Archiv der Kategorie: Personen der Bibel

Das liebe ich an Gottes Wort

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Das liebe ich an Gottes Wort, dass es mit Geschichten kommt von Menschen, die vor Tausenden von Jahren in einer völlig anderen Umwelt lebten und doch wie wir mit Sünde und Unglauben kämpften, mit widrigen Umständen, mit zwischenmenschlichen Konflikten, mit Schwäche und Zwiegespaltenheit, und in all ihrer Not durch Glauben den lebendigen Gott und seine Gnade erfuhren.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es mir die Schlüssel gibt zu den Fragen, die sonst ungeklärt blieben: Was ist es mit dem Zustand dieser Welt, dem Zustand meines eigenen Herzens, unserer Erlösungsbedürftigkeit, und wer macht uns frei?
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es so realistisch ist, dass es die Wahrheit spricht ohne Schönfärberei, ohne auszuweichen, dass es die alten Wunden aufreißt und darin, wo nötig, herumstochert, dass es aber auch die Realität einer Wunden heilenden, bis zum Äußersten gehenden, blutigen, dornengekrönten Liebe zeigt.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass darin Raum ist für Poesie und Kreativität, für Wortbilder und Sprachspiele, für Gefühle wie Trauer und Angst, Depression und inneren Aufruhr und für Liebe und Entzücken und Jubel und Lobgesang.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es in Briefen spricht, die tiefschürfende theologische Abhandlungen und unsere alltägliche Lebenspraxis verbinden und uns zeigen, dass bei Gott alles aus einem Guss ist.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass Gott zuerst durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn von sich selber spricht, sein Herz offenbart, was er liebt, was er hasst, was er für uns empfindet. Dass er seine Pläne und Absichten vor uns offenlegt, dass er eine Beziehung zu uns haben und uns zu seinen Freunden machen will.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es uns einen Ausblick gibt auf die Zukunft, auf ein Reich von Frieden und Gerechtigkeit, wo die Tränen abgewischt werden und alles Freude und Anbetung ist.

Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag! Psalm 119, 97

Advent: Große Freude–worüber?

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Am Sonntag hörten wir eine Predigt über Zacharias und Elisabeth, die Eltern Johannes der Täufers (Lukas 1). Sie hatten viele Jahre um einen Sohn gebetet, und nun waren sie alt geworden. Während Zacharias, der Priester war, seinen Dienst im Tempel tat, wird ihm dann die Geburt seines Sohnes Johannes angekündigt.

Während meine Gedanken sich mit der Frage beschäftigten, wie alt Zacharias gewesen sein mag, schoss es mir plötzlich durch den Kopf: Es war vielleicht eine Gnade, dass Gott sie so alt werden ließ, ehe er ihnen den ersehnten Sohn gab – denn wer möchte den Kopf seines Sohnes auf dem Silbertablett einer hasserfüllten, intriganten, gottlosen Frau sehen? Vielleicht ist ihnen das erspart geblieben, weil sie da schon nicht mehr lebten?

Dann dachte ich weiter nach über diese Eltern. Zacharias wird durch den Engel gesagt:

Gott hat dein Gebet erhört. Deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn schenken, und den sollst du Johannes nennen. Du wirst überglücklich sein, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen, denn vor Gott wird er ein Großer sein. Er wird keinen Wein und auch keine anderen berauschenden Getränke anrühren und von Mutterleib an mit dem Heiligen Geist erfüllt sein. Viele Israeliten wird er zum Herrn, ihrem Gott, zurückführen. Im Geist und in der Kraft des Propheten Elija wird er dem Herrn als Bote vorausgehen. Er wird die Herzen der Väter zu ihren Kindern umkehren lassen und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten zurückführen, um so das Volk für das Kommen des Herrn bereit zu machen. Lukas 1,13-17

Die Geburt dieses Kindes hätte nicht jeden überglücklich gemacht. Viele Eltern träumen von ganz anderen Dingen: Dass es ihrem Kind gut geht, dass es Karriere in dieser Welt macht und ein gutes Auskommen hat, dass es gesund bleibt, einen liebevollen Partner findet und aus den Eltern geliebte Großeltern macht. Aber Zacharias und Elisabeth waren glücklich, weil die Geburt ihres Kindes bedeutete, dass der Messias auf dem Weg war. Wie sehr muss man Gott lieben, damit man sich darüber freuen kann, dass der Sohn ein Prediger in der Wüste wird, der sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt und (vermutlich) weder Frau noch Kind hat und schließlich umgebracht wird, weil er die Wahrheit gesagt hat? Wenn wir an unsere Kinder denken, wünschen wir ihnen ein bequemes Leben in Wohlstand und irdischem Glück, oder ist es unsere größte Freude, wenn sie Gott dienen und Christus verherrlichen – egal, was es kostet?

