Archiv der Kategorie: Stille Zeit-Notizen

Elisabeth und ihr Sohn stellen mir Fragen

prison-2883749_1280

Am ersten Tag des neuen Jahres habe ich mich mit zwei sehr interessanten Personen beschäftigt: mit Elisabeth, der Frau von Zacharias, und ihrem Sohn Johannes.

Die junge Maria – nach heutigem Sprachgebrauch würde man sie vermutlich als Teenager bezeichnen – besucht die ältere Elisabeth. Beide sind schwanger mit besonderen Kindern. Elisabeth ist nach langen Jahren der Unfruchtbarkeit schwanger mit einem Kind, das “groß sein wird vor dem Herrn”, ein Prophet, der viele der Israeliten zur Umkehr zu Gott bewegen wird. Ob Elisabeth das zu dem Zeitpunkt schon weiß, ist unbekannt. Ihr Mann Zacharias ist stumm und kann es ihr höchstens schriftlich erzählt haben, und obwohl sie offensichtlich lesen konnte, war doch vermutlich ihre Kommunikation sehr beschränkt. Was er ihr auf jeden Fall mitgeteilt hat, war der Name, der dem Jungen zugedacht war. Elisabeth fühlt sich so gesegnet und überwältigt von Gottes Güte ihr gegenüber, denn sie hat sich ein Leben lang nichts so sehnlich gewünscht wie ein Kind und Gott immer wieder darum gebeten.

Und dann steht Maria in der Tür, die von Gott auf ganz andere Weise überrascht worden ist. Auch sie ist schwanger. Als sie ihre Verwandte begrüßt, hüpft Elisabeths Baby in ihrem Bauch vor Freude. Elisabeth erkennt durch den heiligen Geist, warum das Kind sich so übermäßig freut und ruft aus: Wie komme ich dazu, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt! Denn das Kind, das in Maria heranwächst, ist der Sohn des Höchsten.

Maria hat nicht jahrelang um dieses Kind gefleht. Sie hat sich nicht schon viele Jahre in ihrer Treue zu Gott bewährt. Und doch hat Gott sie ausgesucht, seinen Sohn zu tragen und zu gebären. Ihre Qualifikation ist “Niedrigkeit” (Lukas 1,48), wie sie selbst feststellt. Es ist Gnade, sie konnte es sich nicht verdienen. Elisabeth erkennt neidlos die größere Gnadengabe Gottes an, die diesem jungen Mädchen gewährt wird und freut sich von Herzen für sie und mit ihr.

Genau dieselbe Gesinnung sehen wir später bei ihrem Sohn. Nachdem er begonnen hatte, als junger Mann öffentlich aufzutreten und zu predigen, war ihm durchaus Erfolg gewährt. Die Leute kamen, um ihn zu hören. Selbst der Fürst zitterte vor seinem Wort. Er hatte nicht wenige Anhänger, und aufgrund seiner Vollmacht und Gradheit fingen die Leute an, die Frage zu diskutieren, ob er vielleicht der verheißene Messias sei. Aber er zog sich diesen Schuh nicht an. Ich bin nur der Wegbereiter. Der Stärkere kommt, und ich bin nicht würdig, ihm die Schuhe zu binden. Der nach mir kommt, ist vor mir, denn er war eher als ich.

Als Jesus dann auf der Bildfläche erscheint, bezeugt er: Er ist es, der Messias, der Sohn Gottes, das Lamm Gottes! Und schon beginnen seine eigenen Anhänger abzuwandern. Für ihn ist das okay.  Einige seiner Jünger finden das weniger richtig. Meister, jetzt laufen alle zu dem da!  Sein Kommentar:

Ein Mensch kann sich nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel her gegeben wird. Ihr wisst selbst, dass ich euch ganz offen gesagt habe: `Ich bin nicht der Christus. Ich bin von Gott beauftragt, ihm den Weg zu bereiten – mehr nicht.´Wo die Braut hingeht, da ist der Bräutigam. Und der Freund des Bräutigams, der dasteht und ihm zuhört, freut sich an der Stimme des Bräutigams. Darüber freue auch ich mich – und meine Freude ist nun vollkommen. Er muss immer größer werden und ich immer geringer. (Johannes 3,26ff)

