Archiv der Kategorie: Seelsorge

Liebe bis zum Ende

“Es ist doch schön, mal wieder Schmetterlinge im Bauch zu haben,” sagte meine Kollegin, die gerade zum zweiten Mal geheiratet hatte. “Und wenn es sich irgendwann nicht mehr so gut und rund anfühlt, dann weiß ich, dass es vorbei ist.” Wie man sich fast denken kann, hat das nicht lange gedauert …

Wie ganz anders ist die Liebe Jesu! Im Johannesevangelium heißt es (13,1):

Vor dem Passahfest aber, da Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater zu gehen: Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Es lässt sich auch so übersetzen: Er liebte sie bis zum Äußersten. Seine Liebe bestand den endgültigen Härtetest: den freiwilligen Tod am Kreuz für ihre Erlösung. Sie wackelte und wankte nicht – auch wenn Jesus als Mensch tief erschüttert war. Einer aus dem engsten Kreis war schon auf dem Sprung, ihn zu verraten. Zudem wusste er, dass Petrus trotz seiner großen Klappe und seinem eigentlich loyalen Herzen  in Kürze aus Angst und Verwirrung behaupten würde, ihn nie gekannt zu haben. Seine Jünger verstanden seinen Weg noch immer nicht, obwohl er es ihnen wieder und wieder erklärt hatte, dass er erst mal durch  Leiden und Hinrichtung gehen würde. Es ging einfach nicht in ihren Kopf, hatten ihm die Massen doch gerade erst zugejubelt. Und genauso wenig verstanden sie, was er versucht hatte ihnen einzuhämmern: dass im Reich Gottes Erniedrigung groß ist und Verlust Gewinn und das Glück im Lieben und Geben besteht und nicht in Ehre und Karriere.

wash-bowl-1253905_1920Und so demonstriert er es ihnen noch einmal. Sie wollen bald zusammen essen, aber hier ist kein Sklave, der ihnen vorher den Straßenstaub von den Füßen waschen könnte. Da bindet sich Jesus die Schürze um, schnappt sich ein Handtuch und füllt Wasser in die Waschschüssel. Er weiß, wer er ist: Er ist der Herr. Gott hat alles in seine Hände gegeben. Er ist auch der Meister seiner Jünger. Aber er besteht nicht auf seiner Position, sondern verhält sich wie ein Diener. Den Jüngern hat es die Sprache verschlagen; allen außer Petrus – der findet noch Kraft zum Protest: “Auf keinen Fall sollst du mir die Füße waschen!” Jesus erklärt ihm ruhig, dass das unumgänglich ist, weil er sonst keine Gemeinschaft mit ihm haben kann. Daraufhin möchte Petrus am liebsten gleich ganz gebadet werden, denn Gemeinschaft mit Jesus ist alles, was er will! Worauf Jesus ihm antwortet: “Wer gebadet ist, hat es nicht nötig, gewaschen zu werden, ausgenommen die Füße, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.” (Das bezog sich auf Judas.)

Diese Fußwaschung ist dreierlei: Zum ersten ein ganz realer Dienst, den Jesus an den Jüngern übt – die Arbeit eines Niedrigen, damit die Höhergestellten sich wohlfühlen.. Zum zweiten ein Symbol für die Reinigung, die wir alle immer wieder von Jesus brauchen, wenn wir uns durch Sünde beschmutzt haben. (Diese Reinigung hat ihn noch in ganz anderem Ausmaß Erniedrigung und Selbstentäußerung bis zum Tod gekostet.) Und drittens ein Lehr- und Anschauungsstück für uns, wie wir uns gegenseitig dienen und nicht beherrschen sollen, und zwar im natürlichen wie im geistlichen Bereich.

Jesu Liebe ist Dienst und Opfer, aber auch Seelsorge. Er ist ständig bemüht, seine Jünger vorzubereiten auf die schwierige Zeit, die vor ihnen liegt. Sie werden mit vielem fertig werden müssen: Dass einer von ihnen sich als Verräter entpuppen wird. Dass er selbst, auf den sie sich abgestützt haben, auf den sie all ihre Hoffnung gesetzt haben, der sie versorgt hat, ihnen entzogen sein wird. Sie werden sich so orientierungslos fühlen wie Schafe, deren Hirte erschlagen wurde. Sie werden konfrontiert sein mit ihrer eigenen Schwäche, ihrer Angst, ihrem Versagen (ganz besonders Petrus). Schon wenn er ihnen diese Dinge jetzt vorhersagt, sind sie völlig überwältigt. Sie kriegen das alles in ihren Kopf nicht rein. Und so tröstet Jesus sie, indem er ihnen sagt, dass Gott keinesfalls die Kontrolle verloren hat, und dass sie nicht untergehen werden, wenn es sich vielleicht auch vorrübergehend so anfühlt. Sie sollen und müssen ihren Glauben nicht wegwerfen! Sie werden von Gottes Liebe nie mehr getrennt werden können. Deswegen kann Jesus ihnen sagen:

Euer Herz werde nicht bestürzt. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!