Advent: Das passt jetzt gar nicht

prayer-1368274_1920Auf den Straßen von Nazareth war was los! Ein regierungsamtlicher Ausrufer hatte gerade bekanntgegeben, dass eine Volkszählung stattfinden sollte. Jeder hatte sich in seiner Vaterstadt registrieren zu lassen. Diese Römer! Hatten sie wieder mal einen neuen Weg gefunden, noch mehr Steuern und Abgaben aus ihnen herauszuquetschen! Oh, wann würde diese Ausbeutung und Fremdbestimmung endlich aufhören! Es war Zeit, dass der Messias kam und sie von ihnen befreite und ihre Würde wiederherstellte! Und was dachten die sich eigentlich bei ihren Befehlen auf ihrem kaiserlichen Thron? Sollten alle, die nicht von hier stammten, einfach alles stehen und liegen lassen hier zu Hause und wochenlang weg sein? Aber das war ja egal, ihre Alltagssorgen interessierten niemand, sie waren nur Masse zum Auspressen für die!

Auch Josef war beunruhigt. Maria war hochschwanger. Musste er wirklich die Frau und das Ungeborene, die Gott ihm anvertraut hatte, acht Tagereisen weit herumschleifen wegen diesem dämlichen Befehl? Sie war jung und stark, vor ein paar Monaten war sie noch zu ihrer Tante Elisabeth über die Berge gewandert, aber die Geburt stand bald an, und es war einfach eine Wahnsinns-Strapaze.

“Es tut mir so Leid, Maria, dass du in diesem Zustand so weit reisen musst, aber wir müssen nach Bethlehem! Pack zusammen, was du brauchst für dich und das Kind!” Sie strich sich seufzend über den prallen Bauch. Eigentlich passte das nun wirklich nicht, aber Gott, der ihr dieses Kind gegeben hatte, hatte auch bis jetzt entgegen aller Wahrscheinlichkeit gut für sie gesorgt. Elisabeth hatte sie so sehr ermutigt in ihrem Vertrauen. Sie war nicht in Schande gekommen, sondern Josef hatte sie geheiratet. Bis hierher war alles gutgegangen. Er würde wohl auch auf dieser Reise über ihr und seinem Sohn wachen. Schließlich war das alles nicht ihre eigene Idee gewesen.

“Dann wird also mein Sohn in Bethlehem geboren”, sagte sie nachdenklich, “wer hätte das gedacht?”  Wo eigentlich sollte der Messias geboren werden? Hatten die Propheten etwas dazu gesagt? Wenn nur Gottes Pläne sich erfüllten, so sollte ihr alles recht sein. Auf ihre Bequemlichkeit kam es dabei nicht an. “Siehe, ich bin des Herrn Magd,” wiederholte sie leise. Sie hatte es damals zu dem Engel gesagt, und sie hatte es so gemeint, und es war ein Privileg, das etwas kosten durfte. Auf denn: Jetzt wird gepackt, und die Windeln nicht vergessen!

Die Geschichte, die ich etwas ausgeschmückt habe, steht in der Bibel in Lukas 2,1-6.

Was kann ich von Maria lernen? Auch wenn mir etwas gar nicht “passt” und meinen Vorstellungen, wie es eigentlich laufen sollte, nicht entspricht, hat Gott einen Plan, und ich kann ihm vertrauen. Den Sinn erfahre ich oft erst später. Und: Auch wenn nur eine Frau den Messias gebären konnte und das ein unermessliches Privileg war, so haben  doch alle Gläubigen die hohe Berufung, Miterben des Reiches Gottes zu sein. Und Privilegien kosten Opfer – aber wer wollte sie deswegen aufgeben?