Wenig später wird Johannes von Herodes, dem er die Wahrheit über seinen Lebenswandel gesagt hat, verhaftet. Er verschwindet in einem Gefängnis. Er hat noch Anhänger, die ihn auch im Gefängnis besuchen, aber er schickt sie mit seinen und ihren Fragen zu Jesus. Sein Auftrag ist beendet. Am Ende seines jungen Lebens steht die Enthauptung auf Betreiben der gekränkten Frau des Herodes.

Elisabeth und ihr Sohn stellen Anfragen an mein Herz: Bin ich bereit, die größere Gnade, die Gott anderen gibt, nicht nur zu akzeptieren, sondern mich von Herzen darüber zu freuen? Bin ich bereit zurückzutreten, wenn Gott mich nicht mehr braucht, ja, am Ende, wie Johannes, “weggeräumt” zu werden? Oder klebe ich an meinen Aufgaben um ihrer selbst willen? Geht es mir wirklich immer nur um Jesus, dass er gepriesen und verehrt wird, oder will ich, dass Menschen mich mögen und an mir hängen? Kann ich annehmen, dass Gott mich zwar gebrauchen will, aber auch ohne mich gut zurecht kommt? Letztlich: Ist Jesus immer und unter allen Umständen meine einzige Freude?

Die Geschichten stehen in der Bibel u.a. in Lukas 1 und 3, Johannes 1 und 3 und Matthäus 14.

Neue Kraft

eagles-68259_1920

Die auf den HERRN harren, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler; sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.         Jesaja 40,31

Ist das nicht ein passender Vers zum Beginn des neuen Jahres? Es ist so wichtig, geistlich nicht müde zu werden! Wenn man nicht gegenhält, passiert es im Nullkommanichts, ehe man es richtig gemerkt hat.

Geistliche Müdigkeit ist gefährlich. Man ist versucht, die wichtigsten Dinge über Bord zu werfen, so wie Esau, der sein Erstgeburtsrecht leichtfertig aufgab für einen Teller Linsen. Die Zukunft fällt dem gegenwärtigen Bedürfnis zum Opfer. Man ist versucht aufzuhören, das Gute zu tun, und wenn dann die Ernte eingefahren wird, hat man keinen Ertrag vorzuweisen:

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. (Galater 6,9)

Was macht uns denn müde?

  • Warten macht müde. Wenn wir z.B. den Eindruck haben, Gott erhört unsere Gebete nicht, kann sich Frustration breitmachen (Lukas 18,1)
  • Quälende Fragen, auf die man keine Antwort findet (Psalm 77)
  • Sorgen (Matthäus 6,34)
  • Ständige Bedrängnis und Traurigkeit  (Psalm 6,7)
  • Schlechtes Kräftemanagement  und mangelndes Auftanken  (s. hier)
  • Angriffe und Verfolgung  (Psalm 143)
  • Hilfe an der falschen Stelle suchen und endloses Gelaber ohne echte Lösungen (Jesaja 47,13)
  • Widerspruch  von außen und Kampf gegen die Sünde (Hebräer 12,3-4)
  • Gottes Züchtigung, vor allem, wenn man sie falsch einordnet als Ablehnung statt als Zeichen der Zuneigung (Hebräer 12,5-11)
  • Geistliche Arbeit – Paulus schreibt davon, wie ihn die Sorge um alle Gemeinden belastet (2.Korinther 11,28)

Viele dieser Dinge gehören zum Leben, und man kann ihnen nicht ausweichen. Paulus schreibt aber auch darüber, was ihn aufrecht und am Laufen hält. Er kannte das “Geheimnis der Adlerflügel”. Er wusste: Die Kraft kann nicht aus uns kommen. Wir brauchen Gottes Kraft. Und Gott wird nicht müde!

Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist der HERR, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke. (Jesaja 40, 28,29)

Wir dürfen sozusagen die Reserven Gottes anzapfen.

Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. (2.Korinther 4,16)

Und wie funktioniert das praktisch?

In diesem Sinne:

Ein gesegnetes, kraftvolles Neues Jahr!

Berufung

Berufung

Vor allem junge Menschen wollen ihre Berufung finden, etwas, das ihren Lebenssinn erfüllt. Für uns als Christen ist es dabei ohne Frage, wer uns beruft. Es kann nur Gott sein. Wir wünschen uns, dass er uns in eine Aufgabe stellt, bei der wir Erfüllung finden. Aber wenn wir zu verstehen suchen, welche das ist, sind wir oft ratlos. Wie erkennen wir sie? In der Bibel steht schließlich für alle das Gleiche. Gefühle? Eindrücke? Die Meinung anderer Leute? Sollen wir uns einfach nach unseren Begabungen richten?

Die Bibel spricht relativ selten von einer persönlichen, speziellen Berufung. Wenn Gott jemand da was sagen wollte, konnte er sich der Person zweifelsohne deutlich machen, selbst ohne dass derjenige drum gebeten hatte (und manchmal sogar gegen ihren Willen, s. Jona). Im Allgemeinen genügt völlig, was die heilige Schrift generell über unsere Berufung als Christen sagt. Das enthält jede Menge Gnade und so viel an Herausforderung, dass wir damit vorläufig beschäftigt sind. Und ich bin überzeugt: Wenn wir darin leben, ergibt sich alles andere von selbst.

  • Wir sind zur Freiheit berufen. “Ihr seid ja zur Freiheit berufen, liebe Geschwister! Nur benutzt die Freiheit nicht als Freibrief für eure eigenwillige Natur, sondern dient einander in Liebe.” (Galater 5,13) Gott hat es uns geschenkt, dass wir ihm ohne Gesetzesvorschriften aus Liebe gehorchen und dienen können. Weder Teufel noch Menschen noch Umstände können uns letztlich versklaven – in allem, was wir tun, sind wir von Gott abhängig und Gott direkt verantwortlich. “Denn wer als Sklave in die Gemeinschaft des Herrn gerufen wurde, ist vor dem Herrn ein freier Mensch. Und wer frei war, als Gott ihn rief, ist jetzt ein Sklave von Christus. Gott hat einen hohen Preis für euch bezahlt. Macht euch also nicht zu Sklaven von Menschen!” (1.Korinther 7,22ff)
  • Wir sind zum Frieden berufen. “Wir wünschen euch, dass der Frieden, der von Christus kommt, eure Herzen regiert, denn als Glieder des einen Leibes seid ihr zum Frieden berufen.” (Kolosser 3,15) Das ist eine gemeinschaftliche Berufung für die Gemeinde Gottes. Sie soll die Herrschaft des Friedefürsten unter sich ausleben. Es ist aber auch eine Berufung, in allen Lebensumständen den Frieden zu suchen, und z.B. wo nötig, einen ungläubigen Ehepartner ziehen zu lassen: “Der Bruder oder die Schwester ist in diesem Fall nicht wie ein Sklave an die Ehe gebunden. Gott hat uns doch zu einem Leben in Frieden berufen!”(1.Korinther 7,15)
  • Wir sind berufen zum ewigen Leben. “Kämpfe den guten Kampf, der zu einem Leben im Glauben gehört, und ergreife das ewige Leben, zu dem Gott dich berufen hat.” (1.Timotheus 6,12) Damit ist nicht nur der Himmel gemeint, sondern unser Leben jetzt und hier in “Ewigkeitsqualität”.
  • Wir sind berufen zum Licht. “Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht.” (1.Petrus 2,9) Wer diese Berufung ins Licht hat, kann nicht mehr in der Finsternis leben. “… ihr seid Menschen des Lichts und Kinder des kommenden Tages. Nein, wir gehören nicht zu Finsternis und Nacht!Deshalb wollen wir auch nicht schlafen, wie die anderen, sondern wachen und nüchtern sein. Denn wer schläft, schläft in der Nacht, und wer sich betrinkt, tut es in der Nacht.Wir aber gehören zum Tag und wollen darum nüchtern sein, gerüstet mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf Rettung. Denn Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir seinem Zorngericht verfallen, sondern dass wir durch unseren Herrn Jesus Christus das Heil in Besitz nehmen.” (1. Thessalonicher 5,4-9)
  • Wir sind zum Leiden und Gutes tun berufen. Das ist eigentlich das Kernthema des 1. Petrusbriefes. “Wenn ihr aber Gutes tut und dafür leiden müsst, dann ist das eine Gnade von Gott, denn genau dazu seid ihr berufen worden. Auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Fußspuren folgt.” (1.Petrus 2,21) Nehmen wir diese Berufung an?
  • Wir sind berufen, Segen zu erben, und zwar Segen für uns selbst und zum großzügigen Weitergeben. ”Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Schmähung mit Schmähung, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben.” (1.Petrus 3,9) Wir werden gewarnt, nicht knauserig damit zu sein, weil wir uns sonst ins eigene Fleisch schneiden.
  • Wir sind zur Gemeinschaft mit Christus berufen. “Gott ist treu. Er hat euch berufen zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.” (1.Korinther 1,9) Das Wort, das hier für Gemeinschaft steht, bedeutet mehr als nur Zusammensein, Es geht um Partizipation und Partnerschaft. Was ihm gehört, gehört uns, er macht uns an allem, was er hat, zu Teilhabern!
  • Wir sind zur Heiligkeit berufen. “Wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Lebenswandel.” 1.Petrus 1,15)
  • Wir sind zu ewiger Herrlichkeit berufen. Das ist das Endziel! “Der Gott, von dem alle Gnade kommt, hat euch berufen, mit Christus zusammen für immer in seiner Herrlichkeit zu leben.” (1.Petrus 5,10)  Paulus sagt: “Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist, und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.” (Philipper 3,10-11)