Es ist keinesfalls alles zu Ende, sondern er bahnt ihnen einen Weg nach Hause, und dann wird er wiederkommen und sie zu sich nehmen. Sie werden für ewig da sein, wo er ist. Ein Platz im Vaterhaus ist ihnen sicher. Seine Liebe endet nicht an ihrem Unverständnis, nicht an ihrer Angst, nicht an ihrem Versagen. Geduldig beantwortet er ihre Fragen. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er wird nicht im Tod bleiben. In ihm sehen sie das Wesen des Vaters und durch ihn hören sie seine Worte: selbstlose Worte der Ermutigung, die Aufforderung, einander zu lieben und zu dienen, das Versprechen eines ewigen Zuhauses auf seine Kosten – und das alles, während das Kreuz vor ihm steht.

Dies ist eine Zusammenfassung von Predigten der letzten Wochen über Johannes 1314,11.

Wenn Jesus Sünden vergibt, ändert sich das ganze Leben

Was bedeutet es, wenn meine Sünden vergeben sind? Gott hat nichts mehr gegen mich. Die große Kluft zwischen ihm und mir ist überbrückt. Mein Gewissen ist rein. Ich kann zu ihm kommen, ohne vor seinem Zorn zu zittern, seine Liebe genießen als Kind des Vaters, seine Hilfe in Anspruch nehmen, ihm mein Herz ausschütten.

Aber wer kann mir meine Sünden vergeben, so dass sie real weg sind?

In Matthäus 9 steht eine interessante Geschichte. Als Jesus sich in Kapernaum aufhält, bringen sie einen gelähmten Mann zu ihm, denn es hatte sich rumgesprochen, dass Jesus Kranke heilte. Jesus sieht diesen Mann, sieht den Glauben in seinem Herzen und bei denen, die ihn zu ihm hingeschleppt haben, und sagt zu ihm: “Sei guten Mutes, Kind, deine Sünden sind vergeben!”

Das regt die Schriftgelehrten auf. Was nimmt der Typ sich raus? Das ist Gotteslästerung! Nur Gott kann Sünden vergeben! Jesus sieht ihnen an, was sie denken, obwohl sie es noch gar nicht rausgelassen haben. Und er sagt: “Was ist denn leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher?”

Tatsächlich: Wenn mir irgendein Mensch sagt, meine Sünden seien vergeben, dann sind das erst mal nur Worte. Wenn sie nicht wahr sind, werde ich irgendwann vor Gott stehen, und es wird ein schreckliches Erwachen geben! Für wie viele Menschen wird das so sein, die im Beichtstuhl die Vergebung eines Priesters entgegengenommen und sich darauf verlassen haben, dass nun alles gut ist! Sie gingen davon aus, dass der Priester diese Vollmacht hatte, aber er hatte sie gar nicht! Für wie viele Menschen wird das so sein, die irgendein Psychotherapeut oder Berater “freigesprochen” hat von ihrem schlechten Gewissen und von ihrer Verantwortung vor Gott. Nein, ich muss wissen, ob das wahr ist, dass meine Sünden vergeben sind! Ich kann mich darauf nur verlassen, wenn Gott selber mir das zugesprochen hat.

Jesus sagt hier: Diese Vollmacht, Sünden zu vergeben, zeigt sich, und er hat sie.

“Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen (= er selbst) Vollmacht hat, auf der Erde Sünde zu vergeben … Steh auf, nimm deine Liegematte und geh nach Hause!”

Und der Mann stand auf und ging in sein Haus.

key-1402141_1280

Und das bedeutet es, dass Jesus autorisiert ist, Sünden zu vergeben: Wenn Jesus vergibt, hat Gott uns vergeben, denn “Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst.”  Und diese Vollmacht Jesu und die Wirklichkeit der Vergebung zeigt sich auch heute noch. Wenn Jesus vergibt, passiert viel mehr als ein verbaler Zuspruch. Er macht alles neu. Er verändert unser Herz. “Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!” Unsere Wünsche, unsere Ziele, unsere Selbstwahrnehmung, unser Verhalten, unsere Gefühle – alles ändert sich. Vor allem ändert sich unsere Beziehung zu Gott – siehe oben.

