nichts wollte sie lieber, als sich zu Jesus Christus öffentlich zu bekennen! Sie war Gott so dankbar, dass er ihnen diese Männer geschickt hatte! Später erfuhr sie Genaueres: Sie hatten eigentlich einen anderen Weg nehmen wollen, aber der heilige Geist hatte sie daran gehindert. Da wusste sie: Gott hatte schon lange den Plan gefasst, sie zu retten. Diesem freundlichen Gott wollte sie dienen!

Das Naheliegendste war, die Boten Gottes zu sich einzuladen. Sie hatte Platz und Geld genug. Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da, hatte sie sie gebeten. Was für eine Ehre, wenn ihr Haus der Stützpunkt würde, von wo aus das Evangelium überall in Philippi verkündigt werden könnte! Und sie kannte als Händlerin eine Menge Leute, die sie einladen konnte, um bei einer guten Mahlzeit mit Paulus und seinen Freunden zu sprechen!

Die Dinge entwickelten sich dann etwas unerfreulich. Paulus und Silas kamen ins Gefängnis , weil es einen Aufruhr gab, nachdem sie aus einer armen Sklavin einen Dämon ausgetrieben hatten. Aber Lydia hatte sich nicht beirren lassen. Sie stand zu den Boten Gottes, was auch die ganze Stadt dazu sagen mochte! Als sie aus dem Gefängnis kamen, stand ihr Haus ihnen immer noch offen, und sie wussten es. Sie hatten einander so lieb gewonnen in dieser Zeit, dass es daran keinen Zweifel geben konnte. Ganz im Gegenteil hatte die Not sie noch enger zusammengeschmiedet!

Auch jetzt hatte es Paulus wieder erwischt – er schrieb aus dem Gefängnis. Er wusste, dass sie ihn liebhatten und für ihn beteten, und sie hatten auch alles zusammengekratzt, um ihm etwas Geld zu senden, damit seine Freunde ihm die nötigsten Dinge kaufen konnten. Außerdem hatten sie ihm Epaphroditus geschickt, der ein ganz treuer Bruder war, um ihm ein bisschen beizustehen. Sie war so froh zu hören, wie ihn das alles ermutigt hatte – obwohl er eigentlich viel mehr darauf bedacht war, seine geliebten Freunde in Philippi zu ermutigen. Aber so war er, der Paulus, in ihm schlug das Herz seines Herrn Jesus für sie alle.

Ich bin ganz sicher, dass Gott das gute Werk, das er in euch angefangen hat, auch weiterführen und am Tag, an dem Christus wiederkommt, vollenden wird, las der Vorleser die Worte des Paulus. Ja, sie wollte wachsen in der Liebe, in der Dankbarkeit, im Dienst! Sie war so froh, dass es nicht mehr ihre eigene Anstrengung war, sondern dass ihr Leben geborgen war bei ihrem himmlischen Vater. Er hatte ihr dieses wunderbare neue Leben gegeben, er beteiligte sie an seinem Werk, und er würde sie auch ans Ziel bringen.

Die Geschichte steht in Apostelgeschichte 16 und Philipper 1 und 2,25.

Tabita – wahre Schönheit

Tabita war eine Frau, deren Leben sich lohnte – so sehr, dass Gott ihr eine zweite Auflage davon gab. Sie wird sehr kurz beschrieben: In Joppe lebte eine Jüngerin mit Namen Tabita. Das heißt so viel wie „Gazelle“. Sie tat viel Gutes und half den Armen, wo sie nur konnte.

Die Bedeutung ihres Namens war wichtig genug, um übersetzt zu werden. Die Gazelle ist eindorcas-gazelle-7437_640 Tier, das für Schönheit und Anmut steht. Wie immer sie aussah – wir wissen es nicht –, in Gottes Augen war sie schön, und auch in den Augen derer, denen ihre Liebe zugute kam.

Sie zerbrach sich den Kopf nicht über Gleichberechtigung in der Gemeinde, und warum manche Aufgaben den Männern vorbehalten blieben. Sie hatte genug zu tun, womit sie Gott verherrlichen konnte! Die Liebe Jesu entfaltete sich in ihr gemäß ihrem Wesen als Frau, und das machte sie schön. Sie war eine lebendige Umsetzung dessen, was Paulus an Timotheus schrieb: Und genauso will ich, dass die Frauen mit ihrer Kleidung keinen Anstoß erregen und sich bescheiden und zurückhaltend schmücken. Sie sollen nicht durch aufwendige Frisuren, Gold, Perlen oder teure Kleider auffallen, sondern durch gute Werke. Das ist der Schmuck von Frauen, die Ehrfurcht vor Gott haben. Sie fragte nicht: Warum kann ich das und das nicht tun? sondern: Was kann ich tun? Wo ist die Not, auf die die Liebe Gottes durch mich antworten will? Ihr Herz hatte diesen wunderbaren Schmuck eines sanften und stillen Geistes.