ist uns das genug Berufung? Ganz sicher, wenn wir sie ernst nehmen und im Alltag umsetzen wollen!

Geduld ohne Seufzen

cereals-635824_1280

So wartet nun geduldig, ihr Brüder, bis zur Wiederkunft des Herrn! Siehe, der Landmann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und geduldet sich ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfangen hat. So wartet auch ihr geduldig; stärkt eure Herzen, denn die Wiederkunft des Herrn ist nahe! Seufzt nicht gegeneinander, Brüder, damit ihr nicht verurteilt werdet; siehe, der Richter steht vor der Tür! Meine Brüder, nehmt auch die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben, zum Vorbild des Leidens und der Geduld. Siehe, wir preisen die glückselig, welche standhaft ausharren! Von Hiobs standhaftem Ausharren habt ihr gehört, und ihr habt das Ende gesehen, das der Herr [für ihn] bereitet hat; denn der Herr ist voll Mitleid und Erbarmen. Jakobus 5, 7-11

 Seufzt nicht gegeneinander .., Das ist ein Vers, der mich heute morgen beschäftigt hat. Ich komme unter Gericht, wenn ich mal seufze über einen Bruder? O weh! – Oder was ist hier gemeint?

Im Zusammenhang geht es um Geduld. In der Widrigkeit und den Prüfungen des gegenwärtigen Lebens sollen wir Geduld haben. Wir warten auf den Herrn, und er wird auch kommen, aber dazwischen sind alle diese Dinge nötig, die wir erfahren – so wie bei Hiob. Das Wichtigste ist, nicht an Gottes Charakter zu zweifeln: Er ist voller Mitgefühl und Erbarmen und wird deshalb auch alles zu einem guten Ende führen.