Wie komme ich nun an diese Sündenvergebung? Willst du denn dieses neue Leben? Willst du, dass deine Seele heil und gesund wird und du ein Herz bekommst, das Gott gehorsam ist? Dann vertraue Jesus und bitte ihn darum im Gebet. Er wird das nur zu gerne tun. Er wartet nur darauf.

Was mach ich mit Zweifeln, Unbegreiflichkeiten und Versagen?

760px-Otto_Rahm_-Hiob-,_1951

“Hiob” Von Artwork: Otto Rahm, copyright holder: Thomas Zlodi – Own Photo of original artwork, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30748435

Der Prophet Jeremia hatte es nicht leicht mit Gott. Gott hat ihm einen Job gegeben, um den er sich nicht beworben hatte. Er sollte denen Gericht verkündigen, die nicht die geringste Absicht hatten, auf ihn zu hören. Gott sagte ihm gleich zu Beginn, dass alle ihn als Feind betrachten würden. Was für ein Leben! Er war ein gequälter Mann. Er liebte sein Volk, und er sah es stur ins Verderben rennen! Manchmal hatte er keine Lust mehr und fühlte sich von Gott missbraucht. Was tat er dann? Er schüttete sein Herz vor Gott aus. Er jammerte ihm die Ohren voll, dass er am liebsten nie geboren wäre. Gott hörte zu und verstand, und gab ihm neue Kraft zum Weitermachen.

Johannes, dem Täufer, wurde geoffenbart, dass dieser Jesus von Nazareth das Lamm Gottes ist. Viele Menschen hat er zur Buße und zu Jesus hingeführt. Dann nahm sein Leben eine unbegreifliche Wendung. Sein aufrichtiges Verkündigen der Wahrheit brachte ihn ins Gefängnis, aus dem er lebendig nicht mehr herauskommen sollte. Und plötzlich war er verwirrt. Wer könnte das nicht verstehen? Hatte er sich vielleicht getäuscht?  War Jesus wirklich der Messias, oder hatte er was missverstanden? Was tat er? Er schickte seine Fragen zu Jesus. Er erhält keine Befreiung, aber eine Antwort, die ihn weit über sein eigenes Schicksal hinaushebt und ihm wieder Frieden  und Gewissheit bringt.

Petrus hat seinen Herrn verleugnet in einer Situation, wo er die Welt nicht mehr verstand. All seine Glaubensgewissheit, all seine Sicherheit zerbröselte unter dem Druck der gefühlten Sinnlosigkeit und der blanken Angst, und er tat das, was er nie von sich gedacht hatte. Was für ein Jünger, was für ein Freund, war er! Was für ein Feigling! Wie hatte er Jesus verletzt! Und was tat er? Bei der erstbesten Gelegenheit wirft er sich in den See, um zu Jesus zu kommen . Er weiß: Gerade jetzt braucht er diese Begegnung. Niemand als er kann ihn wieder herstellen und zurechtbringen.

Was tun wir, wenn wir vor unlösbaren Rätseln stehen, wenn wir Gott nicht mehr verstehen, wenn wir es gründlich verbacken haben, wenn wir das Leben, das Gott uns auferlegt hat, als Qual empfinden? Hiobs Frau hatte einen Vorschlag, mit dem der Feind unserer Seele auch uns in solchen Situationen immer versucht: “Sage Gott ab!” Das muss noch nicht mal bedeuten, dass wir uns bewusst von Gott abwenden – manchmal geben wir nur das Gespräch mit ihm auf und lassen die Beziehung einen langsamen Tod sterben. Genau das Gegenteil sollten wir tun: Uns auch da, wo wir an ihm und uns verzweifeln, an ihn wenden, ihm das Herz ausschütten und im Dunkeln seine Hand suchen. Er hat nicht versprochen, dass er uns alles erklärt oder unser Leben leichter wird, aber dass er sich finden lässt. Er selbst ist der Preis für die, die ihn mitten unter Jammern und Klagen nicht loslassen. Hiob drückt es so aus:

Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Hiob 42,5

Und was kann es Besseres geben?