Sie musste sich keine Gedanken um ihr Selbstwertgefühl machen. Nachdem sie durch die Verkündigung des Wortes Gottes erkannt hatte, dass sie eine Sünderin war, die Gott so sehr geliebt hatte, dass er seinen Sohn als Opfer für sie gab, war ihr Wert für alle Zeiten dadurch definiert. Sie tat auch die guten Werke nicht, um damit “Wertpunkte” bei Gott und Menschen zu sammeln, sondern weil sie die Liebe weitergeben wollte, die ihr eigenes Leben erfüllte.

Und wie wurde sie geliebt von diesen Menschen! Sie waren so untröstlich, als sie starb, dass Gott sie noch mal ins Leben zurückschickte, damit sie die Schönheit Jesu durch ihre Taten weiter verkündigen konnte. Sie wusste: Ihr seid ein ausgewähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, das Gott selbst gehört. Er hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen, damit ihr verkündigt, wie unübertrefflich er ist. (1.Petrus2,9)

Die Geschichte steht in Apostelgeschichte 9, 36- 41.

Bildquelle: http://pixabay.com

Mirjam, die rebellische Prophetin

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Feuerbach „Mirjam“

Ich, Mirjam, bin die große Schwester von Mose. Ich bin diejenige, die auf ihn aufgepasst hat, als  unsere Mutter ihn im verpichten Körbchen auf dem Nil aussetzen musste. Ich habe  ihn wieder nach Hause gebracht durch mein diplomatisches Geschick, so dass er wenigstens bis zum Abstillen bei seiner Familie bleiben konnte, Dann habe ich von fern sein Aufwachsen am Hof beobachtet und mit meiner Mutter gebetet, dass er seine Blutsbande und seinen Gott nicht ganz vergisst. Ich habe mich gefreut, als ich merkte, dass unsere Gebete erhört wurden, und er sich für sein Volk zu engagieren begann.

Dann verschwand er für viele Jahre in die Wüste Midians. Niemand wusste, ob er überhaupt noch lebte, bis zu dem Tag, als Aaron sagte: Gott hat zu mir gesprochen! Ich soll Mose entgegen gehen in die Wüste! Da waren wir alle schon nicht mehr jung und Aaron und ich gezeichnet durch ein langes Leben in der Sklaverei, und doch begann unser Puls zu rasen. Was hatte das zu bedeuten? Und plötzlich waren meine beiden Brüder die bedeutendsten Männer im Land, und jeder sprach von ihnen! Niemand konnte nicht mitbekommen, wie Gott durch sie – endlich! – sein Gericht an Ägypten vollstreckte und unsere Befreiung erwirkte. Ich war stolz auf sie.

Nie werde ich den Tag vergessen, als die Ägypter mit Mann und Maus im Schilfmeer ersoffen! Wir waren das Volk eines lebendigen Gottes, der sich zu unseren Gunsten stark machte! Der Geist Gottes erfüllte mein Herz, und ich nahm mein Tamburin und begann zu singen und den Höchsten zu preisen! Ich konnte gar nicht anders, es floss aus mir heraus, und alle Frauen schlossen sich mir an. Wir tanzten, bis wir nicht mehr konnten. Staunend erkannte ich, dass ich eine Führerin geworden war, eine Prophetin, durch die Gott sprach. Was war das mit unsrer Familie? Wir schienen alle eine besondere Beziehung zu Gott zu haben, Mose natürlich am meisten, aber wir wurden so eine Art Führungsteam.

Die Leute bewunderten Mose – manchmal. Manchmal beschimpften sie ihn auch und klagten ihn an. Immer stand er im Mittelpunkt. Bisweilen, vor allem, wenn mich weiter keiner beachtete, kam mir der Gedanke: Wo, Brüderchen, wärst du wohl ohne mich? Hätte ich dir nicht das Leben gerettet …. Ich fand, dass er sich ein bisschen aufspielte, so als wäre er Gott persönlich. Dabei gab es in seinem Leben durchaus dunkle Flecken. Seine Frau zum Beispiel … eine Ausländerin! War das etwa richtig?  Ich begann, mit Aaron darüber zu reden, dass mir das alles auf die Nerven ging. Er und ich – wir waren doch ebenfalls mit Gott verbunden. Er war Priester, ich war Prophetin. Gesprochen hatte Gott schon zu beiden von uns. Wir müssten das mal klarstellen, dass Mose auch nichts Besseres war als wir.