Lernen von Petrus

Stell dir vor, wohin immer du kommst, kennt jeder all den Mist, den du jemals gebaut hast. So muss es Petrus gegangen sein. Gleich, welches der vier Evangelien die Leute gelesen hatten, sie wussten schon: Ach, du bist der, der so schnell ist mit seiner Zunge, der sich einbildete, er könnte den Herrn zurechtweisen, der auf dem Berg der Verklärung wirres Zeug redete, nur um was zu sagen, und der so großmäulig leere Versprechungen machte und dann den Herrn im Stich ließ und verleugnete. Und und und … .rooster-310266_1280 Wenn das noch nicht genug war, kannten sie vielleicht noch den Galaterbrief, wo Paulus – auch nicht zimperlich – beschreibt, wie Petrus wieder besseres Wissen vor den gesetzlichen Juden einknickte und sich an seinen Brüdern aus den Heiden versündigte, indem er sie praktisch verleugnete.

Diese ständige Erinnerung war gut für Petrus. Und so oft er ermahnt werden musste – er hat es angenommen. So konnte er nie vergessen, wie unfähig er war, und wie groß die Gnade war, die ihn in den Dienst berufen hatte.

Was mich an Petrus beeindruckt, ist sein ungebrochenes Vertrauen in die Liebe Jesu. Er macht Fehler, aber er verkriecht sich danach nicht und badet in Scham und Selbstmitleid. An ihm kann man studieren, wie Jesu vollkommene Liebe die Furcht austreibt. Er geht Jesus nicht aus dem Weg, nachdem er ihn verleugnet hat, sondern er sucht seine Nähe. Er sondert sich auch nicht von den Jüngern ab und pflegt eine “Ich kann nichts, ich bin nichts”-Depression. Er weiß, dass der, der ihn in seinen engsten Kreis berufen hat, ihn nicht aufgibt. Jesus hatte ihm versprochen: “Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhört. Und wenn du zurückkehrst, dann stärke deine Brüder!” Die Beziehung zu Jesus konnte durch seine Schwachheit nicht zerstört werden, und auch eine Aufgabe würde es noch für ihn geben. Und sogar, ganz am Ende, eine zweite Chance, seine Absichtserklärung wahrzumachen! Er bekam das Privileg, für Jesus zu sterben, nachdem der Heilige Geist ihn   im Lauf eines langen Lebens völlig verwandelt hatte.

Was für eine Hoffnung gibt uns das! Unser Versagen ist nicht das Ende! Wenn wir damit zu Jesus kommen und seine Seelsorge in Anspruch nehmen, vergibt er uns nicht nur, er stellt uns wieder her. Und er tut das nicht nur einmal, sondern wieder und wieder.

Zachäus und ich

bible-2695615_1280Dass er immer einen Kopf kleiner war, als die anderen, mag ihm in seiner Jugend manche Hänselei eingetragen haben. Aber er hatte es ihnen allen gezeigt. Die Römer hatten ihn mit der Macht eines Ober-Zolleinnehmers ausgestattet, und er hatte sich damit ein privates kleines Imperium aufgebaut. Die “Sonder- und Strafgebühren”, die in seine eigene Tasche flossen, hatten ihn reich gemacht. Wie alle anderen Zolleinnehmer war er im Volk unbeliebt, weil er mit der verhassten Besatzungsmacht nicht nur kooperierte, sondern seine Position schamlos ausnutzte.

Er hatte von Jesus gehört. Ein interessanter Mann. Manche hielten ihn für den Messias. Er heilte und sprach vom Reich Gottes. Wie man hörte, mied er die Zöllner und Sünder nicht und predigte gegen die Heuchelei und Selbstgerechtigkeit der Pharisäer. Man sagte aber auch, dass er vor den Gefahren des Reichtums warnte und selbst nichts besaß und keinerlei finanzielle Interessen verfolgte. Und er sollte heute nach Jericho kommen.

Ich möchte ihn gerne mal mit eigenen Augen sehen, dachte Zachäus, selbst hören, was er sagt, und ob das alles so ist, wie man erzählt. Als er sich allerdings der Volksmenge näherte, erkannte er sein Problem. Nach vorne durch würde er nicht kommen, und hinten konnte er nichts sehen, weil er so klein war. Es gab nur eine Lösung: Er musste auf einen Baum steigen. Ein bisschen peinlich vielleicht, aber egal! Vielleicht bekam er diese Chance nie wieder.