Gott hat die Welt geliebt – aber liebt er auch mich persönlich?

banner-1990932_1920

In einem Gespräch ist diese Frage neulich aufgetaucht. Wenn es heißt, dass Gott die Welt liebt, was bedeutet das? Liebt er sie sozusagen “Im Kollektiv”? Heißt das vielleicht einfach nur, er hätte sie gerne zurück, darum will er sie retten? Was bedeutet es, dass Christus die Gemeinde liebt und sich für sie gegeben hat? Meint er mich denn auch persönlich? Ist es so, wie es in einem alten Lied heißt:

Ewig soll er mir vor Augen stehen,
wie er als ein stilles Lamm
dort so blutig und so bleich zu sehen,
hängend an des Kreuzes Stamm,
wie er dürstend rang um meine Seele,
dass sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle,
und dann auch an mich gedacht,
als er rief: „Es ist vollbracht!“

Nun ist ein Lied kein biblischer Beleg. Aber es gibt einen! Der Apostel Paulus war sich ganz sicher:

Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat. Galater 2,20

Gott kennt uns persönlich, Christus ist für jeden von uns persönlich gestorben. Er kümmert sich um jeden persönlich, fühlt mit uns, hört uns, sammelt unsere Tränen, weiß über uns, was keiner sonst weiß, will uns ganz persönlich in seiner Familie haben. Er spricht durch sein Wort zu uns persönlich, er erzieht uns persönlich. Zu jedem von uns hat er eine so einzigartige Beziehung wie der unverwechselbare Fingerabdruck, den er uns zugeteilt hat. Er ruft uns bei unserem Namen. Damit ist nicht nur der Name gemeint, den uns unsere Eltern gaben. Den gibt es vermutlich mehr als einmal auf der Welt, und er sagt wenig darüber aus, wer wir sind. Aber Gott kennt unser innerstes Wesen und unsere Bestimmung, das, was er aus uns machen kann: Er macht aus einem Abram einen Abraham, aus einer Sarai eine Sarah, aus einem Jakob einen Israel, aus Simon einen Petrus und aus einem Saulus einen Paulus.

So, wie er jeden persönlich liebt, so ist ihm auch jeder persönlich verantwortlich, und so, wie er uns angenommen hat in unserer Verschiedenartigkeit, sollen auch wir uns gegenseitig annehmen. Und dann sind wir miteinander seine geliebte Familie, die ihn mit einem Herzen und einem Sinn preist!

Neue Kraft

eagles-68259_1920

Die auf den HERRN harren, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler; sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.         Jesaja 40,31

Ist das nicht ein passender Vers zum Beginn des neuen Jahres? Es ist so wichtig, geistlich nicht müde zu werden! Wenn man nicht gegenhält, passiert es im Nullkommanichts, ehe man es richtig gemerkt hat.

Geistliche Müdigkeit ist gefährlich. Man ist versucht, die wichtigsten Dinge über Bord zu werfen, so wie Esau, der sein Erstgeburtsrecht leichtfertig aufgab für einen Teller Linsen. Die Zukunft fällt dem gegenwärtigen Bedürfnis zum Opfer. Man ist versucht aufzuhören, das Gute zu tun, und wenn dann die Ernte eingefahren wird, hat man keinen Ertrag vorzuweisen:

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. (Galater 6,9)

Was macht uns denn müde?

  • Warten macht müde. Wenn wir z.B. den Eindruck haben, Gott erhört unsere Gebete nicht, kann sich Frustration breitmachen (Lukas 18,1)
  • Quälende Fragen, auf die man keine Antwort findet (Psalm 77)
  • Sorgen (Matthäus 6,34)
  • Ständige Bedrängnis und Traurigkeit  (Psalm 6,7)
  • Schlechtes Kräftemanagement  und mangelndes Auftanken  (s. hier)
  • Angriffe und Verfolgung  (Psalm 143)
  • Hilfe an der falschen Stelle suchen und endloses Gelaber ohne echte Lösungen (Jesaja 47,13)
  • Widerspruch  von außen und Kampf gegen die Sünde (Hebräer 12,3-4)
  • Gottes Züchtigung, vor allem, wenn man sie falsch einordnet als Ablehnung statt als Zeichen der Zuneigung (Hebräer 12,5-11)
  • Geistliche Arbeit – Paulus schreibt davon, wie ihn die Sorge um alle Gemeinden belastet (2.Korinther 11,28)

Viele dieser Dinge gehören zum Leben, und man kann ihnen nicht ausweichen. Paulus schreibt aber auch darüber, was ihn aufrecht und am Laufen hält. Er kannte das “Geheimnis der Adlerflügel”. Er wusste: Die Kraft kann nicht aus uns kommen. Wir brauchen Gottes Kraft. Und Gott wird nicht müde!

Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist der HERR, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke. (Jesaja 40, 28,29)

Wir dürfen sozusagen die Reserven Gottes anzapfen.

Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. (2.Korinther 4,16)

Und wie funktioniert das praktisch?

In diesem Sinne:

Ein gesegnetes, kraftvolles Neues Jahr!

Wenn das Eisen stumpf geworden ist …

In letzter Zeit sehe ich um mich herum viel Erschöpfung, Burnout, Depression … und die  Fragen beschäftigen mich: Woran liegt das? Wie kann man helfen? Und wie kann man auf sich selbst achten, dass es einem nicht auch passiert? Kann man vorbeugen?

Da stoße ich heute morgen bei meiner Lektüre im Buch Prediger auf etwas, das sich wie eine Binsenweisheit anhört:

axe-1705787_1280

Wenn das Eisen stumpf geworden ist und niemand die Schneide schleift, so muss man seine Kräfte mehr anstrengen. Aber ein Vorteil ist es, die Weisheit richtig anzuwenden. Prediger 10,10

 

Das ist ein interessantes Bild. Da macht jemand, was er immer schon gemacht hat, aber es wird anstrengender und  anstrengender, und er weiß gar nicht warum. Klar, mühsam ist Holzhacken immer, und deswegen merkt man den Unterschied am Anfang kaum. Aber irgendwann geht es einfach nicht mehr. Erschöpfung,  Wut auf die Axt und das Holz, Wut auf sich selbst, weil man es einfach nicht mehr schafft, Resignation, Depression … Was ist schief gelaufen?

Wir alle neigen dazu, Probleme zu übersehen und auszublenden. Wir versuchen, sie durch mehr Anstrengung zu kompensieren. Als Christen können wir dieses unweise Verhalten oft gut geistlich verbrämen als Treue und Ausharren.

Wenn du immer “Holz gehackt” hast (um im Bild zu bleiben), dann kommt noch dazu, dass deine Umgebung erwartet, dass du weiter Holz hackst, Du empfindest die Erwartung: Mach halt eine kurze Pause, und dann aber weiter! Oder auf “fromm”: “Schau auf Jesus! Gib nicht auf! Gott gibt den Müden Kraft!” Und weil das alles richtig und biblisch klingt, nimmst du nach einer kurzen Pause deine Axt wieder auf und hast vielleicht wieder Kraft für fünf Schläge, und dann brichst du völlig zusammen.

Weisheit, heißt es hier, muss man richtig anwenden. Es nützt nichts, ein Arsenal von Ermutigungssprüchen abzufeuern, wenn die Axt stumpf ist. Man muss das Problem richtig identifizieren und beseitigen, und man muss sich die Zeit nehmen, die man dafür braucht. Es ist gut investierte Zeit. Es ist normal, wenn die Axt irgendwann stumpf wird, wenn man viel arbeitet. Ein Fehler ist nur, wenn man, anstatt die stumpfe Axt zu schleifen, einfach weiterschuftet.

Wir brauchen also vor der Erschöpfung und erst recht, wenn sie da ist, regelmäßig Zeit und Ruhe, um unsere Axt zu inspizieren und wieder in Schuss zu bringen. Wir dürfen uns nicht weitertreiben lassen von eigenem oder fremdem Aktionismus und von Erwartungen. Wir müssen aufhören, Schwierigkeiten zu übergehen und halb schwindelig im Hamsterrad weiter zu rennen und eigene und fremde Erwartungen zu erfüllen, sondern die Probleme vor Gott bringen und seine Lösungen dafür suchen. Vielleicht brauchen wir Hilfe von jemand, der sich aufs Axtschleifen versteht und der mal einen Blick werfen sollte auf die tiefen Scharten in unserem Blatt und woher sie rühren.

Es sind zwei ganz verschiedene Dinge, in Schwierigkeiten in der Kraft Gottes auszuharren oder mit einer stumpfen Axt zu arbeiten zu versuchen. Wenn du in einem Zustand bist, wo du nur noch das Gefühl hast, funktionieren zu müssen, hast du eine stumpfe Axt, und einfach weiter zu hacken ist sinnlos. Mach eine Schleif-Pause, und mach sie früh genug!