Aber nun, mittendrin, werden wir aufgefordert, nicht gegen unsere Brüder zu seufzen. In den englischen Übersetzungen fand ich das Wort grudge, das für grollen steht. Es geht also nicht nur ums Seufzen an sich, sondern um ein Seufzen gegen jemand – ich wünsche ihm für das, was mich zum Seufzen bringt, nichts Gutes, zumindest, dass Gott ihm mal den Marsch bläst.

Was sagt das über mich? Dass ich keinen Schimmer habe, welche Geduld Gott mit mir hat! Fehler haben nur die anderen.

Ich finde es interessant, dass er uns zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten empfiehlt. Die Propheten mussten dem Volk Gottes, ihren Brüdern, ständig das Gericht Gottes ankündigen. Jakobus selbst sagt den Brüdern im vorigen Kapitel weniger nette Dinge. Nicht seufzen heißt also nicht: Drüberwischen und die Harmonie erhalten und so tun, als sei alles okay, auch wenn Sünde im Spiel ist. Sondern es heißt: Wünschen, dass sie es annehmen und zurechtkommen. Die Propheten liebten ihr Volk trotz ihrer harten Botschaft leidenschaftlich. Sie sahen sich immer als Teil davon. Auch die persönlichen Angriffe, die sie durchmachten, brachten sie nicht dazu, es weniger zu lieben. Sie ließen sich von ihren erlittenen Verletzungen nicht bestimmen. Es geht ihnen wie uns: Das ist unser Volk. Es gibt keine andere Option. Die Brüder sind die Familie unseres Gottes, auch wenn sie sich mal nicht so benehmen, wie wir uns das wünschen. Deswegen müssen wir unser Herz ständig vom Groll reinigen – nicht aus Harmoniebedürfnis, sondern aus Liebe, und weil Gott mit uns allen Geduld hat,

Wir ermahnen euch, Brüder: Weist die zurecht, die ein unordentliches Leben führen, ermutigt die Ängstlichen, nehmt euch der Schwachen an, seid geduldig mit allen! Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht euch immer, einander und allen Gutes zu tun. 1.Thessalonicher 5,14.15

Da gibt´s noch viel zu lernen.

Zwei Typen von Christen

arrow-1020047_1920direction-1013995_1920

Kennst du auch diese Leute, denen noch nicht mal Gott helfen zu können scheint? ich weiß jetzt auch warum, und was die einzige Kur ist!  Ich lese gerade den Jakobusbrief, und Jakobus, muss man sagen, ist nicht gerade zimperlich in Diagnose und Therapie! Aber gerade das weist ihn als guten Seelsorger aus. Er beschreibt eigentlich zwei Typen:

Da ist einmal der Weise. Das ist nicht ein Mensch, der alles schon hat und weiß, sondern er hat seine Füße auf den richtigen Weg gesetzt. Er braucht Ermunterung und Ermahnung in schweren Zeiten, aber weil er ein grundsätzliches Vertrauen zu Gott hat, schlägt diese Ermunterung auch an. Er ist immer offen für mehr Weisheit, so wie es in Sprüche 9,8.9 heißt:

Weise den Weisen zurecht, und er wird dich lieben! Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; belehre den Gerechten, so wird er noch mehr lernen!

So bittet er Gott um Weisheit, nimmt Gottes Wort ohne Widerstand auf, lässt den Spiegel der Wahrheit sein Werk tun und greift im praktischen Alltag auf, was ihm gesagt wird. Die Weisen sind barmherzig oder wollen es zumindest lernen, weil sie wissen, wie sehr sie selbst auf Barmherzigkeit angewiesen sind. Sie verstehen, dass sie kein Recht haben zu richten. Sie wollen die Heuchelei ablegen und ehrlich miteinander werden, sie suchen Frieden und verzichten auf ihren Eigennutz. Sie wollen über ihr Leben nicht mehr selbst verfügen, sondern Gott Gott sein lassen.