Und da sah er ihn, umgeben und eingezwängt von Menschentrauben, die ihn hören, sehen und anfassen und ihre Anliegen vortragen wollten. Und just unter seinem Baum blieb er stehen, blickte hoch und sagte: Zachäus, komm schnell da runter! Ich muss heute bei dir übernachten! Ich stelle mir vor, dass das Herz des Zachäus für einen Moment stillzustehen schien und dann wie wild zu klopfen begann. Er kennt mich? Er will mich besuchen? Er weiß meinen Namen? Wenn er meinen Namen weiß, weiß er auch, wer ich bin und was ich getan habe.

Der Name Zachäus bedeutet tatsächlich der Gerechte, Reine, Unschuldige. Vielleicht hatten sich seine Eltern das für ihn gewünscht. Und nun, als Jesus seinen Namen aussprach und sich bei ihm einlud, lag da so viel Hoffnung drin, dass er genau das werden könnte, dass es Vergebung und eine Chance zur Umkehr für ihn gab. Eine große Freude erfüllte ihn. Von Jesus angenommen zu sein, hieß, bei Gott angekommen zu sein.

Er rutschte im Eiltempo von diesem Baum herunter. Ja, schrie sein Herz und sagte sein Mund, komm zu mir! Alles, was ich bin und habe, soll dir gehören, denn du heilst mich von Schuld und Scham und dem Ausgestoßensein vom Volk Gottes!

Die Umstehenden aber regten sich auf, nicht über Zachäus, sondern über Jesus. Sonderbare Freundschaften pflegte dieser angebliche Sohn Gottes! Sollte der Messias sich nicht weghalten von den Sündern und vor allem von solchen, die mit Rom paktierten? In den Kategorien ihrer “Sündenschubladen” war Zachäus “unterste Schublade”.

Zachäus aber platzte fast vor Freude. Ihm war vergeben. Und deswegen verspürte er plötzlich ein tiefes Bedürfnis, Dinge in Ordnung zu bringen und seinem neuen Herrn Ehre zu machen. Prioritäten hatten sich in einem Augenblick total verschoben. Geld war nicht mehr wichtig, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit und Gott zu gefallen war wichtig. Und es war überhaupt nicht mehr schwer, sich vom Geld zu trennen, denn es war Überflüssig geworden. Er musste sich nicht mehr durch seinen Reichtum und seine Macht definieren.

Herr, sagte er zu Jesus,  ich gebe die Hälfte meiner Güter den Armen, und was ich durch falsche Anklage genommen habe, werde ich vierfach erstatten!  Jesus hatte kein Wort davon gesagt, aber Zachäus Herz war verändert. Er war frei geworden.

Jesus bestätigte ihm das noch mal: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren. Auch Zachäus ist ein Sohn Abrahams. Der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Das war der Identitätswechsel: Der Verlorene war ein Geretteter geworden, der Ausgestoßene wiederhergestellt als Sohn des “Vaters des Glaubens”.

Die Geschichte erinnert mich an mich selbst. Nie werde ich den Augenblick vergessen, als es in mich einsank, dass mir vergeben ist. Ich hatte Gott noch nicht einmal drum gebeten. Wie auch, ich dachte ja, er sei mein Feind! Aber er kam mir entgegen und sagte: Ich nehme dich auf. Überwältigt von seiner Liebe war ich bereit, mein Leben auf den Kopf zu stellen, alles rauszuschmeißen, was ihm missfiel und zu tun, was er sagen würde. Das alles änderte sich in einem einzigen Augenblick, als ich ihm glaubte. Es war nicht so, dass ich mich erst verbesserte und allmählich ein Christ wurde (das hatte ich lange versucht und längst aufgegeben). Es war noch nicht mal so, dass ich erst ein Sündenbekenntnis ablegte oder um Vergebung bat. Das kam später. In diesem einen kleinen Moment, als ich seine Liebe dankbar im Glauben annahm, war ich geheilt und gerettet. Wie Zachäus.

Die Geschichte steht in der Bibel in Lukas 19.

Elisabeth und ihr Sohn stellen mir Fragen

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Am ersten Tag des neuen Jahres habe ich mich mit zwei sehr interessanten Personen beschäftigt: mit Elisabeth, der Frau von Zacharias, und ihrem Sohn Johannes.