Zwei Typen von Christen

arrow-1020047_1920direction-1013995_1920

Kennst du auch diese Leute, denen noch nicht mal Gott helfen zu können scheint? ich weiß jetzt auch warum, und was die einzige Kur ist!  Ich lese gerade den Jakobusbrief, und Jakobus, muss man sagen, ist nicht gerade zimperlich in Diagnose und Therapie! Aber gerade das weist ihn als guten Seelsorger aus. Er beschreibt eigentlich zwei Typen:

Da ist einmal der Weise. Das ist nicht ein Mensch, der alles schon hat und weiß, sondern er hat seine Füße auf den richtigen Weg gesetzt. Er braucht Ermunterung und Ermahnung in schweren Zeiten, aber weil er ein grundsätzliches Vertrauen zu Gott hat, schlägt diese Ermunterung auch an. Er ist immer offen für mehr Weisheit, so wie es in Sprüche 9,8.9 heißt:

Weise den Weisen zurecht, und er wird dich lieben! Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; belehre den Gerechten, so wird er noch mehr lernen!

So bittet er Gott um Weisheit, nimmt Gottes Wort ohne Widerstand auf, lässt den Spiegel der Wahrheit sein Werk tun und greift im praktischen Alltag auf, was ihm gesagt wird. Die Weisen sind barmherzig oder wollen es zumindest lernen, weil sie wissen, wie sehr sie selbst auf Barmherzigkeit angewiesen sind. Sie verstehen, dass sie kein Recht haben zu richten. Sie wollen die Heuchelei ablegen und ehrlich miteinander werden, sie suchen Frieden und verzichten auf ihren Eigennutz. Sie wollen über ihr Leben nicht mehr selbst verfügen, sondern Gott Gott sein lassen.

Dann ist da der Wankelmütige. Das Wort im Urtext bedeutet: doppelherzig, mit zwei Seelen. Er  kann sich nicht entscheiden. Er will ein Christ sein, aber er will nicht die Kontrolle an Gott abgeben. Warum? Er ist ein Zweifler. Er traut Gott nicht so ganz. Gott könnte ihm ja am Ende was wegnehmen. Er kann nicht glauben, dass Gott gut ist, deswegen kann er auch harte Wegstrecken nicht von Gott annehmen. Wenn Gott ihm seine Wünsche nicht erfüllt, dann ist irgendetwas ungerecht.

Jakobus ist ziemlich unverblümt:

Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde, ist er doch ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen. (1,7)

Später sagt er es noch mal:

Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden. (4,2.3)

Auf gut Deutsch: Freund, du kannst es auch bleiben lassen! Gott lässt sich nicht vor deinen Karren spannen!

Der Wankelmütige ist unglücklich, eifersüchtig, ohne Erfolg. Seine Gesinnung trägt die ichsüchtige Prägung der Hölle, obwohl er von Gott auch nicht ganz lassen will. Er identifiziert sich selbst als Christ, aber er will auch ein Freund der Welt sein. Seine innere Gespaltenheit führt zu Krieg in ihm und um ihn. Er will und will und bekommt nicht, macht Pläne um Pläne und rennt mit dem Kopf ständig gegen die Wand.

Jakobus kennt kein falsches Mitleid, obwohl das schon ein Zustand zum Erbarmen ist. Sondern er stellt eine knallharte Diagnose: geistlicher Ehebrecher, Feind Gottes. Hör auf, dir was vorzumachen!

Aber er sagt auch: So muss das nicht bleiben! Gib dem Selbstbetrug den Abschied! Gott hat Gnade für die, die sich demütigen. Wankelmütige können weise werden, wenn sie erkennen, was sie getan haben und es bereuen und Gott die Herrschaft geben:

Unterwerft euch nun Gott! Widersteht aber dem Teufel! Und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen! Fühlt euer Elend und trauert und weint; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit! Demütigt euch vor dem Herrn! Und er wird euch erhöhen.

Ehe das Elend ein Ende haben kann, muss man es zugeben. Die Diagnose muss stimmen. Nicht Gott ist das Problem, nicht die Umwelt, die mir nie gibt, was mir zusteht, sondern das zwiespältige Herz ist die Ursache des Unglücks.  Es muss von diesem Zwiespalt gereinigt werden, Es muss aufhören, mit dem Teufel zu kooperieren! In meiner Jugendzeit gab es so einen Spruch: Sei ganz Sein, oder lass es ganz sein! Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn. Wie Jakobus sollten wir aufhören, Zwischenlösungen zu suchen und diese verzweifelten und unruhigen Seelen falsch zu trösten, sondern die Wahrheit in Liebe sagen – und dabei selbst ständig darauf bedacht sein, unser Herz zu reinigen von aller Heuchelei und Halbheit.