Wir sprachen solange darüber, bis wir genug Mut hatten, ihn öffentlich anzugreifen wegen seiner Frau. Die Frau war aber nur die Spitze des Eisbergs. Würde man erst mal den ganzen Mann ans Licht bringen, würde man sehen, dass er keine Extrawurst verdiente. Was sagte Mose dazu? Gar nichts. Heute weiß ich, dass er nie das Bedürfnis nach einer herausgehobenen Position hatte. Das war eher eine Last, die Gott ihm aufgelegt hatte – und die wir ihm gerade noch ein bisschen schwerer machten.

Dann kam Gott. Er sprach zu jedem von uns Dreien, dass wir uns vor dem heiligen Zelt einfinden sollten, und wir gingen hin. Ich war mir immer noch sicher, dass ich recht hatte … Die Wolkensäule kam herab, und Gott hieß Aaron und mich vortreten. Er war zornig! Wir hatten nicht Mose attackiert, wie wir meinten, sondern ihn. Denn er war es, der Mose in diese Position gebracht hatte. Er war es, der beschlossen hatte, mit ihm auf eine ganz andere, besondere und intime Weise zu reden. Und wir hatten uns nicht gefürchtet?

Als die Wolke weg war, sah ich meine Strafe. Ich war voller Aussatz, d.h. ich war aus der Gemeinschaft des Gottesvolkes ausgeschlossen. So schlimm war meine Sünde? ich hatte doch nur mit meinem kleinen Bruder ein ernstes Wörtchen reden wollen!

Aaron sah mich entsetzt an – er selbst hatte nichts. Ich glaube, sein Herz war nicht so stur wie meins, er sah seinen Fehler sofort ein. Er war betroffen und verzweifelt. Oh, bitte, sagte er zu Mose, wir waren verrückt und haben uns versündigt. Sie sieht ja aus wie ein totgeborenes, halb verwestes Kind! Bitte, tu was! Mose fiel sofort auf seine Knie. Er schrie zu Gott: Heile sie doch bitte! Ja, er sagte nicht: Siehste, das kommt davon! Er war selbst erschrocken über diese Maßnahme seines himmlischen Verteidigers.

Aber Gott sagte: Nein. Sieben Tage muss sie das jetzt mal ertragen. Sie hat meine Ehre verletzt. Schließt sie außerhalb des Lagers ein, und nach sieben Tagen kann sie zurückkommen. Und was soll ich sagen? Ich brauchte diese sieben einsamen, angsterfüllten Tage. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Wie konnte es dazu kommen, dass ich, eine Dienerin Gottes, mich so mit ihm überwarf? Ich zeichnete die Spuren meines Weges zum Hochmut nach. Gott hatte mich begnadigt, und ich hatte mir ein Verdienst daran zugeschrieben. Er hatte mir Grenzen gesetzt, und ich war nicht mehr zufrieden damit. Ich wollte gar nicht mehr Gott dienen, ich wollte, dass er mir diente, indem er mir zu Ansehen und Ehre verhalf. Ich wurde ein Vergleicher und Fehlersucher (und fand natürlich etwas). Die nächste Stufe war Klatsch und Tratsch, um Verbündete und Rechtfertigung für meine Rebellion zu finden. Wenn Aaron dieselbe Sicht hatte, dann musste sie ja wohl stimmen. Irgendwann war ich in meinem Hochmut so selbstsicher geworden, dass ich bereit war, für meinen vermeintlich rechtmäßigen Platz zu kämpfen.

In der ganzen Zeit hatte ich mit Gott nicht über diese Sache geredet, sonst wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Jetzt hatte ich sieben Tage Zeit, meine Scherben aufzusammeln. Keine Rechtsansprüche mehr vor Gott, nur die Bitte um Gnade. Keine große Prophetin mehr, nur eine Sünderin, die um Wiederaufnahme und Vergebung fleht.

Und ich bekam sie. Sie warteten auf mich, das ganze Volk und Mose, mein Bruder, der mich liebte  und für mich betete. Und dann zogen wir weiter.

Biblische Referenzstellen: 2.Mose 2, 2.Mose 15,20, 4.Mose 12