Die junge Maria – nach heutigem Sprachgebrauch würde man sie vermutlich als Teenager bezeichnen – besucht die ältere Elisabeth. Beide sind schwanger mit besonderen Kindern. Elisabeth ist nach langen Jahren der Unfruchtbarkeit schwanger mit einem Kind, das “groß sein wird vor dem Herrn”, ein Prophet, der viele der Israeliten zur Umkehr zu Gott bewegen wird. Ob Elisabeth das zu dem Zeitpunkt schon weiß, ist unbekannt. Ihr Mann Zacharias ist stumm und kann es ihr höchstens schriftlich erzählt haben, und obwohl sie offensichtlich lesen konnte, war doch vermutlich ihre Kommunikation sehr beschränkt. Was er ihr auf jeden Fall mitgeteilt hat, war der Name, der dem Jungen zugedacht war. Elisabeth fühlt sich so gesegnet und überwältigt von Gottes Güte ihr gegenüber, denn sie hat sich ein Leben lang nichts so sehnlich gewünscht wie ein Kind und Gott immer wieder darum gebeten.

Und dann steht Maria in der Tür, die von Gott auf ganz andere Weise überrascht worden ist. Auch sie ist schwanger. Als sie ihre Verwandte begrüßt, hüpft Elisabeths Baby in ihrem Bauch vor Freude. Elisabeth erkennt durch den heiligen Geist, warum das Kind sich so übermäßig freut und ruft aus: Wie komme ich dazu, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt! Denn das Kind, das in Maria heranwächst, ist der Sohn des Höchsten.

Maria hat nicht jahrelang um dieses Kind gefleht. Sie hat sich nicht schon viele Jahre in ihrer Treue zu Gott bewährt. Und doch hat Gott sie ausgesucht, seinen Sohn zu tragen und zu gebären. Ihre Qualifikation ist “Niedrigkeit” (Lukas 1,48), wie sie selbst feststellt. Es ist Gnade, sie konnte es sich nicht verdienen. Elisabeth erkennt neidlos die größere Gnadengabe Gottes an, die diesem jungen Mädchen gewährt wird und freut sich von Herzen für sie und mit ihr.

Genau dieselbe Gesinnung sehen wir später bei ihrem Sohn. Nachdem er begonnen hatte, als junger Mann öffentlich aufzutreten und zu predigen, war ihm durchaus Erfolg gewährt. Die Leute kamen, um ihn zu hören. Selbst der Fürst zitterte vor seinem Wort. Er hatte nicht wenige Anhänger, und aufgrund seiner Vollmacht und Gradheit fingen die Leute an, die Frage zu diskutieren, ob er vielleicht der verheißene Messias sei. Aber er zog sich diesen Schuh nicht an. Ich bin nur der Wegbereiter. Der Stärkere kommt, und ich bin nicht würdig, ihm die Schuhe zu binden. Der nach mir kommt, ist vor mir, denn er war eher als ich.

Als Jesus dann auf der Bildfläche erscheint, bezeugt er: Er ist es, der Messias, der Sohn Gottes, das Lamm Gottes! Und schon beginnen seine eigenen Anhänger abzuwandern. Für ihn ist das okay.  Einige seiner Jünger finden das weniger richtig. Meister, jetzt laufen alle zu dem da!  Sein Kommentar:

Ein Mensch kann sich nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel her gegeben wird. Ihr wisst selbst, dass ich euch ganz offen gesagt habe: `Ich bin nicht der Christus. Ich bin von Gott beauftragt, ihm den Weg zu bereiten – mehr nicht.´Wo die Braut hingeht, da ist der Bräutigam. Und der Freund des Bräutigams, der dasteht und ihm zuhört, freut sich an der Stimme des Bräutigams. Darüber freue auch ich mich – und meine Freude ist nun vollkommen. Er muss immer größer werden und ich immer geringer. (Johannes 3,26ff)

Wenig später wird Johannes von Herodes, dem er die Wahrheit über seinen Lebenswandel gesagt hat, verhaftet. Er verschwindet in einem Gefängnis. Er hat noch Anhänger, die ihn auch im Gefängnis besuchen, aber er schickt sie mit seinen und ihren Fragen zu Jesus. Sein Auftrag ist beendet. Am Ende seines jungen Lebens steht die Enthauptung auf Betreiben der gekränkten Frau des Herodes.