Dann ist da der Wankelmütige. Das Wort im Urtext bedeutet: doppelherzig, mit zwei Seelen. Er  kann sich nicht entscheiden. Er will ein Christ sein, aber er will nicht die Kontrolle an Gott abgeben. Warum? Er ist ein Zweifler. Er traut Gott nicht so ganz. Gott könnte ihm ja am Ende was wegnehmen. Er kann nicht glauben, dass Gott gut ist, deswegen kann er auch harte Wegstrecken nicht von Gott annehmen. Wenn Gott ihm seine Wünsche nicht erfüllt, dann ist irgendetwas ungerecht.

Jakobus ist ziemlich unverblümt:

Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde, ist er doch ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen. (1,7)

Später sagt er es noch mal:

Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden. (4,2.3)

Auf gut Deutsch: Freund, du kannst es auch bleiben lassen! Gott lässt sich nicht vor deinen Karren spannen!

Der Wankelmütige ist unglücklich, eifersüchtig, ohne Erfolg. Seine Gesinnung trägt die ichsüchtige Prägung der Hölle, obwohl er von Gott auch nicht ganz lassen will. Er identifiziert sich selbst als Christ, aber er will auch ein Freund der Welt sein. Seine innere Gespaltenheit führt zu Krieg in ihm und um ihn. Er will und will und bekommt nicht, macht Pläne um Pläne und rennt mit dem Kopf ständig gegen die Wand.

Jakobus kennt kein falsches Mitleid, obwohl das schon ein Zustand zum Erbarmen ist. Sondern er stellt eine knallharte Diagnose: geistlicher Ehebrecher, Feind Gottes. Hör auf, dir was vorzumachen!

Aber er sagt auch: So muss das nicht bleiben! Gib dem Selbstbetrug den Abschied! Gott hat Gnade für die, die sich demütigen. Wankelmütige können weise werden, wenn sie erkennen, was sie getan haben und es bereuen und Gott die Herrschaft geben:

Unterwerft euch nun Gott! Widersteht aber dem Teufel! Und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen! Fühlt euer Elend und trauert und weint; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit! Demütigt euch vor dem Herrn! Und er wird euch erhöhen.

Ehe das Elend ein Ende haben kann, muss man es zugeben. Die Diagnose muss stimmen. Nicht Gott ist das Problem, nicht die Umwelt, die mir nie gibt, was mir zusteht, sondern das zwiespältige Herz ist die Ursache des Unglücks.  Es muss von diesem Zwiespalt gereinigt werden, Es muss aufhören, mit dem Teufel zu kooperieren! In meiner Jugendzeit gab es so einen Spruch: Sei ganz Sein, oder lass es ganz sein! Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn. Wie Jakobus sollten wir aufhören, Zwischenlösungen zu suchen und diese verzweifelten und unruhigen Seelen falsch zu trösten, sondern die Wahrheit in Liebe sagen – und dabei selbst ständig darauf bedacht sein, unser Herz zu reinigen von aller Heuchelei und Halbheit.

Wenn wir um Weisheit bitten–um was bitten wir da eigentlich?

 

hands-1201826_1920

Wenn jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht, und sie soll ihm gegeben werden. Jakobus 1,5

Dieser Vers ist deshalb so bekannt, weil wir alle ständig in Situationen kommen, wo wir nicht weiter wissen, und dann bitten wir um “Weisheit” und hoffen, das wir die Dinge so handlen, dass etwas Gutes und Richtiges dabei rauskommt.So wie bei Salomo: Er bittet um Weisheit und zack! fällt ihm bei einem kniffligen Rechtsstreit die passende Lösung ein. Irgendwie hab ich das auch immer so verstanden, und man kann das vielleicht gelegentlich auch so anwenden.