Elisabeth und ihr Sohn stellen Anfragen an mein Herz: Bin ich bereit, die größere Gnade, die Gott anderen gibt, nicht nur zu akzeptieren, sondern mich von Herzen darüber zu freuen? Bin ich bereit zurückzutreten, wenn Gott mich nicht mehr braucht, ja, am Ende, wie Johannes, “weggeräumt” zu werden? Oder klebe ich an meinen Aufgaben um ihrer selbst willen? Geht es mir wirklich immer nur um Jesus, dass er gepriesen und verehrt wird, oder will ich, dass Menschen mich mögen und an mir hängen? Kann ich annehmen, dass Gott mich zwar gebrauchen will, aber auch ohne mich gut zurecht kommt? Letztlich: Ist Jesus immer und unter allen Umständen meine einzige Freude?

Die Geschichten stehen in der Bibel u.a. in Lukas 1 und 3, Johannes 1 und 3 und Matthäus 14.

Was mach ich mit Zweifeln, Unbegreiflichkeiten und Versagen?

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“Hiob” Von Artwork: Otto Rahm, copyright holder: Thomas Zlodi – Own Photo of original artwork, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30748435

Der Prophet Jeremia hatte es nicht leicht mit Gott. Gott hat ihm einen Job gegeben, um den er sich nicht beworben hatte. Er sollte denen Gericht verkündigen, die nicht die geringste Absicht hatten, auf ihn zu hören. Gott sagte ihm gleich zu Beginn, dass alle ihn als Feind betrachten würden. Was für ein Leben! Er war ein gequälter Mann. Er liebte sein Volk, und er sah es stur ins Verderben rennen! Manchmal hatte er keine Lust mehr und fühlte sich von Gott missbraucht. Was tat er dann? Er schüttete sein Herz vor Gott aus. Er jammerte ihm die Ohren voll, dass er am liebsten nie geboren wäre. Gott hörte zu und verstand, und gab ihm neue Kraft zum Weitermachen.

Johannes, dem Täufer, wurde geoffenbart, dass dieser Jesus von Nazareth das Lamm Gottes ist. Viele Menschen hat er zur Buße und zu Jesus hingeführt. Dann nahm sein Leben eine unbegreifliche Wendung. Sein aufrichtiges Verkündigen der Wahrheit brachte ihn ins Gefängnis, aus dem er lebendig nicht mehr herauskommen sollte. Und plötzlich war er verwirrt. Wer könnte das nicht verstehen? Hatte er sich vielleicht getäuscht?  War Jesus wirklich der Messias, oder hatte er was missverstanden? Was tat er? Er schickte seine Fragen zu Jesus. Er erhält keine Befreiung, aber eine Antwort, die ihn weit über sein eigenes Schicksal hinaushebt und ihm wieder Frieden  und Gewissheit bringt.

Petrus hat seinen Herrn verleugnet in einer Situation, wo er die Welt nicht mehr verstand. All seine Glaubensgewissheit, all seine Sicherheit zerbröselte unter dem Druck der gefühlten Sinnlosigkeit und der blanken Angst, und er tat das, was er nie von sich gedacht hatte. Was für ein Jünger, was für ein Freund, war er! Was für ein Feigling! Wie hatte er Jesus verletzt! Und was tat er? Bei der erstbesten Gelegenheit wirft er sich in den See, um zu Jesus zu kommen . Er weiß: Gerade jetzt braucht er diese Begegnung. Niemand als er kann ihn wieder herstellen und zurechtbringen.

Was tun wir, wenn wir vor unlösbaren Rätseln stehen, wenn wir Gott nicht mehr verstehen, wenn wir es gründlich verbacken haben, wenn wir das Leben, das Gott uns auferlegt hat, als Qual empfinden? Hiobs Frau hatte einen Vorschlag, mit dem der Feind unserer Seele auch uns in solchen Situationen immer versucht: “Sage Gott ab!” Das muss noch nicht mal bedeuten, dass wir uns bewusst von Gott abwenden – manchmal geben wir nur das Gespräch mit ihm auf und lassen die Beziehung einen langsamen Tod sterben. Genau das Gegenteil sollten wir tun: Uns auch da, wo wir an ihm und uns verzweifeln, an ihn wenden, ihm das Herz ausschütten und im Dunkeln seine Hand suchen. Er hat nicht versprochen, dass er uns alles erklärt oder unser Leben leichter wird, aber dass er sich finden lässt. Er selbst ist der Preis für die, die ihn mitten unter Jammern und Klagen nicht loslassen. Hiob drückt es so aus:

Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Hiob 42,5

Und was kann es Besseres geben?