ich unterhalte mich immer so mit dem Herrn, wenn ich die Bibel lese. Nun fiel mir das erste Mal auf, dass dieser Vers ja in einem Zusammenhang steht, und dieser Zusammenhang sind Prüfungen und Versuchung und Bewährung! Und ich sage zu Ihm: Wieso kommst du da ausgerechnet auf Weisheit? In meinen Versuchungen habe ich eher andere Mangelerscheinungen. Selbstdisziplin z.B. ist ein ganz großes Thema bei mir, die Art, wie ich mit meiner Zeit umgehe usw. Da weist mich der Herr darauf hin, dass es im Alten Testament ein ganzes Buch über Weisheit gibt, die Sprüche nämlich. Und sie handeln hauptsächlich von der praktischen Tag-für-Tag-Lebensführung, von Arbeit und Faulheit, vom Vermeiden von bösem Geschwätz und Streit, vom Umgang mit Zeit und Geld, von Warnungen vor Ehebruch usw. usw. Da kapiere ich, dass meine Vorstellung von dem, um was wir bitten sollen, etwas verdreht war. Weisheit ist vor allem eine gehorsame Haltung gegenüber Gottes Wort, die meine ganze Lebensführung weise und gottesfürchtig macht.

Und jetzt kommt etwas sehr Cooles: Wenn ich da Mangel habe und Gott bitte, macht er mir keine Vorwürfe. Er sagt nicht: Wie, um so was musst du bitten? Das hätte ich aber von dir erwartet, dass du nicht nur weißt, sondern auch tust, was richtig ist! Reiß dich einfach mal zusammen! Sondern er gibt. Er gibt denen, die nicht zweifeln, dass er sie weise machen kann, dass er unser Leben wirklich ändern kann. Arm und leer dürfen wir kommen, aber voll Vertrauen.

Was kriegen wir nun als Antwort auf unser Gebet? Erziehung durch Prüfungen, Bewährung unseres Glaubens und Ausharren. Das ist Gottes Art, unserem Mangel abzuhelfen:

Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet,da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt. Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig seid und es euch an nichts mangelt.

Also, mein Mangel an Disziplin gehört auch zum Bereich Weisheit, um die ich einfach bitten darf, und wo Gott mir gibt ohne Vorwurf … manchmal “Instant”, aber oft im Langzeitprojekt seiner väterlichen Erziehung. Das ist eine befreiende Perspektive. Bitte ihn – er wird dir geben, was dir fehlt!

Drei Life Essentials in der Beziehung zu Gott

counting-154152_1280

 

Im Hebräerbrief wird von drei Dingen gesprochen, die für unsere Beziehung zu Gott essentiell sind. Wenn wir meinen, wir können darauf verzichten und trotzdem Gott nahe sein, so leben wir in Selbsttäuschung.

1. Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung! (Hebräer 9,22)

Das Blut, das Jesus Christus für uns vergossen hat, ist die Basis. Ohne dieses Blut kann die Trennung von Gott nicht aufgehoben werden. Dieses Blut wäscht uns von unseren Sünden und gibt uns Gott gegenüber ein reines Gewissen. Es ist das Sühnegeld für unsere Erlösung, der Kaufpreis, der uns aus der Sklaverei der Sünde freikauft.

2. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. (Hebräer 11,6)

Das Vertrauen zu Gott und zu seinem Wort ist die Art und Weise, wie wir diese Vergebung in Anspruch nehmen. Wir haben erkannt, dass er es gut mit uns meint, dass er uns mehr liebt als irgend jemand sonst, und was er sich diese Liebe hat kosten lassen. Das bewirkt, dass wir uns ihm ganz anvertrauen.

3. Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen. (Hebräer 12,14)

Heiligung ist der Beweis für dieses Vertrauen, Sie ist der Beweis, dass wir diese Reinigung auch tatsächlich wollen, dass wir wirklich in der Beziehung zu diesem Gott leben möchten, der sagt: “Seid heilig, denn ich bin heilig!” Heiligung ist keine fromme Leistung, mit der wir es uns verdienen, in den Himmel zu kommen, sondern Gottes Tun an uns, in das wir bewusst und dankbar einwilligen, Ganz unverdient hat er uns in seine Familie aufgenommen. Wir sind wie Straßenkinder, die vom König adoptiert wurden. Wir fühlen uns so begnadigt und sind so glücklich über unsere neue Identität, dass wir nur zu gerne die Tischsitten in seinem Haushalt lernen und uns ihm anpassen wollen.